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Das Geheimnis der Schnallenschuhe

Электронная книга - «Das Geheimnis der Schnallenschuhe». Краткое содержание книги:

Auch ein Meisterdetektiv geht nicht gern zum Zahnarzt. Und die Rätsel in der Praxis von Hercule Poirots Zahnarzt häufen sich: Ein Patient stirbt, ein anderer verschwindet, auf einen dritten wird ein Attentat verübt. Wie gut nur, dass Poirot vor der Tür des Zahnarztes die Dame mit den merkwürdigen Schnallenschuhen aufgefallen ist. So bereitet ihm die Lösung des geheimnisvollen Geschehens schließlich doch keine Zahnschmerzen.
Die Originalausgabe erschien unter dem Titel
ONE, TWO BUCKLE MY SHOW
© 1940 Agatha Christie Limited, a Chorion Company.
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«Ich behaupte nichts – gar nichts.»

Blunts leichte Gereiztheit verflog wieder. Er fragte: «Und meinen Auftrag nehmen Sie an?»

«Die Suche nach Miss Sainsbury Seale? Jawohl.»

«Bravo!», sagte Alistair Blunt herzlich.

Beim Verlassen des Zimmers stieß Poirot um ein Haar mit Jane zusammen.

«Ich bitte um Entschuldigung, Mademoiselle», sagte er höflich.

Jane Olivera trat etwas zur Seite.

«Wissen Sie, was ich über Sie denke, M. Poirot?»

«Eh bien, Mademoiselle…»

Sie ließ ihn nicht ausreden. Ihre Frage hatte nur rein rhetorischen Wert besessen. Jane Olivera war im Begriff, selbst darauf zu antworten.

«Sie sind ein Spitzel – das sind Sie! Ein elender, niedriger, gemeiner Spitzel, der seine Nase in alles steckt und nichts als Verwirrung stiftet!»

«Ich versichere Ihnen, Mademoiselle…»

«Ich weiß genau, worauf Sie es abgesehen haben! Und ich weiß jetzt auch, wie Sie lügen! Warum geben Sie es nicht offen zu? Aber eines kann ich Ihnen sagen: Sie werden nichts, gar nichts herausbekommen! Es gibt für Sie nichts herauszubekommen! Niemand hat die Absicht, meinem werten Onkel auch nur ein Haar zu krümmen. Dem passiert nichts. Dem wird nie etwas passieren. Frisch und gesund, korrekt, wohlhabend – und voll von Gemeinplätzen! Er ist nichts als ein stumpfsinniger John Bull – ohne ein Gramm Phantasie oder Weitblick!»

Sie senkte ihre wohlklingende Stimme und zischte hasserfüllt: «Ich kann Ihren Anblick nicht ertragen – Sie verdammter kleiner Bourgeois-Detektiv!» Und sie rannte fluchtartig davon.

Hercule Poirot blieb mit weit aufgerissenen Augen und hochgezogenen Brauen stehen; seine Hand spielte nachdenklich am Schnurrbart.

Die Bezeichnung «Bourgeois» passte gut auf ihn – das musste er zugeben. Seine Lebensphilosophie war durchaus bürgerlich – war es immer gewesen. Aber dass die elegante und gepflegte Jane Olivera dieses Wort anwandte, um ihre Verachtung für ihn auszudrücken, gab ihm zu denken.

Immer noch in Gedanken versunken, ging er in den Salon. Mrs Olivera war gerade dabei, eine Patience zu legen. Sie schaute auf, als Poirot hereinkam, ließ flüchtig einen Blick über ihn gleiten, als betrachte sie einen besonders unappetitlichen Käfer, und murmelte zerstreut: «Roter Bube auf schwarze Dame.»

Wie ein begossener Pudel zog Poirot sich zurück. Er überlegte traurig: «Ach, es scheint, dass mich hier niemand mag!»

Er schlenderte durch die Glastür hinaus in den Garten. Es war ein herrlicher Abend, erfüllt vom Duft der nächtlich atmenden Büsche und Sträucher. Poirot schnüffelte und schlug einen Weg ein, der zwischen zwei hohen Hecken verlief.

Hercule Poirot bog um eine Ecke, und zwei Gestalten fuhren auseinander. Offenbar hatte er ein Liebespaar gestört. Hastig kehrte er um und ging den gleichen Weg zurück. Sogar hier draußen war er anscheinend überflüssig. Er kam an Alistair Blunts Fenster vorbei; Blunt diktierte Mr Selby. Es schien letzten Endes nur einen einzigen Aufenthaltsort für Hercule Poirot zu geben: Er ging zu Bett. Aber noch eine ganze Weile dachte er über die verschiedenen phantastischen Aspekte nach, die die Lage bot.

Hatte er sich geirrt, als er in der Stimme am Telefon Mrs Olivera zu erkennen glaubte? Oder hatte er sich nicht geirrt? Der Gedanke war absurd!

Er rief sich die dramatischen Enthüllungen des stillen, kleinen Mr Barnes ins Gedächtnis zurück und stellte Mutmaßungen an über die geheimnisvollen Wege des Mr QX 912, alias Albert Chapman.

Mit plötzlichem Unbehagen erinnerte er sich an den ängstlichen Blick des Stubenmädchens Agnes. Es war immer dasselbe: Die Leute wollten mit einzelnen Dingen nicht herausrücken! Meist waren es ganz unwichtige Dinge; aber solange sie nicht aus dem Weg geräumt waren, kam man nicht vorwärts. Und was lag augenblicklich nicht alles auf seinem Weg!

Was ihn am meisten am klaren Denken und methodischen Fortschreiten hinderte, war das widerspruchsvolle und unlösbare Problem Sainsbury Seale. Denn wenn die Tatsachen stimmten, die Hercule Poirot festgestellt hatte, dann ergab überhaupt nichts mehr einen Sinn! Poirot fragte sich, voll Erstaunen über seine eigene Frage: «Könnte es sein, dass ich alt werde?» 

6

Nach einer unruhigen Nacht war Poirot am anderen Morgen frühzeitig auf den Beinen. Das Wetter war herrlich, und er ging noch mal den gleichen Weg, wie am Abend zuvor.

Die Büsche und Sträucher standen in voller Pracht, und obwohl Poirots persönlicher Geschmack zu einer regelmäßigeren Anordnung der Blumen neigte – wie die ordentlichen Geranienbeete, die man in Ostende sieht –, war ihm doch klar, dass hier der Geist englischer Gartenpflege seinen vollkommensten Ausdruck gefunden hatte. Sein Weg führte ihn weiter durch einen Rosengarten, wo ihn die Anlage der Beete entzückte, und dann in Windungen durch einen alpinen Steingarten, bis er schließlich zu dem von einer Mauer eingefassten Küchengarten gelangte. Hier bemerkte er eine kräftige Frau im Tweedkostüm, mit dunklen Augenbrauen und kurz geschnittenem schwarzem Haar, die in der langsamen und eindringlichen Sprechweise der Schotten auf einen Mann einredete, der offenbar der Obergärtner war. Es fiel Poirot auf, dass der Obergärtner an der Unterhaltung keine große Freude zu haben schien.

In Miss Helen Montressors Stimme war ein deutlich sarkastischer Ton nicht zu überhören, und Poirot huschte schnell auf einem Seitenweg davon.

Ein Gärtner, der sich – wie Poirot vermutete – rastend auf seinen Spaten gestützt hatte, begann plötzlich eifrig zu graben. Poirot kam näher. Der Mann, ein junger Bursche, grub weiter, mit dem Rücken zu Poirot, der stehen blieb, um ihn zu beobachten.

«Guten Morgen», sagte Poirot freundlich.

Ein gemurmeltes «Morgen, Sir» war die Antwort, aber der Mann hörte nicht auf zu arbeiten.

Poirot war etwas erstaunt. Nach seinen Erfahrungen war ein Gärtner, so sehr er auch bestrebt sein mochte, den Eindruck fleißiger Arbeit zu erwecken, gewöhnlich nur allzu bereit, seine Tätigkeit zu unterbrechen und ein paar Worte zu plaudern, wenn man ihn ansprach.

Nachdenklich setzte er seinen Weg fort, verließ den ummauerten Küchengarten und blieb stehen, um einen mit Büschen bewachsenen Hügel zu betrachten.

Auf einmal erhob sich, einem phantastischen Mond vergleichbar, ein runder Gegenstand langsam über die Gartenmauer. Es war Hercule Poirots eiförmiger Kopf, und Hercule Poirots Augen betrachteten mit starkem Interesse den jungen Gärtner, der jetzt zu graben aufgehört hatte und sich mit dem Hemdärmel den Schweiß von der Stirn wischte.

«Sehr sonderbar und interessant», murmelte Hercule Poirot, indem er vorsichtig den Kopf wieder hinter der Mauer verschwinden ließ. Er tauchte aus den Büschen auf und klopfte sich ein paar Zweige und Blätter ab.

Ja, es war tatsächlich sehr sonderbar und interessant, dass Frank Carter, der einen Sekretärsposten auf dem Lande bekleidete, als Gärtner im Dienste Alistair Blunts tätig war. Während er darüber nachdachte, hörte er in einiger Entfernung Gongschläge und ging zum Haus zurück. Auf dem Weg begegnete er seinem Gastgeber im Gespräch mit Miss Montressor, die soeben durch die andere Tür aus dem Küchengarten gekommen war. Ihre Stimme mit der rollenden schottischen Aussprache war klar und deutlich zu hören: «Es ist sehrr lieb von dirr, Alistairr, aberr ich ziehe es vorr, diesmal keine Einladung anzunehmen, währrend deine amerrikanischen Verrwandten auf Besuch sind.»

«Julia ist leider ziemlich taktlos, aber sie hat es bestimmt nicht so gemeint», beschwichtigte Blunt.

Miss Montressor sagte ungerührt: «Meinerr Meinung nach ist ihrr Benehmen mirr gegenüberr sehrr unverschämt – und Unverschämtheiten lasse ich mirr nicht gefallen, wederr von Amerikanerinnen noch von anderren Leuten!»

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