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Ein Hauch von Schnee und Asche: Roman (German Edition)

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Ein Hauch von Schnee und Asche: Roman (German Edition)
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War mit ihr etwas geschehen?, fragte sie sich beklommen. Hatte Jemmys Geburt irgendetwas verletzt?

Jetzt hatte Jamie das neugeborene Baby im Arm. Eine seiner großen Hände umfasste das runde Köpfchen, auf das er mit diesem Ausdruck sanfter Zuneigung hinunterblickte, der so charakteristisch für Männer ist – und sie so liebenswert macht. Sie wünschte sich so sehr, diesen Ausdruck in Rogers Gesicht zu sehen, während er sein eigenes neugeborenes Kind wiegte.

»Mr. Fraser.« Lizzie, die sich endlich satt gegessen hatte, stellte ihren leeren Teller beiseite und beugte sich vor, um ernst zu Jamie aufzublicken. »Mein Vater. Weiß – weiß er Bescheid?«

Das schien Jamie kurz aus der Fassung zu bringen.

»Ah«, sagte er und reichte das Baby vorsichtig wieder an Roger weiter, wohl um die Pause zu nutzen und sich die am wenigsten schmerzhafte Formulierung für die Wahrheit zu überlegen.

»Aye, er weiß, dass das Baby unterwegs war«, sagte er vorsichtig. »Ich habe es ihm gesagt.«

Und er war nicht gekommen. Lizzie presste die Lippen zusammen, und ein trauriger Schatten huschte über ihr leuchtendes Gesicht.

»Sollten wir – sollte ich – einer von uns – nicht besser gehen und es ihm sagen, Sir?«, fragte einer der Zwillinge zögernd. »Dass das Kind da ist, meine ich, und … und dass es Lizzie gutgeht.«

Jamie überlegte. Er hatte sichtlich seine Zweifel, ob das eine gute Idee war oder nicht. Mr. Wemyss, der stets blass war und kränklich aussah, hatte seine Tochter, seine mutmaßlichen Schwiegersöhne oder sein theoretisches Enkelkind seit dem Wirrwarr um Lizzies Mehrfachhochzeit mit keinem Wort mehr erwähnt. Nun, da das Enkelkind jedoch zur Tatsache geworden war …

»Was auch immer er glaubt, das er tun sollte«, sagte Claire mit einem Anflug von Sorge im Gesicht, »er möchte doch sicher wissen, ob es ihnen gutgeht.«

»Oh, aye«, pflichtete Jamie ihr bei. Er warf einen skeptischen Blick auf die Zwillinge. »Ich bin mir nur nicht ganz sicher, ob Jo oder Kezzie diejenigen sein sollten, die es ihm sagen.«

Die Zwillinge wechselten einen langen Blick, mit dem sie zu einem Entschluss zu gelangen schienen.

»O doch, Sir«, sagte einer von ihnen mit fester Stimme an Jamie gewandt. »Es ist unser Baby, aber es ist auch sein Blut. Das bedeutet eine Verbindung zwischen uns; das wird er wissen.«

»Wir möchten nicht, dass er mit Lizzie im Streit liegt, Sir«, sagte sein Bruder ein wenig sanfter. »Es schmerzt sie. Meint Ihr nicht, dass das Baby die Dinge … schlichten könnte?«

Jamies Gesicht verriet nur seine betonte Konzentration auf das vorliegende Problem, doch Brianna sah, wie er Roger einen raschen Blick zuwarf, bevor er sein Augenmerk wieder auf das Bündel in Rogers Arm richtete, und sie verkniff sich ein Lächeln. Er hatte seine erste feindselige Reaktion auf Roger mit Sicherheit nicht vergessen – doch es war die Tatsache gewesen, dass Roger Jem an Sohnes statt für sich beanspruchte, die das erste – und sehr zerbrechliche – Bindeglied in der Kette der Akzeptanz gebildet hatte, die Roger, so glaubte sie, inzwischen genauso fest an Jamies Herz band wie sie selbst.

»Aye, nun denn«, sagte Jamie widerstrebend. Es gefiel ihm überhaupt nicht, in diese Situation verwickelt zu sein, das konnte sie merken – doch es war ihm noch nicht gelungen, einen Weg zu finden, damit umzugehen. »Geht und sagt es ihm. Aber nur einer von Euch! Und sollte er herkommen, wird sich der andere nicht vor ihm blicken lassen, verstanden?«

»Oh, aye, Sir«, versicherten ihm beide wie aus einem Munde. Jo – oder Kezzie – warf einen stirnrunzelnden Blick auf das Bündel und streckte zögernd die Arme aus. »Soll ich vielleicht –?«

»Nein.« Lizzie saß kerzengerade da und stützte sich auf ihre Arme, um ihren empfindlichen Unterleib zu entlasten. Ihre schmale, blasse Stirn war entschlossen in Falten gelegt. »Sag ihm, dass es uns gutgeht, aye. Aber wenn er das Kind sehen möchte – soll er hierherkommen, und er wird willkommen sein. Aber wenn er den Fuß nicht auf meine Schwelle setzen will … nun, dann bekommt er auch seinen Enkelsohn nicht zu sehen. Sag ihm das«, wiederholte sie und ließ sich wieder in ihre Kissen sinken.

»Und jetzt gebt mir mein Kind.« Sie streckte die Arme aus, drückte das schlafende Baby an sich und schloss die Augen, um sich so jedes weitere Gegenargument und jeden weiteren Vorwurf zu verbitten.

Kapitel 78

Reine Männersache

Brianna hob das Wachstuch an, das eine der großen Keramikschüsseln bedeckte, und schnüffelte daran. Es roch herrlich nach frisch gewendeter Erde. Sie rührte mit einem Stock in dem hellen Brei und zog ihn hin und wieder heraus, um die Konsistenz der Pulpe zu prüfen, die daran heruntertropfte.

Nicht schlecht. Noch ein Tag, und alles würde sich genug aufgelöst haben, um es zu pressen. Sie überlegte, ob sie noch mehr verdünnte Schwefelsäure hinzufügen sollte, entschied sich aber dagegen und griff stattdessen in die Schüssel, die neben ihr stand und mit den erschlafften Blütenblättern von Hartriegel- und Judasbaumblüten gefüllt war, die Jemmy und Aidan für sie gesammelt hatten. Sie streute eine Handvoll über die gräuliche Pulpe, rührte sie hinein und bedeckte die Schüssel wieder. Bis morgen würden nur noch die Umrisse übrig sein, die jedoch im fertigen Papier als Schatten auftauchen würden.

»Ich habe immer gehört, dass Papierfabriken stinken.« Roger bahnte sich seinen Weg durch die Büsche auf sie zu. »Vielleicht benutzen sie ja etwas anderes zur Herstellung?«

»Sei froh, dass ich keine Felle gerbe«, riet sie ihm. »Ian sagt, die Indianerinnen benutzen Hundehaufen dazu.«

»Das tun die europäischen Gerber auch, sie nennen es nur ›rein‹.«

»Reines was?«

»Reine Hundehaufen wahrscheinlich«, sagte er achselzuckend. »Wie kommst du denn voran?«

Er trat an ihre Seite und warf einen interessierten Blick auf ihre persönliche Papierfabrik; ein Dutzend große Schüsseln aus gebranntem Lehm, die mit gebrauchten Papierfetzen, Seiden- und Baumwollresten, Flachsfasern, dem weichen Mark von Rohrkolbenstengeln und allem gefüllt waren, was ihr sonst noch an Brauchbarem in die Finger fiel und was sich in Fetzen reißen oder mit einer Handmühle zerkleinern ließ. Sie hatte eine kleine Sickergrube ausgehoben und benutzte eines ihrer zerbrochenen Wasserrohre als Auffangbecken, um eine bequeme Wasserversorgung sicherzustellen; daneben hatte sie eine Plattform aus Steinen und Holz gebaut, auf der die gerahmten Seidensiebe standen, mit denen sie die Pulpe presste.

In der nächsten Schüssel schwamm eine tote Motte, und er streckte die Hand aus, um sie herauszuholen, doch sie winkte ihn beiseite.

»Es ertrinken dauernd Insekten darin, aber solange sie weich sind, macht das nichts. Genug Schwefelsäure –«, sie wies kopfnickend auf das Fläschchen, das sie mit einem Lappen verstopft hatte, »– und sie lösen sich mit in der Pulpe auf: Motten, Schmetterlinge, Ameisen, Schnaken, Florfliegen … die Flügel sind das Einzige, was sich nicht vollständig auflöst. Florfliegen sehen im Papier ganz hübsch aus, nur keine Küchenschaben.« Sie fischte eine solche aus einer Schüssel und schnippte sie ins Gebüsch, dann fügte sie mit einer Kürbiskelle noch etwas Wasser hinzu und rührte.

»Das überrascht mich nicht. Ich bin heute Morgen auf eine Küchenschabe getreten; erst war sie geplättet, dann ist sie wieder aufgeploppt und grinsend davonmarschiert.« Er hielt einen Moment inne; er hätte sie gern etwas gefragt, das konnte sie sehen, und sie ermunterte ihn mit einem fragenden Summen.

»Ich habe mich nur gefragt – würde es dir etwas ausmachen, Jem nach dem Abendessen zu deinen Eltern zu bringen? Könntet ihr beide vielleicht da übernachten?«

Sie betrachtete ihn erstaunt.

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