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Das Geheimnis der Schnallenschuhe

Электронная книга - «Das Geheimnis der Schnallenschuhe». Краткое содержание книги:

Auch ein Meisterdetektiv geht nicht gern zum Zahnarzt. Und die Rätsel in der Praxis von Hercule Poirots Zahnarzt häufen sich: Ein Patient stirbt, ein anderer verschwindet, auf einen dritten wird ein Attentat verübt. Wie gut nur, dass Poirot vor der Tür des Zahnarztes die Dame mit den merkwürdigen Schnallenschuhen aufgefallen ist. So bereitet ihm die Lösung des geheimnisvollen Geschehens schließlich doch keine Zahnschmerzen.
Die Originalausgabe erschien unter dem Titel
ONE, TWO BUCKLE MY SHOW
© 1940 Agatha Christie Limited, a Chorion Company.
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Mrs Adams war ein Stein vom Herzen gefallen, als sie erfahren hatte, dass die unter so dramatischen Umständen entdeckte Leiche nicht die ihrer Freundin gewesen war. Anscheinend entging ihr vollständig, dass Mabelle Sainsbury Seale einen schweren Verdacht auf sich geladen hatte.

«Aber es ist höchst eigenartig, dass sie so spurlos verschwunden ist. Ich habe das ganz bestimmte Gefühl, M. Poirot, dass sie das Gedächtnis verloren haben muss. Amnesie, glaube ich, nennen die Ärzte das.»

Poirot sagte, er glaube auch, dass dies der medizinische Ausdruck sei. Nach einer Pause fragte er Mrs Adams, ob sie Miss Sainsbury Seale jemals von Mrs Albert Chapman sprechen gehört habe. – Nein, Mrs Adams konnte sich nicht entsinnen, dass ihre Freundin diesen Namen je erwähnt hätte. Aber natürlich war nicht zu erwarten, dass Miss Sainsbury Seale im Gespräch über ihre sämtlichen Bekannten berichten würde. Wer war diese Mrs Chapman? Hatte die Polizei irgendeinen Anhaltspunkt, wer sie ermordet haben könnte?

«Es ist nach wie vor ein Rätsel, Madame.»

Poirot schüttelte den Kopf und fragte dann, ob es Mrs Adams gewesen sei, die Miss Sainsbury Seale den Zahnarzt Morley empfohlen hatte.

Mrs Adams verneinte. Ihr Zahnarzt war ein Mr French in der Harley Street, und wenn Mabelle sie nach einem Zahnarzt gefragt hätte, so hätte sie ihr diesen empfohlen.

Poirot meinte, möglicherweise sei es diese Mrs Chapman gewesen, die Miss Sainsbury Seale zu Morley geschickt habe.

Mrs Adams pflichtete ihm bei – aber wusste man nicht vielleicht in der Praxis des verstorbenen Mr Morley Näheres darüber?

Poirot hatte diese Frage schon Miss Nevill gestellt, und zwar vergeblich. Sie erinnerte sich an Mrs Chapman, glaubte aber nicht, dass diese jemals eine Miss Sainsbury Seale erwähnt hatte – das wäre ihr angesichts des ungewöhnlichen Namens bestimmt nicht entgangen.

Poirot fuhr fort mit seinen Fragen. Mrs Adams hatte Miss Sainsbury Seale in Indien kennen gelernt, nicht wahr? Mrs Adams bejahte das.

Wusste Mrs Adams etwas davon, ob Miss Sainsbury Seale dort irgendwann die Bekanntschaft von Mr oder Mrs Alistair Blunt gemacht hatte?

«Oh, das glaube ich nicht, M. Poirot. Sie meinen doch den großen Finanzmann? Der war vor einigen Jahren mit seiner Frau auf Besuch beim Vizekönig, aber ich bin überzeugt, dass Mabelle mir erzählt hätte, wenn sie den Blunts irgendwo begegnet wäre. Ich glaube», fügte Mrs Adams lächelnd hinzu, «die prominenten Leute erwähnt man doch immer. Wir sind im Grunde genommen alle große Snobs.»

«Und die Blunts – besonders Mrs Blunt – hat sie nie erwähnt?»

«Niemals.»

«Wenn sie eine gute Bekannte von Mrs Blunt gewesen wäre, hätten Sie wahrscheinlich davon gewusst?»

«Ja, ganz bestimmt. Ich glaube nicht, dass sie Leute dieses Ranges überhaupt gekannt hat. Mabelles Freunde waren alles ganz gewöhnliche Menschen – wie Sie und ich…»

«Das, Madame, kann ich nicht zugeben», sagte Poirot galant.

Mrs Adams fuhr fort, über Mabelle Sainsbury Seale zu sprechen, wie man über eine Freundin spricht, die kürzlich gestorben ist. Sie zählte alle guten Werke Mabelles auf, ihre Freundschaftsdienste, ihre unermüdliche Arbeit für die Mission, ihren Eifer, ihren Ernst.

Hercule Poirot hörte ihr zu. Es stimmte, was Japp gesagt hatte: Mabelle Sainsbury Seale war ein Mensch aus Fleisch und Blut. Sie hatte in Kalkutta gelebt, dort Sprachunterricht gegeben und unter der indischen Bevölkerung gearbeitet. Sie war achtbar und wohlwollend gewesen, vielleicht ein bisschen umständlich und nicht sehr klug, aber das, was man einen Menschen mit goldenem Herzen zu nennen pflegt.

Er verabschiedete sich von Mrs Adams und ging fort, tief in Gedanken versunken. Er versuchte, Mabelle Sainsbury Seales Charakter zu ergründen.

Eine nette Frau – eine ernsthafte und gütige Frau –, eine achtbare, anständige Person. Gerade unter solchen Menschen konnte man, wie Mr Barnes behauptet hatte, mögliche Verbrechernaturen finden.

Sie war auf dem gleichen Schiff aus Indien heimgereist wie Mr Amberiotis. Es bestand Grund zu der Annahme, dass sie mit ihm im Savoy zu Mittag gegessen hatte.

Sie hatte Alistair Blunt angesprochen und behauptet, eine gute Bekannte seiner Frau gewesen zu sein. Sie hatte zweimal die King Leopold Mansions aufgesucht, wo später eine verstümmelte Leiche aufgefunden worden war, die ihre Kleider trug und ihre Handtasche bei sich hatte – zur bequemeren Identifizierung!

Ein bisschen allzu bequem, das! Nach einem Polizeiverhör hatte sie ganz plötzlich ihr Hotel verlassen.

Konnte die Theorie, die Hercule Poirot für richtig hielt, sich mit allen diesen Einzelheiten vertragen und sie erklären? Er hielt es für möglich.

Diese Überlegungen beschäftigten Hercule Poirot auf dem ganzen Weg, bis er Regent’s Park erreichte. Er beschloss, einen Teil des Parks zu Fuß zu durchqueren, ehe er ein Taxi nahm. Aus Erfahrung konnte er fast auf die Minute den Augenblick berechnen, da seine eleganten Lackschuhe ihn unerträglich zu drücken anfingen. Es war ein wundervoller Sommertag, und Poirot schaute zufrieden den Kindermädchen zu, die schwatzend und kichernd mit ihren Verehrern schäkerten, während ihre Schützlinge aus der Unaufmerksamkeit ihrer Betreuerinnen vollsten Nutzen zogen.

Hunde bellten und jagten umher. Kleine Buben ließen Segelboote schwimmen. Und fast unter jedem Baum saß ein Paar, das sich eng aneinander schmiegte…

«Ah – jeunesse, jeunesse», murmelte Hercule Poirot, den dieses Bild angenehm berührte. Während sein Blick wohlwollend auf einem jungen Paar ruhte, wurde ihm plötzlich klar, dass ihm die zwei Menschen bekannt vorkamen. Es waren Jane Olivera und ihr junger amerikanischer Revolutionär.

Poirots Gesicht wurde plötzlich traurig und ernst. Nach kurzem Zögern schritt er über das Gras auf die beiden zu.

«Bonjour, Mademoiselle!», sagte er.

Es war ihm, als sei sein Auftauchen Jane nicht ganz unlieb. Howard Raikes dagegen schien sich über die Störung ziemlich zu ärgern. Er knurrte: «Ach – da sind Sie ja schon wieder!»

«Guten Tag, M. Poirot», sagte Jane. «Wie unerwartet Sie immer erscheinen!»

«Eine Art Springteufel», murrte Raikes, der Poirot mit kühlem Blick musterte.

«Störe ich?», fragte Poirot besorgt.

«Keineswegs», antwortete Jane liebenswürdig.

Howard Raikes aber stand auf. «Ich bin nicht zum Plaudern aufgelegt, Jane», sagte er. «Ich glaube, ich werde gehen.» Er nickte Poirot kurz zu und schlenderte davon. Jane Olivera sah ihm nach, ihr Kinn in die Hand gestützt. Plötzlich wandte sie sich zu Poirot. «Ich möchte Sie um Verzeihung bitten. Neulich habe ich mich sehr schlecht benommen. Ich dachte, Sie hätten sich bei uns eingeschlichen und seien nur nach Exsham gekommen, um Howard nachzuspionieren. Aber später erzählte mir Onkel Alistair, dass er Sie ausdrücklich eingeladen hatte, weil er die Geschichte mit der verschwundenen Sainsbury Seale aufgeklärt haben wollte. So ist es doch gewesen?»

«Genau so.»

«Es tut mir also Leid, was ich Ihnen damals an dem Abend gesagt habe. Aber es sah ganz so aus, verstehen Sie. Ich meine: Es sah so aus, als ob Sie wirklich Howard gefolgt wären und uns beiden nachspionierten.»

«Selbst wenn das der Fall gewesen wäre, Mademoiselle – so habe ich doch mit eigenen Augen gesehen, dass Mr Raikes Ihrem Onkel mutig das Leben rettete, indem er auf den Attentäter zusprang und ihn hinderte, einen zweiten Schuss abzufeuern.»

«Sie haben eine seltsame Art zu sprechen, M. Poirot. Ich weiß nie, ob Sie es ernst meinen oder nicht.»

Poirot sagte feierlich: «Im Augenblick meine ich es sehr ernst, Miss Olivera.»

Mit einem leichten Zittern in der Stimme fragte Jane: «Warum schauen Sie mich so an? Als ob – als ob ich Ihnen leid täte?»

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