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Der Ruf der Trommel: Roman (German Edition)

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Der Ruf der Trommel: Roman (German Edition)
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Eine Rute stach ihm in die Beine, dann peitschte sie ihn fest, knapp unter den Hoden. Er riss automatisch seine Beine hoch, rollte sich weiter und fand sich dann auf Händen und Knien wieder, immer noch irgendwie in Bewegung. Das Blut aus seiner Nase und seinem Mund vermischte sich mit dem gefrorenen Schlamm.

Er erreichte das Ende, und während die letzten Hiebe ihm immer noch in den Rücken bissen, ergriff er die Pfähle eines Lagerhauses und zog sich langsam hoch. Er wandte sich ihnen zu, immer noch an die Pfähle geklammert, um nicht zu fallen. Das gefiel ihnen; sie lachten mit schrillen Jaulgeräuschen, die sie wie ein Hunderudel klingen ließen. Er verbeugte sich tief und richtete sich wieder auf, und alles drehte sich. Sie lachten noch lauter. Er hatte immer schon gewusst, wie man sein Publikum unterhielt.

Dann führten sie ihn nach drinnen, gaben ihm Wasser zum Waschen, etwas zu essen. Sie gaben ihm sein zerlumptes Hemd und seine schmutzige Kniehose wieder, nicht aber seinen Rock. In dem Haus war es warm; mehrere Feuer brannten in Abständen an der Wand des langgezogenen Gebäudes, ein jedes mit seinem eigenen Rauchabzug. Er kroch in eine Ecke und schlief ein, eine Hand auf der unebenen Stelle in seiner Hosennaht.

Nach diesem Empfang behandelten ihn die Mohawk mit allgemeiner Gleichgültigkeit, jedoch ohne große Grausamkeit. Er war der Sklave des Langhauses und stand all seinen Bewohnern zur Verfügung. Wenn er eine Anordnung nicht verstand, so zeigten sie es ihm – einmal. Wenn er sich weigerte oder so tat, als verstünde er nicht, schlugen sie ihn, und er weigerte sich nicht länger. Immerhin bekam er einen gerechten Anteil von ihrem Essen, und man wies ihm einen anständigen Schlafplatz am Ende des Hauses zu.

Da es Winter war, bestand die Hauptarbeit darin, Holz zu sammeln und Wasser zu holen, obwohl ihn auch dann und wann ein Trupp von Jägern mitnahm, damit er beim Zerlegen der Beute und beim Transport des Fleisches half. Die Indianer bemühten sich nicht sonderlich, mit ihm zu kommunizieren, doch durch aufmerksames Zuhören eignete er sich ein wenig von ihrer Sprache an.

Er begann mit großer Vorsicht, ein paar Wörter auszuprobieren. Für den Anfang suchte er sich ein kleines Mädchen aus, da von ihr weniger Gefahr auszugehen schien. Sie starrte ihn an und lachte dann, als hätte sie eine Krähe sprechen gehört. Sie rief eine Freundin herbei, damit sie sich das anhörte, dann noch eine, und die drei hockten sich vor ihn hin, lachten leise hinter vorgehaltener Hand und warfen ihm Seitenblicke aus den Augenwinkeln zu. Er sagte alle Wörter auf, die er kannte, und deutete auf die entsprechenden Gegenstände – Feuer, Topf, Decke, Mais –, dann zeigte er über sich auf einen Strang mit Fischen und zog die Augenbrauen hoch.

»Yona’kensyonk«, sagte seine neue Freundin prompt und kicherte, als er es wiederholte. Im Lauf der nächsten Tage und Wochen brachten die Mädchen ihm eine Menge bei; und sie waren es, von denen er schließlich erfuhr, wo er sich befand. Oder nicht exakt, wo, aber doch in wessen Händen.

Sie waren Kahnyen’kehaka, erklärten sie ihm stolz und machten überraschte Gesichter, weil er es nicht wusste. Mohawk. Hüter des Östlichen Tors des Irokesenbundes. Er dagegen war Kakonhoaerhas. Es bedurfte einer gewissen Zeit der Diskussion, um die genaue Bedeutung dieses Ausdrucks herauszufinden; als eines der Mädchen zur Illustration eine Promenadenmischung herbeischleifte, entdeckte er schließlich, dass es »Hundegesicht« bedeutete.

»Danke«, sagte er und befühlte seinen dichten Bartwuchs. Er zeigte ihnen seine gefletschten Zähne und knurrte, und sie kreischten vor Lachen.

Die Mutter eines der Mädchen wurde auf ihn aufmerksam; als sie sah, dass sein Fuß immer noch geschwollen war, brachte sie ihm Salbe, badete ihn und verband ihn dann mit Flechten und Maisblättern. Die Frauen begannen, sich mit ihm zu unterhalten, wenn er ihnen Essen oder Wasser brachte.

Er unternahm keinen Fluchtversuch; noch nicht. Der Winter hielt das Dorf in seinem Griff; es schneite oft, und der Wind war bitterkalt. Er würde nicht weit kommen, unbewaffnet, lahm und ohne Schutz vor dem Wetter. Er wartete ab. Und er träumte nachts von verlorenen Welten, um in der Dämmerung mit dem Geruch frischen Grases in der Nase zu erwachen, das Drängen seiner Sehnsucht warm über seinen Bauch ergossen.

Die Ränder des Baches waren immer noch zugefroren, als der Jesuit kam.

Roger konnte sich im Dorf frei bewegen; er war draußen, als die Hunde zu bellen begannen und das Jaulen der Wachtposten die Ankunft von Besuchern signalisierte. Die Menschen begannen zusammenzulaufen, und er ging neugierig mit.

Die Neuankömmlinge waren eine große Gruppe von Mohawk, sowohl Männer als auch Frauen, alle zu Fuß, mit den üblichen Bündeln der Reiseausrüstung bepackt. Das kam ihm merkwürdig vor; alle Besucher, die bis jetzt ins Dorf gekommen waren, waren auf der Jagd gewesen. Noch merkwürdiger war, dass die Besucher einen Weißen dabeihatten – die blasse Wintersonne glänzte auf dem hellen Haar des Mannes.

Begierig, etwas zu sehen, kam Roger näher, aber er wurde von einigen der Dorfbewohner zurückgedrängt. Doch da hatte er schon gesehen, dass der Mann ein Priester war; unter seinem Bärenfellumhang waren die verschlissenen Überreste einer schwarzen Robe zu sehen, die er über ledernen Leggings und Mokassins trug.

Der Priester verhielt sich nicht wie ein Gefangener, und er war auch nicht gefesselt. Und doch hatte Roger den Eindruck, dass er unter Zwang mitreiste; Sorgenfalten durchzogen sein ansonsten junges Gesicht. Der Priester und mehrere seiner Begleiter verschwanden in dem Lagerhaus, in dem der Sachem Hof hielt; Roger hatte es noch nie betreten, doch er hatte die Gespräche der Frauen mitgehört.

Eine der älteren Frauen sah ihn in der Menge verweilen und befahl ihm scharf, noch mehr Holz zu holen. Er ging und sah den Priester nicht wieder, obwohl sich die Gesichter der Neuankömmlinge im Dorf zeigten, die sich auf die Langhäuser verteilten, um an der Gastlichkeit ihrer Feuerstellen teilzuhaben.

Irgendetwas ging im Dorf vor sich; er konnte spüren, wie die Strömungen des Ereignisses ihn umwirbelten, doch er verstand sie nicht. Die Männer blieben abends länger am Feuer sitzen und redeten, und die Frauen unterhielten sich bei der Arbeit im Flüsterton, doch die Diskussion entzog sich Rogers rudimentärem Verständnis der Sprache. Er fragte eines der kleinen Mädchen nach den Neuankömmlingen; sie konnte ihm nur sagen, dass sie aus einem Dorf im Norden kamen – warum sie gekommen waren, wusste sie nicht, außer, dass es mit dem Schwarzrock zu tun hatte, dem Kahontsi’yatawi.

Über eine Woche später war es wieder so weit, dass Roger mit auf die Jagd ging. Das Wetter war kalt, aber klar, und sie wanderten weit, bis sie schließlich einen Elch fanden und erlegten. Roger war verblüfft, nicht nur über die Größe des Tiers, sondern auch über seine Dummheit. Er konnte die Einstellung der Jäger verstehen: Es war nichts Ehrenhaftes dabei, ein solches Tier zu erlegen; es war einfach nur Fleisch.

Es war eine Menge Fleisch. Er war beladen wie ein Packesel, und das zusätzliche Gewicht belastete seinen lahmen Fuß sehr; als sie zum Dorf zurückkehrten, humpelte er so stark, dass er nicht mehr mit den Jägern mithalten konnte, sondern weit hinterherhing und dabei verzweifelt versuchte, sie nicht aus dem Auge zu verlieren, um sich nicht im Wald zu verlaufen.

Zu seiner Überraschung warteten mehrere Männer auf ihn, als er schließlich in Sichtweite der Dorfpalisaden humpelte. Sie ergriffen ihn, nahmen ihm seine Fleischladung ab und schoben ihn ins Dorf. Sie brachten ihn nicht in sein eigenes Lagerhaus, sondern in eine kleine Hütte, die am anderen Ende der zentralen Lichtung stand.

Er sprach nicht genug Mohawk, um Fragen zu stellen, und er glaubte sowieso nicht, dass man sie beantworten würde. Sie schoben ihn in die Hütte und ließen ihn allein.

Es brannte ein kleines Feuer, doch der Innenraum war nach der Helligkeit des Tageslichtes so dunkel, dass er zunächst geblendet war.

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