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Der Graf von Sainte-Hermine

Электронная книга - «Der Graf von Sainte-Hermine». Краткое содержание книги:

Hector de Sainte-Hermine sitzt zwischen den Stühlen: Er hat geschworen, seine Familie zu rächen, die von der Französischen Revolution ausgelöscht wurde, doch irgendwie begeistert ihn dieser Napoleon Bonaparte auch, der Frankreich nun mit großem Enthusiasmus regiert. Seine Zerrissenheit führt ihn in die entlegensten Ecken der Welt, als Freibeuter, Abenteurer und schließlich als Waffengefährte Napoleons in die Schlacht von Trafalgar. Der letzte und unvollendete Roman von Alexandre Dumas wartet mit allem auf, was man vom Großmeister der Mantel-und-Degen-Geschichten erwartet: Rasante Kampfszenarien und romantisch-sehnsüchtigen Liebesgeschichten wechseln sich ab mit politischen und philosophischen Ausführungen. Erst 1990 wurde die Manuskripte des als Fortsetzungsroman angelegten Buchs entdeckt, der französische Forscher Claude Schopp puzzelte die Einzelteile zusammen. Er versah die Erzählung dann auch mit einem Anhang, der dem scheinbar auf ewig unvollendeten Roman doch noch ein würdiges Ende setzt. Spannender Lesestoff, der bald verfilmt werden dürfte - wahrscheinlich mit Leonardo DiCaprio in der Hauptrolle.
Die Originalausgabe erschien 2005 unter dem Titel »Le Chevalier de Sainte-Hermine« bei Éditions Phébus, Paris.
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Er zupfte seinen Schnurrbart zurecht, als die Wagen in den Hof des Palasts einfuhren.

Kaum hatte der Prinz seine Gemächer betreten, wurde dem Reisenden gemeldet, dass Seine Hoheit ihn erwarte.

Er nahm in seinem Kalpak die Depesche des Kaisers mit und folgte dem Adjutanten, der ihn vorzustellen hatte.

Eugène de Beauharnais, den wir vierzehn Jahre zuvor in Straßburg Fechtstunden bei Augereau nehmen sahen, war ein ausgesprochen schöner und eleganter Prinz von acht- bis neunundzwanzig Jahren.

Die zwei jungen Männer waren etwa gleichaltrig.

Sie sahen einander zuerst mit der eigentümlichen Bewunderung an, die Männer für die Schönheit anderer Männer empfinden, doch Eugène erkannte sogleich in der Schönheit des jungen Offiziers jene Entschlossenheit – vielleicht weil er selbst sie nicht besaß -, die verrät, dass derjenige, der über sie gebietet, von einem unerwarteten Schicksalsschlag zermalmt, aber nicht gebrochen werden kann. Und der Prinz grüßte den jungen Offizier mit einer Achtung, die weder Dienstgrad noch Alter des Gegenübers gebot.

Der junge Offizier näherte sich dem Prinzen mit einer halben Verbeugung und überreichte ihm seine Depesche mit den Worten: »Brief Seiner Majestät, des Kaisers der Franzosen, an Seine Hoheit, den Vizekönig von Italien und Fürsten von Venedig.«

»Geben Sie ihn mir, Monsieur«, sagte Eugène, und er führte den Brief an seine Lippen und brach das Siegel. »Paris!«, rief er verwundert. »Der Kaiser ist doch nicht in Paris, der Kaiser ist in Valladolid!«

»Lesen Sie, Monsieur«, wiederholte der Offizier beharrlich.

Der Prinz las weiter und äußerte zugleich wachsendes Erstaunen, das bis zum Zweifel reichte.

»Unmöglich!«, murmelte er. »Unmöglich! Der Kaiser kann nicht besser wissen, was hier vor sich geht, als ich«, und zu dem Kurier gewendet: »Hat der Kaiser Ihnen gesagt, welche Nachricht Sie mir überbringen?«

»Ja, Monseigneur, ich soll Sie im Namen seiner Majestät auffordern, Verteidigungsmaßnahmen zu treffen, und Ihnen ankündigen, dass in drei, spätestens vier Tagen Erzherzog Johann einen Angriff vortragen wird.«

»Einfach so! Aus heiterem Himmel! Ohne Kriegserklärung! Unmöglich, dass ich davon bisher nichts erfahren hätte. Der Erzherzog und seine Österreicher werden ja wohl nicht im Ballon angeflogen kommen!«

»Sicherlich nicht, aber über Tolmezzo und Fella Torte kann er in zwei Tagen Ihre Vorposten attackieren.«

»Der Kaiser schreibt, er habe von Valladolid aus von König Murat eine Division der neapolitanischen Armee angefordert, die am 8. oder 9. unter dem Kommando von General Lamarque in Udine eintreffen soll.«

Der Vizekönig klingelte; ein Adjutant erschien.

»Lassen Sie augenblicklich General Sahuc rufen«, befahl der Vizekönig.

Der Adjutant verschwand.

Die jungen Männer setzten ihr Gespräch fort, für das die Nachrichten, die der Kurier gebracht hatte, genug Stoff boten.

»Hat der Kaiser Ihnen nichts aufgetragen, was Sie mir besonders eindringlich ans Herz legen sollen?«

»Er empfiehlt Eurer Hoheit, alle Straßen penibel überwachen zu lassen. Wenn die Truppen Eurer Hoheit geschlossen sind und sich in vorteilhafter Stellung befinden, können, nein, müssen Eure Hoheit die Schlacht eröffnen. Eure Hoheit werden verstehen, wie wichtig diese erste Schlacht ist. Ein Sieg wird der ganzen Armee Mut verleihen, eine Niederlage … nicht auszudenken, welche Folgen eine Niederlage hätte.«

Eugène wischte sich mit dem Taschentuch über die schweißnasse Stirn und wurde sichtlich blasser. »Und wenn meine Armee zerstreut ist und sich nicht in vorteilhafter Stellung befindet?«

»Dann, Monseigneur, lautet der Rat des Kaisers, dass Eure Hoheit sich hinter den Tagliamento zurückziehen und dort Eure Operationslinie wählen.«

»Aber einen Feldzug mit der Flucht zu beginnen!«

»Ein Rückzug ist keine Flucht. Das militärische Ansehen eines der größten Generäle des Altertums und das eines der größten Generäle der Neuzeit beruht auf Rückzügen. Ziehen Sie sich acht Tage lang zurück. Halten Sie dann an. Gehen Sie in den Kampf. Gewinnen Sie die Schlacht. Und die acht Tage werden keine verlorene Zeit gewesen sein.«

General Sahuc wurde angekündigt.

»Er möge eintreten!«, rief der Vizekönig ungeduldig.

»General«, unterbrach Eugène den General mitten in seiner Begrüßung, »haben Sie Patrouillen auf den Straßen?«

»Gewiss, Eure Hoheit.«

»Und wo?«

»Überall.«

»Verdoppeln Sie sie. Sorgen Sie dafür, dass in jeder Patrouille Männer sind, die Italienisch sprechen, damit sie die Bauern befragen können. Der Kaiser warnt mich – was ich Ihnen jetzt sagen werde, General, ist nur für Ihre Ohren bestimmt -, der Kaiser warnt mich vor einem bevorstehenden Angriff.«

»Als ich mich anschickte, mich zu Eurer Hoheit zu begeben, hat man mir gemeldet, dass sich von der venezianischen Küste ein großes Truppenkontingent nähert«, sagte General Sahuc, »doch an der Trikolore hat man erkannt, dass es ein französisches Korps ist.«

»Das ist General Lamarque mit seiner Division«, sagte der Prinz leise zu dem jungen Offizier.

»Aber wer kann uns angreifen wollen?«

»Die Österreicher, zum Kuckuck!«

»Ohne Kriegserklärung?«

»Das sähe ihnen ganz ähnlich … Jedenfalls schreibt mir der Kaiser, dass die Kriegshandlungen voraussichtlich zwischen dem 13. und dem 15. eröffnet werden. Seien wir also auf der Hut. Senden Sie Ihre Patrouillen aus, und verschaffen Sie sich im Generalstab Übersicht über die Verteilung der Truppen.«

»Unverzüglich, Eure Hoheit.«

Als General Sahuc gegangen war, trat der Hausdiener herein und verkündete Seiner Hoheit, dass angerichtet sei.

»Sie speisen mit uns«, sagte Eugène zu dem Kurier.

»Der Kaiser hat mich beauftragt, Eurer Hoheit zur Verfügung zu stehen«, erwiderte der junge Mann mit einer Verbeugung.

Dann folgte er dem Vizekönig.

ZWEITES KAPITEL Das Mittagessen

Die Türflügel wurden geöffnet, und der Prinz führte den jungen Mann in einen Salon, in dem der Hofstaat versammelt war.

Seine Zusammensetzung erwähnten wir bereits. Der junge Offizier war überwältigt: Nie zuvor hatte er so viele bezaubernde Frauen und elegante Offiziere in einem Raum gesehen.

»Meine Damen und Herren«, sagte Eugène, »ich darf Ihnen den Schwadronschef René vorstellen, der mir als Sonderkurier des Kaisers gesandt und von unserem Kriegsminister empfohlen wurde. Ein Rivale für Sie, meine Herren, und ein neuer Diener für Sie, meine Damen. Monsieur René, ich gestatte Ihnen, der Prinzessin den Arm zu reichen. Prinzessin, lassen Sie Ihren Kavalier Platz nehmen.«

Die Türen des Speisezimmers wurden geöffnet.

Eine Zeit lang waren alle damit beschäftigt, ihren Platz einzunehmen; man schob die Sessel hin und her, um einander nicht in die Quere zu kommen, doch sobald die Gäste sich gesetzt hatten, blickten alle neugierig zu René.

Als er den Salon betrat, waren seine Schönheit und seine Eleganz allen aufgefallen, doch als man sah, wie er der Prinzessin den Arm reichte, wie er sie zu ihrem Sessel führte und wie er sich vor ihr verneigte, während er selbst Platz nahm, bezweifelte niemand mehr, dass dieser Gast in der allerbesten Gesellschaft zu verkehren gewohnt sein musste.

»Monsieur René«, sagte der Prinz, »ich sehe, dass die Damen kaum an sich halten können, Sie auszufragen, woher Sie kommen und was Sie erlebt haben. Erzählen Sie ihnen doch das eine oder andere.«

»Eure Hoheit bringen mich in große Verlegenheit, wenn Sie mich auffordern, die Unterhaltung an mich zu reißen. Mein Leben war das Leben eines Gefangenen, eines Matrosen, eines Reisenden, eines Soldaten und eines Banditenjägers. Daran ist nichts besonders Interessantes.«

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