Бесплатная библиотека
Читайте книгу на сайте или телефоне
Der Graf von Sainte-Hermine - Читать Любимую Русскую Полную Книгу 👉 Read-E-Book.com

Der Graf von Sainte-Hermine

Электронная книга - «Der Graf von Sainte-Hermine». Краткое содержание книги:

Hector de Sainte-Hermine sitzt zwischen den Stühlen: Er hat geschworen, seine Familie zu rächen, die von der Französischen Revolution ausgelöscht wurde, doch irgendwie begeistert ihn dieser Napoleon Bonaparte auch, der Frankreich nun mit großem Enthusiasmus regiert. Seine Zerrissenheit führt ihn in die entlegensten Ecken der Welt, als Freibeuter, Abenteurer und schließlich als Waffengefährte Napoleons in die Schlacht von Trafalgar. Der letzte und unvollendete Roman von Alexandre Dumas wartet mit allem auf, was man vom Großmeister der Mantel-und-Degen-Geschichten erwartet: Rasante Kampfszenarien und romantisch-sehnsüchtigen Liebesgeschichten wechseln sich ab mit politischen und philosophischen Ausführungen. Erst 1990 wurde die Manuskripte des als Fortsetzungsroman angelegten Buchs entdeckt, der französische Forscher Claude Schopp puzzelte die Einzelteile zusammen. Er versah die Erzählung dann auch mit einem Anhang, der dem scheinbar auf ewig unvollendeten Roman doch noch ein würdiges Ende setzt. Spannender Lesestoff, der bald verfilmt werden dürfte - wahrscheinlich mit Leonardo DiCaprio in der Hauptrolle.
Die Originalausgabe erschien 2005 unter dem Titel »Le Chevalier de Sainte-Hermine« bei Éditions Phébus, Paris.
1 ... 268 269 270 271 272 273 274 275 276 ... 298
Перейти на страницу:

Die Stunde des Abendessens nahte. Der Vizekönig behielt General Lamarque und General Sahuc zum Essen da, doch das änderte nichts daran, dass René der Kavalier der Prinzessin blieb. Die Damen hatten sich doppelt und dreifach herausgeputzt, wenn man so sagen darf.

Waren der Anlass das Konzert und der Ball, die den Abend beschließen sollten? Oder war es der geheimnisvolle schöne Fremde?

Alles, was General Lamarque über ihn erzählt hatte und noch erzählte, steigerte nur die Neugier der Damen. Die Vorstellung, dass ein Liebesleid der Grund für die Blässe und die Melancholie seiner Miene war, rührte gewaltig an ihr Herz.

Was sonst sollte einem Mann einen so hartnäckigen Todeswunsch einflößen als eine unglückliche Liebe, vor allem wenn der junge Mann so schön, so tapfer und so reich war?

Die Hofetikette ist bekannt: Die Prinzessinnen lassen die Tänzer benachrichtigen, denen sie die Ehre erweisen wollen, mit ihnen zu tanzen. Die Prinzessin gab René zu verstehen, ihr Mann habe ihr erlaubt, ihm diese Gunst zu erweisen, doch mit ungeheucheltem Bedauern erwiderte René, dass er vor langer Zeit gelobt habe, nie mehr zu tanzen, er ihr jedoch für alles andere zur Verfügung stehe.

»Für alles andere? Was verstehen Sie darunter?«

»Prinzessin«, erwiderte René lächelnd, »darunter verstehe ich, dass ich zuerst bereit bin, die anderen zum Tanzen zu bringen, und danach, diejenigen der Damen zu begleiten, die uns sicherlich das Vergnügen bereiten werden zu singen.«

»Begleiten«, sagte die Prinzessin, »auf welchem Instrument?«

»Auf jedem, Madame.«

»Sind Sie etwa Musiker?«

»Während meiner drei Jahre Gefangenschaft war die Musik meine einzige Zerstreuung.«

»Und Dichter?«

»Wer wäre das nicht auf seine bescheidene Weise?«

»Ich werde Sie nachher an alles erinnern, was Sie soeben sagten.«

»Sie werden befehlen, Madame, und ich werde gehorchen.«

Das Gespräch wurde allgemein. René, der nie zu glänzen versuchte, steuerte nur hin und wieder ein paar Worte bei.

Den Damen wurde angekündigt, dass sie am nächsten Morgen nach Venedig aufzubrechen hätten, angeführt von der Prinzessin, da sie zu keinem Armeekorps zählten.

Die Prinzessin zeigte sich rebellisch. »Warum sollen wir uns von der Armee entfernen?«, fragte sie. »Sind wir in Ihren Reihen nicht ebenso sicher wie in Venedig?«

»Nicht ganz und gar«, erwiderte René, »und deshalb würde ich Eure Kaiserliche Hoheit gerne bitten, sich den Anordnungen des Prinzen nicht zu widersetzen.«

Diese Worte sagte er in leisem, doch so ernstem Ton, dass sie ihren Eindruck auf die Prinzessin nicht verfehlten.

»Besteht denn Grund zur Besorgnis?«, fragte die Prinzessin René beunruhigt.

»Die Truppen sind ungünstig verteilt«, sagte René. »Und sollte Erzherzog Johann kein völliger Anfänger in der Kriegskunst sein, dann müsste er uns getrennt angreifen und die ersten Gefechte gewinnen.«

»Haben Sie das Eugène gesagt?«, fragte die Prinzessin.

Doch René verneigte sich leicht und antwortete: »Madame, es steht mir nicht zu, solche Voraussagen zu treffen.«

»Sie sind also auch der Ansicht, dass wir nach Venedig abreisen sollten?«

»Ich für meine Person würde Eure Hoheit unbedingt darum bitten, und da meine Person und meine Stimme wenig zu bedeuten haben, bitte ich Euch, Eurem erhabenen Gemahl zu gehorchen.«

In einem Schweigen, das verriet, welche Wirkung die Aufforderung an die Damen gehabt hatte, am nächsten Tag nach Venedig aufzubrechen, verließ man den Tisch.

Eine Zeit lang lauschten die Gäste noch zerstreut der Musik, die während des Abendessens gespielt worden war; dann wurden die Musiker zu ihrem eigenen Abendessen geschickt.

Schönstes Aprilwetter herrschte, und man beschloss, auf der Terrasse und in den herrlichen Gärten des Schlosses von Udine spazieren zu gehen.

Die Aussicht war bezaubernd: In dem klaren Abendlicht sah man auf der Ebene östlich unterhalb des Schlosses wie große Schlangen, deren Schuppen die untergehende Sonne zurückwarfen, den Isonozo und den La Torre; der La Torre floss am Fuß der Stadtbefestigungen vorbei, und der Isonzo beschrieb eine den Bergen von Görz geschuldete Krümmung; im Norden und im Nordwesten erhoben sich die Tiroler Berge, deren Gipfel, wenn sie im Nebel verschwanden, zu am Himmel festgefrorenen Wolken wurden, und im Westen erblickte man den Tagliamento, der den weiten Bogen seiner Wasser beschrieb, die im Schatten wie polierter Stahl schimmerten, und hinter dem Fluss die zahllosen Sturzbäche, von denen die Ebene durchzogen ist und die silberne Blitze aussandten, wenn ein Sonnenstrahl durch die Berge zu ihnen fand und ihre wirbelnden Wasser berührte.

Die Luft war so mild, so rein und so dufterfüllt, dass man den Garten erst verließ, als es dunkel war, sofern es in Italien nachts überhaupt dunkel werden kann.

Im Salon war Licht al giorno entzündet worden, und bald erfüllte ihn der Duft der Damen, so dass es schien, als hätten sie ihn nur verlassen, um das Parfum der Blumen zu pflücken und in den Salon zu bringen.

Die Fenster waren geschlossen, doch das Klavier war geöffnet.

Die Prinzessin glitt mit den Fingern über die Tasten, denen sie einen Akkord entlockte, der wie ein Zauber Stille bewirkte.

Alle drängten sich um das Klavier.

»Meine Damen«, sagte die Prinzessin, »Monsieur René genießt den Ruf eines herausragenden Musikers, und er hat mir beim Abendessen zugesagt, alles auszuführen, was ich ihm befehlen werde … Ich befehle ihm, sich an das Klavier zu begeben und uns ein Lied eigener Komposition und mit selbstgedichteten Versen vorzusingen.«

Zum Erstaunen aller ließ der junge Offizier sich keineswegs lange bitten, wie Virtuosen es zu tun pflegen, sondern ging zum Klavier, setzte sich ohne Ziererei auf den Hocker und legte die Hände auf die Tasten.

Die vollendete Schönheit dieser Hände mit den rosigen Nägeln und den bleichen, schmalen Fingern wie die einer Frau kam nun zur Geltung. Am rechten Zeigefinger trug der junge Mann einen auffallend schönen Saphir.

Noch nie wurde der Triumph eines Virtuosen mit größerer Neugier und tieferer Stille erwartet.

Und in dieser Stille erhob sich mit einem Mal eine klare, melodiöse und doch männliche Stimme. Sie sang mit einer verhaltenen Melancholie, die sich jedem Beschreibungsversuch entzieht, die folgenden Verse, die wie eine jener Melodien klingen, wie sie zwischenzeitlich durch Saint-Hubert in Mode gebracht wurden, seinerzeit jedoch völlig unbekannt waren.  

Der Berg ruht vor dem dunklen Firmament;

Die Täler liegen stumm, vom Tau getränkt;

Der Staub erstirbt auf dem entflammten Weg.

Das Blatt hängt still, kein Wind sich regt.

Wart noch ein Weilchen, bis auch du bald schläfst!  

Die Wirkung dieser klagenden Worte zur Begleitung melancholischer Klaviertöne, in denen man das letzte Rascheln der Blätter und den letzten Hauch des Windes zu hören vermeinte, bevor sie in einem Aufschrei des Instruments endeten, der wie der Schrei einer brechenden menschlichen Seele klang, lässt sich nicht mit Worten schildern.

Als der letzte Nachhall der Stimme und des Klaviers verstummt war, dauerte es mehrere Sekunden, bis die Zuhörer sich wieder zu regen wagten und in Beifall und Bravorufe ausbrachen.

René erhob sich und griff nach seinem Kalpak.

»Oh«, sagte die Prinzessin fragend, »wollen Sie schon gehen?«

»Hoheit«, erwiderte René, »ich habe Ihnen versprochen, zu tun, was Sie mir befehlen. Sie befahlen mir zu singen, eigene Verse zu eigener Musik, und ich habe Ihnen gehorcht, doch gestatten Sie mir, Ihnen etwas zu sagen: Ein Soldat, der singt, der andere beim Singen begleitet oder auf einem Instrument brilliert, um beklatscht zu werden, war in meinen Augen immer eine lächerliche Figur, aber ein Mann, ob Soldat oder Zivilist, der einer Frau etwas abschlägt, vor allem, wenn diese Frau eine Prinzessin ist – so jemand ist ein Grobian und ein ungezogener Lümmel; indem ich Eurer Hoheit gehorchte, habe ich mir keine Lächerlichkeit zuschulden kommen lassen, doch ich möchte mich nicht vor mir selbst lächerlich machen, indem ich weiterspiele. Wenn ich singe oder musiziere, tue ich es zu meinen Vergnügen und um meinen Gedanken zu entfliehen; begegnen Sie meiner Schwäche, denn Schwäche ist es, mit Nachsicht, und erlauben Sie mir, mich zurückzuziehen.«

1 ... 268 269 270 271 272 273 274 275 276 ... 298
Перейти на страницу:
0
Сюжет
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
  • 6
  • 7
  • 8
  • 9
  • 10
0
Атмосфера
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
  • 6
  • 7
  • 8
  • 9
  • 10
0
Главный герой
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
  • 6
  • 7
  • 8
  • 9
  • 10
0
Общее впечатление
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
  • 6
  • 7
  • 8
  • 9
  • 10
Итоговая оценка: 0.0 из 10 (голосов: 0 / История оценок)