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Der Medicus von Saragossa

Электронная книга - «Der Medicus von Saragossa». Краткое содержание книги:

Titel der Originalausgabe: The Last Jew
Der Abdruck von Passagen aus Dantes Göttlicher Komödie (übers. v. Karl Vossler, Piper Verlag GmbH, München 1969) erfolgt mit freundlicher Genehmigung des Verlages.
Die Stadt Saragossa findet sich auf der Landkarte im Vorsatz unter ihrem lateinischen Namen Cesaraugusta.
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Espina betete auf lateinisch.

Viele Hände schichteten Reisigbündel um die Gefangenen, und die wachsenden Stapel gewährten ihnen ein Mindestmaß an Schicklichkeit, denn sie verdeckten ihre Unterkörper und verbargen die beschämenden Sudelflecken der Angst. Auch um den quemadero wuchs das Reisig in die Höhe, bis von den Ziegeln des Ofens nichts mehr zu sehen war.

Das Quartett stimmte nun Hymnen an.

Kaplane standen neben den vier Gefangenen, die um eine Aussöhnung mit Christus gebeten hatten. Ihre Richtstätten waren mit Garrotten ausgestattet, Stahlbändern, die ihren Hals umspannten und mit Schrauben hinter dem Pfosten festgezogen wurden. Für ihre Frömmigkeit wurde ihnen nun die Gnade kirchlichen Erbarmens gewährt, denn man erdrosselte sie vor dem Verbrennen. Isabel Peropan war die erste; trotz ihrer Unschuldsbeteuerungen und ihrer verhängnisvollen Anprangerung der anderen hatte man sie verurteilt, aber die Inquisition gewährte ihr die Gnade der Garrotte.

Als nächstes wurde die Garrotte bei Espina und zwei Brüdern aus Almagro angewendet, während Isidoro schon die Reihe der Scheiterhaufen abschritt und eine brennende Fackel an die trok-kenen Reisigbündel hielt, die sich mit lautem Knistern sofort entzündeten.

Mit den Flammen stieg auch der Lärm der Menschen in die Höhe, die je nach Temperament das Schauspiel mit Rufen der Ehrfurcht und des Staunens, Schreien der Furcht oder ausgelassenem und schadenfrohem Johlen bedachten. Männer und Frauen hielten Kinder in die Höhe, damit sie schon hier auf Erden einen Blick auf das Feuer der Hölle erhaschen konnten, vor dem Gott der Herr sie retten und bewahren würde, wenn sie nur Vater und Priester gehorchten und nicht sündigten.

Das Reisig um den quemadero brannte mit lautem Getöse. Isaak der Fleischer saß drinnen und briet wie ein Hähnchen im Herd, nur daß, sagte sich Jona leise, Geflügel nicht bei lebendigem Leib geröstet wurde.

Die Verurteilten wanden sich. Ihre Münder öffneten und schlossen sich, aber wegen des Lärms der Menge konnte Jona ihre Schreie nicht verstehen. Isabel Peropans lange Haare gingen in Flammen auf und zeichneten eine gelbe und blaue Aureole um das purpurrote Gesicht. Jona konnte es nicht ertragen, Espina an-zusehen. Rauch waberte und wehte, der alles verbarg und ihm einen Grund gab für seine tränenden Augen. Jemand stieß ihn an und schrie ihm ins Ohr.

Es war Isidoro. Der alguacil deutete auf das zur Neige gehende Holz, schalt ihn einen faulen Bengel und befahl ihm, Paco und Gato zu helfen, einen Karren mit frischem Reisig zu beladen.

Als der Karren beladen war, kehrte Jona nicht mehr auf die plaza zurück. Im stillen und leeren Gefängnis nahm er sein Bündel und die kaputte Hacke und ging damit zu Mose, der friedlich im Schatten graste.

Kaum war er aufgestiegen, trieb er den braven kleinen Esel mit den Hacken an, und sie verließen Ciudad Real in forschem Galopp. Jona hatte weder Augen für den Weg noch für die Landschaft. Das Autodafe hatte ihm einen grausigen Vorgeschmack gegeben auf seinen eigenen Tod, sollte die Inquisition ihn fangen. Etwas in ihm schrie, daß er sich einen mitfühlenden Priester suchen müsse. Vielleicht war es für ihn noch nicht zu spät, um die Taufe zu erflehen und ein Leben in katholischer Rechtschaffenheit zu führen.

Aber er hatte dem Andenken seines Vaters, Gott und seinem Volk ein Versprechen gegeben.

Und sich selbst.

Zum ersten Mal war sein Haß auf die Inquisition stärker als seine Angst. Die Bilder, die er gesehen hatte, waren nicht mehr auszulöschen, und er sprach zu Gott nicht als Bittsteller, sondern in forderndem Zorn.

Was für ein göttlicher Plan ist das, der so viele von uns zu Tode bringt?

Und: Zu welchem Zweck hast du mich zum letzten Juden in Spanien gemacht?

5. KAPITEL

DIE FRAU AUF DEM GUT

Iona führte Mose über den Fluß Guadiana, und der junge Mann und der Esel waren erst ein kurzes Stück Wä gewatet, als sie zu einem tiefen Loch in der Flußmitte kamen, wo Jona den Rauchgestank aus seinen Kleidern, wenn schon nicht aus seiner Seele spülen konnte. Dann ritten sie langsam durch ein bewirtschaftetes Tal, links immer die Hügel der Sierra Morena in Sicht.

Der spät einsetzende Herbst war angenehm mild. Immer wieder hielt Jona unterwegs auf Bauernhöfen an, um für Nahrung und Unterkunft zu arbeiten, späte Zwiebeln zu ernten, Oliven zu pflücken oder beim Stampfen der letzten Weintrauben des Jahres zu helfen.

Während das Jahr sich langsam dem Winter zuneigte, reiste er in wärmere Gefilde. Weit im Südwesten, wo Andalusien an das südliche Portugal stößt, kam er durch eine Reihe winziger Dörfer, deren Leben ganz auf die großen Güter in der Nachbarschaft ausgerichtet war.

Auf den meisten Gütern war die Wachstumszeit vorüber, dennoch fand Jona harte Arbeit auf einem riesigen Hof, der einem Edelmann namens Don Manuel de Zuniga gehörte.

»Wir machen Felder aus Waldstücken, wo es noch nie Felder gegeben hat. Arbeit ist genügend vorhanden, wenn du welche suchst«, sagte der Verwalter zu ihm. Er hieß Lampara, aber Jona sollte schon bald erfahren, daß die anderen ihn Lamperon nannten, den Fettkloß, sobald er ihnen den Rücken kehrte.

Es war eine äußerst anstrengende Arbeit; schwere Steine mußten ausgegraben und fortgeschafft, Felsbrocken zertrümmert, Bäume gefällt und entwurzelt, Gestrüpp mußte geschnitten und verbrannt werden, aber Jona war wie seine Vorfahren großgewachsen, und die schwere Arbeit auf anderen Bauernhöfen hatte seine Muskeln kräftig und hart gemacht. Es gab so viel Arbeit auf dem Zuniga-Hof, daß er den ganzen Winter bleiben konnte. Eine Abteilung Soldaten lagerte auf einem nahen Feld. Anfangs behielt er sie während der Arbeit immer im Auge, doch sie kümmerten sich nicht um ihn, sondern beschäftigten sich nur mit Marschieren und Exerzieren. Das Klima war mild, fast schon schmeichelnd, und es gab genügend zu essen. So blieb er auf dem Hof.

Die Dinge, die er gesehen und erlitten hatte, sonderten ihn von den anderen peones ab. Trotz seiner Jugend hatten sein Gesicht und seine Augen etwas Einschüchterndes, das andere davon abhielt, sich mit ihm einzulassen.

Er warf seinen harten Körper in die nie enden wollende Arbeit und versuchte das Entsetzen auszulöschen, das die Erinnerung an jene brennenden Gestrüppstapel immer wieder aufs neue in ihm weckte. Nachts sank er neben Mose auf die Erde und schlief tief, die Hand auf der angespitzten Hacke. Der Esel wachte über ihn, während er von Frauen und körperlicher Liebe träumte, aber wenn er sich tags darauf an den Traum erinnerte, fehlte ihm das Wissen um fleischliche Dinge, um sagen zu können, ob er richtig geträumt hatte.

Er nahm sich das Band mit dem Silberring vom Hals und steckte es in den Sack mit seinen wenigen anderen Habseligkeiten. Den Sack band er an Mose fest und behielt von nun an den Esel immer im Auge. Danach arbeitete er ohne Hemd und genoß es, wie der Schweiß seine Haut in der milden Luft kühlte.

Don Manuel besuchte sein Gut, und solange er da war, arbeiteten auch die faulsten seiner Männer so fleißig wie Jona. Der Besitzer war ein alternder Mann, klein und wichtigtuerisch. Zwar besichtigte er Felder und Scheunen, bemerkte aber kaum etwas und verstand noch weniger. Er blieb drei Nächte, schlief mit zwei jungen Mädchen aus dem Dorf und ging dann wieder.

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