Ein Hauch von Schnee und Asche: Roman (German Edition)
- Автор: Гэблдон Диана
- Серия: Die Outlander #6
- Год: 2018
- Язык: немецкий
- Год: Knaur eBook
- Жанр: Другие приключения
Электронная книга - «Ein Hauch von Schnee und Asche: Roman (German Edition)». Краткое содержание книги:
»Das ist ein Gedanke«, sagte Jamie langsam. »Aber was in Gottes Namen könnte sie von mir wollen?«
»Es gibt nur eine Möglichkeit, das herauszufinden«, sagte Roger ohne Umschweife. Er sah Jamie an. »Der Großteil der Arbeit im Freien ist getan; die Ernte und das Heu sind unter Dach und Fach, wir sind mit dem Schlachten fertig. Wir kommen hier zurecht, wenn du gehen möchtest.«
Jamie blieb einen Moment reglos stehen und dachte stirnrunzelnd nach, dann ging er zum Fenster und schob es hoch. Ein kalter Wind wehte ins Zimmer, und Brianna hielt den flatternden Zettel auf dem Tisch fest, damit er nicht davonflog. Die Kohlen in dem kleinen Becken rauchten und schlugen Flammen, und die Kräuterbündel über unseren Köpfen raschelten unruhig.
Jamie steckte den Kopf aus dem Fenster und atmete mit geschlossenen Augen tief ein wie ein Weinkenner, der ein feines Bouquet genießt.
»Kalt und klar«, verkündete er, zog den Kopf ein und schloss das Fenster. »Schönes Wetter für mindestens drei Tage. Wenn wir uns beeilen, könnten wir die Berge bis zum ersten Schneefall hinter uns haben.« Er lächelte mich an, und seine Nasenspitze war rot vor Kälte. »Aber vorerst: Meinst du, die Würstchen könnten fertig sein?«
Kapitel 72
Lug …
Eine Sklavin, die ich nicht kannte, öffnete uns die Tür, eine kräftig gebaute Frau mit einem gelben Turban. Sie betrachtete uns streng, doch Jamie ließ sie gar nicht erst zu Wort kommen, sondern schob sich unwirsch an ihr vorbei in den Flur.
»Er ist Mrs. Camerons Neffe«, fühlte ich mich verpflichtet, ihr zu erklären, während ich ihm folgte.
»Das kann ich sehen«, murmelte sie in einem Singsang, der seinen Ursprung in Barbados hatte. Sie funkelte ihm auf eine Weise nach, die keinen Zweifel daran ließ, dass sie die Familienähnlichkeit auch in seiner Arroganz, nicht nur an seinem Aussehen erkannte.
»Ich bin seine Frau«, sagte ich. Ich unterdrückte das automatische Bedürfnis, ihr die Hand zu schütteln, und machte stattdessen eine kleine Verbeugung. »Claire Fraser. Erfreut, Euch kennenzulernen.«
Sie blinzelte verblüfft, doch bevor sie antworten konnte, war ich schon an ihr vorbei und folgte Jamie zu dem kleinen Salon, in dem Jocasta nachmittags oft saß.
Die Tür zu diesem Zimmer war verschlossen, und als Jamie die Hand auf die Klinke legte, erscholl innen ein scharfes Kläffen – der Auftakt zu einer Salve hektischen Gebells, als die Tür aufschwang.
Jamie hielt abrupt inne, die Hand an der Tür, und betrachtete stirnrunzelnd das kleine braune Fellbündel, das zu seinen Füßen hin und her hüpfte und dem die Augen hysterisch aus dem Kopf quollen, während es sich die Seele aus dem Leib bellte.
»Was ist das?«, sagte er und schob sich in das Zimmer, während die kläffende Kreatur vergeblich auf seine Schuhe losging.
»Es ist ein Hund, was glaubst du denn?«, antwortete Jocasta schneidend. Sie erhob sich aus ihrem Sessel und neigte das Gesicht lauschend dem Lärm zu. »Sheas, Samson!«
»Samson? Oh, natürlich. Die Haare.« Jamie lächelte unwillkürlich. Er hockte sich hin und hielt dem Hund die geballte Faust entgegen. Der Hund drosselte seinen Lärm zu einem leisen Knurren und streckte argwöhnisch die Nase nach seinen Fingerknöcheln aus.
»Wo ist denn Delilah?«, fragte ich und schob mich hinter ihm ins Zimmer.
»Ah, du bist auch da, Claire?« Jocastas Gesicht fuhr zu mir herum und wurde von einem Lächeln erhellt. »Was für eine seltene Freude, euch beide hier zu haben. Ich nehme nicht an, dass Brianna und der Kleine auch dabei sind – nein, ich hätte sie gehört.« Sie verwarf diesen Gedanken, setzte sich wieder und wies auf den Kamin.
»Was Delilah betrifft, das faule Tier schläft am Feuer; ich kann sie schnarchen hören.«
Delilah war ein großer, weißlicher Hund, dessen Rasse undefinierbar war, der aber ein Übermaß an Haut besaß; diese umhing das Tier in entspannten Falten, während es auf dem Rücken lag, die Pfoten über dem gefleckten Bauch gekreuzt. Beim Klang ihres Namens prustete sie und öffnete ein Auge einen Spaltbreit, dann schloss sie es wieder.
»Ich sehe, dass sich hier einiges verändert hat, seit ich das letzte Mal hier gewesen bin«, merkte Jamie an und erhob sich wieder. »Wo ist Duncan? Und Ulysses?«
»Fort. Sie suchen Phaedre.« Jocasta hatte abgenommen; ihre hohen MacKenzie-Wangenknochen zeichneten sich scharf ab, und ihre Haut sah dünn und faltig aus.
»Suchen?« Jamie sah sie scharf an. »Was ist denn mit ihr?«
»Davongelaufen.« Sie sagte es mit ihrer üblichen Selbstkontrolle, doch ihre Stimme war freudlos.
»Davongelaufen? Aber – bist du sicher?« Ihr Handarbeitskorb war umgekippt, der Inhalt auf dem Boden verteilt. Ich kniete mich hin und fing an, das Durcheinander aufzuräumen und die verstreuten Garnknäuel einzusammeln.
»Nun, sie ist fort«, sagte Jocasta heftig. »Entweder ist sie davongelaufen, oder jemand hat sie gestohlen. Und ich kann mir nicht vorstellen, wer die Dreistigkeit oder die Fähigkeit besitzt, sie aus meinem Haus zu entführen, ohne dass es jemand sieht.«
Ich wechselte einen schnellen Blick mit Jamie, der den Kopf schüttelte und die Stirn runzelte. Jocasta rieb eine Falte ihres Rocks zwischen Daumen und Zeigefinger; ich konnte sehen, dass der Stoff davon an einigen Stellen dünn geworden war, weil es wohl eine Angewohnheit war. Jamie sah es auch.
»Seit wann ist sie fort, Tante Jocasta?«, fragte er leise.
»Seit vier Wochen. Duncan und Ulysses sind seit zwei Wochen fort.«
Das passte mit dem Zeitpunkt zusammen, an dem die Notiz eingetroffen war. Angesichts der Launen des Transports war es aber unmöglich zu sagen, wie lange vor Phaedres Verschwinden der Brief tatsächlich geschrieben worden war.
»Ich sehe, dass sich Duncan bemüht hat, dir Gesellschaft dazulassen«, merkte Jamie an. Samson hatte die Rolle des Wachhundes aufgegeben und schnüffelte eifrig an Jamies Schuhen. Delilah rollte sich genüsslich stöhnend auf die Seite und öffnete ihre leuchtenden braunen Augen, mit denen sie mich in aller Seelenruhe betrachtete.
»Oh, aye, sie leisten mir Gesellschaft.« Jocasta lehnte sich halb widerwillig aus ihrem Sessel und machte den Kopf der Hündin ausfindig, um sie hinter den langen Schlappohren zu kraulen. »Obwohl Duncan sie zu meinem Schutz gedacht hat, zumindest sagt er das.«
»Eine vernünftige Vorsichtsmaßnahme«, sagte Jamie geduldig. So war es; wir hatten zwar keine Neuigkeiten von Stephen Bonnet, und Jocasta hatte die Stimme des Maskierten nicht mehr gehört. Doch solange uns die konkrete Sicherheit einer Leiche fehlte, konnte jeder der beiden jederzeit auftauchen.
»Warum könnte sie fortgelaufen sein, Tante Jocasta?« Sein Ton war nach wie vor geduldig, aber beharrlich.
Jocasta presste die Lippen aufeinander und schüttelte den Kopf.
»Ich habe keine Ahnung, Neffe.«
»Nichts, was sich in letzter Zeit ereignet hätte? Nichts Ungewöhnliches?«, drängte er.
»Meinst du nicht, das hätte ich sofort gesagt?«, fragte sie scharf. »Nein. Ich bin eines Morgens spät wach geworden und konnte sie nicht in meinem Zimmer hören. Es war kein Tee am Bett, und das Feuer war ausgegangen; ich konnte die Asche riechen. Ich habe nach ihr gerufen und keine Antwort erhalten. Sie war fort – spurlos verschwunden.« Sie neigte den Kopf mit grimmiger Miene in seine Richtung.
Ich sah Jamie mit hochgezogener Augenbraue an und fasste an die Tasche, die ich an meiner Taille trug und die das Briefchen enthielt. Sollten wir es ihr sagen?
Er nickte, und ich zog den Zettel aus meiner Tasche und faltete ihn auf der Armlehne ihres Sessels auseinander, während er es ihr erklärte.
Jocastas missmutige Miene verwandelte sich in Verwunderung.
»Warum sollte sie denn nach dir schicken, a nighean?«, fragte sie, an mich gewandt.
»Ich weiß es nicht – vielleicht war sie schwanger?«, meinte ich. »Oder sie hatte sich mit – einer Krankheit angesteckt?« Ich wollte nicht offen von Syphilis sprechen, aber es war schließlich möglich. Wenn Manfred Mrs. Sylvie angesteckt hatte und diese die Infektion an einen oder mehrere ihrer Kunden in Cross Creek weitergegeben hatte, die daraufhin auf River Run zu Besuch gewesen waren … aber das bedeutete ja eventuell, dass Phaedre ein Verhältnis mit einem Weißen hatte. Das war etwas, was eine Sklavin um jeden Preis geheim halten würde.