Der Graf von Sainte-Hermine
- Автор: Дюма Александр
- Год: 2009
- Язык: немецкий
- Год: Blanvalet Verlag
- Жанр: Исторические приключения
Электронная книга - «Der Graf von Sainte-Hermine». Краткое содержание книги:
Die Originalausgabe erschien 2005 unter dem Titel »Le Chevalier de Sainte-Hermine« bei Éditions Phébus, Paris.
»Monsieur, selbst wenn der Kaiser noch so überragende Fähigkeiten besitzt«, sagte der Vizekönig, »wie soll er von Paris aus erraten, welchen Weg Erzherzog Johann nehmen wird?«
»Verzeihen Sie, dass ich insistiere, aber diese Karte zeigt uns den Grund.«
»Wie soll das möglich sein?«
»Wollte der Erzherzog auf direktem Weg nach Udine marschieren, müsste er den Isonzo und La Torre unter dem Gewehrfeuer unserer Soldaten überqueren. Wenn er stattdessen dem Isonzo folgt, gelangt er auf eigenem Territorium zu zwei Brücken, die er sorglos passieren kann, und dann geht es durch die Berge zum Pontebba hinauf und von dort in das Glaristal, die Bergkette entlang nach Süden bis zu Ihrer ersten Ortschaft namens Chiusaforte, die er ebenso einnimmt wie Orpi und Osoppo, um ohne weitere Störungen nach Udine zu marschieren.«
Der Prinz sah Lamarque fragend an.
»So würde ich handeln, wenn ich an der Stelle des Erzherzogs Johann wäre«, sagte Lamarque.
»Hoheit«, sagte René, »ich habe einen überaus gewandten Mann in meinem Dienst, einen früheren Banditen, dem ich das Leben gerettet habe. Wenn Eure Hoheit es wünschen, könnte ich ihn als Späher aussenden.«
»Aber er könnte gefasst und gehängt werden«, sagte der Prinz.
»Meiner Treu«, sagte René, »so stand es um ihn, als ich das Seil abschnitt, und wenn er früher oder später am Galgen enden muss, was macht es dann für einen Unterschied, ob heute oder morgen? Aber ich vertraue darauf, dass er mit heiler Haut zu uns zurückkommen wird.«
»Schicken Sie ihn.«
»Ich werde ihm ein gutes Pferd mitgeben. Sein Auftrag: den Chiarzo auf der Höhe von Tolmezzo überqueren, denn dort müsste sich der Gegner aufhalten, der meiner Ansicht nach früher angreifen wird, als wir erwarten.«
»Und Geld?«, rief Eugène, als René sich anschickte, den Raum zu verlassen.
»Geld bekommt er nur von mir«, erwiderte René. »Machen Sie sich keine Gedanken.«
Und er eilte hinaus.
Eugène sah Lamarque an und begann zu lachen. »Jetzt sind wir allein«, sagte er, »und jetzt müssen Sie mir sagen, wer Ihr famoser Monsieur René ist. Wären wir im Mittelalter, wäre ich geneigt, ihn für den Patensohn einer Fee zu halten.«
»Oder für den Bastard eines Zauberers. Er ist so schön wie Renaud de Montauban. Er kennt keine Furcht und sucht in jedem Gefecht den Tod, ohne dass es ihm je gelungen wäre, und spricht von sich selbst nur, wenn man ihn dazu nötigt, was bei unseren jungen Leuten nicht die Regel ist. Es wird behauptet, er habe Nelson in der Schlacht von Trafalgar erschossen. Und wie ich bereits sagte, hat er Hudson Lowe dazu gebracht, sich zu ergeben, als er mit seinen fünfzig Männern die Bresche stürmte. Als Korsar hat er Wunder der Tollkühnheit vollbracht, und in Indien hat er wie ein thebanischer Herkules wahre Fabelungeheuer erlegt.«
»Aber wie kommt es«, fragte Eugène, »dass er nach all diesen Taten keine einzige Belohnung erhalten hat?«
»Das weiß ich nicht. Offenbar ist zwischen ihm und dem Kaiser irgendetwas vorgefallen. Es heißt, er habe mit Cadoudal konspiriert und sei von Fouché gerettet worden, der ihn ins Herz geschlossen hatte; so viel wenigstens habe ich König Murat sagen hören, der ihn gern in seine Dienste genommen hätte, nachdem er Gelegenheit hatte, seinen Mut zu bewundern. Doch er hat sich geweigert, einem anderen als dem Kaiser zu dienen und in einer anderen als der französischen Armee zu dienen, woraufhin König Murat ihn seinem Schwager das englische Banner überbringen ließ, das er auf Capri erobert hatte, sowie die Kunde von dem Sieg über jenen Gegner, den er am liebsten besiegt: England.«
»Und der Kaiser, der so gütig ist, der Mut und Tapferkeit so hoch schätzt, hat ihm nichts verliehen, weder für die Nachricht noch für seinen Anteil an diesem Kampf?«
»Nein; jedenfalls gibt es kein äußeres Anzeichen irgendeines Gunstbeweises. Er trägt die Uniform eines Schwadronschefs der Jäger, doch er hat immer Phantasieuniformen getragen; in Neapel hatte er fünfzig Mann unter sich, die für ihn kämpften, und was er mit diesen fünfzig Mann zuwege gebracht hat, ist unerhört.
Er muss tatsächlich unter einem Glücksstern stehen, wenn er ständig den Tod sucht und noch nie einen Kratzer davongetragen hat. Wir können uns glücklich schätzen, dass unsere Damen nicht wie in den Tagen Ludwigs XIV. der Armee folgen: Ein Romanheld wie dieser junge Mann würde ihnen allen den Kopf verdrehen.«
»Dahinter steckt mit Sicherheit irgendeine Frauengeschichte«, sagte Eugène.
»Wahrscheinlich«, sagte der General.
Die Tür wurde geöffnet, und der Türsteher fragte, ob es René erlaubt sei einzutreten.
»Sehen Sie«, sagte Eugène, »solche Feinheiten verraten auf eine Meile gegen den Wind den Mann von Welt!«
»Er ist unterwegs«, sagte René, als er eintrat, »und wir werden morgen Abend oder spätestens übermorgen mehr wissen, oder mein Bote wird nicht mehr am Leben sein.«
In diesem Augenblick meldete ein Türsteher General Sahuc an.
Der General kam mit einer handschriftlichen Notiz herein. »Hoheit«, sagte er, »ich komme vom Generalstab. Hier habe ich die Stellungen unserer Soldaten im Umkreis von Udine und die Namen der Generäle.«
»Lesen Sie vor«, sagte der Prinz und beugte sich zusammen mit General Lamarque und René über die Karte.
»Die erste Infanteriedivision unter dem Kommando von General Seran befindet sich in Palmanova, Cividale und Udine.
Die zweite unter dem Kommando von General Bouvier befindet sich in Artegna, Gemona, Ospedaletto, Venzone, San Daniele, Maiano und Osoppo; ihre Detachements reichen im Fellatal bis nach Pontebba auf dem Weg nach Tarvisio.
Die dritte unter dem Kommando von General Grenier befindet sich im Rücken der zwei ersten in Pordenone, Sacile und Conegliano.
General Lamarque, der mit der vierten Division seinen Standort zugeteilt bekommen wird, erwartet die Befehle Eurer Hoheit.«
Die zwei Generäle salutierten voreinander, und General Sahuc ergriff wieder das Wort: »Die fünfte unter dem Kommando von General Barbou befindet sich in Treviso, Cittadella und Bassano. Die sechste Division, die zur Gänze aus Italienern besteht, befindet sich unter dem Kommando General Serterolis zur Hälfte in Padua und zur Hälfte in Este sowie an einzelnen Stellen nahe diesen zwei Städten.
Die siebte Division, ebenfalls rein italienisch, sammelt sich unter General Fontanellis Kommando im Lager von Montechiaro; ein Teil dieser Division ist noch auf dem Weg vom Königreich Neapel zu uns.
Zwei Dragonerdivisionen unter dem Kommando der Generäle Pally und Grouchy sind über Villa Franca, Rovigo, Isola della Scala, Roverbella, Castellaro, Sanguinetto, Mantua und Ferrara verstreut.
Unser ganzer Artilleriepark befindet sich in Verona, aber wir haben nicht genug Pferde, um ihn herzuholen.
Die Grenadiere der italienischen königlichen Garde sind in Padua stationiert, die Karabiniere, die Jäger, die Dragoner, die Elitegendarmen, die berittene Artillerie und der Armeetrain der Garde befinden sich in Mailand und Umgebung.
Meine Männer und ich«, fuhr Sahuc fort und salutierte vor dem Prinzen, »befinden uns in Udine, bereit, unser Leben für Eure Hoheit zu geben; unsere erste Brigade bildet am Torre eine Linie von Nogaretto bis Vilesi, die zweite Brigade ist auf Ceneda, Pordenone, Conegliano, Vivenve und Padua verteilt.«
Nachdem beide Generäle auf der Karte verifiziert hatten, was General Sahuc vorgetragen hatte, sahen sie einander beunruhigt an: Die dreißigbis fünfunddreißigtausend Mann, über die Prinz Eugène verfügen konnte, waren von Tirol bis zur Lagune von Grado verstreut, von Piave bis zum La Torre.
Kuriere wurden zu allen Standquartieren abgesandt, um den Generälen Briefe des Prinzen zu bringen, in denen er sie aufforderte, Tag und Nacht auf der Hut zu sein, da man mit einem Angriff rechnete, dass man jedoch den ersten Kanonenschuss abwarten müsse, bevor man sich in Bewegung setzte, da man noch nicht wusste, aus welcher Richtung der Angriff erfolgen würde.