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Der Borowski-Betrug

Электронная книга - «Der Borowski-Betrug». Краткое содержание книги:

Er wurde aus der See gezogen — mehr Leichnam als Mann. An seinen Namen kann er sich nicht erinnern. Er ist ein Mensch ohne Vergangenheit und ohne Zukunft — gejagt von mächtigen Feinden; geliebt von einer schönen Frau, die nicht glauben kann, daß er wirklich das ist, was sich langsam herauskristallisiert: Ein Berufsmörder!
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Die Frau runzelte die Stirn und hob die rechte Hand ans Kinn, ihre Finger zitterten. Ihre Lippen formten eine Frage, aber es kamen keine Worte. Jason antwortete ihr trotzdem.

«Zu Ihrem eigenen Nutzen«, sagte er.»Es bringt nichts, wenn er Sie identifizieren kann.«

Der fette Mann schob sich um den Nischenrand herum. Borowski blies die Kerze aus, so daß ziemliche Dunkelheit herrschte. Der Mann starrte ihn an und sagte dann mit leiser, bebender Stimme:

«Du lieber Gott! Warum sind Sie hierher gekommen? Was habe ich verbrochen, daß Sie mir das antun?«

«Das Essen hier schmeckt mir, wie Sie wissen.«

«Haben Sie denn gar kein Gefühl? Ich habe eine Familie, eine Frau und Kinder. Ich habe nur getan, was man von mir verlangt hat.

Ich habe Ihnen den Umschlag gegeben; ich habe nicht hineingesehen. Ich weiß nichts.«

«Aber man hat Sie bezahlt, nicht wahr?«fragte Jason instinktiv.

«Ja, aber ich habe nichts gesagt. Wir sind uns nie begegnet, ich habe Sie nie beschrieben; mit niemandem habe ich gesprochen.«

«Warum haben Sie dann Angst? Ich bin nur ein ganz gewöhnlicher Gast, der sich sein Abendessen bestellen will.«

«Ich bitte Sie, gehen Sie.«

«Jetzt bin ich verärgert. Sie sollten mir besser sagen, warum.«

Der dickleibige Mann fuhr mit der Hand übers Gesicht und wischte sich den Schweiß aus den Mundwinkeln. Er drehte den Kopf halb herum, blickte zum Ausgang und wandte sich dann wieder Borowski zu.»Vielleicht haben andere geredet, vielleicht wissen andere, wer Sie sind. Ich habe schon genügend Ärger mit der Polizei gehabt. Die kommen bestimmt direkt zu mir.«

Da verlor die Frau die Kontrolle über sich; sie sah Jason an und die Worte entkamen ihr:»Die Polizei… Das war Polizei!«

Borowski funkelte sie an und wandte sich wieder dem nervösen dicken Mann zu.»Wollen Sie sagen, daß die Polizei

Ihrer Frau und Ihren Kindern etwas zuleide tun würde?«

«Nicht sie selbst, wie Sie wohl wissen. Aber ihr Interesse würde andere zu mir führen, zu meiner Familie. Wie viele gibt es denn, die Sie suchen, mein Herr? Und was müssen Sie tun? Sie brauchen keine Antwort von mir; die machen vor nichts halt. Der Tod einer Frau oder eines Kindes ist für die belanglos. Bitte, ich schwöre es bei meinem Leben, ich habe nichts gesagt. Gehen Sie!«

«Sie übertreiben. «Jason führte sein Glas an die Lippen, er wollte, daß der Dicke verschwand.

«In Christi Namen, tun Sie das nicht!«Der Mann beugte sich vor und klammerte sich an den Tischrand.»Sie wollen einen Beweis meines Schweigens? Den will ich Ihnen liefern. In der Unterwelt hat sich herumgesprochen, daß jeder, der irgend etwas weiß, eine Nummer anrufen soll, die die Züricher Polizei eingerichtet hat. Jeder Hinweis soll streng vertraulich behandelt werden, darauf kann man sich verlassen. Die Belohnung ist großzügig. Die Polizeibehörden in einigen Ländern und Interpol stehen dahinter. «Der Komplize richtete sich auf, wischte sich wieder den Mund.»Ein Mann wie ich könnte Nutzen aus einer besseren Beziehung zur Polizei ziehen. Und doch habe ich nichts unternommen.«

«Hat sonst jemand gepfiffen? Sagen Sie die Wahrheit; ich merke es, wenn Sie lügen.«

«Ich kenne nur Chernak. Er ist der einzige, mit dem ich je gesprochen habe, der zugibt, daß er Sie einmal gesehen hat, aber das wissen Sie ja. Der Umschlag ist über ihn zu mir gelangt. Er würde nie etwas verraten.«

«Wo ist Chernak jetzt?«

«Wo er immer ist. In seiner Wohnung in der Löwenstraße.«

«Ich bin nie dort gewesen. Welche Hausnummer?«

«Sie sind nie…?«Der Dicke hielt inne, die Lippen zusammengepreßt, die Augen starr auf ihn gerichtet.»Prüfen Sie mich?«

«Beantworten Sie meine Frage.«

«Nummer siebenunddreißig. Das wissen Sie genausogut wie ich.«

«Dann prüfe ich Sie eben. Wer hat Chernak den Umschlag

gegeben?«

Der Mann stand reglos da.»Keine Ahnung. Ich würde so etwas nie fragen.«

«Sie waren nicht einmal neugierig?«

«Natürlich nicht. Eine Ziege betritt niemals freiwillig die Höhle des Wolfes.«

«Ziegen haben einen sicheren Gang, einen scharfen Geruchssinn.«

«Und Zicklein sind vorsichtig, mein Herr. Weil der Wolf schneller ist und viel aggressiver. Es würde nur eine einzige Jagd geben — und die wäre für die Ziege die letzte.«

«Was war in dem Umschlag?«

«Ich sagte Ihnen doch, daß ich ihn nicht geöffnet habe.«

«Aber Sie wissen, was in ihm war.«

«Geld, vermute ich.«

«Sie vermuten?«

«Also gut. Geld, viel Geld. Wenn es da einen Fehlbetrag gab, hat das nichts mit mir zu tun. Und jetzt — ich flehe Sie an — gehen Sie!«

«Eine letzte Frage. Wofür war das Geld?«

Der fettleibige Mann starrte auf Borowski hinunter, sein Atem ging jetzt hörbar, Schweiß glänzte auf seinem Kinn.»Sie quälen mich, mein Herr, aber ich werde mich nicht von Ihnen abwenden. Nennen Sie es den Mut einer unbedeutenden Ziege, die überlebt hat. Ich lese jeden Tag die Zeitungen. In drei verschiedenen Sprachen. Vor sechs Monaten ist ein Mann getötet worden. Über seinen Tod hat jede dieser Zeitungen auf der Titelseite berichtet.«

Kapitel 7

Sie fuhren um den Block herum, kamen auf die Falkenstraße und fuhren über die Theater-Straße auf den Limmat-Quai. Die Löwenstraße lag auf der anderen Flußseite. Ein Paar, das gerade im Begriff gewesen war, das >Drei Alpenhäuser< zu betreten, hatte ihnen erklärt, sie sollten am besten über die Bahnhof-Brücke fahren und vom Bahnhof-Platz in die Löwenstraße einbiegen.

Marie St. Jacques war stumm und hatte das Lenkrad umklammert, wie sie ihre Handtasche während des Wahnsinns im >Carillon< festgehalten hatte, als wäre sie ihre Verbindung zu allem, was normal und vernünftig war. Borowski blickte zu ihr hinüber und begriff.

ein Mann ist getötet worden, und jede dieser Zeitungen hat seinen Tod auf der Titelseite gemeldet.

Jason Borowski war bezahlt worden, um zu töten, und die Polizei hatte Geldsummen ausgesetzt, um Informanten aus der Unterwelt zur Mitarbeit zu bewegen und ihn auf diese Weise leichter dingfest machen zu können. Und wiederum das bedeutete, daß andere Männer getötet worden waren…

Wie viele gibt es denn, die nach Ihnen Ausschau halten, mein Herr?… Die schrecken vor nichts zurück. Der Tod einer Frau oder eines Kindes ist für die belanglos.

Die zwei Türme des Großmünsters stachen in den nächtlichen Himmel; die Scheinwerfer, die sie beleuchteten, erzeugten gespenstische Schatten. Jason starrte den alten Bau an; ebenso wie so vieles andere erkannte er ihn wieder. Er hatte ihn schon früher gesehen, und doch sah er ihn jetzt das erste Mal.

Ich kenne nur Chernak… Der Umschlag ist über ihn zu mir gekommen… Löwenstraße. Nummer 37. Das wissen Sie ebensogut wie ich.

Sie fuhren über die Brücke, die Frau versuchte, sich auf den richtigen Weg zu konzentrieren. Es herrschte noch lebhafter Verkehr. Die roten und grünen Ampelsignale verwirrten Borowski. Er versuchte, sich auf nichts und auf alles zu konzentrieren. Immer deutlicher zeichneten sich die Umrisse der Wahrheit ab. Was er nach und nach erfuhr, verblüffte ihn jedesmal mehr.

«Halt! D ie Dame da! Sie fahren ohne Licht, und Sie haben links geblinkt. Das ist eine Einbahnstraße.«

Jason blickte auf, sein Magen verkrampfte sich. Ein Streifenwagen stand neben ihnen, und ein Polizist rief durch das heruntergelassene Fenster. Alles war plötzlich klar… erschreckend klar. Die Frau hatte das Polizeiauto im Rückspiegel gesehen und daraufhin die Scheinwerfer ausgeschaltet und den Richtungsweiser nach links betätigt, und das an einer Kreuzung, an der Richtungspfeile deutlich anzeigten, daß nur Geradeausfahren und Rechtsabbiegen zulässig waren. Ganz klar: Die Frau wollte auf sich aufmerksam machen und womöglich mit dem Streifenwagen einen Zusammenstoß inszenieren.

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