Ein Hauch von Schnee und Asche: Roman (German Edition)
- Автор: Гэблдон Диана
- Серия: Die Outlander #6
- Год: 2018
- Язык: немецкий
- Год: Knaur eBook
- Жанр: Другие приключения
Электронная книга - «Ein Hauch von Schnee und Asche: Roman (German Edition)». Краткое содержание книги:
»Es ist eins der Vorzeichen, Sassenach«, hatte Jamie mir erklärt, während er unserem letzten kurzfristigen Gast beim Abschied stirnrunzelnd nachsah. »Wenn ein Krieg in der Luft liegt, zieht es die Männer auf die Straße.«
Ich glaubte, dass er recht hatte; ich erinnerte mich an die Wanderer auf den Straßen der Highlands, die Gerüchte über den Stuart-Aufstand mit sich trugen. Es war, als entwurzelten die Erschütterungen der Unrast all jene, die nicht durch Liebe oder eine Familie fest mit einem Ort verbunden waren, und als trügen die wirbelnden Strömungen des Konfliktes sie fort – die ersten, bruchstückhaften Vorwarnungen einer Explosion, die mit zeitlupenhafter Klarheit kommen und alles erschüttern würde. Ich erschauerte, als mich der leichte Wind durch mein Hemd hindurch berührte.
Die schleimige Masse hatte die nötige Konsistenz erreicht, etwa so wie cremige, dunkelrote Sahne. Ich schüttelte mir verklebte Körnerklumpen von den Fingern und griff mit der sauberen, linken Hand nach der bereitstehenden Schüssel mit gehackten und sautierten Zwiebeln. Das kräftige Zwiebelaroma überlagerte den Metzgereigeruch, ein heimeliger Küchenduft.
Das Salz war gemahlen, der Pfeffer gerieben. Alles, was ich jetzt brauchte … Wie auf ein Stichwort kam Roger um die Hausecke gebogen, eine große Schüssel mit kleingehacktem Schweinespeck in der Hand.
»Gerade rechtzeitig!«, sagte ich und wies kopfnickend auf das Fass. »Nein, schütte es nicht hinein, es muss abgemessen werden – zumindest in etwa.« Ich hatte zehn doppelte Hände voll Hafermehl gebraucht, zehnmal Reis, zehnmal Gerste. Also die Hälfte – fünfzehn. Ich schüttelte mir erneut das Haar aus den Augen, schöpfte eine Doppelhand aus der Schüssel und ließ sie in das Fass plumpsen.
»Alles in Ordnung bei dir?«, fragte ich. Ich deutete mit dem Kinn auf einen Hocker, während ich begann, das Fett mit den Fingern unter die Mischung zu arbeiten. Roger war immer noch ein wenig blass und angespannt um den Mund, doch er lächelte mich gequält an, als er sich hinsetzte.
»Prima.«
»Du hättest es nicht tun müssen, weißt du?«
»Doch. Das musste ich.« Der gequälte Tonfall seiner Stimme wurde stärker. »Ich wünschte nur, ich hätte es besser gemacht.«
Ich zuckte mit einer Schulter und griff in die Schüssel, die er mir hinhielt.
»Man muss es üben.«
Roger hatte sich bereit erklärt, das Schwein zu schlachten. Jamie hatte ihm einfach nur den Holzhammer gereicht und war zur Seite getreten. Ich hatte Jamie schon öfter Schweine schlachten sehen; er sprach ein kurzes Gebet, segnete das Schwein und schlug ihm dann mit einem mächtigen Hieb den Schädel ein. Roger hatte fünf Anläufe gebraucht, und ich bekam jetzt noch eine Gänsehaut, wenn ich mich an das Kreischen erinnerte. Danach hatte er den Hammer hingelegt, war hinter einen Baum getreten und hatte sich heftig übergeben.
Ich schöpfte eine weitere Handvoll. Die Mischung verdickte sich und fühlte sich langsam fettig an.
»Er hätte dir zeigen sollen, wie es geht.«
»Ich glaube nicht, dass es technisch irgendwie schwierig ist«, sagte Roger trocken. »Es ist schließlich ziemlich unkompliziert, einem Tier auf den Schädel zu hämmern.«
»Körperlich vielleicht«, pflichtete ich ihm bei. Ich schöpfte noch mehr Speck und arbeitete nun mit beiden Händen. »Es gibt ein Gebet dafür, weißt du. Für das Schlachten eines Tiers. Jamie hätte es dir sagen sollen.«
Er sah ein wenig verblüfft aus.
»Nein, das wusste ich nicht.« Er lächelte, diesmal etwas überzeugender. »Letzte Ölung für das Schwein, aye?«
»Ich glaube nicht, dass es im Interesse des Schweins geschieht«, sagte ich scharf. Wir verstummten für einige Sekunden, während ich den Rest des Specks in die cremige Getreidemischung rührte und dann und wann innehielt, um ein Knorpelstückchen wegzuschnippen. Ich konnte Rogers Blick auf dem Fass spüren, während er der seltsamen Alchemie des Kochens zusah, jenem Prozess, der den Übergang des Lebens von einem Lebewesen zum anderen schmackhaft machte.
»Die Viehtreiber in den Highlands zapfen manchmal einem ihrer Tiere eine oder zwei Tassen Blut ab und vermischen es mit Hafermehl, um es unterwegs zu essen«, sagte ich. »Nahrhaft, schätze ich, aber nicht so köstlich.«
Roger nickte geistesabwesend. Er hatte die fast leere Schüssel auf den Boden gestellt und pulte mit der Spitze seines Dolches das getrocknete Blut unter den Fingernägeln hervor.
»Ist es dasselbe wie bei Rotwild?«, fragte er. »Das Gebet. Ich habe einmal gesehen, wie Jamie es gesprochen hat, obwohl ich die meisten Worte nicht verstanden habe.«
»Das Grallochgebet? Ich weiß es nicht. Warum fragst du ihn nicht?«
Roger beschäftigte sich intensiv mit seinem Daumennagel und hielt den Blick fest auf seine Hand gerichtet.
»Ich war mir nicht sicher, ob es ihm recht ist, dass ich es lerne. Ich meine, wo ich doch kein Katholik bin.«
Ich blickte in die Mischung hinunter und lächelte insgeheim.
»Ich glaube nicht, dass das eine Rolle spielt. Dieses Gebet ist sehr viel älter als die Kirche Roms, wenn ich mich nicht irre.«
In Rogers Gesicht flackerte Interesse auf, und der Wissenschaftler in ihm regte sich.
»Ich hatte das Gefühl, dass es eine sehr alte Form des Gälischen war – sogar älter als das, was man heutzutage hört – ich meine … jetzt.« Er errötete ein wenig, als ihm klarwurde, was er gesagt hatte. Ich nickte, schwieg aber.
Ich erinnerte mich daran, wie es war; dieses Gefühl, in einer ausgetüftelten Illusion zu leben. Das Gefühl, dass die Realität in einer anderen Zeit, an einem anderen Ort existierte. Ich erinnerte mich daran und begriff ein wenig erschrocken, dass es für mich tatsächlich nur noch eine Erinnerung war – für mich hatte die Zeit einen Ruck getan, als hätte mich meine Krankheit eine letzte Barriere durchbrechen lassen.
Meine Zeit war jetzt, meine Realität das rauhe Holz und der schlüpfrige Speck unter meinen Fingern, der Verlauf der Sonne, der mir meinen Tagesrhythmus vorschrieb, Jamies Nähe. Es war die andere Welt mit ihren Autos und ihrem Telefongeklingel, mit ihren Weckern und Hypotheken, die mir unwirklich und weit entfernt vorkam, der Stoff, aus dem die Träume waren.
Doch weder Roger noch Brianna hatten diesen Übergang vollzogen. Ich konnte es an ihrem Verhalten sehen, es am Widerhall ihrer Unterhaltungen hören, wenn sie unter sich waren. Wahrscheinlich lag es daran, dass sie einander hatten; sie konnten sich die andere Zeit lebendig erhalten; eine kleine Welt, die nur sie teilten. Für mich war die Veränderung leichter. Ich hatte schon einmal hier gelebt, und diesmal war ich schließlich bewusst hergekommen – und ich hatte Jamie. Was auch immer ich ihm von der Zukunft erzählte, es war ihm unmöglich, etwas anderes als ein Märchen darin zu sehen. Unsere kleine gemeinsame Welt war aus anderen Dingen gemacht.
Doch wie sollten Brianna und Roger zurechtkommen? Es war gefährlich, mit der Vergangenheit so umzugehen, wie sie es manchmal taten – wie mit etwas Pittoreskem, Seltsamem, einem vorübergehenden Zustand, dem man entrinnen konnte. Für sie gab es kein Entrinnen – ob aus Liebe oder Pflichtgefühl, Jemmy hielt sie beide hier, ein kleiner, rotschopfiger Anker, der sie an die Gegenwart band. Besser – oder zumindest sicherer –, wenn es ihnen gelang, diese Zeit voll und ganz als die ihre zu akzeptieren.
»Bei den Indianern gibt es das ebenso«, informierte ich Roger. »Das Grallochgebet oder etwas Ähnliches. Deshalb habe ich gesagt, ich denke, es ist älter als die Kirche.«
Er nickte voller Interesse.
»Ich glaube, dass alle primitiven Kulturen einen solchen Brauch kennen – dass es ihn überall gibt, wo Menschen jagen, um zu essen.«
Primitive Kulturen. Ich biss mir auf die Unterlippe und verkniff es mir, ihn darauf hinzuweisen, dass er höchstwahrscheinlich gleichfalls gezwungen sein würde, für seine Familie zu töten, wenn sie überleben sollte – wie primitiv das auch sein mochte. Doch dann fiel mein Blick auf seine Hand, deren blutige Finger er geistesabwesend aneinanderrieb. Er wusste es bereits. Doch, das musste ich, hatte er erwidert, als ich ihm gesagt hatte, dass es doch nicht nötig gewesen wäre.