Der Ruf der Trommel: Roman (German Edition)
- Автор: Гэблдон Диана
- Серия: Die Outlander #4
- Год: 2017
- Язык: немецкий
- Год: Knaur eBook
- Жанр: Другие приключения
Электронная книга - «Der Ruf der Trommel: Roman (German Edition)». Краткое содержание книги:
»Wie hätte ich es verhindern können?«, wollte er wissen. »Du hast sie doch gehört, Claire; du weißt genau, was sie zu mir gesagt hat.«
»Brianna?«
»Sie hat gesagt, sie sähe mich gern in der Hölle schmoren, und sie würde ihre eigene Seele verkaufen, um ihren Vater wiederzubekommen – ihren richtigen Vater.« Er schluckte; ich hörte das Geräusch durch das Gemurmel der entfernten Stimmen.
»Ich denke immerzu, ihm wäre ein solcher Fehler nicht passiert. Er hätte ihr vertraut; er hätte gewusst, dass sie … Ich denke immerzu, dass Frank Randall ein besserer Mensch gewesen ist als ich. Sie glaubt das auch.« Seine Hand zögerte, dann senkte sie sich auf meine Schulter und drückte fest zu. »Ich dachte … vielleicht glaubst du es auch, Sassenach.«
»Dummkopf«, flüsterte ich und meinte nicht ihn damit. Ich ließ meine Hand über den langen Bogen seines Rückens gleiten und grub meine Finger in seine festen Pobacken. »Alter Idiot. Komm her.«
Er senkte den Kopf und machte ein leises Geräusch an meiner Schulter, das ein Lachen hätte sein können.
»Aye, das bin ich. Aber es stört dich nicht so sehr?«
»Nein.« Sein Haar roch nach Rauch und Kiefernharz. Es hingen immer noch Nadelstückchen darin, eins davon stach mich in die Lippen, glatt und spitz.
»Sie hat es nicht so gemeint«, sagte ich.
»Doch, das hat sie«, sagte er, und ich spürte, wie er den Kloß in seinem Hals hinunterschluckte. »Ich habe es doch gehört.«
»Ich habe euch beide gehört.« Ich massierte ihn langsam zwischen den Schulterblättern und spürte die schwachen Spuren der alten Narben und die dicken, frischeren Wülste, die die Bärenklauen hinterlassen hatten. »Sie ist genau wie du; wenn sie aufgebracht ist, sagt sie Dinge, die sie bei klarem Verstand niemals sagen würde. Du hast doch auch nicht alles ernst gemeint, was du gesagt hast, oder?«
»Nein.« Ich konnte spüren, wie seine Anspannung nachließ und sich seine Gelenke lockerten und sich langsam der Beschwörung meiner Finger fügten. »Nein. Ich habe es nicht so gemeint. Nicht alles.«
»Sie auch nicht.«
Ich wartete einen Augenblick, während ich ihn streichelte, wie ich Brianna gestreichelt hatte, wenn sie als kleines Mädchen voller Angst gewesen war.
»Du kannst mir glauben«, flüsterte ich. »Ich liebe euch beide.«
Er seufzte tief und schwieg einen Augenblick.
»Wenn ich den Mann finden und ihn ihr wiederbringen kann, wenn ich es tue – meinst du, sie wird mir eines Tages verzeihen?«
»Ja«, sagte ich. »Ich weiß es.«
Ich hörte, wie auf der anderen Seite der Abtrennung die leisen Geräusche eines liebenden Paares einsetzten, das Schieben und Seufzen, die gemurmelten Worte, die keine Sprache haben.
»Du musst gehen.« Das hatte Brianna zu mir gesagt. »Du bist die Einzige, die ihn wiederbringen kann.«
Zum ersten Mal kam mir der Gedanke, dass sie damit vielleicht nicht Roger gemeint hatte.
Es war ein langer Weg durch die Berge, und das Winterwetter verlängerte ihn noch. Es gab Tage, an denen es unmöglich war zu reisen; an denen wir den ganzen Tag unter felsigen Überhängen oder in der Obhut einer Baumgruppe hockten, zum Schutz gegen den Wind zusammengekauert.
Als wir das Gebirge überquert hatten, wurde die Reise etwas einfacher, obwohl die Temperaturen niedriger wurden, je weiter wir nach Norden kamen. Manchmal aßen wir kalt, weil wir in Schnee und Wind kein Feuer unterhalten konnten. Doch jede Nacht lag ich mit Jamie zusammen, in einem Kokon aus Fell und Decken aneinandergekuschelt, und wir teilten unsere Wärme.
Ich zählte penibel die Tage, die ich mit einem verknoteten Zwirnsfaden markierte. Wir waren Anfang Januar von River Run aufgebrochen; es wurde Mitte Februar, bevor Onakara auf eine Rauchsäule in der Ferne deutete, die das Mohawkdorf anzeigte, in das er und seine Freunde Roger Wakefield gebracht hatten. »Schlangendorf«, so sagte er, wurde es genannt.
Sechs Wochen, und Brianna war fast im siebten Monat. Wenn wir Roger schnell zurücktransportieren konnten – und wenn er reisefähig war, fügte ich grimmig in Gedanken hinzu –, dann würden wir lange vor der Geburt des Kindes zurück sein. Doch wenn Roger nicht hier war – wenn die Mohawk ihn weiterverkauft hatten … oder wenn er tot war –, sagte eine leise, kalte Stimme in meinem Kopf, dann würden wir ohne Aufschub zurückkehren.
Onakara lehnte es ab, uns in das Dorf zu begleiten, was meine Zuversicht in unsere Erfolgsaussichten nicht im Geringsten stärkte. Jamie dankte ihm und verabschiedete ihn, nachdem er ihn mit einem Pferd, einem guten Messer und einer Flasche Whisky für seine Dienste entlohnt hatte.
Wir vergruben den restlichen Whisky in einiger Entfernung, um ihn vorsichtshalber vor dem Dorf zu verbergen.
»Werden sie verstehen, was wir wollen?«, fragte ich, als wir wieder auf die Pferde stiegen. »Ist Tuscarora der Mohawksprache so ähnlich, dass wir uns mit ihnen unterhalten können?«
»Es ist nicht ganz dasselbe, Tante Claire, aber nah dran«, sagte Ian. Es schneite ein wenig, und die schmelzenden Flocken blieben an seinen Wimpern hängen. »Vielleicht so wie der Unterschied zwischen Italienisch und Spanisch. Aber Onakara sagt, der Sachem und ein paar von den anderen können ein bisschen Englisch, auch wenn sie es meistens mit Absicht nicht benutzen. Aber die Mohawk haben aufseiten der Engländer gegen die Franzosen gekämpft; ein paar werden es verstehen.«
»Also dann.« Jamie lächelte uns zu und legte seine Muskete quer vor sich über den Sattel. »Dann wollen wir mal unser Glück versuchen.«
Kapitel 54
Gefangen I
Februar 1770
Seinen Berechnungen mit dem verknoteten Faden zufolge war er seit fast drei Monaten in dem Mohawkdorf. Zuerst hatte er nicht gewusst, wer sie waren; nur, dass sie einer anderen Sorte von Indianern angehörten als seine Bewacher – und dass seine Bewacher Angst vor ihnen hatten.
Er hatte taub vor Erschöpfung dagestanden, während die Männer, die ihn hergebracht hatten, geredet und mit den Fingern auf ihn gezeigt hatten. Die neuen Indianer waren anders; sie waren gegen die Kälte in Felle und Leder gekleidet, und viele der Männer hatten Tätowierungen im Gesicht.
Einer von ihnen stupste ihn mit der Messerspitze an und wies ihn an, sich auszuziehen. Sie zwangen ihn, sich nackt in die Mitte eines langen Holzhauses zu stellen, während mehrere Männer – und Frauen – ihn herumstießen und sich über ihn lustig machten. Sein rechter Fuß war stark geschwollen; die tiefe Wunde hatte sich entzündet. Er konnte zwar noch laufen, doch bei jedem Schritt fuhr ihm ein schmerzhafter Stich durch das ganze Bein, und er hatte immer wieder Fieberanfälle.
Sie schubsten ihn herum und schoben ihn zur Tür des Hauses. Draußen erscholl großer Lärm. Er erkannte, dass ihm ein Spießrutenlauf bevorstand; die Wilden standen schreiend in einer Zweierreihe, bewaffnet mit Stöcken und Knüppeln. Hinter ihm stach ihm jemand eine Messerspitze in die Pobacke, und er spürte, wie ihm ein warmes Blutrinnsal am Bein hinunterlief. »Cours!«, sagten sie. Lauf.
Der Boden war flach getreten, der Schnee hatte sich zu schmutzigem Eis verfestigt. Es verbrannte ihm die Füße, als ein Stoß in seinem Rücken ihn jetzt in das Pandämonium stolpern ließ.
Den Großteil des Weges über blieb er aufrecht, machte einen Satz hierhin, dann einen dorthin, während ihn die Knüppel hin- und herstießen und Stöcke ihm auf Beine und Rücken hieben. Es gab keine Möglichkeit, den Schlägen auszuweichen. Alles, was er tun konnte, war weiterlaufen, und zwar so schnell wie möglich.
Kurz vor dem Ende schwang ein Knüppel geradewegs auf ihn zu und erwischte ihn quer vor dem Bauch; er klappte zusammen, und der nächste traf ihn hinter dem Ohr. Er rollte wie gelähmt in den Schnee und spürte die Kälte kaum noch auf seiner aufgeplatzten Haut.