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Das flammende Kreuz: Roman (German Edition)

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Das flammende Kreuz: Roman (German Edition)
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»Was meinst du damit?«

»Ich habe doch gesagt, dass er die meisten Gefangenen freigelassen hat?« Er trat rastlos zur Seite. »Alle bis auf zwölf. Ein Dutzend Männer hat er nach wie vor in Gewahrsam, gesetzlose Rädelsführer der Regulatoren. Sagt er zumindest.« Die Ironie in seiner Stimme war so deutlich zu erkennen wie der Staub in der Luft. »In einem Monat wird er ihnen den Prozess wegen Rebellion machen.«

»Und wenn man sie für schuldig befindet –«

»Werden sie zumindest die Gelegenheit bekommen zu sprechen, bevor man sie hängt.«

Er war stirnrunzelnd vor dem Porträt stehen geblieben, wenn ich mir auch nicht sicher war, ob er es überhaupt sah.

»Ich werde nicht hierbleiben, um dem Prozess beizuwohnen. Ich habe Tryon gesagt, dass wir aufbrechen müssen, um uns um unsere Felder und Farmen zu kümmern. Deshalb hat er die Milizkompanie aus dem Dienst entlassen.«

Ich spürte, wie mir leichter ums Herz wurde. In den Bergen würde es kühl sein, die Luft grün und frisch. Es war ein guter Ort, um zu heilen.

»Wann werden wir gehen?«

»Morgen.« Das Porträt war ihm aufgefallen; er betrachtete den gaffenden Kopf auf dem Teller mit grimmigem Beifall. »Es gibt nur einen Grund zu bleiben, und ich denke, das hat jetzt nur noch wenig Sinn.«

»Und der wäre?«

»Dougals Sohn«, sagte er und wandte sich von dem Porträt ab. »Seit zehn Tagen suche ich die Kolonie von einem Ende zum anderen nach William Buccleigh MacKenzie ab. Ich habe einige Leute gefunden, die ihn kannten, aber seit Alamance hat ihn niemand mehr gesehen. Manche sagen, er hat die Kolonie ganz verlassen. Viele Regulatoren sind geflohen; Husband ist fort – man sagt, er hat seine Familie nach Maryland gebracht. Aber was William MacKenzie angeht, so ist der Mann verschwunden wie die Schlange im Rattenloch; er, und seine Familie dazu.«

Letzte Nacht habe ich geträumt, wir lägen unter einer großen Eberesche, Roger und ich. Es war ein herrlicher Sommertag, und wie so oft haben wir eins dieser Gespräche über Dinge geführt, die wir vermissen. Nur, dass die Sachen, über die wir geredet haben, zwischen uns im Gras gelegen haben.

Ich habe gesagt, ich würde meine Seele für ein Mars verkaufen, und schon war es da. Ich habe die Verpackung aufgerissen und konnte die Schokolade riechen. Dann habe ich angefangen, den Riegel zu essen, aber es war das Papier, über das wir uns dann unterhalten haben – die Verpackung.

Roger hat sie in die Hand genommen und gesagt, was er am meisten vermisste, sei Toilettenpapier; dies hier sei zu glatt, um sich den Arsch damit abzuwischen. Ich habe gelacht und gesagt, dass doch gar nichts Kompliziertes an Toilettenpapier ist – die Leute könnten es auch jetzt herstellen, wenn sie wollten. Auf dem Boden lag eine Rolle Toilettenpapier; ich habe darauf gezeigt, und eine große Hummel kam angeflogen, packte das Ende, flog davon und wickelte das Toilettenpapier hinter sich ab. Sie ist hin und her geflogen und hat es über uns in die Zweige gewoben.

Dann hat Roger gesagt, der Gedanke, sich den Hintern mit Papier abzuwischen, sei Blasphemie – und das ist es hier auch. Wenn Mama ihre Fallnotizen schreibt, macht sie winzige Buchstaben, und wenn Pa nach Schottland schreibt, benutzt er beide Seiten des Blattes, dann dreht er es und schreibt quer über die Zeilen, so dass es aussieht wie ein Flechtmuster.

Dann konnte ich Pa auf dem Boden sitzen sehen, wo er auf dem Toilettenpapier einen Brief an Tante Jenny schrieb, der immer länger wurde, und die Hummel hat ihn in die Luft getragen und ist damit nach Schottland davongeflogen.

Ich verbrauche mehr Papier als sonst jemand. Tante Jocasta hat mir ein paar von ihren alten Skizzenbüchern und einen ganzen Aquarellblock geschenkt – aber ich habe ein schlechtes Gewissen, wenn ich es benutze, weil ich weiß, wie teuer es ist. Aber ich muss einfach zeichnen. Das ist das Schöne an diesem Porträt für Mrs. Sherston – weil ich Geld verdiene, habe ich das Gefühl, dass ich auch ein bisschen Papier verbrauchen darf.

Dann hat der Traum die Szene gewechselt, und ich habe Jemmy gezeichnet, mit einem gelben 2B-Bleistift, auf dem in schwarzer Schrift »Ticonderoga« stand wie auf den Stiften, die wir in der Schule benutzt haben. Aber ich habe auf Toilettenpapier gezeichnet, und der Stift hat es ständig durchgerissen. Ich war so frustriert, dass ich das Papier in der Hand zerknüllt habe.

Dann hat es sich in einen dieser langweiligen, unangenehmen Träume verwandelt, in denen man nach einem Ort zum Pinkeln sucht und keinen finden kann – und schließlich wacht man auf und stellt fest, dass man pinkeln muss.

Ich kann mich nicht entscheiden, ob ich lieber das Mars, das Toilettenpapier oder den Bleistift hätte. Ich glaube, den Bleistift. Ich konnte das frisch angespitzte Holz riechen und den Stift zwischen meinen Fingern und Zähnen spüren. Als ich klein war, habe ich oft auf meinen Bleistiften herumgekaut. Ich kann mich noch daran erinnern, wie es sich angefühlt hat, wenn der Lack und das Holz nachgaben, nur ein bisschen, und ich von oben bis unten an dem Stift herumgeknabbert habe, bis er ausgesehen hat, als hätte ein Biber daran genagt.

Daran musste ich heute Nachmittag denken. Ich war traurig, weil Jemmy keinen neuen, gelben Bleistift haben wird, oder eine Frühstücksdose mit Batman darauf, wenn er zur Schule geht – falls er je zur Schule geht.

Rogers Hände sind immer noch zu mitgenommen, um einen Stift zu halten. Und jetzt weiß ich auch, dass ich mir weder Stifte noch Schokolade wünsche, und auch kein Toilettenpapier. Ich wünsche mir, dass Roger wieder mit mir spricht.

Kapitel 75

Sag meinen Namen

Unsere Rückkehr nach Fraser’s Ridge verlief viel schneller als der Weg nach Alamance, obwohl es bergauf ging. Es war Ende Mai; rings um Hillsborough stand der Mais bereits hoch und grün auf den Feldern, und der Wind verstreute goldenen Pollenstaub. In den Bergen würde jetzt das Korn keimen, und bei unserem Vieh würde sich der Nachwuchs einstellen; Kälber, Fohlen und Lämmer, die vor Wolf und Fuchs und Bär geschützt werden mussten. Die Milizkompanie hatte sich gleich nach ihrer Entlassung durch den Gouverneur aufgelöst, und ihre Mitglieder hatten sich hastig zerstreut, um zu ihren Heimstätten und Feldern zurückzukehren.

Demzufolge waren wir auf dem Rückweg eine viel kleinere Gruppe; nur zwei Wagen. Ein paar der Männer, die in der Nähe von Fraser’s Ridge lebten, hatten sich entschlossen, mit uns zu reisen, unter ihnen auch die beiden Findlay-Jungen, denn die Heimstatt ihrer Mutter lag an unserem Weg.

Ich warf unauffällig einen Blick auf die Findlays, die gerade dabei halfen, den Wagen zu entladen und unser Nachtlager zu errichten. Liebe Jungen, aber sehr still. Sie hatten Respekt – und große Ehrfurcht – vor Jamie, hatten jedoch im Lauf des kurzen Feldzuges ein besonderes Zugehörigkeitsgefühl zu Roger entwickelt, und diese seltsame Treue hielt auch nach der Auflösung der Miliz an.

Sie hatten ihn beide in Hillsborough besucht und auf Phoebe Sherstons Teppichen verlegen mit ihren nackten Zehen gewackelt. Mit hochroten Köpfen hatten sie Roger ihrerseits so gut wie sprachlos drei frühe Äpfel geschenkt, schief gewachsene, grüne Knubbel, die sie offensichtlich unterwegs in einem Obstgarten gestohlen hatten.

Er hatte sie zum Dank breit angegrinst, einen der Äpfel ergriffen und heldenhaft hineingebissen, bevor ich ihn aufhalten konnte. Eine Woche lang hatte er nichts als Suppe geschluckt, und er war beinahe gestorben, als er den Bissen hinunterwürgte. Doch er hatte ihn hinunterbekommen, und sie hatten alle drei dagesessen und sich wortlos angegrinst, während ihnen die Tränen in den Augen standen.

Die Findlays waren unterwegs meistens in Rogers Nähe zu finden, stets wachsam und sofort zur Stelle, um ihm zu helfen, wenn er mit seinen verletzten Händen etwas nicht zuwege bekam. Jamie hatte mir von ihrem Onkel Iain Mhor erzählt; sie hatten offenbar reichlich Erfahrung, wenn es darum ging, unausgesprochene Bedürfnisse vorwegzunehmen.

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