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Die Chronolithen [The Chronoliths - de]

Электронная книга - «Die Chronolithen [The Chronoliths - de]». Краткое содержание книги:

Aus dem Nichts taucht in Thailand plötzlich ein siebzig Meter hoher Obelisk auf und richtet in weitem Umkreis durch eine Druckwelle und einen extremen Temperatursturz große Verwüstungen an. Doch nicht Außerirdische haben das Artefakt geschickt, sondern es kommt aus der Zukunft. Es besteht aus einem fremdartigen, unzerstörbaren Stoft und trägt eine Inschrift, die den Sieg eines gewissen Kuin verkündet, der sich das Land unterworfen habe… Scott Warden. der als Aussteiger mit seiner Frau und seiner kleinen Tochter ein sorgloses Leben am Strand führt, wird durch das Ereignis aus der Bahn geworfen: Als er heimlich das abgesperrte Gelände betritt, um den Obelisken zu untersuchen, wird er verhaftet und vom Geheimdienst verschleppt. Und als er dann später wieder freikommt, ist seine Familie außer Landes geflohen und in die USA zurückgekehrt. Denn inzwischen ist ein weiteres Kuin-Monument mitten in Bangkok aufgetaucht, mit verheerenden Folgen. Und noch mehr dieser Obelisken erscheinen, zerstören Istanbul und Jerusalem… Wer aber ist dieser Kuin? Ist er ein kommender Welteroberer? Oder ein Messias, der seine Schatten voraus wirft in die Vergangenheit? Doch wie sollte das möglich sein? Und warum ist Scott immer in der Nähe, wenn ein weiterer Chronolith emporsteigt?
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»Ich wusste gar nicht, dass ich einberufen wurde.«

»Versuchen Sie es so zu sehen.«

»Weil ich mit Sue Chopra in Cornell war? Weil ich zufällig am Strand von Chumphon war?«

»Eher, weil wir alle durch ein Seil verbunden sind, das wir kaum wahrnehmen.«

»Das… klingt sehr poetisch.«

Morris schwieg eine Zeit lang. Die Sonne brach durch Wolkenlücken, Lichtpfeiler wanderten über die judäischen Berge.

»Scotty, ich bin ein vernünftiger Mensch. Jedenfalls halte ich mich dafür. Sonntags gehe ich immer noch zur Kirche. Wer fürs FBI arbeitet, ist deshalb noch kein Monster. Wissen Sie, was das moderne FBI ist? Das moderne FBI hat nichts mehr mit Polizei und Räubern und Trenchcoats und dem ganzen Mist zu tun. Ich habe zwanzig Jahre Schreibtischarbeit in Quantico hinter mir. Ich habe mein Soll auf dem Schießplatz und auf der Matte absolviert, aber im Einsatz habe ich noch nie einen Schuss abgegeben. Wir sind gar nicht so verschieden, Sie und ich.«

»Was wissen Sie schon von mir.«

»Okay, Sie haben Recht. Ich mutmaße; aber gehn wir mal davon aus, dass wir beide ganz normale Menschen sind. Ich für meinen Teil glaube an nichts Übernatürliches, es sei denn, es steht in der Bibel, und daran glaube ich auch nur jeden siebten Tag. Man hält mich für nüchtern und vernünftig; ja geradezu für langweilig. Finden Sie, dass ich langweilig bin?«

Letzteres fand meine Zustimmung.

»Aber ich habe Träume, Scotty«, sagte er. »Dieses Chumphon-Ding habe ich zum ersten Mal im Fernsehen in Washington D.C. gesehen. Das Komische ist, ich kannte es. Weil ich es schon mal gesehen hatte. Und zwar im Traum. Nichts Konkretes, keine Hellseherei, nichts Greifbares. Aber in dem Moment, als ich es sah, da wusste ich, dass ich mich für den Rest meines Lebens damit herumschlagen würde.«

Er starrte stur geradeaus. »Es wäre gut, wenn sich die Wolken bis morgen Abend verzogen hätten«, sagte er. »Gut für die Beobachter.«

»Morris«, sagte ich, »stimmt das, was Sie da reden?«

»Ich würde Sie nicht verarschen.«

»Warum nicht?«

»Warum nicht? Na ja, vielleicht weil ich Sie auch schon kannte, Scotty. Aus meinen Träumen, meine ich. Gleich, als ich Sie sah. Sie und Sue.«

Neun

Wenn ich zurückblättere, scheint es mir, als habe ich zu viel über mich gesagt und nicht genug über Sue Chopra. Doch ich kann meine persönliche Geschichte nur so erzählen, wie ich sie erlebt habe. Sue war, wie ich fand, so sehr mit ihrer Arbeit beschäftigt, dass sie blind war für die Kräfte, die sie abhängig und zu einem Mündel des Staates gemacht hatten. Dass sie sich an die Leine legen ließ, ärgerte mich, wahrscheinlich, weil ich an der meinen zerrte und dieselben Leckerchen bekam. Ich hatte Zugang zu den besten und neuesten Prozessorplattformen, den geilsten Codebrütern, wurde aber zugleich auf Schritt und Tritt überwacht und bezahlt, um einer noch unausgegorenen Wissenschaft namens Tau-Turbulenz DNS und Urinproben zu spenden.

Ich hatte mir vorgenommen, so lange durchzuhalten, bis ich den Löwenanteil von Kaitlins Operation finanziert hatte. Dann hatte ich den Rücken frei. Sollten die Chronolithen ihren Marsch fortsetzen, wollte ich zu Hause und in der Nähe von Kaitlin sein, während die Krise sich zuspitzte.

Was Kait betraf… in meiner Situation konnte ich ihr auf alle Fälle eine seelische Stütze sein, eine Zuflucht, falls es mit Whit nicht klappte, ein Vater auf der Reservebank. Ich hatte ein Gefühl, vielleicht genauso stark und so eigentümlich wie die Träume von Morris, dass sie mich früher oder später brauchen würde.

Wir waren in Jerusalem, weil sich der Chronolith mit leisen Schauern lokaler Radioaktivität angekündigt hatte, vergleichbar mit dem drohenden Grollen eines Vulkans. Ob es auch die Vorhut einer Tau-Turbulenz gab, was immer das sein mochte? Ein Anflug von Seltsamkeit, eine fraktale Kaskade von Zufälligkeit? Wenn ja, konnte man es wahrnehmen? Fiel es einem auf?

Als ich Donnerstag früh aufwachte, blieben uns weniger als fünfzehn Stunden bis zum geschätzten Zeitpunkt des Ereignisses. Inzwischen war die gesamte Etage abgeriegelt, niemand durfte hinein oder hinaus, mit Ausnahme der Techniker, die zwischen den Monitoren im Haus und dem Antennenwald auf dem Dach pendelten. Offenbar hatte es Drohungen von irgendwelchen radikalen Kadern gegeben. Die Hotelküche lieferte nach einem strengen Zeitplan.

Die Stadt lag still und ruhig unter einem stumpfen türkisfarbenen Himmel.

Am Nachmittag traf der israelische Verteidigungsminister ein. Zwei akkreditierte Kameraleute, drei junge Militärberater und ein paar Kabinettsminister folgten ihm zur obersten Etage. Die Presseleute trugen Steadicams auf der Schulter. Der Verteidigungsminister, ein glatzköpfiger Mann in Khakiuniform, lauschte Sues Beschreibung der Aufklärungsapparaturen und folgte pflichtgetreu Ray Moselys stolpernden Ausführungen über »Minkowski-Eis« — eine unglückliche Metapher, wie ich fand.

Minkowski, ein Physiker des zwanzigsten Jahrhunderts, hatte behauptet, man könne das Universum als vierdimensionalen Kubus auffassen. Jedes Ereignis ließe sich als Punkt im vierdimensionalen Raum beschreiben. Die Gesamtheit dieser Punkte sei das Universum, seine Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft.

Nun solle man, sagte Ray, sich diesen Minkowski-Kubus als einen Block aus flüssigem Wasser vorstellen, das (so falsch einem das auch vorkomme) im Begriff sei, von unten nach oben zu gefrieren. Das Voranschreiten des Gefrierens veranschauliche unsere menschliche Erfahrung vom Vergehen der Zeit. Das Gefrorene sei die Vergangenheit, unbeeinflussbar, unveränderlich. Das Flüssige sei die Zukunft, unbestimmt, ungewiss. Wir, so Ray, würden im kistallisierenden Grenzbereich leben. Um in die Vergangenheit zu reisen, müsse man das gesamte Universum ungeschehen machen (oder, wie ich hinzufüge, zum Schmelzen bringen). Offensichtlich absurd: Welche Macht der Welt könnte die Planeten zurückdrehen, tote Sonnen wiedererwecken und Kinder in ihre Mütter zurückschicken? Das habe Kuin auch nicht getan, wiewohl das, was er tue, phantastisch genug sei. Ein Chronolith, sagte Ray, sei wie eine heiße Nadel, die ins Minkowski-Eis gestoßen würde. Die Auswirkungen seien katastrophal, aber örtlich begrenzt. In Chumphon, in Thailand, in Asien, womöglich noch auf dem ganzen Planeten seien die Auswirkungen befremdend und paradox; doch der Mond sei nicht betroffen; die Kometen folgten nach wie vor ihren Bahnen; die Sterne blinzelten so unbekümmert wie immer. Rings um die abkühlende Nadel kehre das Minkowski-Eis wieder in den kristallinen Zustand zurück und die Zeit fließe wie zuvor, geringfügig irritiert vielleicht, mehr aber auch nicht.

Der Verteidigungsminister akzeptierte die Ausführungen mit der unverhohlenen Skepsis eines moslimischen Geistlichen, der den Vatikan besucht. Er stellte ein paar Fragen. Er bewunderte die frische druckwellensichere Verglasung der Hotelfenster und äußerte sich anerkennend über die Hingabe der Männer und Frauen an den Apparaturen. Er war zuversichtlich, dass wir in den kommenden Stunden dazulernen würden, falls, was Gott verhüten möge, die vorhergesagte Tragödie tatsächlich eintrete. Dann wurde er treppauf eskortiert, um einen Blick auf den exotischen Antennenwald zu werfen, die Kameraleute in seinem Schlepptau tranken hastig den letzten Kaffee aus ihren Pappbechern.

Das alles würde man freilich noch für den Endverbraucher aufbereiten, eine Demonstration der obrigkeitlichen Ruhe angesichts der drohenden Krise.

Unsichtbar und unvermeidlich schmolz die Nadel ins Minkowski-Eis. Unsere extremen Breitband-Datenströme ließen die Hotelleitungen heißlaufen; trotzdem bekam ich an jenem Tag einen Anruf: von Janice, sie teilte mir mit, mein Vater sei im Schlaf gestorben.

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