Die Schiffe der Erde [The Ships of Earth - de]
- Автор: Кард Орсон Скотт
- Серия: Die Heimkehr #3
- Год: 1995
- Язык: немецкий
- Год: Bastei Lübbe
- ISBN: 3-404-24195-9
- Переводчик: Uwe Anton
- Жанр: Научная фантастика
Электронная книга - «Die Schiffe der Erde [The Ships of Earth - de]». Краткое содержание книги:
Aber er hatte einen wirklich üblen Geschmack im Mund, und er wollte gegen etwas treten, er wollte etwas zerbrechen, er wollte jemanden verletzen.
Und da waren die Paviane, direkt unter ihm, dumme, hundeähnliche Tiere, die sich für Menschen hielten. Ein Weibchen reckte den roten Hintern in die Höhe, und die Männchen prügelten aufeinander ein und versuchten, mal schnell zum Stoßen zu kommen. Arme, blöde Männchen. So verbringen wir unser Leben.
Könnte genausogut hier in die Schlucht hinabsteigen und durch das Tal zum Lager gehen. Und vielleicht krieg ich unterwegs dann freie Schußbahn auf irgendein Männchen, das ihr gerade das Loch stopft. Es würde doch glücklich sterben, oder? Und Nafai wäre nicht der einzige, der sich rühmen Könnte, ein Tier erlegt zu haben.
Nachdem Mebbekew sich ein Knie aufgeschürft hatte und mehrmals ausgerutscht war, begriff er auf etwa halbem Weg den schroffen Hang hinab, daß er die Paviane um so schlechter sehen konnte, je tiefer er kam. Schon jetzt nahmen ihm Steine und Büsche die Sicht auf einige, darunter auch diejenigen, die sich prügelten, das Weibchen zu besteigen. Doch ein kleineres Tier war genau in seinem Blickfeld, und es war auch beträchtlich näher als die anderen. Es bot ein wesentlich leichteres Ziel.
Meb rief sich in Erinnerung zurück, was Elemak ihnen zuvor beigebracht hatte, und legte den Ellbogen auf einen Findling, als er zielte. Trotzdem zitterten seine Hände auch weiterhin, und je mehr er sich bemühte, sie ruhig zu halten, desto stärker schien der Pulsator auf und ab zu hüpfen. Und als er mit dem Finger auf den Feuerknopf drückte, versetzte auch diese schwache Bewegung der Waffe einen Stoß, und aus einem Busch, der über sechs Meter von dem Pavian entfernt war, auf den er gezielt hatte, schoß ein kleiner Rauchstrahl hervor. Der Pavian mußte etwas gehört haben, denn er fuhr herum, betrachtete den brennenden Busch kurz und wich dann verängstigt zurück.
Aber nicht lange. Einen Augenblick später näherte er sich wieder und beobachtete die Flamme, als könne er ihr ein Geheimnis entnehmen. Der Busch war trocken, aber nicht abgestorben, und so brannte er nur langsam und unter großer Rauchentwicklung. Meb zielte erneut, diesmal ein wenig nach rechts, um die Bewegung zu kompensieren, die der Knopfdruck verursachen würde. Er stellte auch fest, daß seine Hände diesmal etwas ruhiger waren, und erinnerte sich nun an Elemaks Worte, wie wichtig es sei, sich zu entspannen. Also … nun verfuhr Mebbekew genau, wie Elemak es erklärt hatte, und dieser Pavian würde bald nur noch Geschichte sein.
Gerade, als er die Waffe auslösen wollte, ließ ein scharfes Knacken nur einen Meter von seinem Kopf entfernt ihn zusammenzucken. Sein Schuß ging weit daneben, als er sich zu der Stelle umdrehte, von der das Geräusch gekommen war. Eine kleine Pflanze, die in einem Felsspalt ein paar Meter über seinem Kopf wuchs, war völlig verbrannt, und Rauch erhob sich von der Stelle. Da Meb gerade gesehen hatte, was mit dem Busch ein paar Meter neben dem Pavian passiert war, begriff er sofort, was geschehen sein mußte. Jemand hatte mit einem Pulsator auf ihn geschossen. Banditen waren erschienen — das Lager war in Gefahr, und er würde sterben, ganz allein, weil den Banditen keine andere Wahl blieb, als ihn zu töten, damit er keinen Alarm schlug. Aber ich werde keinen Alarm schlagen, dachte er. Laßt mich einfach leben, und ich verstecke mich hier und bin ganz still, bis alles vorbei ist, aber bringt mich nicht um …
»Was soll das? Wieso schießt du auf Paviane?«
Mit einem Scheppern kleiner Steine glitt Nafai das letzte Stück des Hangs hinab und kam auf dem Stein zum Stehen, auf dem auch Meb gelandet war. Meb sah mit einigem Vergnügen, daß auch Nafai hinabgerutscht war, genau wie er. Doch dann wurde ihm klar, daß Nafai dies irgendwie gelungen war, ohne die Kontrolle zu verlieren, und daß er auf den Füßen und nicht auf dem Hintern auf dem Stein aufgekommen war.
Erst jetzt begriff Meb, daß Nafai auf ihn geschossen und ihn nur um ein paar Meter verfehlt hatte. »Wolltest du mich umbringen?« rief er. »Du bist kein so guter Schütze, daß du auf Menschen zielen solltest!«
»Wir töten die Paviane nicht«, sagte Nafai. »Sie sind wie Menschen — was ist dir nur in den Sinn gekommen?«
»Ach ja? Und seit wann sitzen Menschen da und graben nach Maden und wollen jede Frau besteigen, die einen roten Hintern hat?«
»Das beschreibt ziemlich gut das Leben, das du führst, Meb«, sagte Nafai. »Glaubst du etwa, wir würden Pavianfleisch essen?«
»Das war mir scheißegal«, sagte Meb. »Ich war nicht auf das Fleisch aus, ich wollte das Vieh töten. Du bist nämlich nicht der einzige, der schießen kann.«
Als Meb diese Worte sprach, kam ihm in den Sinn, daß er und Nafai jetzt allein waren und niemand zusah. Und Meb hatte einen Pulsator. Es könnte ein Unfall sein. Ich wollte doch gar nicht abdrücken. Ich habe nur Schießübungen gemacht, und Nafai ist aus dem Nichts aufgetaucht. Ich habe ihn nicht gehört, ich habe mich auf das Schießen konzentriert. Bitte, bitte, verzeih mir, Vater, es ist so schrecklich! Mein eigener Bruder! Ich habe den Tod verdient. Oh, ich verzeihe dir, mein Sohn. Laß mich einfach um meinen jüngsten Sohn trauern, dem man bei einem schrecklichen Jagdunfall die Eier abgeschossen hat, woraufhin er dann verblutet ist. Warum vögelst du nicht ein wenig deine Frau, während ich hier weine?
Das wäre doch mal was! Vater wünscht Mebbekew tatsächlich einmal etwas, was er wirklich will!
»Man verschwendet kein Pulsatorfeuer auf sinnlose Schüsse«, sagte Nafai. »Das hat Elemak gesägt — sie halten nicht ewig. Und wir essen keine Paviane. Auch das hat Elemak gesagt.«
»Elemak kann meinetwegen in eine Flöte furzen und behaupten, es wäre eine Melodie. Das heißt noch lange nicht, daß ich mich daran halten werde.« Ich halte den Pulsator in der Hand. Ich habe ihn schon halbwegs auf Nafai gerichtet. Ich kann ihnen zeigen, wie ich erschrocken herumfuhr, und irgendwie ging der Pulsator los und schoß Nafai die Brust weg. Aus dieser Nähe zerfetzt der Schuß ihn vielleicht vollständig und verspritzt kleine Nafai-Stücke in alle Richtungen. Ich komme sowieso schon mit Blut auf meiner Kleidung nach Hause.
Dann spürte er, daß ein Pulsator gegen seinen Kopf gedrückt wurde. »Gib mir deine Waffe«, sagte Elemak.
»Warum?« fragte Meb. »Ich hätte es nicht getan.«
»Du hast schon auf den Pavian geschossen«, sagte Nafai unerwartet. »Wenn du ein besserer Schütze wärest, wäre er schon erledigt.« Also hatte Nafai natürlich wieder einmal völlig falsch verstanden, was Meb mit seinem Satz gemeint hatte. Aber Elemak hatte es verstanden.
»Ich sagte, gib mir deinen Pulsator, mit dem Griff zuerst.«
Meb seufzte dramatisch und gab Elemak die Waffe. »Machen wir doch eine große Sache daraus, ja. Ich darf nicht mal auf einen Pavian schießen, aber du darfst allen deinen Brüdern einen Pulsator an den Kopf halten, wenn du dazu Lust hast, und dagegen ist nicht mal was einzuwenden.«
Elemak war nicht besonders erfreut, daß Meb ihn an seinen Vorschlag erinnerte, Nafai in der Wüste wegen Meuterei hinzurichten. Aber er drückte den Pulsator weiterhin gegen Mebs Schläfe, als er zu Nafai sagte: »Ich will nie wieder sehen, daß du deinen Pulsator auf einen anderen Menschen richtest.«
»Ich habe nicht auf ihn gezielt. Ich habe auf die Pflanze über seinem Kopf gezielt und sie auch getroffen.«
»Ja, du bist ein hervorragender Schütze. Aber was, wenn du hättest niesen müssen? Oder gestolpert wärest? Dann hättest du vielleicht mit einer kleinen Bewegung deines Fingers deinem Bruder den Kopf abgeschossen. Also ziele nie auf eine andere Person oder in deren Nähe. Hast du mich verstanden?«