Das Geheimnis der Schnallenschuhe
- Автор: Кристи Агата
- Год: 2009
- Язык: немецкий
- Жанр: Классические детективы
Электронная книга - «Das Geheimnis der Schnallenschuhe». Краткое содержание книги:
Die Originalausgabe erschien unter dem Titel
ONE, TWO BUCKLE MY SHOW
© 1940 Agatha Christie Limited, a Chorion Company.
Miss Montressor entfernte sich.
Hercule Poirot ging auf Blunt zu, der ein Schafsgesicht machte, wie die meisten Männer, wenn ihr Weibervolk ihnen Schwierigkeiten bereitet.
Er sagte betreten: «Die Weiber soll wirklich der Teufel holen! Guten Tag, M. Poirot. Prachtvolles Wetter!» Sie schritten dem Hause zu, und Blunt murmelte seufzend: «Wie mir meine Frau fehlt!»
Im Speisezimmer bemerkte er zu Mrs Olivera: «Ich fürchte, Julia, du hast Helen sehr gekränkt.»
Mrs Olivera erwiderte grimmig: «Die Schotten sind immer gleich so empfindlich.»
Alistair Blunt machte ein unglückliches Gesicht.
«Wie ich sehe, haben Sie einen jungen Gärtner, der erst kürzlich eingestellt worden ist?», lenkte Poirot ab.
«Das stimmt», sagte Blunt. «Jawohl – Burton, der dritte Gärtner, ist vor drei Wochen gegangen, und da haben wir diesen jungen Burschen engagiert.»
«Können Sie sich erinnern, wo er vorher war?»
«Nein, keine Ahnung. MacAlister hat ihn eingestellt. Irgendjemand hat mich gebeten, es mit ihm zu versuchen. Hat ihn wärmstens empfohlen. Ich bin darüber etwas erstaunt, denn MacAlister behauptet, dass er nicht viel taugt. Er will ihn wieder entlassen.»
«Wie heißt er?»
«Dunning – Sunbury – so ähnlich.»
«Wäre es sehr zudringlich, Sie zu fragen, was Sie dem Mann zahlen?»
Alistair Blunt machte ein amüsiertes Gesicht.
«Ganz und gar nicht. Zwei Pfund fünfzehn Shilling die Woche, glaube ich.»
«Nicht mehr?»
«Bestimmt nicht mehr – eher etwas weniger.»
«Nun», sagte Poirot, «das ist sehr sonderbar.»
Alistair Blunt sah ihn fragend an.
Aber in diesem Augenblick raschelte Jane Olivera mit der Zeitung und lenkte das Gespräch in eine andere Richtung.
«Eine Menge Leute haben es anscheinend auf dich abgesehen, Onkel Alistair!»
«Ach, du liest die Parlamentsdebatte. – Das ist nicht weiter schlimm. Nur Archerton – der kämpft ja immer gegen Windmühlenflügel. Und von finanziellen Dingen hat er total verrückte Vorstellungen. Wenn man ihm seinen Willen ließe, wäre England innerhalb einer Woche bankrott.»
«Hast du denn nie den Wunsch, neue Methoden auszuprobieren?», fragte Jane.
«Nein, meine Liebe – wenn sie nicht besser sind als die alten.»
«Aber du würdest nie anerkennen, dass sie besser sind. Du würdest immer sagen: ‹Das kann zu nichts führen.›» Jane fuhr hitzig fort: «Was wir brauchen, ist eine neue Welt! Und du sitzest hier und isst gebratene Nieren!»
Sie stand auf und ging durch die Glastür in den Garten hinaus.
Blunts Gesicht drückte mildes Erstaunen und leichtes Unbehagen aus.
«Jane hat sich in letzter Zeit sehr verändert…», brummte er. «Wo hat sie nur alle diese neuen Ideen her?»
«Du brauchst nicht auf das zu achten, was Jane sagt», meinte Mrs Olivera. «Jane ist ein ganz törichtes Mädchen. Du weißt ja, wie Mädchen sind: Sie gehen zu solchen merkwürdigen Gesellschaften in Ateliers, wo junge Männer mit unmöglichen Krawatten hinkommen, und dann reden sie zu Hause eine Menge Unsinn.»
«Ja, aber Jane ist doch früher nicht auf diese Dinge hereingefallen.»
«Es ist nur eine Mode, Alistair – diese Sachen liegen einfach in der Luft!»
Mrs Olivera erhob sich, und Poirot öffnete ihr die Tür. Sie rauschte stirnrunzelnd hinaus.
Plötzlich sagte Blunt: «Wissen Sie, es gefällt mir nicht, dass alle Leute solches Zeug reden! Und niemand denkt sich etwas dabei! Es ist alles bloß leeres Geschwätz! Immerzu stoße ich darauf: ‹Eine neue Welt.› Was soll das bedeuten? Sie wissen es selbst nicht! Sie berauschen sich einfach an Worten!» Er lächelte etwas verlegen. «Ich bin nämlich einer der letzten von der alten Garde.»
Poirot nickte. Und in einem ganz neuen Sinn begann ihm klar zu werden, was Alistair Blunt eigentlich verkörperte. Mr Barnes hatte es ihm schon gesagt, aber damals hatte er es kaum aufgenommen. Plötzlich empfand er Angst…
«Ich bin mit meinen Briefen fertig», sagte Blunt, als er am späteren Vormittag wieder erschien. «Jetzt, M. Poirot, werde ich Ihnen meinen Garten zeigen.»
Die beiden gingen zusammen hinaus, und Blunt erzählte von seiner Liebhaberei.
Seine größte Freude war der Felsengarten mit seinen seltenen Alpenpflanzen; dort verbrachten sie längere Zeit, während Blunt einzelne besonders wertvolle Arten erläuterte.
Hercule Poirot, der seine besten Lackschuhe anhatte, hörte geduldig zu und trat von Zeit zu Zeit vorsichtig von einem Fuß auf den anderen; er stöhnte leise, denn die Füße taten ihm wirklich weh.
Sein Gastgeber schlenderte weiter und wies auf verschiedene Pflanzen hin. Bienen summten, und aus der Nähe klang das Geräusch einer Gartenschere, mit der eine Lorbeerhecke gestutzt wurde. Es herrschte eine friedliche, verschlafene Stimmung.
Blunt blieb am Ende der Einfassung stehen und schaute zurück. Das Klippklapp der Gartenschere klang ganz nahe, aber wer sie bediente, war nicht zu sehen.
«Genießen Sie den Blick von hier aus, Poirot. Die Bartnelken sind dieses Jahr besonders schön. Ich kann mich nicht erinnern, sie schon einmal so prächtig gesehen zu haben. Und die Lupinen dort. Herrliche Farben!»
Krach! Ein Schuss zerriss den morgendlichen Frieden. Etwas pfiff durch die Luft. Alistair Blunt sah verwirrt nach einem schwachen Rauchwölkchen, das mitten aus den Lorbeerbüschen aufstieg. Plötzlich erhoben sich zornige Stimmen. In den Büschen kämpften zwei Männer miteinander und versetzten diese in schwankende Bewegung. Eine amerikanisch klingende Stimme rief entschlossen: «Hab ich dich, du verdammter Gauner! Lass die Waffe fallen!»
Die beiden Gestalten taumelten ins Freie. Der junge Gärtner, der am frühen Morgen so fleißig gegraben hatte, wand sich unter dem kräftigen Griff eines anderen Mannes, der nahezu einen Kopf größer war.
Auch ihn erkannte Poirot sofort. Die Stimme hatte ihn schon verraten.
Frank Carter zischte: «Lassen Sie mich los! Ich sage Ihnen, ich habe es nicht getan!»
«Ach nein? Wahrscheinlich bloß ein bisschen auf die Vögel geschossen, wie?», schrie Howard Raikes empört.
Er hielt inne und sah auf Blunt und Poirot, die näher traten.
«Mr Alistair Blunt? Dieser Kerl da hat gerade aus dem Hinterhalt auf Sie geschossen. Ich habe ihn auf frischer Tat ertappt.»
Frank Carter schrie: «Das ist gelogen! Ich war gerade dabei, die Hecke zu schneiden, hörte einen Schuss, und die Pistole fiel mir direkt vor die Füße. Ich habe sie aufgehoben – das ist doch ganz begreiflich –, und plötzlich ist der da auf mich losgesprungen!»
Howard Raikes sagte grimmig: «Sie haben die Waffe in der Hand gehabt, und sie war eben abgefeuert worden!»
«Wollen einmal sehen, was der Detektiv dazu meint! Jedenfalls ein Glück, dass ich Sie rechtzeitig erwischt habe. Ich denke, dass noch mehrere Schüsse im Magazin sind.»
«Ganz richtig!», murmelte Poirot.
Blunt runzelte ärgerlich die Stirn. Er sagte in scharfem Ton: «Also, Dunnon – Dunbury – oder wie Sie heißen…»
Hercule Poirot unterbrach hin: «Dieser Mann heißt Frank Carter.»
Carter drehte sich wütend nach ihm um.
«Sie haben es schon die ganze Zeit auf mich abgesehen! Schon damals am Sonntag wollten Sie mich ausspionieren. Ich sage Ihnen, es ist nicht wahr – ich habe nicht auf ihn geschossen.»
«Nun gut – wer hat dann geschossen?», fragte Poirot ruhig. «Außer uns ist ja niemand in der Nähe.»
Jane Olivera kam den Garten entlanggelaufen. Ihre Augen waren angstvoll geweitet. Sie keuchte: «Howard?»
Howard Raikes sagte in leichtem Ton: «Hallo, Jane. Ich habe deinem Onkel eben das Leben gerettet.»
«Du?» Sie hielt inne.
«Sie sind tatsächlich im richtigen Moment erschienen, Mr – äh – », Blunt zögerte.