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Der Medicus von Saragossa

Электронная книга - «Der Medicus von Saragossa». Краткое содержание книги:

Titel der Originalausgabe: The Last Jew
Der Abdruck von Passagen aus Dantes Göttlicher Komödie (übers. v. Karl Vossler, Piper Verlag GmbH, München 1969) erfolgt mit freundlicher Genehmigung des Verlages.
Die Stadt Saragossa findet sich auf der Landkarte im Vorsatz unter ihrem lateinischen Namen Cesaraugusta.
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Jeder atmete auf, als Zuniga wieder verschwunden war, und die Männer redeten verächtlich über ihn. Sie nannten ihn el cornudo, den Hahnrei, und mit der Zeit erfuhr Jona auch, warum.

Das Gut hatte Leiter und Aufseher, doch die eigentliche Herrin, der sich alle peones beugten, war eine ehemalige Geliebte des Don, Margarita Vega. Noch bevor sie voll zur Frau gereift war, hatte sie ihm zwei Kinder geboren. Aber als Don Manuel nach einem Jahr in Frankreich zurückkehrte, mußte er, zur Belustigung aller, die für ihn arbeiteten, feststellen, daß Margarita in seiner Abwesenheit von einem der Arbeiter ein drittes Kind bekommen hatte. Zuniga hatte ihr zum Abschied eine Heirat vermittelt und ein Haus geschenkt. Doch ihr Gatte war ihr schon nach weniger als einem Jahr davongelaufen. Von da an hatte sie sich mit vielen Männern eingelassen, und daraus waren weitere drei Kinder von verschiedenen Vätern entstanden. Jetzt war sie fünfunddreißig Jahre alt, breithüftig und hartäugig, eine Frau, die man nicht unterschätzen durfte.

Die peones sagten, Don Manuel komme nur so selten, weil er Margarita noch immer liebe und sich jedesmal, wenn sie sich einen anderen Mann nehme, aufs neue betrogen fühle.

Eines Tages hörte Jona Mose schreien, und als er den Kopf hob, sah er, daß einer der Arbeiter, ein junger Mann namens Diego, den Sack von Moses Rücken genommen hatte und ihn eben öffnen wollte.

Jona ließ seine Hacke fallen und warf sich auf den anderen, und dann wälzten sie sich, wild um sich schlagend, im Staub. Ein paar

Augenblicke später standen sie wieder und prügelten mit hartgearbeiteten Fäusten aufeinander ein. Jona sollte erst Tage darauf erfahren, daß Diego ein gefürchteter Raufbold war, und tatsächlich bekam er gleich zu Anfang des Kampfes einen heftigen Schlag ab, der ihm, wie er sofort merkte, die Nase brach. Zwar war Jona ein paar Jahre jünger als Diego, aber größer und nicht viel leichter. Seine Arme hatten eine längere Reichweite, und er kämpfte mit der Leidenschaft all der unterdrückten Angst und des mühsam beherrschten Hasses, die sich so lange in ihm aufgestaut hatten. Fäuste trafen auf Knochen, wie das Knallen von Dreschflegeln in der Tenne. Es war ein Kampf um Leben und Tod, das war jedem klar, der es sah.

Jetzt kamen die anderen Arbeiter herbeigelaufen und umringten sie schreiend und johlend. Ihr Lärm lockte den Aufseher an, und er trennte die Streithähne schließlich mit Flüchen und Faustschlägen.

Diego hatte einen zerschlagenen Mund und ein zugeschwollenes Auge, und es schien ihm nur recht zu sein, als der Aufseher Schaulustige und Streitende wieder an ihre Arbeit befahl.

Jona wartete, bis alle verschwunden waren, dann schnürte er den Leinensack wieder sorgfältig zu und befestigte ihn an Moses Haltestrick. Seine Nase blutete, und er wischte sich das Blut mit dem Handrücken von der Oberlippe. Als er den Kopf hob, sah er, daß Margarita Vega mit ihrem Säugling im Arm dastand und ihn beobachtete.

Seine Nase war geschwollen und dunkel verfärbt, und seine zerschlagenen Fingerknöchel schmerzten ihn tagelang. Aber der Kampf hatte die Aufmerksamkeit der Frau auf ihn gelenkt.

Für Jona war es unmöglich, sie nicht zu bemerken. Es kam ihm vor, als sehe er sie, wohin er auch schaute, immer mit entblößter, großer brauner Brust, an der hungrig saugend ihr Kleines hing. Die Leute auf dem Hof stießen sich an und grinsten, denn auch ihnen fiel auf, daß Margarita häufig gerade da auftauchte, wo der große und stille junge Mann arbeitete.

Sie war freundlich zu Jona und ging ungezwungen mit ihm um.

Oft trug sie ihm kleine Aufgaben im Haus auf, und dann rief sie ihn zu sich und gab ihm Brot und Wein. Es dauerte nur ein paar Tage, bis er nackt mit ihr war, ungläubig einen weiblichen Körper berührte und die Milch schmeckte, die eben noch den ganz in der Nähe schlafenden Säugling genährt hatte.

Ihr Körper war schwer, aber nicht unansehnlich, die Beine muskulös, der Nabel tief, der Bauch trotz der vielen Geburten nur leicht gerundet. Ihre dicklippige Scham war ein kleines Tier mit wildem braunem Pelz. Sie leitete ihn an und zögerte nicht, Forderungen zu stellen, und er lernte sehr schnell, ihre Wünsche zu erfüllen. Die erste Paarung war für ihn schnell vorüber. Aber er war jung und kräftig, und als sie ihn noch einmal bereit machte, legte er dieselbe Leidenschaft an den Tag wie im Kampf mit Diego, bis zu dem Augenblick, da sie sich beide keuchend erschöpften.

Nach einer Weile wurde er sich im Halbschlaf ihrer tastenden Hände bewußt, als wäre er ein Tier, das sie kaufen wollte.

»Du bist ein converso.«

Sofort war er hellwach.

»...Ja.«

»Soso. Wann wurdest du denn zum wahren Glauben bekehrt?«

»... Äh... Vor einigen Jahren.« Er schloß die Augen wieder und hoffte, daß sie nicht weiter in ihn dringen würde.

»Und wo?«

»In Kastilien. In der Stadt Cuenca.«

Sie lachte. »Aber ich bin in Cuenca geboren. Während der acht Jahre hier bei Don Manuel war ich oft dort. Zwei meiner Schwestern und ein Bruder leben dort, und meine alte abuela, die meine Mutter und meinen Vater überlebt hat. In welcher Kirche wurdest du denn bekehrt, in San Benito oder in San Marco?«

»Es war... in San Benito, glaube ich.«

Sie starrte ihn an. »Glaubst du? Weißt du nicht, wie die Kirche geheißen hat?«

»Nur so eine Redensart. Ja, natürlich San Benito. Eine sehr hübsche Kirche.«

»Eine schöne Kirche, nicht? Und welcher Priester?«

»Der alte.«

»Aber sind denn nicht beide alt?« Sie sah ihn zweifelnd an. »War es Padre Ramon oder Padre Garcillaso?«

»Padre Ramon.«

Margarita nickte und stieg aus dem Bett. »So, aber jetzt darfst du nicht mehr zurück an die Arbeit gehen. Du mußt hier schlafen wie ein guter Junge, bis ich meinen Haushalt erledigt habe, und dann wirst du stark sein wie ein Löwe, und wir werden noch einmal viel Spaß haben, ja?«

»Ja, gut.«

Doch als er kurz darauf aus dem kleinen Fenster des Zimmers schaute, sah er sie über den Hof eilen, trotz der Mittagshitze ihren Säugling im Arm und ihr Kleid so hastig übergeworfen, daß es auf einer Seite an ihrer breiten Hüfte Falten warf.

Jona wußte, daß es in der Stadt Cuenca mit ziemlicher Sicherheit keinen Padre Ramon gab und vielleicht nicht einmal eine Kirche mit dem Namen San Benito.

Nachdem er sich schnell angezogen hatte, ging er zu Mose, den er im Schatten von Margaritas Haus angebunden hatte, und einen Augenblick später ritten sie unter der gleißenden Sonne davon. In der Mittagshitze kam er nur an zwei Männern vorüber, die ihm keine Beachtung schenkten. Bald darauf erklomm er auf seinem Esel einen Pfad hinauf in die Hügel der Sierra Morena.

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