Das flammende Kreuz: Roman (German Edition)
- Автор: Гэблдон Диана
- Серия: Die Outlander #5
- Год: 2015
- Язык: немецкий
- Год: Knaur eBook
- Жанр: Другие приключения
Электронная книга - «Das flammende Kreuz: Roman (German Edition)». Краткое содержание книги:
Die Toten werden heute Abend vor dem Geschützpark beerdigt und erhalten eine Begräbniszeremonie mit allen militärischen Ehren. Im Anschluss an die Zeremonie Gebete und Danksagung für den Sieg, den die göttliche Vorsehung gestern der Armee über die Aufrührer gewährte.
SIEBTER TEIL
Bärentöter
Kapitel 73
A Whiter Shade of Pale
Mrs. Sherston bot uns unerwartet großzügig ihre Gastfreundschaft an. Ich zog mit Brianna, Jemmy und meinen beiden Patienten in das große Haus der Sherstons in Hillsborough um; Jamie teilte seine Aufmerksamkeit zwischen Hillsborough und dem Milizfeldlager auf, das in Alamance in Position blieb, während sich Tryon davon überzeugte, dass der Aufstand der Regulatoren wirklich endgültig niedergeschlagen war.
Zwar konnte ich die Kugel, die in Mortons Lunge festsaß, mit meiner Zange nicht erreichen, doch sie schien ihm keine nennenswerten Schwierigkeiten zu bereiten, und die Wunde hatte begonnen, sich zufrieden stellend zu schließen. Ich konnte nicht genau sagen, wo die Kugel saß, doch sie hatte eindeutig keine wichtigen Blutgefäße verletzt; solange sie nicht weiter eindrang, konnte er gut damit weiterleben; ich kannte eine ganze Reihe von Kriegsveteranen, denen es auch so ergangen war – unter ihnen Archie Hayes.
Ich hatte nicht die geringste Ahnung, wie stabil sich mein kleiner Penizillinvorrat zeigen würde, doch er schien seine Funktion zu erfüllen; der Einschuss war leicht gerötet und nässte ein wenig, doch er war nicht infiziert, und Mortons Temperatur war nur schwach erhöht. Abgesehen von meinem Penizillin lieferte die Ankunft Alicia Browns, die inzwischen hochschwanger war und ein paar Tage nach der Schlacht eintraf, den wichtigsten Anstoß für Mortons Gesundung. Sie war noch keine Stunde da, als er bereits aufrecht im Bett saß, bleich, aber in Hochstimmung, mit abstehenden Haaren, die Hände liebevoll auf die zappelnden Beulen gepresst, unter denen sein ungeborenes Kind steckte.
Bei Roger standen die Dinge anders. Er war nicht schwer verletzt, wenn man von den Quetschungen an seiner Kehle absah – die allerdings massiv waren. Die Brüche an seinen Fingern waren nicht kompliziert; ich hatte sie geschient, und sie würden problemlos heilen. Die Blutergüsse waren ziemlich schnell von kräftigen Rot- und Blautönen in einen spektakulären Regenbogen aus Purpur, Grün und Gelb übergegangen, so dass er aussah wie jemand, der eine Woche nach seinem Tod wieder exhumiert worden war. Seine Lebenszeichen waren exzellent. Seine Lebenslust war es nicht.
Er schlief sehr viel, was eigentlich ein gutes Zeichen hätte sein sollen. Doch sein Schlummer war nicht erholsam; er hatte etwas Verstörendes an sich, so als strebte er geradezu sehnsüchtig nach der Bewusstlosigkeit, und hatte er sie einmal erreicht, klammerte er sich mit einer Sturheit daran fest, die mir mehr Sorgen bereitete, als ich mir eingestehen mochte.
Brianna, die ihre eigene Art von Sturheit besaß, hatte die Aufgabe, ihn alle paar Stunden wachzurütteln, damit er etwas zu sich nehmen konnte und das Röhrchen und der Einschnitt gereinigt und versorgt werden konnten. Während dieser Prozedur wandte er den Blick ab und starrte finster ins Nichts. Wenn man ihn ansprach, nahm er kaum merklich Notiz davon. Wenn er fertig versorgt war, schlossen sich seine Augen, und er sank auf sein Kissen zurück, die verbundenen Hände über der Brust gefaltet wie eine Grabfigur, und das Einzige, was von ihm zu hören war, war das leise Atempfeifen aus dem Röhrchen in seinem Hals.
Zwei Tage nach der Schlacht von Alamance traf Jamie kurz vor dem Abendessen im Haus der Sherstons in Hillsborough ein. Er war müde von seinem langen Ritt und mit rötlichem Staub bedeckt.
»Ich habe mich heute mit dem Gouverneur unterhalten«, sagte er und nahm den Becher mit Wasser entgegen, den ich ihm mitgebracht hatte. Er leerte ihn in einem Schluck und seufzte, während er sich mit dem Rockärmel den Schweiß aus dem Gesicht wischte. »Er war furchtbar beschäftigt und kaum bereit, über die Ereignisse nach der Schlacht nachzudenken – aber ich war auch nicht bereit, die Sache auf sich beruhen zu lassen.«
»Dann hatte er ja wohl kaum eine Chance«, murmelte ich, während ich ihm half, sich aus seinem staubigen Rock zu schälen. »William Tryon ist ja nicht einmal Schotte, geschweige denn ein Fraser.«
Das entlockte ihm ein zögernd angedeutetes Lächeln. »Stur wie Felsblöcke«, so hatte man mir den Fraser-Clan vor Jahren zutreffend beschrieben – und ich hatte seitdem keinerlei Grund zu der Annahme gehabt, dass diese Beschreibung fehlerhaft war.
»Aye, nun ja.« Er zuckte mit den Achseln und reckte sich genüsslich. Nach dem langen Ritt knackten seine Wirbel. »Oh, Himmel. Ich habe Hunger; gibt es etwas zu essen?« Er entspannte sich und schnüffelte hoffnungsvoll.
»Gebackenen Schinken und Süßkartoffelpastete«, sagte ich überflüssigerweise, da beide Speisen die Luft mit ihrem honiggetränkten Aroma erfüllten. »Was hat der Gouverneur denn gesagt, nachdem du ihn anständig zurechtgewiesen hattest?«
Bei dieser Beschreibung seiner Unterredung mit Tryon blitzten seine Zähne auf, doch an der leisen Genugtuung, die er ausstrahlte, konnte ich erkennen, dass sie nicht ganz unzutreffend war.
»Oh, eine ganze Reihe von Dingen. Aber zunächst habe ich darauf bestanden, dass er mir die Umstände wiederholte, unter denen Roger Mac ergriffen wurde; wer ihn ausgeliefert hat und was dabei gesagt wurde. Ich wollte der Sache auf den Grund gehen.« Er zog sich den Lederriemen aus dem Haar und schüttelte seine feuchten, schweißdunklen Locken aus.
»Und hat er sich auf dein Drängen hin an irgendetwas erinnert?«
»Aye, sogar mehr als das. Tryon sagt, es waren drei Männer, die Roger Mac gefangen genommen hatten; einer von ihnen hatte eine Marke meiner Kompanie dabei, also hat er ihn natürlich für einen meiner Männer gehalten. Sagt er«, fügte er ironisch hinzu.
Das war natürlich eine naheliegende Annahme des Gouverneurs gewesen, dachte ich – doch für Vernunftargumente war Jamie nun einmal nicht zu haben.
»Es muss Rogers Marke gewesen sein, die der Mann hatte«, sagte ich. »Der Rest deiner Kompanie ist mit dir zurückgekommen – alle außer den Browns, und die werden es kaum gewesen sein.« Die beiden Browns hatten sich davongemacht, nachdem sie in der Konfusion der Schlacht die Gelegenheit genutzt hatten, sich an Isaiah Morton zu rächen und dann zu fliehen, bevor jemand das Verbrechen entdeckte. Sie würden kaum in der Nähe geblieben sein, um Roger ans Messer zu liefern, selbst wenn sie ein Motiv dafür gehabt hätten.
Er nickte und tat diesen Schluss mit einer knappen Geste ab.
»Aye. Aber warum? Er sagt, Roger war gefesselt und geknebelt – eine schändliche Art des Umgangs mit einem Kriegsgefangenen, was ich ihm auch gesagt habe.«
»Und was hat er dazu gesagt?« Tryon mochte ja weniger stur sein als Jamie; beleidigen ließ er sich jedoch genauso wenig.
»Er hat gesagt, es sei kein Krieg gewesen, sondern ein verräterischer Aufstand, und es sei sein Recht gewesen, im Schnellverfahren vorzugehen. Aber einen Mann zu packen und zu hängen, ohne ihm zu gestatten, dass er sich auch nur mit einem Wort verteidigt –« Die Farbe stieg ihm gefährlich ins Gesicht. »Ich schwöre dir, Claire, wenn Roger Mac an diesem Seil gestorben wäre, hätte ich Tryon das Genick gebrochen und ihn den Krähen liegen gelassen!«