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Das Geheimnis der Schnallenschuhe

Электронная книга - «Das Geheimnis der Schnallenschuhe». Краткое содержание книги:

Auch ein Meisterdetektiv geht nicht gern zum Zahnarzt. Und die Rätsel in der Praxis von Hercule Poirots Zahnarzt häufen sich: Ein Patient stirbt, ein anderer verschwindet, auf einen dritten wird ein Attentat verübt. Wie gut nur, dass Poirot vor der Tür des Zahnarztes die Dame mit den merkwürdigen Schnallenschuhen aufgefallen ist. So bereitet ihm die Lösung des geheimnisvollen Geschehens schließlich doch keine Zahnschmerzen.
Die Originalausgabe erschien unter dem Titel
ONE, TWO BUCKLE MY SHOW
© 1940 Agatha Christie Limited, a Chorion Company.
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«Warum nehmen Sie das an?»

Hercule Poirot lächelte leicht.

«Es wird Ihnen albern vorkommen: Weil ich ein Paar ungetragene Strümpfe meiner Schublade gefunden habe.»

Alistair Blunt starrte ihn verwundert an.

«Sie sind ein seltsamer Mensch, M. Poirot.»

«Ich bin sehr seltsam. Das heißt, ich bin ordentlich, methodisch und logisch, und ich liebe es nicht, Tatsachen zu verdrehen, um eine Theorie zu stützen – das ist, wie ich leider feststellen muss, wirklich ungewöhnlich…»

Alistair Blunt sagte: «Ich habe mir die ganze Sache durch den Kopf gehen lassen – brauche immer eine Weile, bis ich etwas durchdacht habe. Und diese Geschichte ist so verdammt sonderbar! Ich meine – erst erschießt sich dieser Zahnarzt, dann wird diese Mrs Chapman mit zerschmettertem Gesicht in ihre eigene Pelztruhe gesteckt… Widerlich! Verdammt widerlich! Ich kann mir nicht helfen, aber es muss doch etwas dahinterstecken.»

Poirot nickte.

Blunt fuhr fort: «Und wissen Sie: Je mehr ich darüber nachdenke, desto klarer wird mir, dass die Seale meiner Frau nie begegnet ist. Das war einfach ein Vorwand, um mich anzusprechen. Aber wozu? Was hat sie davon gehabt? Ich meine – was hatte sie davon, außer einem kleinen Geldbetrag? Trotzdem habe ich das Gefühl, als sei das Zusammentreffen mit mir bewusst herbeigeführt worden. Es hat so verdächtig gut geklappt! Aber warum? Das frage ich mich immerzu: warum?»

«Ja, das ist tatsächlich die Hauptfrage: warum? Ich habe mich das auch gefragt – und ich kann es nicht verstehen.»

«Sie machen sich gar keine bestimmten Ideen über die Sache?»

Poirot schüttelte den Kopf.

«Meine Ideen sind im höchsten Maße kindisch. Ich sage mir, es sei vielleicht eine List gewesen, um jemanden auf Ihre Person aufmerksam zu machen – um sozusagen mit dem Finger auf Sie zu weisen. Aber auch das ist albern, denn Sie sind eine ziemlich bekannte Erscheinung, und jedenfalls wäre es viel einfacher gewesen zu sagen: ‹Schau, das ist er – der Mann, der jetzt zur Tür hineingeht.›»

«Warum sollte jemand auf meine Person aufmerksam gemacht werden?»

«Mr Blunt, versetzen Sie sich noch einmal zurück an den betreffenden Vormittag beim Zahnarzt. Hat Morley gar nichts gesagt, was Ihnen ungewöhnlich vorgekommen ist? Können Sie sich an nichts erinnern, was uns als Spur dienen könnte?»

Blunt dachte angestrengt nach. Dann schüttelte er den Kopf.

«Es tut mir Leid. Mir fällt nicht das Geringste ein.»

«Sind Sie ganz sicher, dass er die Frau nicht erwähnt hat – Miss Sainsbury Seale?»

«Ganz sicher.»

«Auch nicht die andere – Mrs Chapman?»

«Nein, nein – wir haben überhaupt nicht von Menschen gesprochen. Nur von Rosen, von Gärten, die Regen nötig haben, und von Ferien – von nichts anderem.»

«Und niemand ist während Ihrer Anwesenheit ins Zimmer gekommen?»

«Warten Sie – nein, ich glaube nicht. Sonst war immer eine junge Dame da, eine Blondine. Aber an dem Tag habe ich sie nicht gesehen. Oh, jetzt erinnere ich mich: Ein zweiter Zahnarzt ist für einen Augenblick hereingekommen – dem Akzent nach anscheinend ein Ire.»

«Und was sagte oder tat er?»

«Er fragte Morley etwas und ging gleich wieder hinaus. Er war nur ganz kurz im Sprechzimmer.»

«Und sonst können Sie sich auf nichts besinnen? Auf gar nichts?»

«Nein, Morley hat sich ganz normal benommen.»

Hercule Poirot murmelte nachdenklich: «Ja, ich fand ihn auch ganz normal.»

Es entstand eine längere Pause. Dann fragte Poirot: «Können Sie sich an einen jungen Mann erinnern, der mit Ihnen unten im Wartezimmer war?»

Alistair Blunt runzelte die Stirn.

«Warten Sie einmal – ja, ich entsinne mich – ein ziemlich unruhiger junger Mann. Aber etwas Besonderes ist mir an ihm nicht aufgefallen. Warum fragen Sie?»

«Würden Sie ihn wieder erkennen, wenn Sie ihn sähen?»

Blunt schüttelte den Kopf.

«Ich habe ihn kaum angeschaut.»

«Versuchte er nicht, mit Ihnen ins Gespräch zu kommen?»

«Nein.» Blunt sah Poirot mit unverhüllter Neugierde an. «Worauf wollen Sie hinaus? Wer war der junge Mann?»

«Er heißt Howard Raikes.»

Poirot passte scharf auf, wie Blunt reagieren würde; aber es erfolgte nichts.

«Kenne ich den Namen? Habe ich den Mann schon irgendwo getroffen?»

«Ich glaube nicht, dass Sie ihm schon begegnet sind. Er ist ein Freund Ihrer Nichte, Miss Olivera.»

«Aha, einer von Janes Freunden.»

«Ihre Mutter hält, soviel ich weiß, nicht sehr viel von dieser Freundschaft.»

Blunt sagte geistesabwesend: «Ich kann mir nicht denken, dass das auf Jane großen Eindruck macht.»

«Mrs Olivera hat sogar so ernste Einwände gegen diese Freundschaft, dass sie ihre Tochter aus Amerika nach England gebracht hat, um sie von diesem jungen Mann zu trennen.»

«Oh!» Nun hatte Blunt begriffen. «Der war das also!»

«Aha, jetzt fangen Sie an, Interesse zu bekommen!»

«Ich halte ihn für einen in jeder Beziehung höchst unliebsamen Burschen. Ist in alle möglichen umstürzlerischen Aktionen verwickelt.»

«Von Miss Olivera habe ich gehört, dass er an dem betreffenden Vormittag nur zu dem Zweck in die Queen Charlotte Street gegangen ist, um Sie zu sehen.»

«Und um mich zu bewegen, Gefallen an ihm zu finden?»

«Nun – nicht ganz –, die Absicht war eher, dass er bewogen werden sollte, an Ihnen Gefallen zu finden.»

Alistair Blunt sagte empört: «Das ist ja wohl der Gipfel der Frechheit!»

Poirot unterdrückte ein Lächeln.

«Anscheinend verkörpern Sie so ungefähr alles, was er ablehnt.»

«Ganz bestimmt gehört er zu der Sorte junger Leute, die ich ablehne! Vertrödelt seine Zeit damit, große politische Reden zu halten und das Blaue vom Himmel herunterzuschwätzen, anstatt irgendeine ordentliche Arbeit anzupacken!»

«Würden Sie mir erlauben, eine unverschämte und sehr persönliche Frage an Sie zu richten?», bat Poirot nach einer kleinen Pause.

«Schießen Sie los.»

«Wie sehen, für den Fall Ihres Todes, Ihre testamentarischen Verfügungen aus?»

Blunt starrte ihn an.

«Warum wollen Sie das wissen?»

«Weil – immerhin eine schwache Möglichkeit besteht» – Poirot zuckte die Achseln – «dass dies für unseren Fall wichtig ist.»

«Unsinn!»

«Vielleicht – vielleicht auch nicht.»

Alistair Blunt sagte kalt: «Ich denke, Sie sind unnötig dramatisch, M. Poirot. Niemand hat versucht, mich zu ermorden oder dergleichen.»

«Eine Bombe am Frühstückstisch – ein Schuss auf der Straße…»

«Ach, diese Dinge! Ein Mann, der in der internationalen Hochfinanz mitmischt, wird immer derartigen kleinen Aufmerksamkeiten von verrückten Fanatikern ausgesetzt sein!»

«Es kann sich auch um jemanden handeln, der nicht fanatisch und nicht verrückt ist.»

Blunt machte große Augen.

«Worauf wollen Sie hinaus…?»

«In nüchternen Worten möchte ich gern wissen, wer aus Ihrem Tod Nutzen zieht.»

Blunt lachte.

«Hauptsächlich das St. Edward’s Hospital, das Krebskrankenhaus und das Königliche Blindeninstitut.»

«Aha!»

«Außerdem habe ich einen bestimmten Geldbetrag meiner angeheirateten Nichte, Mrs Julia Olivera, vermacht; einen gleich hohen Betrag – der aber treuhänderisch zu verwalten ist – ihrer Tochter, Jane Olivera; und schließlich ein namhaftes Legat meiner einzigen noch lebenden Blutsverwandten, einer Cousine, Helen Montressor, die in sehr schlechten Verhältnissen ist und hier auf dem Besitz ein kleines Bauernhaus bewohnt.»

Er hielt inne und sagte: «Das alles, M. Poirot, ist streng vertraulich.»

«Natürlich, Monsieur, natürlich.»

In spöttischem Ton fügte Blunt hinzu: «Ich hoffe, Sie wollen nicht behaupten, M. Poirot, dass Julia oder Jane Olivera oder meine Cousine Helen Montressor mich um meines Geldes willen umzubringen beabsichtigen?»

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