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Der Borowski-Betrug

Электронная книга - «Der Borowski-Betrug». Краткое содержание книги:

Er wurde aus der See gezogen — mehr Leichnam als Mann. An seinen Namen kann er sich nicht erinnern. Er ist ein Mensch ohne Vergangenheit und ohne Zukunft — gejagt von mächtigen Feinden; geliebt von einer schönen Frau, die nicht glauben kann, daß er wirklich das ist, was sich langsam herauskristallisiert: Ein Berufsmörder!
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«Dann sagen Sie ihm, zum Teufel mit denen, soll doch jemand anders die Nachricht überbringen, und gehen weg.«

Sie trat an die Tür und klingelte. Von drinnen war ein seltsames Geräusch zu hören. Ein Kratzen, das immer lauter wurde. Plötzlich verstummte es, und man konnte eine tiefe Stimme durch das Holz hören.

«Ja?«

«Ich spreche leider nicht Deutsch.«

«Reden Sie englisch weiter. Was ist? Wer sind Sie?«

«Ich habe eine dringende Nachricht von einem Freund im >Drei Alpenhäuser<.«

«Schieben Sie sie unter der Tür durch.«

«Das geht nicht. Sie ist nicht aufgeschrieben. Ich muß sie persönlich dem Mann übermitteln, den man mir beschrieben hat.«

«Nun, das sollte nicht schwierig sein«, sagte die Stimme. Das Schloß klickte, und die Tür wurde geöffnet.

Borowski löste sich von der Wand und trat vor den Eingang.

«Sie sind wahnsinnig!«schrie ein Mann mit zwei Stummeln statt Beinen, der in einem Rollstuhl saß.»Hinaus! Verschwinden Sie hier!«

«Ich bin es müde, das zu hören«, sagte Jason, zog die Frau hinein und schloß die Tür hinter sich.

Es bedurfte keines besonderen Nachdrucks, um Marie St. Jacques davon zu überzeugen, daß es besser war, sich in einem kleinen, noch abgedunkelten Schlafzimmer aufzuhalten, während sie redeten. Der beinlose Chernak war der Panik nahe, sein verwüstetes Gesicht war kalkweiß, und das ungekämmte graue Haar klebte ihm an Hals und Stirn.

«Was wollen Sie von mir?«fragte er.»Sie haben geschworen, daß die letzte Transaktion die allerletzte sein würde. Ich kann nicht mehr tun, ich kann das Risiko nicht eingehen. Boten sind hier gewesen. Gleichgültig, wie vorsichtig die auch waren, wie weit von den Quellen entfernt— sie kennen meine Anschrift. Wenn jemand eine Adresse in der falschen Umgebung hinterläßt, bin ich ein toter Mann!«

«Für die Risiken sind Sie gut bezahlt worden«, sagte Borowski, der vor dem Rollstuhl stand und sich fragte, ob es ein Wort oder einen Satz gab, der bei Chernak einen Redefluß auslösen würde. Dann erinnerte er sich an den Umschlag. Wenn da eine Diskrepanz war, hatte das nichts mit mir zu tun. Ein übergewichtiger Mann im >Drei Alpenhäuser<.

«Nicht wenn ich die Größe des Risikos bedenke. «Chernak schüttelte den Kopf; seine Brust hob und senkte sich; die Beinstummel, die über den Stuhlrand hingen, rutschten hin und her, die Bewegung wirkte seltsam obszön.»Ehe Sie in mein Leben traten, mein Herr, war ich zufrieden, denn ich war unbedeutend — ein ehemaliger Soldat, der sich nach Zürich durchgeschlagen hat — ein wertloser Krüppel, sah man von gewissen Fakten ab, die er sich angeeignet hatte und den ehemalige Kameraden kärglich dafür bezahlten, damit diese Fakten niemand erfuhr. Es war ein anständiges Leben, nicht üppig, aber ich hatte mein Auskommen. Dann fanden Sie mich… «

«Ich bin gerührt«, unterbrach ihn Jason.»Was ist mit dem Umschlag, den Sie unserem gemeinsamen Freund im >Drei Alpenhäuser< überreicht haben. Wer hat ihn Ihnen gegeben?«

«Ein Bote. Wer sonst?«

«Woher kam der Brief?«

«Woher soll ich das wissen? Er wurde mir in einer Schachtel zugesandt, wie die anderen. Ich habe die Schachtel ausgepackt und den Inhalt weitergeschickt. Sie wünschten es so. Sie sagten, Sie könnten nicht mehr hierher kommen.«

«Aber Sie haben das Couvert geöffnet.«

«Niemals!«

«Angenommen, ich würde sagen, daß Geld gefehlt hat.«

«Dann ist es nicht bezahlt worden; es war nicht in dem Umschlag. «Die Stimme des beinlosen Mannes wurde lauter.»Aber das glaube ich Ihnen nicht. Wenn das so gewesen wäre, hätten Sie den Auftrag nicht angenommen. Aber Sie haben den Auftrag akzeptiert. Warum sind Sie also hier?«

Weil ich es wissen muß. Weil ich sonst den Verstand verliere. Ich sehe und höre Dinge, die ich nicht begreife. Ich bin ein erfahrener, ausgebildeter… geistiger Krüppel! Helfen Sie mir!

Borowski entfernte sich von dem Rollstuhl; er ging, ohne ein besonderes Ziel zu haben, auf einen Bücherschrank zu, auf dem ein paar Fotos standen. Sie erklärten die Vergangenheit des Mannes, der hinter ihm saß. Auf ihnen waren deutsche Soldaten zu sehen, einige mit Schäferhunden, vor Baracken und Zäunen… und vor einem hohen Gittertor. Kein Zweifel. Die Fotos stammten aus einem der großen deutschen Vernichtungslager.

Auschwitz… Dachau…? Und auf zwei Aufnahmen war deutlich Chernak zu erkennen.

Der Mann hinter ihm bewegte sich. Jason drehte sich herum; der beinlose Chernak hatte die Hand in dem Segeltuchbeutel, der an seinem Stuhl hing; seine Augen brannten, sein verwüstetes Gesicht war verzerrt. Die Hand schnellte hervor und hielt einen kurzläufigen Revolver, und ehe Borowski die eigene Waffe ziehen konnte, feuerte Chernak. Die Schüsse kamen schnell hintereinander. Ein stechender Schmerz durchzuckte seine linke Schulter, dann seinen Kopf. Er warf sich zu Boden, rollte über den Teppich und stieß eine schwere Stehlampe um, so daß sie auf den Krüppel fiel. Dann machte er einen Satz nach vorne und schmetterte die rechte Schulter gegen Chernaks Rücken. Der beinlose Mann wurde aus dem Stuhl geschleudert. Im selben Moment griff Jason in die Tasche, um den Revolver herauszuholen.

«Die werden für Ihre Leiche zahlen!«schrie der Krüppel, während er sich auf dem Boden wand und versuchte, seine Waffe auf Borowski zu richten.»Sie bringen mich nicht in den Sarg! Sie nicht! Carlos wird bezahlen! Bei Gott, er wird bezahlen!«

Jason sprang nach links und feuerte. Chernaks Kopf zuckte nach hinten, Blut schoß aus seinem Hals. Er war tot!

Da drang ein langgezogener Schrei aus dem Schlafzimmer. Der schrille Ton verriet Angst und Ekel. Der Schrei der Frau— seine Geisel! Er konnte nicht klar sehen. Seine Schläfen pochten.

Er weigerte sich, den Schmerz wahrzunehmen und eilte hinaus in den kleinen Korridor. Die Tür zum Badezimmer stand offen. Als er den Spiegelschrank sah, rannte er hinein und riß die Spiegeltür mit solcher Gewalt auf, daß sie aus den Scharnieren sprang, auf den Boden krachte und zersplitterte. In den Regalen lagen Mullbinden und Heftpflaster. Er raffte alles zusammen. Da fielen Schüsse; Schüsse bedeuteten Alarm. Er mußte hier weg, seine Geisel nehmen und verschwinden! Das Schlafzimmer — wo war es?

Er folgte dem Schrei, erreichte die Tür und trat sie auf. Die Frau — wie, zum Teufel, hieß sie? — drückte sich gegen die Wand, Tränen strömten ihr über das Gesicht. Ihr Mund stand offen. Er rannte hinein, packte sie am Handgelenk und zerrte sie heraus.

«Mein Gott, Sie haben ihn getötet!«schrie sie.»Einen alten Mann ohne…«

«Mund halten!«Er zog sie zur Korridortür, öffnete diese und schob die Frau in den Treppenflur hinaus. Er konnte verschwommene Gestalten am Geländer stehen sehen. Sie begannen zu rennen, er hörte, wie Türen zugeknallt wurden, wie Leute schrien. Er nahm den Arm der Frau mit der linken Hand; der Schmerz schoß ihm in die Schulter. Er stieß sie zur Treppe und zwang sie, mit ihm hinunterzugehen. Dabei stützte er sich auf sie, und die ganze Zeit hielt er mit der rechten Hand die Waffe.

Sie erreichten den Hauseingang. Dort ließ er sie kurz los, spähte auf die Straße hinaus, lauschte nach Polizeisirenen.»Kommen Sie!«sagte er und drängte sie auf die Straße. Als er in die Tasche griff, um die Autoschlüssel hervorzuholen, zuckte er zusammen.»Steigen Sie ein!«

Im Wagen rollte er die Mullbinde aus und drückte sie sich gegen den Kopf, um die Blutung zu stillen. Es handelte sich nur um einen Streifschuß; die Tatsache, daß sein Kopf getroffen war, hatte ihn in Panik versetzt, aber die Kugel war nicht in den Schädel eingedrungen. Die Agonie von Port Noir würde ihn nicht wieder befallen.

«Verdammt, lassen Sie den Wagen an! Weg hier!«

«Wohin?«Die Frau schrie nicht, sie war ganz ruhig, erstaunlich ruhig. Sie sah ihn an… Sah sie ihn wirklich an?

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