Das Geheimnis der Schnallenschuhe
- Автор: Кристи Агата
- Год: 2009
- Язык: немецкий
- Жанр: Классические детективы
Электронная книга - «Das Geheimnis der Schnallenschuhe». Краткое содержание книги:
Die Originalausgabe erschien unter dem Titel
ONE, TWO BUCKLE MY SHOW
© 1940 Agatha Christie Limited, a Chorion Company.
«Er hatte also den Plan gefasst, in der Sprechstunde eine Szene zu machen?»
«Ja – das war wohl seine Absicht. Natürlich war es sehr ungerecht von ihm, sich so etwas auszudenken.»
Poirot schaute die verweinte junge Blondine nachdenklich an.
«Wussten Sie, dass Frank Carter eine Pistole besaß, vielmehr zwei ganz gleiche Pistolen?»
«O nein, M. Poirot, das schwöre ich Ihnen. Und ich kann auch nicht glauben, dass es wahr ist.»
Poirot schüttelte ratlos den Kopf.
«Ach, M. Poirot, helfen Sie uns doch. Wenn ich nur wüsste, dass Sie auf unserer Seite sind…»
«Ich bin auf keiner Seite. Ich bin nur auf der Seite der Wahrheit.»
Nachdem Poirot das Mädchen losgeworden war, rief er Scotland Yard an. Japp war noch nicht zurück, aber Sergeant Beddas gab bereitwilligst Auskunft. Die Polizei war bis jetzt auf nichts gestoßen, wodurch bewiesen werden konnte, dass Frank Carter die Pistole vor dem Attentat in Exsham besessen hatte. Poirot legte nachdenklich den Hörer auf. Das war ein Punkt, der zu Carters Gunsten sprach. Aber es war vorläufig auch der einzige.
Beddas hatte ihm noch ein paar neue Einzelheiten der Aussage mitgeteilt, die Carter über seine Beschäftigung als Gärtner in Exsham gemacht hatte. An der Behauptung, es habe sich um einen Auftrag für den Geheimdienst gehandelt, hielt er fest. Er hatte eine Vorauszahlung und ein paar Zeugnisse über seine gärtnerische Befähigung erhalten und sich dann weisungsgemäß bei Blunts Obergärtner MacAlister um einen Posten beworben. Seine Instruktionen befahlen ihm, die Gespräche der übrigen Gärtner zu belauschen, sie nach etwaigen «roten» Neigungen auszuhorchen und selbst ein bisschen so zu tun, als sei er ein «Roter». Den Auftrag und die Instruktionen hatte ihm eine Frau erteilt, die sich als «Q. H. 56» ausgab und ihm sagte, er sei ihr als überzeugter Antikommunist empfohlen worden. Das Gespräch hatte bei sehr schwacher Beleuchtung stattgefunden, und er hielt es für unwahrscheinlich, dass er die Frau wieder erkennen würde. Es war eine rothaarige, stark geschminkte Dame gewesen.
Poirot stöhnte. Er fühlte sich versucht, mit Mr Barnes über die Sache zu sprechen. Mr Barnes hatte behauptet, dass solche Dinge wirklich passierten.
Die Abendpost brachte ihm einen Brief, der ihn noch mehr verwirrte. Ein billiger Umschlag, mit ungeübter Hand beschrieben, in Hertfordshire abgestempelt. Poirot öffnete den Brief und las:
Sehr geehrter Herr, bitte verzeihen Sie, dass ich an Sie schreibe, aber ich bin sehr beunruhigt und weiß nicht, was ich tun soll. Ich möchte auf keinen Fall etwas mit der Polizei zu tun bekommen. Ich weiß, dass ich vielleicht etwas, das ich weiß, schon früher hätte sagen sollen, aber als es hieß, der Herr hat sich erschossen, dachte ich, es ist schon recht. Und ich wollte auch nicht Miss Nevills Verehrer in Schwierigkeiten bringen, obwohl ich nie geglaubt habe, dass er es getan hat. Aber jetzt lese ich in der Zeitung dass er verhaftet worden ist, weil er auf einen andern Herrn geschossen hat, und da muss ich es wohl sagen. Ich schreibe an Sie, weil Sie mit meinem Fräulein bekannt sind und mich neulich gefragt haben. Jetzt wünsche ich natürlich, ich hätte es Ihnen schon neulich gesagt. Aber ich hoffe, das heißt nicht, dass ich es mit der Polizei zu tun bekomme, denn das wäre mir sehr unangenehm und meiner Mutter auch. Meine Mutter ist immer sehr eigen gewesen.
Hochachtungsvoll
Agnes Fletcher.
Poirot murmelte: «Ich habe immer gewusst, dass es etwas mit einem Mann zu tun hatte. Ich habe nur auf den falschen Mann getippt – das ist alles.»
8
Das Gespräch mit Agnes Fletcher fand in Hertford statt, und zwar in einer menschenleeren Teestube, denn Agnes hatte großen Wert darauf gelegt, ihre Geschichte nicht unter dem kritischen Blick Miss Morleys erzählen zu müssen…
«Miss Morley möchte ich nichts davon sagen, denn sie würde vielleicht meinen, ich hätte es schon längst erzählen müssen. Aber die Köchin und ich waren der Meinung, es sei nicht unsere Sache, denn wir haben ja schwarz auf weiß in der Zeitung gelesen, dass Mr Morley sich in dem Betäubungsmittel geirrt und dann selber erschossen hat – nicht wahr?»
«Und wann haben Sie angefangen, Ihre Meinung zu ändern?»
Poirot hoffte, durch eine aufmunternde, aber nicht zu unmittelbare Frage die versprochene Enthüllung aus Agnes herauszulocken.
Agnes erwiderte prompt: «Als ich in der Zeitung las, dass Mr Carter auf den Herrn geschossen hat, bei dem er Gärtner war! Da dachte ich, er sei vielleicht ein bisschen verrückt, denn es gibt doch Leute, die glauben, sie würden verfolgt und seien von Feinden umringt, und zum Schluss kann man sie nicht mehr daheim behalten, sondern muss sie in eine Heilanstalt stecken. Und ich habe gedacht, Mr Carter sei vielleicht auch so ein Irrer, denn ich habe mich erinnert, dass er immer sagte, Mr Morley sei ein Feind und wolle ihn und Miss Nevill auseinander bringen – aber natürlich hat sie kein Wort gegen Mr Carter hören wollen, und das mit Recht, haben wir immer gedacht, Emma und ich, denn Mr Carter schaut doch so gut aus und ist ein richtiger Herr, das kann man nicht leugnen. Aber natürlich hat keine von uns beiden geglaubt, dass er Mr Morley wirklich etwas zuleide getan hat. Wir haben nur gedacht, dass es ein bisschen sonderbar war – wenn Sie verstehen, was ich meine.»
Poirot fragte geduldig: «Was war sonderbar?»
«Damals am Vormittag – an dem Vormittag, an dem sich Mr Morley erschoss. Ich ging damals auf den Vorplatz und schaute ins Treppenhaus hinunter, weil ich wissen wollte, ob auf dem Tisch schon die Post lag.» Agnes holte tief Atem und fuhr fort: «Und da sah ich ihn – Frank Carter, meine ich. Er stand auf halber Höhe der Treppe – unserer Treppe, meine ich – also oberhalb des Sprechzimmers. Da wartete er und schaute hinunter – und je mehr ich jetzt darüber nachdenke, desto merkwürdiger kommt mir das vor. Es war, als ob er aufmerksam gelauscht hätte – wenn Sie verstehen, was ich meine…»
«Um welche Zeit war das?»
«Es muss gegen halb zwölf gewesen sein. Und gerade als ich dachte, nanu, das ist doch Frank Carter, und Miss Nevill ist für den ganzen Tag fort, der wird nicht schlecht enttäuscht sein, und wie ich so überlege, ob ich nicht hinunterlaufen und ihm das sagen soll – da entschließt er sich, geht die Treppe hinunter und verschwindet in dem Gang, der zum Sprechzimmer von Mr Morley führt. Da habe ich mir im Stillen gedacht, das wird Mr Morley aber gar nicht recht sein, und war neugierig, ob es nicht Krach geben würde. Aber gerade in dem Augenblick rief Emma nach mir, und ich ging wieder hinein. Als ich etwas später hörte, Mr Morley habe sich erschossen, da war das natürlich ein solcher Schreck, dass ich alles andere vergaß. Erst als der Polizist wieder fort war, erzählte ich Emma, dass ich am Vormittag Mr Carter zu Mr Morley habe gehen sehen. Emma meinte, ich hätte es vielleicht bei der Polizei angeben sollen, aber dann beschlossen wir, noch zu warten, weil wir Mr Carter nicht in Schwierigkeiten bringen wollten. Und als dann bei der Leichenschau herauskam, dass Mr Morley sich bei einer Narkose geirrt und dann den Kopf verloren und sich erschossen habe, nun – da war kein Grund mehr, etwas davon zu erzählen. Aber jetzt, nachdem ich das vom Schuss auf Mr Blunt gelesen habe, bin ich nicht schlecht erschrocken! Und im Stillen habe ich mir gesagt, wenn der wirklich verrückt ist und herumgeht und auf die Leute schießt – ja, dann hat er vielleicht doch Mr Morley erschossen!»
Ihr Blick war ängstlich, aber zugleich hoffnungsvoll auf Poirot gerichtet. Poirot gab seiner Stimme einen möglichst beruhigenden Klang. «Sie dürfen überzeugt sein, Agnes, dass Sie vollkommen Recht daran getan haben, mir das zu erzählen», sagte er.