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Das flammende Kreuz: Roman (German Edition)

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Das flammende Kreuz: Roman (German Edition)
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Tryons Kinnmuskeln spannten sich an, und seine Arme und Beine zitterten, doch er behielt sich unter Kontrolle. Er atmete tief durch die Nase ein und aus, bevor er etwas sagte.

»Mr. Fraser. Ich werde Euch jetzt etwas sagen, was schon einige, wenige Leute wissen, was aber noch nicht öffentlich bekannt ist.«

Jamie antwortete nicht, sondern zog eine Augenbraue hoch, die im Licht rot aufglänzte. Seine Augen waren kalt, dunkel und reglos.

»Man hat mich zum Gouverneur der Kolonie New York gemacht«, sagte Tryon. »Mein Ernennungsbrief ist bereits vor über einem Monat eingetroffen. Ich werde North Carolina im Juli verlassen, um die neue Stellung anzutreten; Josiah Martin wird hier an meiner Stelle Gouverneur.« Er blickte von Jamie zu mir und zurück. »Ihr seht also, dass ich hier keinerlei persönliches Interesse hatte; dass ich es nicht nötig hatte, meine Eroberungen, wie Ihr das nennt, zu glorifizieren.« Seine Kehle bewegte sich, als er schluckte, doch an Stelle seiner Furcht war jetzt dieselbe Kälte getreten, die auch Jamie ausstrahlte.

»Was ich getan habe, habe ich aus Pflichtgefühl getan. Ich wollte meinem Nachfolger diese Kolonie nicht im Zustand des Aufruhrs und der Rebellion hinterlassen – obwohl ich dies von Rechts wegen hätte tun können.«

Er holte tief Luft und trat einen Schritt zurück, wobei er seine geballten Fäuste angestrengt löste.

»Ihr habt doch Erfahrung mit dem Krieg, Mr. Fraser, und mit der Pflicht. Und wenn Ihr ehrlich seid, werdet Ihr auch wissen, dass auf beiden Gebieten Fehler gemacht werden – und zwar oft. Es geht gar nicht anders.«

Er sah Jamie direkt in die Augen, und sie standen schweigend da und musterten einander.

Meine Aufmerksamkeit wandte sich ruckartig von dieser Konfrontation ab, weil ich in einiger Entfernung ein Baby weinen hörte. Ich drehte mich erhobenen Kopfes um, und im selben Moment trat Brianna hinter mir mit raschelnden Röcken aus dem Zelteingang.

»Jemmy«, sagte sie. »Das ist Jemmy.«

Er war es tatsächlich. Vom anderen Ende des Lagers näherte sich Stimmengewirr, das schließlich die runde, zappelige Gestalt Phoebe Sherstons annahm, die mit ängstlicher, aber entschlossener Miene daher kam, gefolgt von zwei Sklaven: einem Mann, der zwei große Körbe trug, und einer Frau, die ein eingewickeltes Bündel im Arm hatte, das sich heftig wand und einen fürchterlichen Lärm machte.

Brianna schoss auf das Bündel zu wie eine Kompassnadel, die nach Norden schwingt, und zog Jemmy aus seiner Decke hervor. Sein Haar stand in roten Büscheln ab, und seine Füße zuckten krampfhaft vor freudiger Erleichterung. Mutter und Kind verschwanden prompt im Dunkel unter den Bäumen. Es folgte eine gewisse Verwirrung, während Mrs. Sherston einer wachsenden Menge interessierter Zuhörer in unzusammenhängenden Bruchstücken erklärte, sie habe sich solche Sorgen gemacht, als sie die Berichte von der Schlacht gehört habe, so furchtbar, und sie habe gefürchtet … doch Mr. Rutherfords Sklave sei gekommen und habe gesagt, dass alles gut sei … und sie habe gedacht, vielleicht … und daher … und das Kind habe nicht aufgehört zu kreischen … also …

Jamie und der Gouverneur, die sich aus ihrem Tête-à-tête gerissen sahen, hatten sich ebenfalls in die Dunkelheit zurückgezogen; ich konnte sie sehen, zwei starre Schatten, die – der eine groß, der andere kleiner – dicht beieinanderstanden. Doch das Element der Gefahr war aus ihrer Konfrontation gewichen; ich konnte sehen, dass Jamie Tryons Schatten den Kopf zugeneigt hatte und ihm zuhörte.

»… etwas zu essen mitgebracht«, sagte Phoebe Sherston gerade zu mir, und ihr rundes Gesicht war rot vor wichtigtuerischer Aufregung. »Frisches Brot und Butter, Brombeermarmelade und kaltes Huhn und …«

»Essen!«, sagte ich und erinnerte mich abrupt an das Paket, das ich unter dem Arm trug. »Bitte entschuldigt mich!« Ich lächelte sie kurz und strahlend an und wandte mich ab. Sie blieb mit offenem Mund vor dem Zelt zurück.

Abel MacLennan war noch dort, wo ich ihn zurückgelassen hatte, und wartete geduldig unter den Sternen. Als ich mich entschuldigte, winkte er ab und dankte mir für die Lebensmittel und den Krug mit Bier.

»Kann ich irgendetwas –?«, begann ich, dann brach ich ab. Was sollte es sonst geben, was ich für ihn tun konnte?

Und doch gab es anscheinend etwas.

»Der Junge, Hugh Fowles«, sagte er, während er das Paket ordentlich unter dem Kutschbock verstaute. »Ich habe gehört, dass er gefangen genommen wurde. Glaubt – glaubt Ihr, Euer Mann würde vielleicht ein gutes Wort für ihn einlegen? So wie er es für mich getan hat?«

»Ich gehe davon aus. Ich werde mit ihm sprechen.«

Es war still hier, denn wir waren so weit vom Lager entfernt, dass die Geräusche der Gespräche im Gesang der Frösche und Heimchen und dem Rauschen des Flusses untergingen.

»Mr. MacLennan«, sagte ich, einer Eingebung folgend, »wohin werdet Ihr gehen? Wenn Ihr Joe Hobson heimgebracht habt, meine ich?«

Er zog seinen Hut ab und kratzte sich am Kopf, der allmählich kahl wurde, doch die Geste drückte keine Verwunderung aus, sondern war nur die Einleitung zu einer Erklärung, die in seinem Kopf bereits feststand.

»Ach«, sagte er. »Ich hab nicht vor, irgendwo hinzugehen. Da sind schließlich die Frauen, aye? Und die Kinder. Sie haben keinen Mann, jetzt wo Joe tot und Hugh gefangen ist. Ich bleibe dort.«

Dann verneigte er sich vor mir und setzte den Hut auf. Ich schüttelte ihm die Hand – was ihn überraschte –, dann stieg er auf den Wagen, schnalzte mit der Zunge, und sein Pferd setzte sich in Bewegung. Er hob zum Abschied die Hand, und als ich jetzt zurückwinkte, erkannte ich, welche Veränderung in ihm vorgegangen war.

In seiner Stimme klang immer noch Trauer mit, und seine Schultern waren gramgebeugt, und doch machte er sich aufrecht sitzend auf den Weg, und die Sterne schienen auf seinen staubigen Hut. Seine Stimme war fest und sein Händedruck ebenso. Joe Hobson mochte ins Land der Toten aufgebrochen sein, doch Abel MacLennan war von dort zurückgekehrt.

Als ich zum Zelt zurückkehrte, hatte sich die Lage etwas beruhigt. Der Gouverneur war fort, und Mrs. Sherston nebst ihren Sklaven ebenfalls. Isaiah Morton schlief. Er stöhnte dann und wann, hatte jedoch kein Fieber. Roger lag still da wie eine Grabfigur, Gesicht und Hände von Blutergüssen geschwärzt, das schwache Pfeifen seines Atemröhrchens ein Kontrapunkt zu Briannas gemurmeltem Wiegenlied für Jemmy.

Das Gesicht des kleinen Jungen war schlaff, und sein rosiger Mund stand in der völligen Hingabe des Tiefschlafes offen. Einem plötzlichen Einfall folgend, streckte ich die Arme aus, und Brianna überließ ihn mir mit überraschtem Gesicht. Ganz vorsichtig legte ich Roger den schlaffen, schweren, kleinen Körper auf die Brust. Brianna machte eine kleine Bewegung, als wollte sie das Baby auffangen und verhindern, dass es herunterrutschte – doch Roger hob steif und langsam den Arm und legte ihn um das schlafende Kind. Zunder, dachte ich zufrieden gestellt.

Jamie stand vor dem Zelt an einen Hickorybaum gelehnt. Nachdem ich mir einen Überblick verschafft hatte, wie die Dinge innen standen, trat ich zu ihm in die Dunkelheit. Er hob wortlos die Arme, und ich ließ mich von ihnen umfangen.

Wir standen zusammen in der Dunkelheit und lauschten dem Knistern der Lagerfeuer und dem Gesang der Heimchen.

Und atmeten.

Feldlager von Great Alamance

Freitag, 17. Mai 1771

Parole – Granville

Gegenzeichen – Oxford

Der Gouverneur zeigt sich beeindruckt und bedankt sich auf das Herzlichste bei den Offizieren und Soldaten der Armee für die energische und großzügige Unterstützung, die ihm gestern in der Schlacht von Alamance zuteil wurde, verdankt er es doch ihrer Tapferkeit und ihrem vorbildlichen Verhalten, dass er unter dem Schutz des Allmächtigen Gottes den Sieg über die widerspenstigen, fehlgeleiteten Rebellen errang. Seine Exzellenz drückt den Loyalisten sein Mitgefühl für die tapferen Männer aus, die im Kampf gefallen sind oder verletzt wurden, doch angesichts der Tatsache, dass das Schicksal der Verfassung vom Erfolg dieses Tages abhing und sie damit ihrem König und Vaterland einen wichtigen Dienst erwiesen haben, so betrachtet er diesen Verlust (wenn er ihren Verwandten und Freunden zum jetzigen Zeitpunkt auch Kummer bereitet) als Monument des dauerhaften Ruhmes und der Ehre für sie selbst und ihre Familien.

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