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Der Borowski-Betrug

Электронная книга - «Der Borowski-Betrug». Краткое содержание книги:

Er wurde aus der See gezogen — mehr Leichnam als Mann. An seinen Namen kann er sich nicht erinnern. Er ist ein Mensch ohne Vergangenheit und ohne Zukunft — gejagt von mächtigen Feinden; geliebt von einer schönen Frau, die nicht glauben kann, daß er wirklich das ist, was sich langsam herauskristallisiert: Ein Berufsmörder!
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Borowski schaltete die Scheinwerfer ein und schob mit einer Hand den Hebel des Richtungsanzeigers zurück. Mit der anderen packte er ihren Arm, genau an der Stelle, wo er sie schon einmal höchst unsanft berührt hatte.

«Ich bringe Sie um, Doktor!«sagte er leise und rief dann durch das Fenster dem Polizeibeamten zu:»Entschuldigen Sie, wir sind ein wenig durcheinander. Touristen!«

Der Polizeibeamte war höchstens einen halben Meter von Marie St. Jacques entfernt. Seine Augen musterten sie, ihre stumme Reaktion schien ihn zu verwirren.

Die Ampel wechselte auf Grün.»Fahren Sie langsam weiter. Keine Dummheiten«, sagte Jason. Er winkte dem Polizeibeamten durch das Fenster zu.»Tut mir leid!«schrie er. Der Polizist zuckte die Achseln und wandte sich einem Kollegen zu, um das unterbrochene Gespräch fortzusetzen.

«Ich war durcheinander«, sagte die Frau, und ihre weiche Stimme zitterte.»Hier ist so viel Verkehr… O Gott, Sie haben mir den Arm gebrochen!.. Sie Bastard!«

Borowski ließ sie los. Ihr Ärger beunruhigte ihn; ihre Angst war ihm lieber gewesen.»Sie erwarten doch nicht etwa, daß ich das glaube, oder?«

«Das mit meinem Arm?«

«Daß Sie durcheinander waren.«

«Sie sagten, wir würden bald nach links abbiegen; das war alles, woran ich dachte.«

«Passen Sie das nächste Mal auf den Verkehr auf. «Er rutschte von ihr weg, wandte aber den Blick nicht von ihrem

Gesicht.

«Sie sind ein Tier«, flüsterte sie und schloß dabei für einen Moment die Augen. Als sie sie wieder öffnete, waren sie voller Angst.

Sie erreichten die Löwenstraße, eine Hauptverkehrsstraße, die sehr gut ausgeleuchtet war. Ein Geschäftshaus reihte sich an das andere. Fast nicht vorstellbar, daß hier auch noch Menschen wohnen sollten. Jason verfolgte die Hausnummern und versuchte, Bilder aus seiner Vergangenheit zurückzuholen. Er mußte ja schon einmal hier gewesen sein. Der Dicke in den >Drei Alpenhäusern< hatte es deutlich zu erkennen gegeben. Doch so sehr er sich auch das Gehirn zermarterte, keine Einzelheit kam zurück. Wie sah Chernak aus? In welcher Beziehung hatten sie beide zueinander gestanden?

Da tauchte vor seinem geistigen Auge eine andere Häuserzeile auf. Verschmutzte, verkommen wirkende Gebäude. Gebrochene Treppenstufen, verrostete Geländer, zerschlissene Vorhänge hinter ungeputzten Fenstern.»Brauerstraße«, sagte er zu sich selbst und konzentrierte sich sofort auf das Bild, das seine Erinnerung ihm zeigte. Er konnte eine Tür sehen, deren Farbe ein verblaßtes Rot war, so dunkel wie das rote Seidenkleid, das die Frau neben ihm trug.»Eine Pension in der Brauerstraße.«

«Was?«Marie St. Jacques war erschrocken. Seine Worte hatten sie beunruhigt; sie hatte sie offenbar auf sich bezogen und hatte Angst.

«Nichts. «Er löste seinen Blick von ihrem Kleid und sah zum Fenster hinaus.»Da ist Nummer siebenunddreißig«, sagte er und wies auf ein ganz in der Nähe stehendes Haus.»Halten Sie an.«

Er stieg als erster aus und befahl ihr, über den Sitz zu rutschen und ihm auf seiner Seite zu folgen. Er erprobte seine Beine und nahm ihr die Schlüssel weg.

«Sie können wieder laufen«, sagte sie.»Dann können Sie auch Auto fahren.«

«Ja, wahrscheinlich.«

«Dann lassen Sie mich endlich gehen! Ich habe alles getan, was Sie wollten.«

«Und noch einiges mehr«, fügte er hinzu.

«Ich werde nichts sagen, begreifen Sie das denn nicht? Sie sind der letzte Mensch auf der Welt, den ich je Wiedersehen möchte… oder mit dem ich noch einmal irgend etwas zu tun haben möchte. Ich renne bestimmt nicht zur Polizei. Ich habe Todesängste… Das ist Ihr Schutz, verstehen Sie denn nicht? Bitte; lassen Sie mich frei.«

«Das kann ich nicht.«

«Sie glauben mir nicht.«

«Das hat nichts zu sagen. Ich brauche Sie.«

«Warum noch?«

«Aus einem banalen Grund: Ich habe keinen Führerschein. Ohne Führerschein kann man keinen Wagen mieten. Ich brauche aber unbedingt ein anderes Fahrzeug.«

«Sie haben doch dieses Auto.«

«Das kann ich vielleicht noch eine Stunde benutzen. Der Besitzer wird aus dem >Carillon du Lac< kommen und ihn haben wollen. Die Beschreibung wird an alle Streifenwagen weitergeleitet werden.«

Sie sah ihn an, ihre Augen weiteten sich vor Todesangst.»Ich will nicht mit Ihnen dort hinaufgehen. Ich habe gehört, was dieser Mann im Restaurant gesagt hat. Wenn ich noch mehr erfahre, werden sie mich töten.«

«Was Sie gehört haben, sagt mir genausowenig wie Ihnen. Vielleicht noch weniger. Kommen Sie. «Er nahm ihren Arm und ging auf den Hauseingang zu.

Sie starrte ihn an. In ihrem Blick mischten sich Furcht und Bestürzung.

Unter einem der Briefkastenschlitze stand der Name M. Chernak, darunter war ein Klingelknopf. Doch statt ihn zu drücken, betätigte er die vier Knöpfe daneben. Ein Stimmengewirr hallte ihm aus dem kleinen Lautsprecher entgegen, mehrere fragten ihn auf Schweizerdeutsch, wer da wäre. Aber jemand sagte nichts, sondern löste nur den Summer aus, der das Schloß frei gab. Jason öffnete die Tür und schob Marie St. Jacques vor sich hinein. Er preßte sie gegen die Wand und wartete. Von unten konnte man hören, wie oben Türen geöffnet wurden, Schritte, die auf die Treppe zugingen.

«Wer ist da?«

«Johann?«

«Wo bist du denn?«

Schweigen. Dann verärgerte Stimmen, Schritte, Türen, die sich schlossen.

M. Chernak wohnte im ersten Stock, Wohnung 2 C. Borowski nahm den Arm der Frau, hinkte mit ihr zur Treppe und fing an hinaufzusteigen. Sie hatte natürlich recht. Es wäre viel besser, wenn er alleine wäre, aber er konnte nichts daran ändern; er brauchte sie.

In den Wochen, die er in Port Noir verbracht hatte, hatte er Straßenkarten studiert. Luzern war höchstens eine Stunde entfernt, Bern nicht mehr als eineinhalb. Er konnte in eine der beiden Städte fahren und sie unterwegs in irgendeinem verlassenen Ort absetzen und dann verschwinden. Es war einfach eine Frage der Zeit; er hatte genügend Geld, um sich hundert Verbindungen zu kaufen. Er brauchte nur jemanden, der ihn aus Zürich herausbrachte, und das war sie.

Aber ehe er Zürich verließ, mußte er mehr wissen; er mußte mit einem Mann sprechen, der…

M. Chernak. Der Name stand rechts von der Türklingel. Er trat neben die Tür und zog die Frau zu sich.

«Sprechen Sie Deutsch?«fragte Jason.

«Nein.«

«Lügen Sie nicht.«

«Ich lüge nicht.«

Borowski überlegte und sah sich in dem Gang um. Dann befahl er:

«Klingeln Sie. Wenn die Tür aufgemacht wird und jemand von drinnen fragt, was Sie wollen, sagen Sie, Sie hätten eine dringende Nachricht — von einem Freund im >Drei Alpenhäuser<.«

«Wenn er — oder sie — sagt, ich soll sie unter der Tür durchschieben?«

Jason sah sie an.»Sehr gut.«

«Ich will einfach keine Gewalttätigkeit mehr. Ich will nichts wissen oder sehen. Ich will einfach…«

«Ich weiß«, unterbrach er.»Damit wären wir wieder bei Cäsars Steuern und den Punischen Kriegen. Sollte er — oder sie — etwas dergleichen sagen, dann erklären Sie mit ein paar Worten, daß es sich um eine mündliche Nachricht handelt und nur dem Mann übermittelt werden darf, den man Ihnen beschrieben hat.«

«Und falls er die Beschreibung hören will?«fragte Marie St. Jacques eisig. Ihr analytisches Denkvermögen hatte einen Augenblick lang die Furcht in den Hintergrund gedrängt.

«Sie haben einen klaren Verstand, Doktor«, sagte er.

«Ich habe Angst; das wissen Sie. Was soll ich tun?«

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