Das flammende Kreuz: Roman (German Edition)
- Автор: Гэблдон Диана
- Серия: Die Outlander #5
- Год: 2015
- Язык: немецкий
- Год: Knaur eBook
- Жанр: Другие приключения
Электронная книга - «Das flammende Kreuz: Roman (German Edition)». Краткое содержание книги:
Transformation der Persönlichkeit. Das hatte ich schon befürchtet. Dabei fand ich Rogers Persönlichkeit doch so, wie sie war, ganz in Ordnung!
Tja … zu dumm. Ich weiß nicht, was der T-E-U-F-E-L damit zu tun hat, aber ich bin mir wirklich sicher, dass es ein Fehler ist, wenn man versucht, zu weit in die Zukunft zu blicken. Zumindest im Moment.
Kapitel 74
The Sounds of Silence
Es dauerte zehn Tage, bis sie Penelope Sherstons Porträt zu ihrer Zufriedenheit vollendet hatte. Bis dahin hatten sich sowohl Roger als auch Isaiah Morton so weit erholt, dass sie reisefähig waren. Angesichts der bevorstehenden Geburt von Mortons Kind und der Gefahr, die ihm drohen würde, wenn er sich in die Nähe von Granite Falls oder Brownsville begab, hatte Jamie dafür gesorgt, dass er mit Alicia beim Braumeister von Mr. Sherstons Brauerei unterschlüpfen konnte; Isaiah würde eine Anstellung als Kutscher bei der Brauerei annehmen, sobald seine Kräfte es zuließen.
»Ich weiß auch nicht warum«, sagte Jamie unter vier Augen zu mir, »aber der unmoralische, kleine Spinner ist mir ein bisschen ans Herz gewachsen. Ich sähe es nicht gern, wenn er kaltblütig ermordet würde.«
Nach Alicias Ankunft waren Isaiahs Lebensgeister mit spektakulärer Geschwindigkeit zurückgekehrt, und es dauerte keine Woche, bis er die Treppe herunterkam, um sich in die Küche zu setzen und Alicia wie ein treuer Hund bei der Arbeit zuzusehen – und dann auf dem Rückweg ins Bett eine Pause einzulegen und seinen Kommentar zum Fortschritt des Porträts abzugeben.
»Sieht es ihr nicht haargenau ähnlich?«, sagte er bewundernd, während er im Nachthemd in der Tür zum Salon stand, wo Mrs. Sherston gerade Modell saß. »Also, wenn man das Bild sieht, weiß man gleich, wer es ist.«
Angesichts der Tatsache, dass Mrs. Sherston sich ausgesucht hatte, als Salome dargestellt zu werden, war ich mir nicht ganz sicher, ob sie dies als Kompliment auffassen würde, aber sie errötete sehr hübsch und bedankte sich, da ihr die Ehrlichkeit seines Tonfalls offenbar nicht entging.
Brianna hatte ihre Sache fantastisch gemacht und es geschafft, Mrs. Sherston zugleich realistisch und schmeichelhaft, jedoch ohne offene Ironie zu porträtieren – so schwer das auch gewesen sein musste. Der einzige Punkt, in der sie der Versuchung nachgegeben hatte, war ein nebensächliches Detail; der abgetrennte Kopf Johannes des Täufers hatte verblüffende Ähnlichkeit mit Gouverneur Tryons düsteren Zügen, doch ich bezweifelte, dass dies unter alldem Blut jemandem auffallen würde.
Wir waren zur Heimreise bereit, und das Haus war von rastloser Unruhe und Erleichterung erfüllt – die nur Roger nicht teilte.
Was seine rein körperliche Gesundheit betraf, so ging es Roger unleugbar besser. Abgesehen von den gebrochenen Fingern, konnte er seine Hände wieder bewegen, und die Blutergüsse, die sein Gesicht und seinen Körper bedeckten, waren verblasst. Vor allem aber hatte die Schwellung in seinem Hals so weit nachgelassen, dass er wieder Luft durch Mund und Nase befördern konnte. Ich hatte ihm das Röhrchen aus dem Hals entfernen und den Einschnitt vernähen können – eine kleine, aber schmerzhafte Operation, die er reglos und mit weit geöffneten Augen über sich ergehen ließ. Er hatte zur Decke gestarrt, während ich arbeitete.
Was seine geistige Gesundheit betraf, so war ich mir nicht so sicher, dass er sich erholt hatte. Nachdem ich seinen Hals genäht hatte, hatte ich ihm geholfen, sich hinzusetzen, ihm das Gesicht abgewischt und ihm zur Wiederherstellung seiner Lebensgeister ein wenig Wasser mit Brandy gegeben. Ich hatte ihn beim Schlucken sorgfältig beobachtet, ihm dann sacht die Finger an die Kehle gelegt, diese sorgsam abgetastet und ihn gebeten, noch einmal zu schlucken. Ich schloss die Augen, und als er jetzt schluckte, spürte ich die Bewegung seines Kehlkopfes, die Ringe seiner Luftröhre, und begutachtete den Schaden, so gut ich konnte.
Als ich schließlich die Augen öffnete, hingen die seinen fünf Zentimeter vor den meinen. Sie waren immer noch weit geöffnet, die Frage darin kalt und schroff wie Gletschereis.
»Ich weiß es nicht«, sagte ich schließlich, und meine Stimme war kaum mehr als ein Flüstern. Meine Finger lagen immer noch auf seiner Kehle; ich konnte spüren, wie das Blut durch die Schlagader unter meiner Handfläche rauschte, sein Leben dicht unter der Haut dahinfloss. Doch sein harter, kantiger Kehlkopf lag still und seltsam missgeformt unter meinen Fingern; dort spürte ich keine Pulsation, kein Vibrieren der Luft entlang der Stimmbänder.
»Ich weiß es nicht«, wiederholte ich und zog meine Finger beklommen fort. »Möchtest du … es jetzt versuchen?«
Da hatte er den Kopf geschüttelt, hatte sich von mir abgewandt und war zum Fenster gegangen. Die Arme auf den Rahmen gestützt, hatte er auf die Straße hinuntergeblickt, und in meinem Kopf hatte sich schwach eine beklommene Erinnerung geregt.
Damals war es mondhelle Nacht gewesen, nicht heller Tag – in Paris. Ich war aus dem Schlaf erwacht und hatte Jamie nackt vor dem Fenster stehen sehen, die Narben auf seinem Rücken blass und silbern, die Arme auf den Rahmen gestützt, und sein Körper hatte von kaltem Schweiß geglänzt. Auch Roger schwitzte, allerdings vor Hitze; das Leinenhemd klebte ihm am Körper – und die Konturen seines Körpers waren exakt dieselben; er hatte das Aussehen eines Mannes, der darauf gefasst war, der Furcht ins Auge zu sehen, eines Mannes, der sich seinen Dämonen lieber allein stellte.
Unten auf der Straße konnte ich Stimmen hören; Jamie, der aus dem Feldlager zurückkehrte und Jemmy vor sich auf dem Sattel hielt. Er hatte es sich zur Angewohnheit gemacht, Jemmy zu seinen täglichen Erledigungen mitzunehmen, so dass Brianna konzentriert arbeiten konnte. In der Folge hatte Jemmy vier neue Wörter gelernt – von denen immerhin nur zwei obszön waren –, und Jamies guter Rock war mit Marmeladenflecken verziert und roch wie eine schmutzige Windel, doch beide schienen mit dieser Regelung hochzufrieden zu sein.
Briannas Stimme driftete von unten herauf; sie lachte, während sie ihren Sohn in Empfang nahm. Roger stand da wie aus Holz geschnitzt. Er konnte sie nicht rufen, doch er hätte an den Fensterrahmen klopfen oder ein anderes Geräusch machen können, ihnen zuwinken können. Doch er regte sich nicht.
Nach einer Weile erhob ich mich leise und verließ das Zimmer. Ich hatte einen festen Kloß im Hals, der sich nicht herunterschlucken ließ.
Nachdem Brianna Jemmy zum Baden davongetragen hatte, hatte Jamie mir erzählt, dass Tryon die Männer, die man im Lauf der Schlacht gefangen genommen hatte, zum Großteil freigelassen hatte.
»Darunter auch Hugh Fowles.« Er legte seinen Rock beiseite und hob sein Gesicht in Richtung des leichten Luftzuges, der vom Fenster herüberwehte. »Ich habe mich für ihn eingesetzt – und Tryon hat mir zugehört.«
»Das war auch besser so«, sagte ich mit gereiztem Unterton. Er sah mich an und stieß einen tiefen Kehllaut aus. Ich musste an Roger denken, dessen Kehlkopf zu dieser typisch schottischen Ausdrucksform nicht länger im Stande war.
Bei diesem Gedanken muss ich ein bestürztes Gesicht gemacht haben, denn Jamie zog die Augenbrauen hoch und berührte meinen Arm. Es war zu heiß für eine Umarmung, doch ich drückte ihm kurz meine Wange an die Schulter und tröstete mich an seinem festen Körper unter dem dünnen, feuchten Leinen.
»Ich habe Rogers Hals genäht«, sagte ich. »Er kann atmen – aber ich weiß nicht, ob er je wieder in der Lage sein wird zu sprechen.« Geschweige denn zu singen. Der Gedanke hing unausgesprochen in der schwülen Luft.
Jamie machte ein weiteres Geräusch, diesmal tief und wütend.
»Ich habe mit Tryon auch über sein Versprechen gegenüber Roger Mac gesprochen. Er hat mir das Dokument der Landvergabe ausgehändigt – fünftausend Acres, die an mein Land angrenzen. Seine letzte Amtshandlung als Gouverneur – mehr oder minder.«