Der Ruf der Trommel: Roman (German Edition)
- Автор: Гэблдон Диана
- Серия: Die Outlander #4
- Год: 2017
- Язык: немецкий
- Год: Knaur eBook
- Жанр: Другие приключения
Электронная книга - «Der Ruf der Trommel: Roman (German Edition)». Краткое содержание книги:
»Je suis une sorcière«, sagte ich leise. »C’est médecine, là.« Vertrau mir, dachte ich. Hab keine Angst. Ich lächelte ihn an.
Der Junge starrte mich mit runden Augen an; die beiden Frauen am Feuer wechselten Blicke und sahen dann wie eine Person zu der weiter entfernten Feuerstelle hinüber, an der die alte Frau saß.
Beim Ceilidh wurde geredet; jemand erzählte eine alte Geschichte – ich erkannte das Auf und Ab der formellen Rhythmen. Ich hatte schon öfter gehört, wie Highlander auf ähnliche Weise ihre Geschichten und Legenden auf Gälisch erzählten; es hörte sich fast genauso an.
Die Mutter nickte; ihre Schwester schritt schnell der Länge nach durch das Haus. Ich drehte mich nicht um, hörte aber, wie hinter mir das Interesse erwachte, als sie an den anderen Feuerstellen vorbeikam; Köpfe wandten sich und sahen zu uns herüber. Ich hielt meinen Blick auf das Gesicht des Jungen gerichtet, lächelte und hielt seine Hand fest in der meinen.
Die Schritte der Schwester traten leise hinter mich. Die Mutter des Jungen ließ ihn zögernd los und überließ ihn mir. Die Erlaubnis war erteilt.
Es war ein Leichtes, das Gelenk wieder einzurenken; er war ein kleiner Junge, die Verletzung unwesentlich. Seine Knochen waren leicht unter meiner Hand. Ich lächelte ihn an, während ich das Gelenk abtastete und den Schaden einschätzte. Dann schnell den Arm gedreht, mit dem Ellbogen gekreist, den Arm hochgeschwungen – und es war geschehen.
Der Junge sah zutiefst überrascht aus. Es war eine höchst zufriedenstellende Operation, da der Schmerz fast augenblicklich nachließ. Er befühlte seine Schulter und lächelte dann schüchtern zurück. Ganz langsam öffnete er die Hand und hielt mir den Stein hin.
Die kleine Sensation, die ich damit hervorgerufen hatte, nahm meine Aufmerksamkeit eine Zeitlang in Anspruch, während die Frauen näher rückten, den Jungen berührten und inspizierten und ihre Freundinnen herbeizitierten, damit sie einen Blick auf den matten Saphir warfen. Als ich meine Aufmerksamkeit wieder auf das Whiskygelage an der entfernteren Feuerstelle lenken konnte, waren die Festivitäten schon fortgeschritten. Ian sang auf Gälisch, ziemlich schräg und aufs Geratewohl von einem oder zwei der anderen Männer begleitet, die mit dem verrückten, schrillen Haihai! einfielen, das ich dann und wann auch bei Nayawennes Leuten gehört hatte.
Als hätte mein Gedanke sie heraufbeschworen, spürte ich einen Blick in meinem Rücken, und als ich mich umdrehte, sah ich, wie mich Tewaktenyonh beständig von ihrer eigenen Feuerstelle am Ende des Langhauses beobachtete. Ich erwiderte ihren Blick und nickte ihr zu. Sie beugte sich zur Seite, um etwas zu einer der jungen Frauen an der Feuerstelle zu sagen, die sich daraufhin erhob und auf mich zukam, wobei sie vorsichtig ein paar Kleinkindern auswich, die unter dem Schlafverschlag ihrer Familie spielten.
»Meine Großmutter fragt, ob Ihr zu ihr kommt.« Die junge Frau hockte sich neben mich und sprach ruhig auf Englisch. Ich war überrascht, wenn auch nicht erstaunt, es zu hören. Onakara hatte recht gehabt, einige der Mohawk konnten etwas Englisch. Sie benutzten es allerdings nur, wenn es unumgänglich war, und bevorzugten sonst ihre eigene Sprache.
Ich erhob mich und begleitete sie zu Tewaktenyonhs Feuerstelle und fragte mich, was wohl hinter der Einladung der Schönen Frau stecken mochte. Ich hatte meine eigenen Beweggründe; den Gedanken an Roger und an Brianna.
Die alte Frau lud mich mit einem Kopfnicken ein, mich zu setzen, und redete mit dem Mädchen, ohne den Blick von mir abzuwenden.
»Meine Großmutter fragt, ob sie Eure Medizin sehen darf.«
»Natürlich.« Ich konnte den Blick der alten Frau auf meinem Amulett sehen. Neugierig sah sie zu, wie ich den Saphir herausholte. Ich selbst hatte Nayawennes Spechtfeder noch zwei weitere Federn hinzugefügt, die steifen, schwarzen Flügelfedern eines Raben.
»Ihr seid die Frau von Bärentöter?«
»Ja. Die Tuscarora nennen mich Weißer Rabe«, sagte ich, und das Mädchen fuhr erschrocken zusammen. Sie übersetzte es schnell für ihre Großmutter. Die Alte riss die Augen weit auf, und sie sah mich konsterniert an. Offenbar war dies nicht der vielversprechendste Name. Ich lächelte sie an, wobei ich den Mund geschlossen hielt; die Indianer entblößten normalerweise ihre Zähne nur beim Lachen.
Die Alte gab mir den Stein zurück. Sie studierte mich genau und sprach dann mit ihrer Enkeltochter, ohne mich aus den Augen zu lassen.
»Meine Großmutter hat gehört, dass auch Euer Mann einen Glitzerstein bei sich trägt«, dolmetschte das Mädchen. »Sie würde gern mehr darüber hören; was es für einer ist und wie Ihr daran gekommen seid.«
»Sie kann ihn sich gern ansehen.« Die Augen des Mädchens weiteten sich vor Überraschung, als ich in den Beutel an meiner Taille griff und den Stein hervorzog. Ich hielt der alten Frau den Stein hin; sie beugte sich vor und sah ihn sich genau an, machte aber keinerlei Anstalten, ihn mir abzunehmen.
Tewaktenyonhs Arme waren braun und unbehaart und hatten das Aussehen von glattem, von Falten durchzogenem Satinholz. Doch als ich jetzt hinsah, sah ich, wie sie von einer Gänsehaut überzogen wurden, als sich Haare, die es nicht mehr gab, in vergeblicher Abwehr sträubten. Sie hat ihn schon einmal gesehen, dachte ich. Oder sie weiß zumindest, was er bedeutet.
Ich hatte die Worte der Dolmetscherin nicht nötig; ihr Blick traf den meinen direkt, und ich hörte die Frage deutlich, auch wenn die Worte noch so fremd waren.
»Wie ist dies zu Euch gelangt?«, sagte sie, und das Mädchen wiederholte es wörtlich.
Ich ließ die Hand offen liegen; der Opal schmiegte sich eng in meine Handfläche; seine Farben straften sein Gewicht Lügen, denn sie schillerten wie eine Seifenblase in meiner Hand.
»Er ist in einem Traum gekommen«, sagte ich schließlich, denn ich wusste nicht, wie ich es sonst erklären sollte.
Die alte Frau atmete in einem Seufzer aus. Die Furcht verschwand nicht ganz aus ihren Augen, wurde aber von etwas anderem überlagert – Neugier vielleicht? Sie sagte etwas, und eine der Frauen erhob sich von der Feuerstelle und kramte in einem Korb herum. Sie kam zurück, bückte sich neben der Alten und reichte ihr etwas.
Die Alte begann zu singen, leise, mit einer vom Alter gebrochenen Stimme, die dennoch immer noch kraftvoll war. Sie rieb die Hände über dem Feuer aneinander, und ein Schauer kleiner, brauner Partikel regnete auf das Feuer herab, um sogleich als Rauch wieder aufzusteigen, schwer vom Tabakduft.
Es war eine ruhige Nacht; von der Feuerstelle, wo die Männer tranken, konnte ich das Auf und Ab von Stimmen und lautem Gelächter hören. Ab und zu konnte ich ein Wort in Jamies Stimme ausmachen – er sprach Französisch. War Roger vielleicht so nah, dass er es auch hören konnte?
Ich holte tief Luft. Der Rauch stieg in einer dünnen, weißen Säule senkrecht vom Feuer auf, und der starke, süße Tabakduft vermischte sich mit dem Geruch der kalten Luft. Ich erinnerte mich plötzlich an Briannas Highschool-Fußballspiele; an anheimelnde Gerüche nach Wolldecken und Thermoskannen voll Kakao, Zigarettenrauchwölkchen, die aus der Menge hochschwebten. Weiter zurück lagen andere, schroffere Erinnerungen, an junge Männer in Uniform, die im gebrochenen Licht der Landeplätze ihre Glimmstengel ausdrückten und ihrer Schlacht entgegenrannten, und der Rauchgeruch in der Winterluft war das Einzige, was von ihnen übrig blieb.
Tewaktenyonh sprach, den Blick immer noch auf mich gerichtet, und die leise Stimme des Mädchens fiel ein.
»Erzählt mir diesen Traum.«
War es wirklich ein Traum, den ich ihr erzählen würde, oder eine Erinnerung wie diese, herbeigetragen auf den rauchenden Flügeln eines brennenden Baumes? Es spielte keine Rolle; hier waren all meine Erinnerungen Träume.