Der Ruf der Trommel: Roman (German Edition)
- Автор: Гэблдон Диана
- Серия: Die Outlander #4
- Год: 2017
- Язык: немецкий
- Год: Knaur eBook
- Жанр: Другие приключения
Электронная книга - «Der Ruf der Trommel: Roman (German Edition)». Краткое содержание книги:
Jocasta hatte einen verblüffenden Bekanntenkreis. Allerdings war Brianna in letzter Zeit aufgefallen, dass die Besucher mit steigender Tendenz Männer waren. Unverheiratete Männer.
Phaedre bestätigte den Verdacht, den Brianna äußerte, während das Dienstmädchen im Kleiderschrank nach einem frischen Vormittagskleid suchte.
»Es gibt nicht viele unverheiratete Frauen in der Kolonie«, observierte Phaedre, als Brianna den merkwürdigen Zufall erwähnte, dass die meisten Besucher der letzten Zeit Junggesellen waren. Phaedre warf einen Seitenblick auf Briannas Taille, die sich merklich unter dem losen Hemd vorwölbte. »Schon gar keine jungen. Ganz zu schweigen von Frauen, die Erbinnen von River Run sind.«
»Die was?«, sagte Brianna. Sie hielt inne, das Haar erst zur Hälfte hochgesteckt, und starrte das Dienstmädchen an.
Phaedre legte ihre zierliche Hand über ihren Mund und blickte mit weit aufgerissenen Augen darüber hinweg.
»Eure Tante hat’s Euch noch nicht gesagt? Dachte, Ihr wüsstet’s schon, sonst hätt ich nichts gesagt.«
»Na schön, wo du jetzt schon so viel gesagt hast, sprich weiter. Was meinst du damit?« Phaedre, die ein geborenes Klatschmaul war, brauchte man nicht lange zu überreden.
»Euer Papa und die anderen waren noch keine Woche weg, da hat Miss Jo nach dem Anwalt Forbes geschickt und ihr Testament geändert. Wenn Miss Jo stirbt, dann bekommt Euer Papa ein bisschen Geld, und Mr. Farquard und ein paar andere Freunde bekommen ein paar persönliche Gegenstände – aber alles andere gehört Euch. Die Plantage, das Holz, die Sägemühle …«
»Aber ich will es nicht!«
Phaedres elegant hochgezogene Augenbraue drückte profunden Zweifel aus und senkte sich dann unbeeindruckt.
»Tja, schätze, was Ihr wollt, zählt hier nicht. Miss Jo hat die Angewohnheit, zu bekommen, was sie will.«
Brianna legte langsam die Haarbürste hin.
»Und was genau will sie?«, fragte sie. »Weißt du das zufällig auch?«
»Ist kein großes Geheimnis. Sie will, dass River Run sie überdauert – und einem Blutsverwandten gehört. Kommt mir logisch vor; sie hat keine Kinder, keine Enkel. Wer sollte sonst nach ihr weitermachen?«
»Na ja … mein Vater?«
Phaedre legte das frische Kleid über das Bett und sah es mit einem abschätzenden Stirnrunzeln an. Dann blickte sie wieder auf Briannas Mitte.
»Das passt keine zwei Wochen mehr, so wie der Bauch da wächst. Oh, ja, Euer Papa. Sie hat versucht, ihn zu ihrem Erben zu machen, aber nach dem, was mir zu Ohren gekommen ist, wollte er nichts davon hören.« Sie spitzte belustigt die Lippen.
»Das ist noch mal ein sturer Kerl. Verzieht sich in die Berge und lebt wie eine Rothaut, nur, damit er nicht tun muss, was Miss Jo von ihm will. Aber Mr. Ulysses meint, er hat es richtig gemacht. Er und Miss Jo würden Tag und Nacht aneinandergeraten, wenn er geblieben wär.«
Brianna steckte langsam die andere Hälfte ihres Haars hoch, doch die Haarnadel rutschte heraus und ließ es wieder herabfallen.
»Kommt, lasst mich das mal machen, Miss Brianna.« Phaedre trat hinter sie, zog die schlampig befestigten Haarnadeln heraus und fing an, ihr das Haar an den Seiten geschickt zu flechten.
»Und all diese Besucher – diese Männer …«
»Miss Jo sucht schon einen guten für Euch aus«, versicherte ihr Phaedre. »Ihr könntet die Plantage auch nicht besser allein betreiben als Miss Jo. Dieser Mr. Duncan, den schickt der Himmel; weiß nicht, was sie ohne ihn tun würde.«
»Sie versucht, einen Mann für mich zu finden? Sie präsentiert mich wie – wie eine preisgekrönte Färse?«
»Hm-mm.« Phaedre schien nichts Schlimmes daran zu finden. Sie runzelte die Stirn und zog geschickt eine einzelne Locke in den Hauptzopf.
»Aber sie weiß doch von Roger – von Mr. Wakefield! Wie kann sie da versuchen, mich mit jemand anderem –«
Phaedre seufzte, nicht ohne Mitgefühl.
»Schätze nicht, dass sie glaubt, dass sie den Mann finden, um’s ehrlich zu sagen. Miss Jo, sie weiß einiges über die Indianer; wir haben alle Mr. Myers’ Geschichten über die Irokesen gehört.«
Es war frisch im Zimmer, doch Brianna brach an Haaransatz und Kinn der Schweiß aus.
»Außerdem«, fuhr Phaedre fort, während sie ein blaues Seidenband mit dem Zopf verwob, »kennt Miss Jo diesen Wakefield nicht. Vielleicht ist er ja kein guter Geschäftsmann. Besser – glaubt sie –, Euch mit einem Mann zu verheiraten, von dem sie weiß, dass er sich gut um ihre Plantage kümmert; sie vielleicht mit seiner eigenen zusammenschließt und ein wirklich großes Anwesen für Euch erschafft.«
»Ich will kein großes Anwesen! Und dieses Anwesen will ich auch nicht!« Panik folgte jetzt der Empörung.
Phaedre befestigte das Ende des Bandes in einer kleinen Schleife.
»Na ja, wie gesagt – es geht nicht so sehr darum, was Ihr wollt. Es geht darum, was Miss Jo will. Und jetzt wollen wir mal das Kleid anprobieren.«
Im Flur erklang ein Geräusch, und Brianna schlug hastig das Blatt ihres Skizzenblocks zu einer halbfertigen Kohlezeichnung des Flusses mit seinen Bäumen um. Doch die Schritte gingen vorbei, und sie entspannte sich und blätterte wieder zurück.
Sie arbeitete nicht daran; die Zeichnung war fertig. Sie wollte sie nur ansehen.
Sie hatte ihn im Dreiviertelprofil gezeichnet, den Kopf zum Zuhören umgewandt, während er seine Gitarrensaiten stimmte. Es war nicht mehr als eine Skizze, doch sie erfasste die Linien von Kopf und Körper mit einer Treffsicherheit, die von ihrer Erinnerung bestätigt wurde. Sie konnte sie ansehen und ihn dabei heraufbeschwören, ihn so nah heranholen, dass sie ihn fast berühren konnte.
Es gab andere; manche nur ein Durcheinander aus Klecksen, manche, die der Sache nahekamen. Ein paar, die, für sich betrachtet, gute Zeichnungen waren, denen es aber nicht gelang, den Mann hinter den Strichen einzufangen. Eine oder zwei wie diese hier, die sie benutzen konnte, um sich selbst an den langen, grauen Nachmittagen zu trösten, wenn das Licht zu verlöschen begann und die Feuer schwach brannten.
Das Licht verblasste gerade über dem Fluss, und das Wasser stumpfte von leuchtendem Silber zu einem sanfteren Zinnglänzen ab.
Es gab noch andere, Skizzen von Jamie Fraser, von ihrer Mutter, von Ian. Sie hatte aus Einsamkeit angefangen, sie zu zeichnen, und sah sie jetzt angstvoll an. Sie hoffte verzweifelt, dass diese Papierfragmente nicht die einzigen Überbleibsel der Familie waren, die sie nur so kurz gekannt hatte.
Um’s ehrlich zu sagen, schätze nicht, dass Miss Jo glaubt, dass sie den Mann finden … Miss Jo weiß einiges über Indianer.
Ihre Hände waren feucht; am Rand des Papiers verschmierte die Holzkohle. Sie hörte einen leisen Schritt genau vor der Tür des Salons und schloss augenblicklich ihr Buch.
Ulysses kam herein, eine brennende Wachskerze in der Hand, und begann, die Arme des großen Kandelabers zu entzünden.
»Du brauchst sie meinetwegen nicht alle anzuzünden.« Brianna sprach genauso aus dem Wunsch heraus, die stille Melancholie des Zimmers nicht zu stören, wie aus Bescheidenheit. »Die Dunkelheit stört mich nicht.«
Der Butler lächelte sacht und fuhr mit seiner Arbeit fort. Er berührte präzise jeden Docht, und sofort sprangen kleine Flammen auf, von Zauberhand herbeigerufene Flaschengeister.
»Miss Jo kommt bald herunter«, sagte er. »Sie kann die Flammen sehen – und das Feuer – und erkennt daran, wo sie sich im Zimmer befindet.«
Als er fertig war, blies er die Kerze aus, dann bewegte er sich auf den üblichen leisen Sohlen durch das Zimmer, während er die leichte Unordnung richtete, die die Gäste des Nachmittags hinterlassen hatten, und Holz auf das Feuer legte, dem er mit einem Blasebalg knisterndes Leben einhauchte.