Der Graf von Sainte-Hermine
- Автор: Дюма Александр
- Год: 2009
- Язык: немецкий
- Год: Blanvalet Verlag
- Жанр: Исторические приключения
Электронная книга - «Der Graf von Sainte-Hermine». Краткое содержание книги:
Die Originalausgabe erschien 2005 unter dem Titel »Le Chevalier de Sainte-Hermine« bei Éditions Phébus, Paris.
ALEX. DUMAS.[17]
Allem Anschein nach wurde die Bitte Dumas’ erfüllt; Victor Duruy, der Unterrichtsminister, ermöglichte ihm den Zugang zu den gewünschten Quellen, und Dumas konnte Napoleon Bonaparte auf der Weltbühne auftreten lassen, den Mann, der »den ersten Teil des 19. Jahrhunderts mit der Fackel seines Ruhms erleuchtete«.[18]
Bei aufmerksamer Lektüre des Romans Les Blancs et les Bleus kann man einen flüchtigen Hinweis auf Hector de Sainte-Hermine finden, wenn sein älterer Bruder Charles dem Vendéegeneral Cadoudal erklärt, dass im Fall seiner Hinrichtung sein jüngerer Bruder ebenso in seine Fußstapfen treten werde, wie er in die seines füsilierten älteren Bruders getreten war und dieser in die des guillotinierten Vaters.
Unterdessen hatte Dumas im Februar 1868 sein letztes journalistisches Abenteuer mit dem Periodikum Le Dartagnan unternommen, dessen letzte Ausgabe Anfang Juli erschien; im Juli reiste er nach Le Havre, wo er neben seinen gesellschaftlichen Verpflichtungen mit Unterstützung seines Mitarbeiters Alphonse Esquiros an dem sechzehn Jahre zuvor begonnenen Roman Création et Rédemption weiterschrieb. »Man darf ihm nicht gram sein, dass er vor vier Uhr nachmittags niemanden einlässt, denn bis zu dieser Stunde muss er arbeiten«, schrieb sein Sekretär Georges d’Orgeval.
Ich fasse im Folgenden zusammen, was meine Recherchen über ein gutes Dutzend Jahre hinweg zur Entstehung des verschollenen Hector de Sainte-Hermine ergeben haben.
In Le Havre hat Dumas vermutlich im Spätsommer 1868 einen Brief an Paul Dalloz, den Herausgeber des Moniteur universel, diktiert; Dalloz druckte zu jener Zeit eine Reihe von »Plaudereien über das Meer« von Dumas ab. In diesem Brief entwirft Dumas ein Projekt von kolossalen Ausmaßen, nämlich nichts Geringeres als die Fortsetzung der Geschichte Napoleons I. von seinem Aufstieg über seinen Triumph bis zu seinem Sturz.
Anbei, lieber Freund, was ich Ihnen vorschlage: ein Roman in vier oder sechs Bänden mit dem Titel Hector de Sainte-Hermine.
Hector de Sainte-Hermine ist der letzte Spross einer Adelsfamilie aus dem Jura (Besançon). Sein Vater, der Graf von Sainte-Hermine, wurde guillotiniert und hat seinen ältesten Sohn Léon de Sainte-Hermine schwören lassen, wie er für die royalistische Sache zu sterben; Léon wurde in der Festung von Harnem [sic] füsiliert und hat seinen Bruder Charles schwören lassen, wie er für die Sache der Bourbonen zu sterben; u. Charles de Sainte-Hermine wurde als Anführer der Compagnons de Jéhu in Bourg-en-Bresse guillotiniert, wobei er seinem jüngsten Bruder Hector de Sainte-Hermine das Versprechen abnahm, dem Beispiel des Vaters und der zwei älteren Brüder zu folgen.
Daraufhin hat Hector sich den Compagnons de Jéhu angeschlossen, hat den Bourbonen Treue geschworen u. Cadoudal Gehorsam gelobt, und obwohl er bis über die Ohren in eine junge, von Joséphine protegierte Kreolin verliebt ist u. von ihr geliebt wird, hat er nie gewagt, ihr seine Liebe zu erklären, weil er den Bourbonen u. Cadoudal sein Wort verpfändet hat.
Doch als die Vendée befriedet ist, kommt Cadoudal nach Paris u. trifft sich mit Bonaparte, der ihm den Rang eines Obersten oder hunderttausend Francs Pension anbietet.
Cadoudal lehnt ab, erklärt Bonaparte, er wolle nicht in Frankreich bleiben, sondern sich nach England zurückziehen, und als er das Land verlässt, beauftragt er seinen Freund Coster Saint-Victor, allen die Freiheit wiederzugeben, die ihm Treue geschworen hatten.
Erst da kann Hector de Sainte-Hermine, von seinem Wort befreit, Mademoiselle de La Clémencière seine Liebe gestehen, und er hält um ihre Hand an.
Sie wird ihm sofort gewährt; alles wird für die Hochzeit vorbereitet, der Tag ist festgesetzt, der Ehevertrag wird unterzeichnet, als im Moment der Unterzeichnung, als Hector schon die Feder in der Hand hält, ein maskierter Mann erscheint, auf ihn zutritt u. ihm ein Blatt Papier reicht.
Es ist die Ordre, sich unverzüglich in den Wald von Andelys zu begeben, wo seine Freunde von den Compagnons de Jéhu sich sammeln.
Geschehen war Folgendes:
Cadoudal hat sein Versprechen gehalten, aber Fouché, der Bonaparte Angst einjagen will, beauftragt Banden von Fußbrennern, in der Normandie und der Bretagne Bauernhöfe zu überfallen u. sich als Anhänger Cadoudals auszugeben.
Cadoudal erfährt davon, kehrt nach Frankreich zurück, landet an der Klippe von Biville u. bittet einen Bauern um Unterkunft.
Zufällig will eine Bande von Fußbrennern unter Führung eines falschen Cadoudal an diesem Abend den Bauernhof plündern.
Die Fußbrenner ergreifen den Bauern, seine Frau u. Kinder; sie verbrennen dem Bauern die Füße, seine Schreie rufen Cadoudal herbei, der mit einer Pistole in jeder Hand eintritt.
»Wer von euch ist Cadoudal?«, fragt er.
»Das bin ich«, antwortet ein Maskierter.
»Du lügst!«, sagt Cadoudal und pustet ihm das Lebenslicht aus. »Cadoudal bin ich!«
Und weil die andere Seite ihr Versprechen gebrochen hat, erklärt er seinen Leuten, dass er die Kriegshandlungen wiederaufnimmt und dass ihm alle wieder gehorchen müssen wie zuvor.
Diesen Befehl hat Hector erhalten, als er seinen Ehevertrag unterschreiben wollte, und deshalb musste er den Salon verlassen u. mit der Postkutsche nach Andelys aufbrechen.
Der Überfall auf die Eilpost findet statt, Hector wird verwundet und gefangen genommen, in Rouen ins Gefängnis geworfen, wo er den Präfekten kennt, den er zu sich bittet u. dem er sagt, dass er unbedingt den Polizeiminister Fouché sprechen müsse; der Präfekt übernimmt die Verantwortung für den Gefangenen und reist mit ihm nach Paris, wo sie Fouché aufsuchen.
Der junge Mann gesteht u. erbittet als einzige Gnade, dass man ihn füsiliert, ohne dass sein Name bekannt wird. Er war im Begriff, sich mit einer vornehmen Familie zu verbinden, eine Frau zu heiraten, die er abgöttisch liebt, und er will verschwinden, ohne Blut oder Schande über diejenige zu bringen, die seine Frau werden sollte.
Fouché steigt in einen Wagen, fährt zu den Tuilerien, erzählt alles Bonaparte, der nur sagt: »Gewähren Sie ihm die Gnade, um die er bittet, lassen Sie ihn füsilieren.«
Fouché verlangt beharrlich, dass der Gefangene am Leben bleibt. Bonaparte kehrt ihm den Rücken zu u. verlässt das Zimmer.
Fouché begnügt sich damit, den Gefangenen in ein Geheimverlies zu stecken, und will später wieder mit Bonaparte sprechen.
Die Verlobte ist verzweifelt, niemand kann ihr sagen, was mit ihrem Geliebten passiert ist. Die Verschwörung Pichegrus, Cadoudals u. Moreaus nimmt ihren Lauf. Cadoudal wird verhaftet. Pichegru wird verhaftet. Moreau wird verhaftet. Prozess. Zustände in Paris während des Prozesses. Gemütsverfassung des Ersten Konsuls. Hinrichtung Cadoudals. Pichegru erdrosselt sich. Moreau geht ins Exil.
Napoleon lässt sich krönen.
Am Vorabend der Krönung sucht Fouché ihn auf.
»Sire«, sagt er, »ich komme, um zu erfahren, was mit dem Grafen von Sainte-Hermine geschehen soll.«
»Wer soll das sein?«, fragt Bonaparte.
17
Veröffentlicht in Le Journal du Havre vom 27. August 1867 und in La Petite Presse vom 31. August 1867.
18
Les Blancs et les Bleus, dritter Teil, 17. Kapitel.