Das flammende Kreuz: Roman (German Edition)
- Автор: Гэблдон Диана
- Серия: Die Outlander #5
- Год: 2015
- Язык: немецкий
- Год: Knaur eBook
- Жанр: Другие приключения
Электронная книга - «Das flammende Kreuz: Roman (German Edition)». Краткое содержание книги:
Die kleineren Tiere glitten argwöhnisch an den Rändern des Netzes entlang, die Bewegungen der größeren stets im Blick – denn Spinnen waren Kannibalen, und das Gleiche, so dachte sie, galt auch für ehrgeizige Menschen.
Ihr Vater belegte eine herausragende Position – die jedoch beileibe nicht so gesichert war, dass sie nicht durch Gerüchte und Argwohn untergraben werden konnte. Sie hatte schon öfter unter vier Augen mit Roger darüber spekuliert; wenn man wusste, was kam, waren die Risse schon deutlich sichtbar; die Brüche und Spannungen, die sich zu einer plötzlichen Kluft vertiefen würden – tief genug, um die Kolonien von England abzuspalten.
Die Spannung brauchte nur zu stark zu werden, die Fäden zwischen Fraser’s Ridge und dem Rest der Kolonie brauchten nur zu sehr auszufransen … und schon konnten sie reißen und ihre klebrigen Enden als dicken Kokon um ihre Familie wickeln, bis diese nur noch an einem Faden hing – isoliert, leichte Beute für Blutsauger aller Art.
Du bist heute Abend aber wirklich in morbider Stimmung, dachte sie bei sich und amüsierte sich säuerlich über die Bilder, die ihr Verstand wählte. Das kam wahrscheinlich davon, wenn man den Tod malte.
Weder die Wilburs noch die Sherstons schienen ihre Stimmung bemerkt zu haben – ihre Mutter dagegen schon. Sie warf ihr einen langen, nachdenklichen Blick zu, sagte aber nichts. Brianna wechselte noch ein paar freundliche Worte mit den Anwesenden, dann entschuldigte sie sich.
Ihre Stimmung besserte sich erst recht nicht, als sie entdeckte, dass Jemmy es leid geworden war, auf sie zu warten, und mit Tränenspuren auf den Wangen eingeschlafen war. Sie kniete sich an sein Bettchen und legte ihm sacht die Hand auf den Rücken, weil sie hoffte, dass er ihre Nähe spüren und aufwachen würde. Sein kleiner Rücken hob und senkte sich im warmen Rhythmus grenzenlosen Friedens, doch er regte sich nicht. In den Falten seines Halses glitzerte der Schweiß.
Im Lauf des Tages stieg die Hitze nach oben, und abends war es im ersten Stock des Hauses erdrückend. Das Fenster war natürlich fest geschlossen, damit die gefährlichen Nachtlüfte nicht eindrangen und dem Baby schadeten. Mrs. Sherston hatte zwar selbst keine Kinder, doch sie wusste, welche Vorsichtsmaßnahmen angebracht waren.
In den Bergen hätte Brianna nicht gezögert, das Fenster zu öffnen. In einer dicht bevölkerten Stadt wie Hillsborough, die mit Fremden von der Küste überfüllt war und von stehenden Pferdetränken und schalen Brunnen überquoll …
Brianna wägte die relative Gefahr einer Malariaansteckung durch Moskitos gegen die des Erstickens ab und entschloss sich schließlich dafür, ihrem Sohn die leichte Decke wegzuziehen und ihm das Kittelchen auszuziehen, so dass er nur mit seiner Windel bekleidet bequem auf dem Laken lag. Seine weiche Haut sah im gedämpften Licht feucht und rosig aus.
Seufzend löschte sie die Kerze und ging. Sie ließ die Tür angelehnt, um ihn hören zu können, falls er aufwachte. Es war jetzt fast dunkel; von unten drang Licht durch die Geländer, doch der obere Flur lag tief im Schatten. Mrs. Sherstons vergoldete Tischchen und die Porträts von Mr. Sherstons Vorfahren waren nicht mehr als Spektralschatten in der Dunkelheit.
In Rogers Zimmer brannte Licht; die Tür war geschlossen, doch ein Fächer aus sanftem Kerzenlicht fiel unter ihr hindurch auf die blank geputzten Dielen, wo er gerade eben bis zur Kante des blauen Flurläufers reichte. Sie bewegte sich auf die Tür zu, und jeder Gedanke ans Essen wich ihrem größeren Hunger nach Berührung. Ihre Brüste hatten zu schmerzen begonnen.
In der Ecke saß eine Sklavin, die eingenickt war, und ihre Hände waren über der Strickarbeit erschlafft, die ihr auf den Schoß gesunken war. Als sich die Tür öffnete, fuhr sie erschrocken auf und blinzelte Brianna schuldbewusst an.
Briannas Blick fiel als Erstes auf das Bett, doch es war alles gut; sie konnte das Zischen und Seufzen seines Atems hören. Sie sah die Frau mit leicht gerunzelter Stirn an, entließ sie jedoch mit einer knappen Geste. Die Frau sammelte umständlich ihren halbfertigen Strumpf ein und stürzte zur Tür hinaus, ohne Brianna anzusehen.
Roger lag mit geschlossenen Augen auf dem Rücken, und ein Laken war ordentlich über die scharfen Kanten seines Körpers gezogen. Er ist so dünn, dachte sie, wie ist er nur so schnell so dünn geworden? Er konnte nicht mehr als ein paar Löffel Suppe oder Penizillinbrühe schlucken, aber die zwei oder drei Tage konnten doch nicht ausgereicht haben, um seine Knochen so hervorstehen zu lassen?
Dann begriff sie, dass er wahrscheinlich von der Anstrengung des Feldzuges sowieso schon mager gewesen war – auch ihre Eltern waren beide dünner als sonst. Seine vorstehenden Knochen waren unter der furchtbaren Schwellung seines Gesichtes verborgen gewesen; jetzt, wo diese zurückging, kamen seine Wangenknochen hoch und ausgemergelt zum Vorschein, und die harte, elegante Linie seines Kinns, die jetzt wieder sichtbar war, ragte schroff über dem weißen Leinen des Verbandes auf, der um seine angebohrte Kehle gewickelt war.
Sie ertappte sich dabei, dass sie sein Kinn anstarrte und die Farbe der verblassenden Blutergüsse betrachtete. Das Gelbgrün eines verheilenden Blutergusses war etwas anderes als das kurzlebige Graugrün eines just Verstorbenen; genau so kränklich, aber dennoch eine Farbe des Lebens. Sie holte tief Luft, und ihr wurde plötzlich bewusst, dass auch in diesem Zimmer das Fenster geschlossen war. Der Schweiß lief ihr über das Kreuz und sickerte ihr unangenehm zwischen die Pobacken.
Sie schob das Fenster hoch, und das Geräusch weckte ihn – er drehte den Kopf auf dem Kissen und lächelte schwach, als er sie sah.
»Wie geht es dir?« Sie sprach mit gedämpfter Stimme wie in einer Kirche. Ihre Stimme kam ihr ständig zu laut vor, so als führte sie ein Selbstgespräch.
Er zog eine Schulter schwach hoch, doch seine Lippen formten ein stummes »Okay«. Er sah zerknittert und feucht aus, das dunkle Haar an seinen Schläfen war schweißdurchtränkt.
»Es ist furchtbar heiß, nicht wahr?« Sie wies mit einer Handbewegung auf das Fenster, durch das jetzt warme – aber bewegte – Luft hereinkam. Er nickte und zeigte mit einer seiner verbundenen Hände auf seinen Hemdkragen. Sie begriff und öffnete ihn, dann zog sie den Spalt so weit wie möglich auseinander, um seine Brust dem Luftzug auszusetzen.
Seine Brustwarzen waren klein und hübsch, die Warzenhöfe unter den dunkel gelockten Haaren dunkelbraunrosa gefärbt. Der Anblick erinnerte sie an ihre eigenen, milchgefüllten Brüste, und einen Moment lang verspürte sie das irre Bedürfnis, seinen Kopf zu heben, sich das Hemd über die Schultern zu ziehen und seinen Mund an ihre Brust zu legen. Plötzlich erinnerte sie sich lebhaft daran, wie sie genau das unter den Weiden in River Run getan hatte. Wärme durchströmte sie, und ihr Inneres kribbelte von den Brüsten bis zum Bauch. Weil ihr das Blut in die Wangen stieg, wandte sie sich ab und ließ den Blick über die Nahrungsmittel auf dem Nachttisch schweifen.
Es gab kalte – mit Penizillin gespickte – Fleischbrühe in einer zugedeckten Schüssel, und daneben stand eine Flasche mit honiggesüßtem Tee. Sie ergriff den Löffel und zog fragend eine Augenbraue hoch, während ihre Hand über dem Tisch schwebte.
Er zog eine schwache Grimasse, wies jedoch kopfnickend auf die Brühe. Sie ergriff das Schälchen und setzte sich neben ihm auf den Hocker.
»Macht die Stalltür auf«, sagte sie fröhlich, während sie den Löffel auf seinen Mund zukreisen ließ, als wäre er Jemmy. »Hiiiier kommt das Pferdchen!« Er verdrehte entnervt die Augen.
»Als ich klein war«, sagte sie, ohne seinen finsteren Blick zu beachten, »haben meine Eltern Sachen gesagt wie: ›Hier kommt das Schleppboot, öffnet die Zugbrücke!‹ oder ›Mach die Garage auf, hier kommt das Auto!‹. Aber diese Begriffe kann ich ja bei Jemmy nicht benutzen. Hat deine Mutter es mit Autos und Flugzeugen gemacht?«