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Der Ruf der Trommel: Roman (German Edition)

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Der Ruf der Trommel: Roman (German Edition)
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Doch das war eine schwache Hoffnung. Während des bitteren Streits mit Brianna hatte Jamie gestanden, dass er Ian aufgetragen hatte, dafür zu sorgen, dass Roger nicht zurückkehrte. Tennago war ungefähr zehn Tagesreisen von uns entfernt; viel zu nah für die Zwecke eines aufgebrachten Vaters.

Ich hätte gern die Frauen, die mich gastlich aufnahmen, nach Roger gefragt, doch niemand in dem Haus sprach Französisch oder Englisch, und mein Tuscarora reichte gerade aus, um grundlegende Höflichkeiten auszutauschen. Besser, ich überließ Ian und Jamie die diplomatischen Verhandlungen. Dank seines Sprachtalents konnte sich Jamie in der Tuscarorasprache verständigen; Ian, der die Hälfte seiner Zeit auf der Jagd mit den Indianern verbrachte, beherrschte sie fließend.

Eine der Frauen bot mir einen Teller an, auf dem dampfende Körnerhäufchen lagen, die mit Fisch gekocht waren. Ich beugte mich vor, um mir mit dem flachen Holzstück, das sie mir zu diesem Zweck gegeben hatten, einen Bissen herunterzunehmen, und spürte dabei, wie das Amulett unter meinem Hemd nach vorn baumelte. Das kleine Gewicht erinnerte mich an meinen Schmerz und tröstete mich zugleich darüber hinweg.

Ich hatte sowohl Nayawennes Amulett als auch den gravierten Opal mitgebracht, den ich unter dem Lebensbaum gefunden hatte. Ersteres hatte ich mitgebracht, um es zurückzugeben – nur wem, das wusste ich nicht. Letzterer konnte vielleicht dem Whisky nachhelfen, falls wir zusätzliche Verhandlungsargumente brauchten. Aus demselben Grund hatte Jamie alles mitgenommen, was er an kleinen Wertgegenständen besaß – nicht viel –, mit Ausnahme des Rubinrings seines Vaters, den Brianna ihm aus Schottland mitgebracht hatte.

Wir hatten Brianna den Rubin für den Fall dagelassen, dass wir nicht zurückkehrten – man musste diese Möglichkeit einkalkulieren. Niemand konnte sagen, ob Geillis Duncan mit ihren Theorien über den Nutzen von Edelsteinen recht gehabt hatte oder nicht, doch zumindest würde Brianna einen haben.

Sie hatte mich fest umarmt und geküsst, als wir River Run verließen. Ich hatte nicht gehen wollen. Doch ich hatte auch nicht bleiben wollen. Ich war erneut zwischen ihnen hin- und hergerissen; zwischen der Notwendigkeit, zu bleiben und mich um Brianna zu kümmern, und der nicht minder großen Notwendigkeit, Jamie zu begleiten.

»Du musst gehen«, hatte Brianna nachdrücklich gesagt. »Mir passiert schon nichts; du hast selbst gesagt, ich bin gesund wie ein Pferd. Du wirst lange zurück sein, wenn ich dich brauche.«

Sie hatte einen Blick auf den Rücken ihres Vaters geworfen; er stand im Stallhof und beaufsichtigte das Beladen der Pferde und Maultiere. Sie wandte sich wieder an mich, ausdruckslos.

»Du musst gehen, Mama. Ich baue darauf, dass du Roger findest.« Es lag eine unangenehme Betonung auf dem du, und ich hoffte sehr, dass Jamie sie nicht hören konnte.

»Du glaubst doch nicht etwa, dass Jamie –«

»Ich weiß es nicht«, unterbrach sie. »Ich weiß nicht, was er tun würde.« Sie hatte die Zähne auf eine Art zusammengebissen, die ich nur zu gut kannte. Widerspruch war zwecklos, doch ich versuchte es trotzdem.

»Schön, aber ich weiß es«, sagte ich bestimmt. »Er würde alles für dich tun, Brianna. Alles. Und selbst, wenn es nicht um dich ginge, würde er alles Menschenmögliche tun, um Roger zurückzubekommen. Sein Ehrgefühl –« Ihr Gesicht verschloss sich wie eine Falle, und ich erkannte meinen Fehler.

»Seine Ehre«, sagte sie tonlos. »Darum geht es hier. Das ist schon in Ordnung; solange er nur Roger zurückholt.« Sie wandte sich ab und senkte den Kopf zum Schutz gegen den Wind.

»Brianna!«, sagte ich, doch sie schob nur die Schultern nach vorn und zog ihr Tuch fest.

»Tante Claire? Wir sind jetzt fertig.« Ian war neben mir aufgetaucht und sah erst mich an, dann Brianna, das Gesicht voller Sorge. Ich ließ meinen Blick von ihm zu Brianna wandern und zögerte, denn ich wollte sie nicht so stehenlassen.

»Brianna?«, sagte ich noch einmal.

Schon hatte sie sich in einem Wirbel aus Wolle umgedreht und mich umarmt, ihre Wange kalt an der meinen.

»Komm zurück!«, flüsterte sie. »Oh, Mama – komm heil zurück!«

»Ich kann dich nicht allein lassen, Brianna, ich kann’s nicht!« Ich hielt sie fest, starke Knochen und sanfte Haut, das Kind, das ich verlassen hatte, das Kind, das ich zurückbekommen hatte – und die Frau, die jetzt meine Arme von sich schob und aufrecht dastand, allein.

»Du musst gehen«, flüsterte sie. Die Maske der Gleichgültigkeit war von ihr abgefallen, und ihre Wangen waren feucht. Sie blickte über meine Schulter hinweg auf den Torbogen zum Stallhof. »Bring ihn mir wieder. Du bist die Einzige, die ihn wiederbringen kann.«

Sie gab mir einen schallenden Kuss, wandte sich um und lief davon. Der Klang ihrer Schritte hallte auf dem gepflasterten Pfad wider.

Jamie kam durch den Torbogen und sah sie wie eine Todesfee durch das flackernde Licht huschen. Er blieb stehen und blickte ihr mit ausdruckslosem Gesicht nach.

»Du kannst sie nicht so zurücklassen«, sagte ich. Ich wischte mir meinerseits die feuchten Wangen mit einer Ecke meines Schultertuches ab. »Jamie, geh ihr hinterher. Bitte geh und sag ihr wenigstens auf Wiedersehen.«

Er blieb einen Augenblick still stehen, und ich glaubte schon, er würde so tun, als hätte er mich nicht gehört. Doch dann drehte er sich um und ging langsam den Pfad entlang. Die ersten Regentropfen begannen zu fallen. Sie prallten auf das staubige Pflaster, und der Wind blähte beim Gehen seinen Umhang.

»Tante Claire?« Ians Hand lag sanft drängend unter meinem Arm. Ich ging mit ihm und ließ ihn beim Aufsteigen seine Hand unter meinen Fuß halten. Jamie war innerhalb von ein paar Minuten zurück. Er war aufgestiegen, ohne mich anzusehen, hatte Ian einen Wink gegeben und war aus dem Stallhof geritten, ohne sich umzublicken. Ich hatte mich umgeblickt, doch von Brianna war nichts zu sehen.

Die Nacht war schon lange hereingebrochen, und Jamie war immer noch mit Nacognaweto und dem Sachem des Dorfes in dem Langhaus. Jedes Mal, wenn jemand in das Haus trat, blickte ich auf, doch nie war es Jamie. Schließlich hob sich jedoch der Ledervorhang über der Eingangstür, und Ian kam herein, gefolgt von einer kleinen, runden Gestalt.

»Ich hab ’ne Überraschung für dich, Tante Claire«, sagte er strahlend und trat beiseite, damit ich das lächelnde, runde Gesicht der Sklavin Pollyanne sehen konnte.

Oder besser, der Ex-Sklavin. Denn hier war sie natürlich frei. Grinsend wie eine Kürbislaterne setzte sie sich neben mich und schlug ihren hirschledernen Mantel zurück, um mir den kleinen Jungen in ihrer Armbeuge zu zeigen, dessen rundes Gesicht genauso strahlte wie das ihre.

Mit Ian als Dolmetscher, ihren eigenen Englisch- und Gälischbrocken und dem gelegentlichen Gebrauch weiblicher Zeichensprache hatten wir uns bald ins Gespräch vertieft. Wie Myers es vorausgesehen hatte, hatten die Tuscarora sie herzlich aufgenommen und sie in ihren Stamm adoptiert, wo man ihre Fähigkeiten als Heilerin sehr schätzte. Sie hatte einen Mann geheiratet, der durch die Masernepidemie seine Frau verloren hatte, und hatte ihm vor ein paar Monaten dieses neue Familienmitglied geschenkt.

Ich war begeistert, dass sie Freiheit und Glück gefunden hatte, und gratulierte ihr herzlich. Außerdem war ich beruhigt; wenn die Tuscarora sie so gut behandelt hatten, dann war es vielleicht ja auch Roger nicht so schlecht ergangen wie befürchtet.

Mir kam ein Gedanke, und ich zog Nayawennes Amulett aus dem Ausschnitt meines Wildlederhemds.

»Ian – kannst du sie fragen, ob sie weiß, wem ich das hier geben soll?«

Er sprach sie in der Tuscarorasprache an, und sie beugte sich vor und befühlte das Amulett neugierig, während sie sprach. Schließlich schüttelte sie den Kopf, lehnte sich zurück und antwortete ihm mit ihrer seltsam tiefen Stimme.

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