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Der Ruf der Trommel: Roman (German Edition)

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Der Ruf der Trommel: Roman (German Edition)
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Alexandre regte sich und stöhnte. Roger kam schnell und kniete sich neben ihn. Er konnte frisches Blut riechen, einen scharfen Kupfergeruch, den er vom Zerlegen des Elches wiedererkannte.

»Seid Ihr verletzt? Was haben sie gemacht?«

Die Antwort darauf kam schnell. Er drehte den halb bewusstlosen Priester um und sah, dass Blut dessen Gesicht und Hals mit einem leuchtend roten Glanz überzog. Er griff nach der abgelegten Robe des Priesters, um das Blut zu stillen, schob das verklebte, blonde Haar zurück und stellte fest, dass das rechte Ohr des Priesters fehlte. Ein scharfer Gegenstand hatte ihm genau hinter dem Kiefer ein Stück Haut von etwa acht Zentimetern Kantenlänge entfernt und das Ohr und ein Stück Kopfhaut abgeschnitten.

Rogers Magenwände verkrampften sich, und er presste den Stoff fest gegen die rohe Wunde. Dort hielt er ihn fest, zog den reglosen Körper zum Feuer und türmte die Überreste der Kleider und beide Hirschfelle über Père Ferigault auf.

Der Mann stöhnte jetzt. Roger wusch ihm das Gesicht, ließ ihn ein wenig Wasser trinken.

»Ist ja gut«, murmelte er wieder und wieder, obwohl er sich nicht sicher war, ob der andere ihn hören konnte. »Ist ja gut, sie haben Euch nicht umgebracht.« Er fragte sich allerdings unwillkürlich, ob es nicht besser gewesen wäre, wenn sie es getan hätten; war dies nur als Warnung für den Priester gedacht oder nur das Vorspiel zu größeren Torturen?

Das Feuer war bis auf die Glut heruntergebrannt; in dem rötlichen Licht war das durchsickernde Blut schwarz.

Père Alexandre bewegte sich in ständigen, kleinen Zuckungen, und der Schmerz seiner Wunde war zugleich der Grund für die Ruhelosigkeit seines Körpers als auch ein ständiger Hemmschuh. Er hatte überhaupt keine Möglichkeit, sich dem Schlaf zu überlassen, und demzufolge ging es Roger genauso. Er war sich jeder unaufhaltsam verstreichenden Minute fast genauso schmerzhaft wie der Priester bewusst.

Roger verfluchte sich für seine Hilflosigkeit; er hätte alles gegeben, um den Schmerz des anderen Mannes zu lindern, und sei es nur für einen Augenblick. Es war nicht nur Mitgefühl, und er wusste es; Père Alexandres kurze, atemlose Geräusche hielten das Bewusstsein seiner Verstümmelung in Roger wach und den Schrecken in seinen Adern lebendig. Wenn der Priester nur schlafen könnte, dann würden die Geräusche aufhören – und vielleicht würde im Dunkeln das Grauen ein wenig zurückweichen.

Zum ersten Mal glaubte er zu verstehen, was Claire Randall antrieb; was sie bewegte, auf Schlachtfelder zu gehen und Verwundeten ihre Hände aufzulegen. Anderen die Schmerzen und den Tod zu erleichtern bedeutete, die eigene Angst zu lindern – und er würde beinahe alles tun, um seine Angst zu mindern.

»Psst«, sagte er, die Lippen nah an Père Alexandres Kopf. Er hoffte, dass er die Seite mit dem Ohr hatte. »Beruhigt Euch. Reposez-vous.«

Der magere Körper des Priesters erzitterte neben dem seinen, die Muskeln vor Kälte und Agonie verkrampft. Roger massierte dem Mann fest den Rücken, scheuerte mit den Handflächen über seine unterkühlten Gliedmaßen und zog die beiden zerlumpten Hirschfelle über sie beide.

»Euch geschieht nichts.« Roger sprach Englisch, denn ihm war klar, dass es keine Rolle spielte, was er sagte, nur dass er überhaupt etwas sagte. »Aber, aber, es ist alles in Ordnung. Ja, macht ruhig weiter.« Seine Worte dienten mindestens so sehr seiner eigenen Ablenkung wie der des anderen Mannes; Alexandres nackten Körper zu spüren, war vage schockierend – weil es sich nicht unnatürlich anfühlte und es gleichzeitig doch tat.

Der Priester klammerte sich an ihn, den Kopf an seine Schulter gepresst. Er sagte nichts, doch Roger konnte die Feuchtigkeit von Tränen auf seiner Haut spüren. Er überwand sich dazu, den Priester fest in den Arm zu nehmen, massierte ihn entlang der Wirbelsäule mit ihren kleinen, knochigen Vorsprüngen und zwang sich dazu, nur daran zu denken, wie er das fürchterliche Zittern stoppen konnte.

»Ihr könntet ein Hund sein«, sagte Roger. »Irgendein misshandelter Streuner. Ich würde es tun, wenn Ihr ein Hund wärt, natürlich würde ich das. Nein, würde ich nicht«, murmelte er vor sich hin. »Sondern den verdammten Tierschutzverein anrufen, schätze ich.«

Er streichelte Alexandres Kopf, achtete sorgsam darauf, wohin seine Finger wanderten, zitternd vor Gänsehaut bei der Vorstellung, zufällig jene rohe, blutige Stelle zu berühren. Das Haar im Nacken des Priesters war schweißverklebt, obwohl sich die Haut an seinem Hals und seinen Schultern wie Eis anfühlte. Sein Unterkörper war wärmer, aber nicht viel.

»Niemand würde einen Hund so behandeln«, brummte er. »Verdammte Wilde. Man sollte ihnen die Polizei auf den Hals schicken. Ihre verdammten Bilder in der Times bringen. Sich beim Petitionsausschuss beschweren.«

Etwas, das viel zu verängstigt war, um sich Lachen zu nennen, durchlief ihn in einer Welle. Er packte den Priester heftig und wiegte ihn im Dunkeln vor und zurück.

»Reposez-vous, mon ami. C’est bien, là, c’est bien.«

Kapitel 55

Gefangen II

River Run

März 1770

Brianna drehte den feuchten Pinsel am Rand der Palette entlang und drückte das überschüssige Terpentin aus, um eine brauchbare Spitze zu formen. Sie tauchte die Spitze kurz in die Mischung aus Chromgrün und Kobaltblau und fügte dem Flussufer eine feine Schattenlinie hinzu.

Hinter ihr auf dem Pfad erklangen Schritte, die aus der Richtung des Hauses kamen. Sie erkannte den ungleichmäßigen Zweierschritt; es waren die Fürchterlichen Zwei. Sie verspannte sich ein wenig und unterdrückte den Drang, sich ihre feuchte Leinwand zu schnappen und sie hinter Hector Camerons Mausoleum außer Sichtweite zu befördern. Jocasta störte sie nicht; sie kam oft und setzte sich zu ihr, wenn sie morgens malte, um mit ihr über Maltechniken, die Herstellung von Pigmenten und Ähnliches zu diskutieren. Eigentlich freute sie sich sogar über die Gesellschaft ihrer Tante und hütete die Geschichten der älteren Frau über ihre Kindheit in Schottland, über Briannas Großmutter und über die anderen MacKenzies aus Leoch wie einen Schatz. Doch wenn Jocasta ihren getreuen Blindenhund mitbrachte, standen die Dinge anders.

»Guten Morgen, liebe Nichte! Ist es heute früh nicht zu kalt für dich?«

Jocasta blieb stehen, ihren Umhang um sich gezogen, und lächelte Brianna an. Wenn sie es nicht gewusst hätte, wäre sie nie darauf gekommen, dass ihre Tante blind war.

»Nein, es ist wunderbar hier; das … äh … Grab hält den Wind ab. Aber ich bin fürs Erste fertig.« Das stimmte nicht, doch sie steckte ihren Pinsel in das Terpentinglas und begann, ihre Palette sauber zu schaben. Sie würde um keinen Preis malen, während Ulysses jeden einzelnen ihrer Pinselstriche laut beschrieb.

»Ja? Na, dann lass deine Sachen stehen; Ulysses bringt sie dir mit.«

Brianna ließ widerstrebend ihre Staffelei stehen, hob ihr persönliches Skizzenbuch auf und klemmte es sich unter den Arm, während sie Jocasta den anderen hinhielt. Sie hatte nicht vor, das liegenzulassen, damit Mr. Sieht-alles-und-erzählt-alles es durchblätterte.

»Wir bekommen heute Gesellschaft«, sagte Jocasta, indem sie sich zum Haus zurückwandte. »Richter Alderdyce aus Cross Creek und seine Mutter. Ich dachte, vielleicht möchtest du dich vor dem Essen umziehen.« Brianna biss sich von innen auf die Wange, um sich jeglicher Erwiderung auf diesen alles andere als subtilen Hinweis zu enthalten. Noch mehr Besucher.

Unter den gegebenen Umständen konnte sie es kaum ablehnen, die Gäste ihrer Tante kennenzulernen – oder ihre Kleider für sie zu wechseln –, doch sie hätte sich gewünscht, dass Jocasta die Gesellschaft etwas weniger liebte. Der Strom der Besucher riss nicht ab; zum Mittagessen, zum Tee, zum Abendessen, über Nacht, zum Frühstück kamen sie, um Pferde zu kaufen, Kühe zu verkaufen, mit Holz zu handeln, Bücher auszuleihen, Geschenke zu bringen oder zu musizieren. Sie kamen von den benachbarten Plantagen, aus Cross Creek und sogar aus Edenton oder New Bern.

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