Die Jahre des Schwarzen Todes [Doomsday Book - de]
- Автор: Уиллис Конни
- Год: 1993
- Язык: немецкий
- Год: Wilhelm Heyne
- ISBN: 3-453-06589-1
- Переводчик: Walter Brumm
- Жанр: Научная фантастика
Электронная книга - «Die Jahre des Schwarzen Todes [Doomsday Book - de]». Краткое содержание книги:
Es sollte das größte Abenteuer ihres Lebens werden: Die junge Kivrin wird aus dem Jahr 2054 ins mittelalterliche England geschickt. Doch bei der Übertragung kommt es zu Problemen, und so landet die Geschichtsstudentin nicht wie geplant im Jahr 1320, sondern im Jahr 1348 — dem Todesjahr, in dem die Pest England entvölkerte. Und eine Rückkehr in die Zukunft scheint unmöglich zu sein …
Warum hatte er dann nicht versucht, ihr zu helfen? Warum war er still wie ein Baum dagestanden, lange genug, um einen tiefen Fußabdruck zu hinterlassen, und dann wieder fortgegangen? Vielleicht hatte er sie für tot gehalten. Ihr vermeintlicher Leichnam, ohne Beichte und letzte Ölung der Wildnis preisgegeben, mochte ihn geängstigt haben. Bis ins 15. Jahrhundert hatte man geglaubt, daß die Seelen von Toten, die ohne Sterbesakramente beerdigt wurden oder unbestattet blieben, von bösen Geistern in Besitz genommen würden.
Oder vielleicht war er doch gegangen, Hilfe zu holen, in eines dieser Dörfer, deren Glocken sie gehört hatte, vielleicht sogar nach Skendgate, und war schon jetzt auf dem Weg zurück, begleitet von der halben Bevölkerung, alle mit Laternen in den Händen.
In diesem Fall sollte sie bleiben, wo sie war, und auf seine Rückkehr warten. Sie sollte sich sogar wieder hinlegen. Wenn die Dorfbewohner kamen, konnten sie über ihre Herkunft spekulieren und sie dann ins Dorf tragen. Dies würde ihr Gelegenheit geben, die Sprache zu hören und sich auf die Leute einzustellen, wie es von Anfang an geplant gewesen war. Wie aber, wenn er allein zurückkäme oder mit Freunden, die nicht daran dachten, ihr zu helfen?
Sie konnte nicht denken. Die Kopfschmerzen hatten sich von den Schläfen zur Stirn und hinter die Augen ausgebreitet. Und ihr war so kalt! Der Umhang war trotz seines Futters aus Kaninchenfell überhaupt nicht warm. Wie hatten die Menschen die Kleine Eiszeit überlebt, wenn sie im Winter nur Umhänge wie diesen trugen? Wie hatten die Kaninchen überlebt?
Wenigstens konnte sie etwas gegen die Kälte tun, nämlich Holz sammeln und ein Feuer in Gang bringen, und wenn der Fußabdruck-Mann mit üblen Absichten zurückkäme, könne sie ihn mit einem Feuerbrand abwehren. Und wenn er gegangen war, Hilfe zu holen, und in der Dunkelheit den Weg zurück nicht finden konnte, würde der Feuerschein ihn zu ihr führen.
Auf der Suche nach totem Holz machte sie einen zweiten Rundgang um die kleine Lichtung. Dunworthy hatte darauf bestanden, daß sie lerne, ohne Feuerstein und Zunder Feuer zu machen. »Gilchrist erwartet von Ihnen, daß Sie im Winter im Mittelalter herumlaufen, ohne zu wissen, wie man Feuer macht?« hatte er entrüstet gefragt, und sie hatte Gilchrist verteidigt und erläutert, daß von ihr nicht erwartet wurde, so viel Zeit im Freien zu verbringen. Das Leben der Frauen hätte sich damals größtenteils in den Häusern abgespielt. Aber sie hätten daran denken sollen, wie kalt es im Winter werden konnte.
Die aufgesammelten Zweige machten ihre Hände noch kälter, und jedesmal, wenn sie sich bückte, einen aufzuheben, verstärkte sich der pochende Kopfschmerz, bis sie dazu überging, sich nicht mehr zu bücken, sondern niederzukauern, um die Zweige aufzusammeln. Das half ein wenig, aber nicht viel. Vielleicht fühlte sie sich so elend, weil sie so fror. Vielleicht rührten Kopfschmerzen und Atemlosigkeit daher, daß ihr so kalt war. Sie mußte Feuer machen.
Das Holz fühlte sich eiskalt und feucht an. Auch das Laub war zu feucht, zumindest an der Oberfläche, um als Zunder zu dienen. Sie brauchte trockenes Anbrennholz und Laub und einen scharfen Stecken, um Feuer zu machen. Sie legte das gesammelte Holz in einem kleinen Bündel an die Wurzeln eines Baumes, ohne sich zu bücken, dann ging sie zurück zum Fuhrwerk.
Die zerbrochenen Teile des Fuhrwerks lieferten mehrere Stücke Holz, die zum Anbrennen geeignet waren. Sie zog sich zwei Splitter in die Hand, bevor es ihr gelang, das zähe Holz von den Planken zu reißen, aber wenigstens fühlte es sich trocken an, obwohl es auch kalt war. Über dem Rad war ein langes, spitz abgesplittertes Stück Holz, das sich als Feuerbohrer eignete, wenn es ihr gelang, die scharfen Kanten ein wenig abzuschleifen. Sie brach es mit einiger Anstrengung los, aber dann fiel sie beinahe vornüber, keuchend vor Schwindelgefühl und plötzlicher Übelkeit.
»Leg dich lieber hin«, sagte sie sich.
Mit einer Hand auf das Wagenrad gestützt, ließ sie sich vorsichtig nieder, bis sie saß. »Dr. Ahrens«, sagte sie ein wenig atemlos, »Sie sollten etwas gegen die Nebenwirkungen der Zeitverzögerung herausbringen. Sie sind furchtbar.«
Wenn sie sich nur ein wenig niederlegen könnte, würde das Schwindelgefühl vielleicht nachlassen und sie könnte das Feuer anmachen. Das aber war nicht möglich, ohne sich zu bücken, und der bloße Gedanke daran ließ die Übelkeit wieder aufkommen.
Sie zog die Kapuze über den Kopf und schloß die Augen, und sogar das schmerzte, weil es ihre Aufmerksamkeit nach innen lenkte. Da stimmte etwas nicht. Diese Symptome konnten keine Reaktion auf die Zeitverzögerung sein. Mit ein paar geringfügigen Symptomen, die innerhalb einer oder zwei Stunden nach ihrer Ankunft abklingen würden, sich aber nicht verschlimmerten, war gerechnet worden. Leichte Kopfschmerzen, etwas Müdigkeit, hatte Dr. Ahrens gesagt. Sie hatte nichts von Übelkeit, Schwindelgefühl und Schüttelfrost gesagt.
Die Kälte war schrecklich. Sie zog die Röcke und den Umhang wie eine Decke um sich, aber die Bewegungen schienen nur noch mehr kalte Luft einzulassen. Ihre Zähne schnatterten, wie sie es schon oben auf dem Hügel getan hatten, und ihre Schultern zitterten mit.
Ich werde hier noch erfrieren, dachte sie. Aber es läßt sich nicht ändern. Ich kann nicht aufstehen und Feuer machen. Ich kann nicht. Mir ist zu kalt. Zu dumm, daß Sie sich über die Zeitgenossen des 14. Jahrhunderts irrten, Mr. Dunworthy, dachte sie, und der bloße Gedanke verursachte ihr Schwindelgefühl.
Sie hätte nicht geglaubt, daß sie imstande sein würde, auf dem kalten Boden zusammengekauert einzuschlafen. Sie hatte keine sich ausbreitende Wärme bemerkt, und hätte sie es getan, wäre sie in Panik geraten, daß es die schleichende Gefühllosigkeit der Hypothermie sei, und hätte versucht, dagegen anzukämpfen. Aber sie mußte geschlafen haben, denn als sie die Augen wieder öffnete, war es tiefe Nacht, und frostige Sterne flimmerten im Netz der Äste über ihr, und sie lag am Boden und blickte zu ihnen auf.
Sie war im Schlaf umgesunken und lag mit dem Kopf am Wagenrad. Noch immer zitterte sie vor Kälte, aber ihre Zähne klapperten nicht mehr. Die Kopfschmerzen meldeten sich mit pulsierender, lähmender Heftigkeit, und ihr ganzer Körper schmerzte, besonders der Brustkorb, wo sie beim Holzsammeln die Zweige an sich gedrückt hatte.
Ich bin krank, dachte sie, und diesmal war der Gedanke von wirklicher Panik begleitet. Vielleicht hatte sie eine allergische Reaktion auf Zeitreisen? Gab es so etwas? Dunworthy hatte niemals von allergischen Reaktionen gesprochen, und er hatte sie vor ungefähr allem gewarnt: Vergewaltigung und Cholera und Typhus und Seuchen aller Art.
Sie fühlte im Umhang nach der Stelle unter dem Arm, wo sie die Schwellung von der antiviralen Schutzimpfung hatte. Sie war noch da, aber die Druckempfindlichkeit war vergangenen, und sie juckte nicht mehr. Vielleicht war das ein schlechtes Zeichen, dachte sie. Der Umstand, daß es nicht mehr juckte, mochte bedeuten, daß die Wirkung aufgehört hatte.
Sie versuchte den Kopf zu heben. Augenblicklich war das Schwindelgefühl wieder da. Sie ließ ihn zurücksinken und hob die Hände langsam und vorsichtig unter dem Umhang, weil jede rasche Bewegung die Übelkeit wieder aufkommen ließ. Sie faltete die Hände und hielt sie vor Gesicht. »Mr. Dunworthy«, sagte sie mit dünner Stimme, »ich glaube, Sie sollten lieber kommen und mich abholen.«
Sie schlief wieder ein, und als sie erwachte, konnte sie die schwachen, mißtönenden Klänge des weihnachtlichen Glockenspiels hören. Oh, gut, dachte sie, sie haben das Netz offen! Und sie bemühte sich, gegen das Rad gelehnt aufzusitzen.
»Ach, Mr. Dunworthy, ich bin so froh, daß Sie zurückgekommen sind«, sagte sie, die Übelkeit niederkämpfend. »Ich fürchtete, Sie würden meine Botschaft nicht bekommen.«
Das Glockenspiel wurde lauter, und sie konnte ein schwankendes Licht sehen. Sie zog sich ein wenig höher. »Sie haben das Feuer in Gang gebracht«, sagte sie. »Sie hatten recht, als Sie sagten, daß es kalt sein würde.« Das Wagenrad war eisig bereift, als sie sich daran hochziehen wollte. Ihre Zähne fingen wieder an zu klappern. »Dr. Ahrens hatte auch recht. Ich hätte warten sollen, bis die Anschwellung zurückging. Ich wußte nicht, daß die Reaktion so schlimm sein würde.«