Das flammende Kreuz: Roman (German Edition)
- Автор: Гэблдон Диана
- Серия: Die Outlander #5
- Год: 2015
- Язык: немецкий
- Год: Knaur eBook
- Жанр: Другие приключения
Электронная книга - «Das flammende Kreuz: Roman (German Edition)». Краткое содержание книги:
»Dougals Sohn mit Geillis Duncan«, sagte Jamie und wandte sich ungläubig an Roger. »Er hieß William, glaube ich. Bist du sicher?«
Ein kurzes Nicken, und Rogers Augen schlossen sich. Dann öffneten sie sich noch einmal; sein geschienter Finger hob sich schwankend und deutete auf sein eigenes Auge – ein dunkles, klares Grün, die Farbe des Mooses. Er war so weiß wie das Leinen, auf dem er lag, und seine kohleverschmierten Finger zitterten. Sein Mund zuckte; er hätte furchtbar gern geredet, erklärt – aber weitere Erklärungen würden warten müssen, zumindest eine kleine Weile.
Er ließ die Hand sinken, und seine Augen schlossen sich wieder.
Die Enthüllung der Identität William Buccleigh MacKenzies änderte nichts an Jamies dringendem Wunsch, den Mann zu finden, doch sie beeinflusste seine Absicht, ihn umgehend zu ermorden, sobald er gefunden war. Eine Kleinigkeit, für die ich ausgesprochen dankbar war.
Brianna wurde von ihrem Bild fortgerufen, um mit uns zu beraten, und als sie jetzt in ihrem Kittel in meinem Zimmer erschien, roch sie stark nach Terpentin und Leinöl und hatte einen kobaltblauen Farbspritzer am Ohrläppchen.
»Ja«, sagte sie, verwirrt über Jamies abrupte Fragen. »Ich habe von ihm gehört. William Buccleigh MacKenzie. Der Wechselbalg.«
»Der was?« Jamies Augenbrauen fuhren bis zu seinem Haaransatz hoch.
»Die Bezeichnung stammt von mir«, sagte ich. »Als ich Rogers Stammbaum gesehen habe und mir klar wurde, wer William Buccleigh MacKenzie sein musste. Dougal hat das Kind William und Sarah MacKenzie anvertraut, weißt du noch? Und sie haben ihm den Namen des Kindes gegeben, das sie zwei Monate zuvor verloren hatten.«
»Roger hat davon gesprochen, dass er William MacKenzie und seine Frau auf der Überfahrt von Schottland nach North Carolina an Bord der Gloriana gesehen hat«, meldete sich Brianna zu Wort. »Aber er hat gesagt, ihm sei erst später klar geworden, wer der Mann ist, und er hatte keine Gelegenheit, mit ihm zu sprechen. Also ist er hier – William, meine ich –, aber warum in aller Welt sollte er versuchen, Roger umzubringen – und warum auf diese Weise?« Sie erschauerte, obwohl es ziemlich warm im Zimmer war. Es war Frühsommer, und selbst bei geöffneten Fenstern war die Luft heiß und so feucht, dass sie beinahe flüssig war.
»Er ist die Brut der Hexe«, sagte Jamie knapp, als sei das eine hinreichende Antwort – und vielleicht war es das ja auch.
»Mich haben sie auch für eine Hexe gehalten«, rief ich ihm leicht gereizt ins Gedächtnis. Das brachte mir einen blauen Seitenblick und ein Zucken seines Mundes ein.
»Das ist wahr«, sagte er. Er räusperte sich und wischte sich mit dem Ärmel über die schweißbedeckte Stirn. »Aye, nun gut. Uns bleibt wohl nichts anderes übrig als abzuwarten und es herauszufinden. Es ist allerdings sehr hilfreich, dass wir einen Namen haben. Ich werde durch Duncan und Farquard Erkundigungen einziehen lassen.« Er holte tief und ungeduldig Luft und atmete wieder aus.
»Aber was soll ich tun, wenn ich ihn finde? Hexenbrut oder nicht, er ist mein Blutsverwandter; ich kann ihn nicht umbringen. Nicht nach Dougals –« Er bremste sich rechtzeitig und hustete. »Ich meine, er ist Dougals Sohn. Er ist mein eigener Vetter, zum Kuckuck.«
Ich wusste, was er wirklich meinte. Vier Menschen wussten, was sich am Tag vor jener längst vergangenen Schlacht in dem Speicherzimmer in Culloden House zugetragen hatte. Einer von ihnen war tot, der andere verschwunden und mit ziemlicher Sicherheit im Tumult des Aufstandes ebenfalls umgekommen. Ich war die Einzige, die noch bezeugen konnte, wie Dougals Blut geflossen war und wer es vergossen hatte. Ganz gleich, was für ein Verbrechen William Buccleigh begangen hatte, um seines Vaters willen würde Jamie ihn nicht umbringen.
»Du hättest ihn umgebracht? Bevor du herausgefunden hast, wer er ist?« Eigentlich sah Brianna bei diesem Gedanken nicht schockiert aus. Sie hatte einen fleckigen Farblappen in den Händen, den sie langsam verdrehte.
Jamie drehte sich um und sah sie an.
»Roger Mac ist dein Mann, der Sohn meines Hauses«, sagte er ernst. »Natürlich hätte ich ihn gerächt.«
Brianna schoss ihm einen Blick zu, dann sah sie zur Seite. Ihre Miene war nachdenklich, und es lag eine gewisse, gebannte Ruhe darin, bei der mir ein wenig kalt wurde.
»Gut«, sagte sie ganz leise. »Wenn du William Buccleigh MacKenzie findest, möchte ich es gern erfahren.« Sie faltete den Lappen zusammen, schob ihn in ihre Kitteltasche und begab sich wieder an ihre Arbeit.
Brianna schabte einen kleinen Tupfer Viridian auf die Kante ihrer Palette und arbeitete einen Hauch davon mit federartigem Pinselstrich in die große, hellgraue Fläche ein, die sie angelegt hatte. Sie zögerte einen Moment und kippte die Palette im Licht des Fensters hin und her, um die Farben zu beurteilen, dann fügte sie auf der anderen Seite der Graufläche eine winzige Spur Kobalt hinzu und erzeugte so einen subtilen Farbverlauf, der mit Blaugrau begann und mit Graugrün endete, jedoch so schwach war, dass das ungeübte Auge ihn kaum von Weiß unterscheiden konnte.
Sie griff nach einem ihrer kurzen, dicken Pinsel und bearbeitete die Grautöne entlang des geschwungenen Kinns auf ihrer Leinwand mit winzigen, einander überlappenden Strichen. Ja, so war es in etwa richtig; blass wie gebranntes Porzellan, aber mit einem lebhaften Schatten darunter – zart und erdig zugleich.
Sie malte mit einer tiefen Konzentration, die ihre Umgebung verschwinden ließ, gefangen in der Doppelvision des Künstlers, die das auf der Leinwand entstehende Gemälde mit dem Bild verglich, das sich so unauslöschlich in ihr Gedächtnis gegraben hatte. Nicht, dass sie noch nie einen Toten gesehen hatte. Ihr Vater – Frank – hatte bei seiner Begräbniszeremonie in einem offenen Sarg gelegen, und sie hatte in ihrer eigenen Zeit mehrfach die Obsequien älterer Freunde der Familie besucht. Doch die Farben der Bestatter waren schlicht und beinahe primitiv im Vergleich mit denen eines gerade Verstorbenen. Der Kontrast hatte sie völlig verblüfft.
Es lag am Blut, dachte sie, während sie nach einem feinen, zweihaarigen Pinsel griff, um einen Tupfer pures Viridiangrün in die Vertiefung der Augenhöhle zu setzen. Blut und Knochen – allerdings veränderte der Tod weder die Konturen der Knochen, noch die Schatten, die sie warfen. Doch das Blut verlieh diesen Schatten Farbe. Bei einem lebendigen Menschen sah man die Blau- und Rottöne, die Rosa- und Lavendelfarbe des fließenden Blutes unter der Haut; im Tod versiegte der Blutfluss, es sammelte und verdunkelte sich … stahlblau, violett, indigo, braunlila … und etwas Neues: jenes zarte, vergängliche, kaum sichtbare Grün, das ihr Künstlerhirn mit brutaler Klarheit als »beginnende Rotte« klassifizierte.
Im Flur erklangen unvertraute Stimmen, und sie blickte argwöhnisch auf. Phoebe Sherston liebte es, Besucher zu ihr zu führen, um das entstehende Gemälde bewundern zu lassen. Normalerweise machte es Brianna nichts aus, beobachtet zu werden oder über ihre Arbeit zu reden, doch dies war eine schwierige Stelle, und ihre Zeit war knapp; mit solch subtilen Farben konnte sie nur kurz vor Sonnenuntergang arbeiten, wenn das Licht klar, aber diffus war.
Doch die Stimmen gingen weiter zum Salon, und sie entspannte sich und griff nach dem dickeren Pinsel.
Sie rief sich das Bild erneut ins Gedächtnis; den Toten, den die Männer in Alamance neben dem improvisierten Feldlazarett ihrer Mutter unter einen Baum gelegt hatten. Eigentlich hatte sie damit gerechnet, dass die Verletzungen der Schlacht und der Anblick des Todes sie schockieren würden – und war stattdessen über ihre eigene Faszination schockiert gewesen. Sie hatte Furchtbares mit angesehen, doch es war anders als die normalen Sprechstunden ihrer Mutter, wo sie Zeit hatte, Mitgefühl für die Patienten zu entwickeln und Notiz von all den kleinen Würdelosigkeiten und Widerlichkeiten des menschlichen Körpers zu nehmen. Auf einem Schlachtfeld ging alles viel zu schnell; es war viel zu viel zu tun, als dass sich Zimperlichkeit hätte breitmachen können.