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Das Geheimnis der Schnallenschuhe

Электронная книга - «Das Geheimnis der Schnallenschuhe». Краткое содержание книги:

Auch ein Meisterdetektiv geht nicht gern zum Zahnarzt. Und die Rätsel in der Praxis von Hercule Poirots Zahnarzt häufen sich: Ein Patient stirbt, ein anderer verschwindet, auf einen dritten wird ein Attentat verübt. Wie gut nur, dass Poirot vor der Tür des Zahnarztes die Dame mit den merkwürdigen Schnallenschuhen aufgefallen ist. So bereitet ihm die Lösung des geheimnisvollen Geschehens schließlich doch keine Zahnschmerzen.
Die Originalausgabe erschien unter dem Titel
ONE, TWO BUCKLE MY SHOW
© 1940 Agatha Christie Limited, a Chorion Company.
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«Tsch!»

«Was sagen Sie?»

«Es war, mon ami, ein Ausruf des Verdrusses.»

«Aha – ich dachte, Sie hätten sich einen Schnupfen geholt! Verdruss ist gut! Ich möchte lieber ein stärkeres Wort gebrauchen. Dass man die Dame einfach laufen lässt, reizt mich bis zur Weißglut.»

Poirot sagte leise: «Man wird sie nicht laufen lassen.»

«Ich sage Ihnen doch, dass uns die Hände gebunden sind…!»

«Ihnen vielleicht – mir nicht.»

«Braver alter Poirot! Sie wollen die Sache weiterverfolgen?»

«Mais oui – bis zum Tod!»

«Nun – sorgen Sie nur dafür, dass es nicht Ihr eigener ist, alter Freund! Wenn die Geschichte so weitergeht, wie sie angefangen hat, dann wird Ihnen wahrscheinlich demnächst jemand ein Paket mit einer Giftschlange schicken!»

Als Poirot den Hörer auflegte, fragte er sich: «Warum habe ich nur diese dramatische Phrase gebraucht ‹bis zum Tod›? Vraiment – absurd!»

Der Brief kam mit der Abendpost. Er war mit der Maschine geschrieben, bis auf die Unterschrift:

Lieber M. Poirot!

Ich wäre Ihnen sehr verbunden, wenn Sie mich morgen aufsuchen könnten. Ich habe vielleicht einen Auftrag für Sie. Ich schlage vor, dass Sie um halb eins in meine Wohnung am Chelsea Embankment kommen. Sollte Ihnen diese Zeit nicht passen, bitte ich Sie, telefonisch einen anderen Termin mit meinem Sekretär zu vereinbaren. Verzeihen Sie, dass ich Sie so kurzfristig bemühen muss.

Ihr ergebener Alistair Blunt

Poirot strich den Bogen glatt und las den Brief zum zweiten Mal. In diesem Augenblick läutete das Telefon.

Eine unpersönliche Stimme fragte: «Welche Nummer haben Sie?»

«Hier ist Whitehall 7272.»

Eine Pause. Ein Knacken. Dann eine Stimme. Eine weibliche Stimme.

«M. Poirot?»

«Ja.»

«M. Poirot, Sie haben einen Brief erhalten – oder werden ihn sehr bald erhalten.»

«Wer ist dort?»

«Es ist unnötig, dass Sie das wissen.»

«Gut. Ich habe, Madame, mit der Abendpost acht Briefe und drei Rechnungen erhalten.»

«Dann wissen Sie, welchen Brief ich meine. Wenn Sie klug sind, M. Poirot, werden Sie den Auftrag ablehnen, den man Ihnen erteilen will.»

«Das, Madame, ist eine Frage, die ich selbst zu entscheiden habe.»

Die Stimme sagte kühclass="underline" «Ich warne Sie, M. Poirot. Ihre Einmischung wird nicht länger geduldet. Halten Sie sich aus der Sache raus.»

«Und wenn ich mich nicht raushalte?»

«Dann werden wir Maßnahmen ergreifen, um zu erreichen, dass Ihre Einmischung nicht mehr zu befürchten ist…»

«Das ist eine Drohung, Madame!»

«Wir verlangen nichts anderes, als dass Sie Vernunft annehmen. Es ist zu Ihrem eigenen Besten.»

«Sie sind wirklich großmütig!»

«Sie können den vorgezeichneten Gang der Ereignisse nicht ändern. Kümmern Sie sich also nicht um Dinge, die Sie nichts angehen. Verstehen Sie mich?»

«Gewiss verstehe ich Sie. Ich bin nur der Meinung, dass Mr Morleys Tod mich angeht.»

«Morley war nur eine Nebenfigur. Er hat unsere Pläne gestört.»

«Er war immerhin ein Mensch, Madame – und ist vor seiner Zeit gestorben.»

«Er war bedeutungslos.»

Poirots Stimme klang gefährlich, als er ruhig sagte: «In diesem Punkt irren Sie sich…»

«Es war seine eigene Schuld. Er weigerte sich, Vernunft anzunehmen.»

«Ich weigere mich ebenfalls, Vernunft anzunehmen.»

«Dann sind Sie ein Narr.»

Es knackte im Apparat; am anderen Ende war der Hörer aufgelegt worden.

Poirot rief «Allo?» und legte dann seinerseits auf. Er machte sich nicht die Mühe, durch die Zentrale ermitteln zu lassen, woher der Anruf gekommen war. Er war ziemlich sicher, dass er von einem öffentlichen Fernsprecher aus geführt worden war.

Was ihn beschäftigte und verwirrte, war, dass er sich einbildete, die Stimme schon irgendwo gehört zu haben. Er zermarterte sich das Gehirn in dem vergeblichen Versuch, sich ihrer Besitzerin zu erinnern. Konnte es die Stimme von Sainsbury Seale sein?

Mabelle Sainsbury Seale hatte eine hohe, affektierte Stimme mit übertrieben deutlicher Aussprache gehabt. Die Stimme am Telefon hatte ganz anders geklungen – und doch war es vielleicht Miss Sainsbury Seale gewesen, nur verstellt. Sie war ja einmal Schauspielerin gewesen. Vermutlich machte es ihr keine großen Schwierigkeiten, die Stimme zu verstellen.

Aber diese Erklärung befriedigte ihn nicht. Nein, die Stimme erinnerte ihn an eine andere Frau. Es war keine Stimme, die er gut kannte, aber er war immer noch überzeugt, sie schon einmal – oder vielleicht zweimal – gehört zu haben.

Warum – so überlegte er – hatte sie sich die Mühe gemacht, ihn anzurufen und ihm zu drohen? Glaubten diese Leute wirklich, dass er sich einschüchtern lassen würde? Schlechte Psychologen!

Im Gotischen Haus wurde Poirot vom Sekretär Alistair Blunts empfangen, einem hoch gewachsenen, etwas schlaffen jungen Mann mit vollendeten Umgangsformen.

Er entschuldigte sich liebenswürdig.

«Es tut mir außerordentlich Leid, M. Poirot – und Mr Blunt gleichfalls. Er ist ins Außenministerium gerufen worden. Ich habe bei Ihnen zu Hause angerufen, aber leider waren Sie schon fort.»

Der junge Mann sprach rasch weiter. «Mr Blunt hat mich beauftragt, Sie zu bitten, das Wochenende mit ihm in seinem Landhaus in Kent zu verbringen. Sie wissen: Exsham. Falls es Ihnen passt, würde er Sie morgen Abend mit dem Wagen abholen.»

Poirot zögerte.

Der junge Mann sagte in überredendem Ton: «Es liegt Mr Blunt wirklich sehr viel daran, mit Ihnen zu sprechen.»

Hercule Poirot neigte den Kopf.

«Danke. Ich nehme die Einladung an.»

«Ah, das ist famos. Mr Blunt wird entzückt sein. Wenn er Sie morgen um etwa Viertel vor sechs abholen würde, wäre das – oh, guten Morgen, Mrs Olivera.»

Jane Oliveras Mutter war eingetreten. Sie war sehr elegant angezogen; auf ihrer kunstvoll gebauten Frisur balancierte schräg ein Hut, der das eine Auge fast verdeckte.

«Mr Selby, hat Ihnen Mr Blunt wegen der Gartenstühle Bescheid gesagt? Ich wollte gestern Abend mit ihm darüber sprechen, weil ich wusste, dass wir übers Wochenende hinausfahren, und…»

Mrs Olivera bemerkte Poirots Anwesenheit und verstummte.

«Darf ich Sie Mrs Olivera vorstellen, M. Poirot?»

«Ich hatte schon das Vergnügen, Madame kennen zu lernen.»

Poirot machte eine Verbeugung.

Mrs Olivera sagte zerstreut: «Oh – guten Tag. Mr Selby, ich weiß natürlich, dass Alistair ein viel beschäftigter Mann ist, und dass diese kleinen häuslichen Dinge ihm vielleicht unwichtig vorkommen.»

«Es ist alles in Ordnung, Mrs Olivera», entgegnete Selby. «Ich habe bei der Firma Deevers wegen der Stühle angerufen.»

«So – da fällt mir aber ein Stein vom Herzen. Nun etwas anderes, Mr Selby: Können Sie mir sagen…» Mrs Olivera gackerte weiter. Sie kam Poirot vor wie eine Henne. Eine große, fette Henne. Immer noch gackernd, bewegte sie sich majestätisch auf die Tür zu.

«… und wenn Sie bestimmt wissen, dass wir dieses Wochenende ganz unter uns sind…»

Mr Selby hustete.

«Äh – M. Poirot kommt ebenfalls zum Wochenende hinaus.»

Mrs Olivera brach ab. Sie drehte sich um und betrachtete Poirot mit sichtlichem Missfallen.

«So? Wirklich?»

«Mr Blunt war so liebenswürdig, mich einzuladen», erklärte Poirot höflich.

«Also, das wundert mich – das ist doch sehr sonderbar von Alistair. Sie werden verzeihen, M. Poirot, aber Mr Blunt hat mir ausdrücklich gesagt, dass er diesmal das Wochenende nur im Familienkreis zu verbringen wünschte.»

Selby sagte mit fester Stimme: «Mr Blunt liegt besonders viel daran, dass M. Poirot mit nach Exsham kommt.»

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