Der Ruf der Trommel: Roman (German Edition)
- Автор: Гэблдон Диана
- Серия: Die Outlander #4
- Год: 2017
- Язык: немецкий
- Год: Knaur eBook
- Жанр: Другие приключения
Электронная книга - «Der Ruf der Trommel: Roman (German Edition)». Краткое содержание книги:
»Och.« Ian sah aus, als wüsste er nicht, ob er lachen oder verstört aussehen sollte. »Na ja, man kann wohl sagen, dass es uns eine Menge Ärger erspart hätte, wenn du das getan hättest, aber nein, ich bin mir sicher, dass es nichts damit zu tun hat, Tante Claire. Als Brianna es dir erzählt hat, hatten wir diesen MacKenzie schließlich schon auf dem Berg gefunden und ihm nicht besonders freundlich mitgespielt.«
Ich holte tief Luft und atmete wieder aus.
»Aber du glaubst, er glaubt, ich bin wütend auf ihn?«
»Oh, jeder kann sehen, dass du das bist, Tante Claire«, versicherte er mir ernsthaft. »Du siehst ihn nicht an und sprichst nur mit ihm, wenn du musst – und«, sagte er und räusperte sich verlegen, »ich habe dich im vergangenen Monat nicht zu ihm ins Bett gehen sehen.«
»Na ja, er ist auch nicht in meins gekommen!«, sagte ich aufgebracht, bevor mir der Gedanke kam, dass dies wohl kaum eine Unterhaltung war, die dazu geeignet war, sie mit einem Siebzehnjährigen zu führen.
Ian zog die Schultern hoch und machte ein Gesicht wie eine Eule.
»Na ja, er hat seinen Stolz, nicht wahr?«
»Weiß Gott, den hat er«, sagte ich und rieb mir mit der Hand durch das Gesicht. »Ich – hör mal, Ian, danke, dass du mir das gesagt hast.«
Ein so frohes Lächeln wie jetzt war nur selten in seinem langen, gutmütigen Gesicht zu sehen.
»Na ja, ich hasse es, ihn leiden zu sehen. Ich hab Onkel Jamie lieb, aye?«
»Ich auch«, sagte ich und schluckte den kleinen Kloß in meinem Hals herunter. »Gute Nacht, Ian.«
Ich durchschritt das Haus leise der Länge nach, vorbei an den Verschlägen, in denen ganze Familien schliefen. Ihre gemeinsamen Atemgeräusche waren ein friedlicher Gegensatz zum ängstlichen Schlagen meines Herzens. Draußen regnete es; Wasser tropfte durch die Rauchabzüge und verdunstete zischend in der Glut.
Warum hatte ich nicht gesehen, was Ian aufgefallen war? Das war leicht zu beantworten; es war nicht Wut gewesen, sondern mein eigenes Schuldgefühl, das mich geblendet hatte. Ich hatte mein Wissen über die Rolle, die Bonnet gespielt hatte, nicht nur verheimlicht, weil Brianna mich darum gebeten hatte, sondern auch wegen des goldenen Eherings; ich hätte sie überreden können, es Jamie zu erzählen, wenn ich es nur versucht hätte.
Sie hatte recht; früher oder später würde er sich auf die Jagd nach Bonnet begeben. Doch mein Glaube an seine Erfolgsaussichten war etwas stärker als der ihre. Nein, es war der Ring gewesen, der mich hatte schweigen lassen.
Warum sollte ich mich deswegen schuldig fühlen? Es gab keine vernünftige Antwort; den Ring zu verstecken, war Instinkt gewesen, keine bewusste Entscheidung. Ich hatte ihn Jamie nicht zeigen, ihn nicht vor seinen Augen wieder anstecken wollen. Und dennoch hatte ich ihn behalten wollen – ihn behalten müssen.
Es brach mir das Herz, wenn ich an die letzten paar Wochen dachte, daran, wie Jamie sich grimmig voller Einsamkeit und Schuld an die notwendige Wiedergutmachung begab. Das war es schließlich, warum ich mitgekommen war – weil ich Angst hatte, dass er nicht zurückkehren würde, wenn er allein ging. Angestachelt von Schuld und Mut, war es möglich, dass er sich zum Leichtsinn hinreißen ließ; ich wusste, dass er vorsichtig sein würde, wenn er auf mich Rücksicht nehmen musste. Und die ganze Zeit über hatte er sich nicht nur allein geglaubt, sondern auch gedacht, der einzige Mensch, der ihm Trost hätte bieten können – und sollen –, würde ihm bittere Vorwürfe machen.
Oh, ja, es fraß ihn auf.
Bei dem Verschlag blieb ich stehen. Das Bord war vielleicht zweieinhalb Meter breit, und er lag ganz hinten; ich konnte kaum mehr von ihm sehen als eine Auswölbung unter einer Kaninchenfelldecke. Er lag ganz still, doch ich wusste, dass er nicht schlief.
Ich kletterte auf das Podest, und als ich mich sicher in der Dunkelheit des Verschlages befand, schlüpfte ich aus meinen Kleidern. In dem Langhaus war es einigermaßen warm, doch meine nackte Haut zog sich zusammen, und meine Brustwarzen verhärteten sich. Meine Augen hatten sich an das gedämpfte Licht gewöhnt; ich konnte sehen, dass er mir zugewandt auf der Seite lag. Ich erspähte den Glanz seiner Augen in der Dunkelheit, sie waren offen und beobachteten mich.
Ich kniete mich hin und glitt unter die Decke, das weiche Fell auf meiner Haut. Ohne großartig darüber nachzudenken, drehte ich mich zu ihm um, presste meinen nackten Körper an ihn und vergrub mein Gesicht an seiner Schulter.
»Jamie«, flüsterte ich ihm zu. »Mir ist kalt. Komm und wärme mich. Bitte.«
Er drehte sich zu mir um, wortlos, mit einer stummen Heftigkeit, die ich sonst vielleicht für den Hunger lange unterdrückter Sehnsucht gehalten hätte – doch die ich jetzt als schlichte Verzweiflung erkannte. Ich suchte keine Lust für mich selbst; ich wollte ihm nur Trost spenden. Doch als ich mich ihm öffnete, ihn drängte, öffnete sich auch in mir eine tiefe Quelle, und ich klammerte mich mit einer plötzlichen Not an ihn, die genauso blind und verzweifelt war wie seine eigene.
Erschauernd hingen wir fest aneinander, die Köpfe im Haar des anderen vergraben, unfähig, einander anzusehen, unfähig, loszulassen. Als das Zucken erstarb, wurde ich mir langsam der Welt bewusst, die uns in unserer Sorge umgab, und begriff, dass wir nackt und hilflos unter Fremden lagen, nur durch die Dunkelheit abgeschirmt.
Und doch waren wir völlig allein. Wir genossen die Isolation von Babel; am anderen Ende des Langhauses unterhielt sich jemand, doch die Worte ergaben keinen Sinn. Es hätte genauso gut das Summen von Bienen sein können.
Der Rauch des eingedämmten Feuers wehte außen an der Zuflucht unseres Bettes vorbei, duftend und substanzlos wie Weihrauch. Innerhalb des Verschlages war es so dunkel wie in einem Beichtstuhl; alles, was ich von Jamie sehen konnte, war die schwache Lichtkurve, die seine Schulter umrandete, ein vorübergehendes Leuchten in seinen Locken.
»Jamie, es tut mir leid«, sagte ich. »Du bist nicht schuld gewesen.«
»Wer denn sonst?«, sagte er ziemlich trostlos.
»Wir alle. Niemand. Stephen Bonnet selbst. Aber nicht du.«
»Bonnet?« Seine Stimme war vor Überraschung ausdruckslos. »Was hat er damit zu tun?«
»Na ja … alles«, sagte ich verblüfft. »Äh … etwa nicht?«
Er rollte sich halb von mir herunter und strich sich das Haar aus dem Gesicht.
»Stephen Bonnet ist ein hinterhältiges Geschöpf«, sagte er sorgfältig, »und ich werde ihn bei der nächsten Gelegenheit umbringen. Aber mir ist nicht klar, wie ich ihm mein eigenes menschliches Versagen vorwerfen könnte.«
»Wovon in aller Welt redest du? Welches Versagen?«
Er antwortete nicht sofort, sondern senkte den Kopf, ein gebeugter Schatten in der Dunkelheit. Seine Beine waren immer noch mit den meinen verschlungen; ich konnte spüren, wie angespannt sein Körper war, die Gelenke knotig, die Furchen in seinen Oberschenkeln starr.
»Ich hätte nie geglaubt, dass ich einmal so eifersüchtig auf einen Toten sein würde«, flüsterte er schließlich. »Ich hätte es nicht für möglich gehalten.«
»Auf einen Toten?« Meine Stimme hob sich leicht vor Erstaunen, als es mir schließlich dämmerte. »Auf Frank?«
Er lag still auf mir. Seine Hand berührte zögernd die Konturen meines Gesichts.
»Auf wen denn sonst? Ich habe mich während des ganzen Rittes vor Eifersucht verzehrt. Ich sehe sein Gesicht vor mir, im Wachen und im Schlaf. Du hast doch gesagt, er hat wie Jack Randall ausgesehen, nicht wahr?«
Ich zog ihn fest an mich und drückte seinen Kopf nach unten, so dass sein Ohr neben meinem Mund lag. Gott sei Dank hatte ich den Ring nicht erwähnt – aber hatte mein Gesicht, mein verräterisches, transparentes Gesicht irgendwie erkennen lassen, dass ich daran gedacht hatte?
»Wie?«, fragte ich und drückte ihn fest. »Wie konntest du nur so etwas denken?«
Er löste sich von mir und stützte sich auf seinen Ellbogen. Sein Haar fiel als Masse flammender Schatten über mein Gesicht, und der Feuerschein schlug darin goldene und purpurne Funken.