Der Graf von Sainte-Hermine
- Автор: Дюма Александр
- Год: 2009
- Язык: немецкий
- Год: Blanvalet Verlag
- Жанр: Исторические приключения
Электронная книга - «Der Graf von Sainte-Hermine». Краткое содержание книги:
Die Originalausgabe erschien 2005 unter dem Titel »Le Chevalier de Sainte-Hermine« bei Éditions Phébus, Paris.
Er stieg mit ausgebreiteten Armen die Treppe hinunter und umarmte General Lamarque, den er bisher nur vom Hörensagen gekannt hatte, denn seit der glanzvollen Einnahme Capris wurde der Ruhm des Generals überall verkündet.
Der Vizekönig besprach mit dem General alles Erforderliche für die Unterbringung der Neuankömmlinge und versuchte in Erfahrung zu bringen, was der General, der ihm zu Hilfe kam, über seine Situation wusste.
General Lamarque war in der Nähe von Rom stationiert gewesen und hatte dort den Befehl erhalten, sich mit seiner Division in Bewegung zu setzen, sich im Eilmarsch nach Friaul zu begeben und sich dort dem Kommando des Prinzen Eugène zu unterstellen.
Er hatte gehorcht.
Der Brief, in dem Napoleon diese Hilfe von Murat verlangte, war aus Valladolid datiert.
Mehr wusste der General nicht.
Prinz Eugène wiederum wusste nicht viel mehr, als dass ihn zwischen dem 12. und dem 14. April die Österreicher überfallen würden.
Der Vizekönig befahl, einen Saal im Erdgeschoss für die Offiziere herzurichten und ihnen dort Erfrischungen zu reichen.
Den General nahm er mit, um ihn den Damen vorzustellen.
Die Damen waren in den Salon gegangen, wo der Kaffee gereicht wurde, und da sie ihre Neugier nicht bezähmen konnten, untersuchten sie mit typisch weiblichem Interesse, das heißt einem nicht ganz neidlosen Interesse, den Federbusch aus Reiherfedern mit seiner Fassung aus Perlen und Diamanten, der den Kalpak des jungen Offiziers schmückte und den die Damen auf einen Wert von mindestens zwanzigtausend Francs veranschlagten.
Als der Prinz mit General Lamarque den Raum betrat, hielt gerade die Prinzessin den Kalpak in der Hand; ihrer weiblichen Neugier gehorchend, hatte sie sehen wollen, was die anderen Damen so sehr bewunderten, und obwohl sie mit Perlen und Diamanten zu vertraut war, um sie zu bestaunen, bewunderte sie die exquisite Manier ihrer Fassung. Sie war mit dem Schmuck so beschäftigt, dass der Prinz in den Kreis um sie herum trat und neben ihr stand, bevor sie ihn bemerkte.
Sie stieß einen leisen Schrei der Überraschung aus.
»Madame«, sagte der Prinz, »gestatten Sie mir, Ihre Aufmerksamkeit für einen Augenblick von diesem bezaubernden Geschmeide abzulenken und Ihnen General Lamarque vorzustellen. Sie wissen, wofür sein Name steht: für Tapferkeit, Vaterlandsliebe und Treue. Seine Majestät Kaiser Napoleon schickt ihn uns zu Hilfe, denn Sie müssen wissen, meine Damen, dass die Tage ungetrübter Freuden vorbei sind, denn wir laufen Gefahr, unversehens angegriffen zu werden. Heute Abend wird noch getanzt werden, doch ab morgen oder übermorgen gibt es nur noch Musik, und zwar jene Musik, zu der die Männer allein tanzen.«
General Lamarque verneigte sich vor der Prinzessin als Mann von Welt und als Mann des Krieges; beide Eigenschaften vereinigte er in sich aufs Vollkommenste.
Die Prinzessin wiederum stand ein wenig eingeschüchtert da und hielt den Kalpak des jungen Schwadronschefs in der Hand.
»Ach ja«, sagte der Vizekönig, »das ist der Federbusch unseres jungen Kuriers, wahrscheinlich das Geschenk einer Fürstin, denn mit den Bezügen eines Schwadronschefs kann man sich solche Kostbarkeiten wohl kaum leisten.«
»Ich bitte Sie«, sagte eine der Hofdamen, »vergessen Sie nicht, dass dieser Mann seiner Mannschaft sein Prisengeld von fünfhunderttausend Francs geschenkt hat.«
»Verzeihung«, sagte der General und streckte die Hand aus, um den Gegenstand zu betrachten, der die Damen so beschäftigte, »aber mir scheint, ich kennte diesen Federbusch.«
Er sah ihn aufmerksam an.
»Aber ja!«, fuhr er fort. »Das ist der Federbusch unseres Freundes René!«
»Sie kennen den jungen Mann?«, fragte Prinz Eugène.
»Sehr gut sogar«, erwiderte Lamarque.
»Und dieser Federbusch?«, fragte die Prinzessin.
»Den hat ihm König Murat geschenkt, damit er ihm als Talisman Tag und Nacht den Zugang zu seinem Palast ermöglicht; ist er hier?«
»Gewiss doch, der Kaiser hat ihn mir als Sonderkurier gesandt. Er kam vor zwei Stunden erst an.«
»Und Eure Hoheit kannten ihn vorher nicht?«
»Nein.«
In diesem Augenblick betrat René den Salon, nachdem er sich im Vorraum mit den Adjutanten unterhalten hatte.
»Darf ich Sie mit ihm bekannt machen?«
»Gewiss.«
»O ja!«, rief die Prinzessin, welche die Neugier teilte, die dem jungen Offizier von den anderen Damen entgegengebracht wurde.
General Lamarque tat einen großen Schritt auf René zu, der einen Freudenruf ausstieß, als er ihn sah; der General nahm ihn bei der Hand, trat auf den Prinzen und die Prinzessin zu und sagte: »Ich habe die Ehre, Euren Hoheiten den Sieger von Capri vorzustellen.«
»Capri!«, rief der Prinz. »Ich dachte, das wären Sie!«
»Eingenommen habe ich die Insel in der Tat«, sagte Lamarque, »aber Monsieur hat sie mir übergeben.«
»Oh, Hoheit«, fiel René ein, »glauben Sie ihm nicht -«
»Schweigen Sie, Schwadronschef!«, sagte Lamarque. »Und ich befehle Ihnen, mir nicht wieder ins Wort zu fallen!« Dann fügte er lachend hinzu: »Wenn ich von Ihnen sprechen will, wohlgemerkt!«
»General«, sagte der Prinz, »wären Sie so freundlich, mich in mein Arbeitskabinett zu begleiten: Es gibt viel zu besprechen.« Dann wandte er sich an René mit größerer Höflichkeit, als er es zehn Minuten zuvor getan hätte, und sagte: »Sie können mit uns kommen, Monsieur.«
DRITTES KAPITEL Vorbereitungen
Eine große Karte des vormaligen Friaul lag auf einem Tisch im Arbeitskabinett des Prinzen.
Der Prinz trat hinzu und legte den Finger auf Udine.
»General«, sagte er zu Lamarque, »der Kaiser hat mir ein großes Geschenk gemacht, indem er Sie zu mir schickte; nun obliegt es mir, Sie mit den Nachrichten vertraut zu machen, die Monsieur mir überbracht hat.
Allem Anschein nach will Österreich unseren Friedensvertrag brechen und uns am 12. dieses Monats angreifen. Dies habe ich vor kaum zwei Stunden erfahren, und ich habe sämtliche Kommandeure anweisen lassen, ihre Truppen um Udine herum zusammenzuziehen, doch die Truppen, die aus Italien kommen, brauchen mindestens fünf bis sechs Tage, bevor sie hier sein werden.«
»Mein Prinz, gestatten Sie mir die Frage, mit welchem Gegner Sie zu tun haben werden«, sagte General Lamarque, »wo seine Truppen stehen und wie viel Mann sich unter seinem Befehl gesammelt haben dürften?«
»Der Name meines Gegners ist Erzherzog Johann.«
»Umso besser!«, sagte General Lamarque.
»Warum umso besser?«
»Weil er der Unerfahrenste und Waghalsigste der drei Brüder ist. Er wird einen Fehler machen, der Eurer Hoheit zupasskommen wird.«
»Leider«, erwiderte der Prinz seufzend und mit kaum merklichem Achselzucken, »bin auch ich nicht sonderlich erfahren, aber wir werden unser Bestes tun... Aber Sie haben mir drei Fragen gestellt.«
»Ich wollte wissen, wo die österreichischen Truppen ihr Standquartier haben.«
»Da ich mich im Frieden wähnte, habe ich die Überwachung des Gegners verringert, doch ich glaube, mich dafür verbürgen zu können, dass er den Golf von Triest noch nicht verlassen hat. Seine Truppenstärke dürfte zwischen fünfzigtausend und fünfundfünfzigtausend Mann betragen.«
»Und wenn Eure Hoheit alle Streitkräfte konzentrieren …«
»Wenn wir alle Truppen zusammenziehen, kommen wir auf fünfundvierzigtausend Mann.«
»Der Unterschied ist kein Anlass zu Besorgnis. Von welcher Seite rechnen Eure Hoheit mit dem Angriff?«
»Da bin ich leider völlig überfragt.«
»Verzeihung, Hoheit«, mischte René sich zum ersten Mal in das Gespräch ein, »mir schien, als hätte der Kaiser gesagt, es werde vermutlich über Fella Torte geschehen.«