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Ein Hauch von Schnee und Asche: Roman (German Edition)

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Ein Hauch von Schnee und Asche: Roman (German Edition)
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Ich hatte keine Ahnung, wer Massachusettensis wohl sein mochte, doch ich erkannte einige Formulierungen in Novanglus’ Brief aus längst vergangenen Hausaufgaben Briannas – John Adams in Hochform.

»Eine Regierung der Gesetze, nicht der Menschen«, murmelte ich. »Was für ein Pseudonym würdest du benutzen, wenn du so etwas schreiben wolltest?« Ich blickte auf und sah, dass seine Miene hochgradig verlegen war.

»Du hast es schon getan?«

»Och, nur hier und da ein Briefchen«, sagte er defensiv. »Keine Abhandlungen.«

»Wer bist du?«

Er zuckte abwehrend mit den Achseln.

»Scotus Americanus, aber nur, bis mir etwas Besseres einfällt. Ich kenne noch ein paar andere, die diesen Namen benutzen.«

»Nun, das ist ja wenigstens etwas. So hat es der König nicht so leicht, dich aus der Masse herauszupicken.« Ich murmelte »Massachusettensis« vor mich hin und ergriff das nächste Dokument.

Eine Note von John Stuart; zutiefst beleidigt über Jamies abrupte Abdankung, stellte er fest, dass der »höchst ungesetzliche und abwegige, sogenannte Kongress von Massachusetts« sich offiziell mit der Einladung an die Stockbridge-Indianer gewandt hatte, in die Dienste der Kolonie zu treten, und teilte Jamie mit, dass für den Fall, dass die Cherokee ihrem Beispiel folgten, er, John Stuart, mit dem größten Vergnügen persönlich dafür sorgen würde, dass er, Jamie Fraser, wegen Hochverrats gehängt wurde.

»Ich glaube nicht, dass Stuart die geringste Ahnung davon hat, dass du rote Haare hast«, merkte ich an und legte den Brief beiseite. Ich fühlte mich ein wenig wackelig, auch wenn ich versuchte, es mit Humor zu nehmen. Das Ganze schwarz auf weiß vor mir ausgebreitet zu sehen, machte die Wolken greifbar, die sich rings um uns zusammengezogen hatten, und ich spürte den ersten Tropfen eisigen Regens auf meiner Haut, obwohl ich ein wollenes Schultertuch umgelegt hatte.

Es gab keinen Kamin im Studierzimmer; wir heizten nur mit einem kleinen Kohlebecken. Auch jetzt brannte es in der Ecke, und Jamie erhob sich, ergriff einen Stapel Briefe und begann, sie einzeln ins Feuer zu halten.

Ich hatte ein plötzliches Déjà-vu-Erlebnis und sah ihn im Haus seines Vetters Jared in Paris am Kamin stehen und Briefe ins Feuer halten. Die gestohlenen Briefe jakobitischer Verschwörer, die als weiße Rauchwölkchen aufstiegen, die aufziehenden Wolken eines längst vergangenen Sturms.

Mir fiel ein, was Fergus als Antwort auf Jamies Instruktionen gesagt hatte: Ich weiß, wie man dieses Spiel spielt. Ich wusste es auch, und in meinem Blut begannen sich Eiskristalle zu bilden.

Jamie ließ den letzten brennenden Papierfetzen ins Feuer fallen, dann löschte er den Brief, den er geschrieben hatte, mit Sand, schüttelte ihn und reichte mir das Blatt. Er hatte einen Bogen von Briannas Spezialpapier benutzt, das sie aus einem fermentierten Brei aus Lumpen und Pflanzenresten mit Seidensieben presste. Es war dicker als üblich, weich und glänzend, und sie hatte Beeren und kleine Blättchen in den Brei gemixt, so dass sich hier und dort ein kleiner roter Fleck wie Blut unter dem Schatten einer Blattsilhouette ausbreitete.

Aus Fraser’s Ridge in der Kolonie North Carolina, am 16. März 1775,

von James Fraser

An Lord John Grey, Mount Josiah Plantage in der Kolonie Virginia

Mein lieber John,

es ist zu spät.

Eine Fortsetzung unserer Korrespondenz kann sich nur als Gefahr für Dich erweisen, doch ich empfinde das größte Bedauern darüber, diese Verbindung zwischen uns zu kappen.

Glaube mir, ich bleibe:

Dein ergebenster und Dir zugeneigter Freund

Jamie

Ich las ihn schweigend und reichte ihn zurück. Während er auf der Suche nach dem Siegelwachs herumstocherte, fiel mir ein kleines, eingepacktes Paket in der Ecke seines Schreibtischs auf, das unter den Papierbergen versteckt gewesen war.

»Was ist das?« Ich hob es auf; es war erstaunlich schwer für seine Größe.

»Ein Geschenk von Seiner Lordschaft für Jemmy.« Er zündete die Bienenwachskerze am Kohlebecken an und hielt sie über die Kante des zusammengefalteten Briefs. »Ein Satz Zinnsoldaten, sagt Bobby.«

Kapitel 77

Der achtzehnte April

Roger wachte urplötzlich auf, ohne zu wissen, was ihn geweckt hatte. Es war stockfinster, doch es herrschte jene Stille, nach innen gekehrte Atmosphäre der frühen Morgenstunden; die Welt, die den Atem anhält, bevor sich die Dämmerung mit dem Wind erhebt.

Er wandte den Kopf auf dem Kissen und sah, dass auch Brianna wach war; sie blickte zur Zimmerdecke, und er sah die kurze Bewegung ihrer Augenlider, als sie blinzelte.

Er bewegte die Hand, um sie zu berühren, und die ihre schloss sich darum. Eine Ermahnung zu schweigen? Er lag lautlos da und lauschte, hörte aber nichts. Ein Stück Holzkohle zerbrach mit einem erstickten Knacken im Kamin, und ihr Griff wurde fester. Jemmy warf sich mit einem leisen Quietschlaut im Bett auf die andere Seite und verstummte wieder. Die Stille der Nacht war ungebrochen.

»Was ist?«, sagte er leise.

Sie drehte sich nicht zu ihm um; ihr Blick war jetzt auf das Fenster gerichtet, ein dunkelgraues Rechteck, das gerade eben zu sehen war.

»Gestern war der achtzehnte April«, sagte sie. »Es ist so weit.« Ihre Stimme war ruhig, doch es lag etwas darin, das ihn dichter an sie heranrücken ließ, so dass sie Seite an Seite lagen und sich von der Schulter bis zum Fuß berührten.

Irgendwo nördlich von ihnen sammelten sich jetzt gerade die Männer in der kalten Frühlingsnacht. Achthundert britische Soldaten, die sich stöhnend und fluchend bei Kerzenschein anzogen. Diejenigen, die im Bett gewesen waren, erhoben sich zum Schlag der Trommel, die an den Häusern, Lagerhäusern und Kirchen vorbeizog, in denen sie einquartiert waren; diejenigen, die nicht im Bett gewesen waren, erhoben sich stolpernd von Würfelspiel und Zechgelage, von den warmen Kaminfeuern der Wirtshäuser, aus den warmen Armen der Frauen, suchten nach verlorenen Schuhen und ergriffen ihre Waffen, um dann zu zweit, zu dritt oder zu viert scheppernd und murmelnd durch den gefrorenen Straßenschlamm zur Musterstelle zu gehen.

»Ich bin in Boston groß geworden«, sagte sie in leisem, scheinbar ungerührtem Ton. »Jedes Kind in Boston hat dieses Gedicht irgendwann gelernt. Ich habe es in der fünften Klasse gelernt.«

»Passt auf meine Kinder und höret her/Vom Mitternachtsritt des Paul Revere?« Roger lächelte, als er sie sich in der Uniform der katholischen St.-Finbar-Schule vorstellte, blauer Pulli, weiße Bluse und Kniestrümpfe. Er hatte einmal ihr Klassenfoto aus dem fünften Schuljahr gesehen; sie sah aus wie ein kleiner, wütender, zerzauster Tiger, den ein Verrückter in Puppenkleidchen gesteckt hatte.

»Genau das. Am achtzehnten Tag im April es war/Man schrieb das fünfundsiebzigste Jahr/Kaum einer noch lebt, der darum weiß, von jenem Tage so schlachtenheiß.«

»Kaum einer noch lebt«, wiederholte Roger leise. Irgendjemand – wer? Ein Hausbesitzer, der die britischen Kommandeure belauschte, die bei ihm einquartiert waren? Eine Kellnerin, die eine Runde von Sergeanten mit heißem Rum versorgte? Geheimhaltung war unmöglich, nicht, wenn sich achthundert Männer auf dem Marsch befanden. Es war alles eine Frage der Zeit. Jemand hatte eine Nachricht aus der besetzten Stadt geschickt, die Nachricht, dass die Briten vorhatten, die in Concord gelagerten Waffen nebst Pulver an sich zu bringen und gleichzeitig Hancock und Samuel Adams zu verhaften – den Gründer des Komitees für die Sicherheit und den flammenden Redner, die Anführer »dieser verräterischen Rebellion«, von der man in Lexington höre.

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