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Die Chronolithen [The Chronoliths - de]

Электронная книга - «Die Chronolithen [The Chronoliths - de]». Краткое содержание книги:

Aus dem Nichts taucht in Thailand plötzlich ein siebzig Meter hoher Obelisk auf und richtet in weitem Umkreis durch eine Druckwelle und einen extremen Temperatursturz große Verwüstungen an. Doch nicht Außerirdische haben das Artefakt geschickt, sondern es kommt aus der Zukunft. Es besteht aus einem fremdartigen, unzerstörbaren Stoft und trägt eine Inschrift, die den Sieg eines gewissen Kuin verkündet, der sich das Land unterworfen habe… Scott Warden. der als Aussteiger mit seiner Frau und seiner kleinen Tochter ein sorgloses Leben am Strand führt, wird durch das Ereignis aus der Bahn geworfen: Als er heimlich das abgesperrte Gelände betritt, um den Obelisken zu untersuchen, wird er verhaftet und vom Geheimdienst verschleppt. Und als er dann später wieder freikommt, ist seine Familie außer Landes geflohen und in die USA zurückgekehrt. Denn inzwischen ist ein weiteres Kuin-Monument mitten in Bangkok aufgetaucht, mit verheerenden Folgen. Und noch mehr dieser Obelisken erscheinen, zerstören Istanbul und Jerusalem… Wer aber ist dieser Kuin? Ist er ein kommender Welteroberer? Oder ein Messias, der seine Schatten voraus wirft in die Vergangenheit? Doch wie sollte das möglich sein? Und warum ist Scott immer in der Nähe, wenn ein weiterer Chronolith emporsteigt?
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»Soll das heißen, wir erschaffen Kuin.«

»Nicht ausgerechnet wir, aber die Leute, ja, die Menschen im Allgemeinen.«

Morris sagte: »Ähnlich wie bei meiner Frau, bevor wir uns getrennt haben. Sie hasste die Vorstellung, ich könnte sie enttäuschen, so sehr, dass sie ständig daran dachte. Egal, was ich tat, wie sehr ich sie beruhigte, was ich verdiente, dass ich jede Woche zur Kirche ging. Ich musste mich ständig bewähren. Eines Tages wirst du mich verlassen sagte sie immer wieder. Man kann so etwas herbeireden.«

Morris kam zu Bewusstsein, was er gesagt hatte, er schob das Glas Wein zurück und wurde rot.

»Erwartung«, sagte Sue, »ja, Rückkopplung. Genau. Plötzlich verkörpert Kuin alles, was wir fürchten oder uns insgeheim wünschen…«

»Slouching toward Jerusalem to be born«, warf ich ein.[21]

Eine Vorstellung, die einen Hauch von Kälte zu verbreiten schien. Selbst die ruppigen IDF-ler waren jetzt leiser.

»Tja«, sagte ich, »das ist ja nicht gerade beruhigend, aber es klingt logisch. Und was ist Minkowski-Eis?«

»Eine ganz andere Metapher. Aber genug für heute. Gedulde dich bis morgen, Scotty. Ray verklickert es dem Verteidigungsminister.«

Sie lächelte hilflos, als Ray sich aufplusterte.

Nach einem Kaffee gingen wir auseinander. Ich fuhr allein nach oben.

Ich wollte Janice und Kaitlin anrufen, doch der Rufaufbau wurde mit dem Hinweis unterbrochen, die Bandbreite sei ausgelastet und ich müsse mindestens ein Stunde warten. Also fischte ich mir ein Bier aus der Minibar, legte die Füße auf die Fensterbank und sah einem Autorennen zu, das sich auf den dunklen Straßen der Sperrzone abspielte. Die Flutlichter auf dem Felsendom ließen das Bauwerk so verletzlich und solide aussehen wie die Geschichte selbst, doch in weniger als achtundvierzig Stunden würde sich wenige Meilen entfernt ein höheres und spektakuläreres Monument erheben.

Um sieben Uhr früh wachte ich auf, ich war nervös, aber nicht hungrig. Ich duschte und zog mich an und fragte mich, ob es mir wohl gelingen würde, einen Spaziergang rings um das Hotel zu machen. Ich wollte es wissen.

Am Aufzug wurde ich von zwei geschniegelten FBI-Beamten mit ausdruckslosen Mienen gestoppt. »Wo soll's denn hingehen, Chef?«

»Frühstück«, sagte ich.

»Da müssen wir erst Ihr Abzeichen sehen.«

»Abzeichen?«

»Niemand betritt oder verlässt diese Etage ohne ein Abzeichen.«

Ich brauche kein verdammtes Abzeichen — aber offenbar doch. »Wer händigt die Dinger aus?«

»Da müssen Sie die Leute fragen, mit denen Sie hier sind, Chef.«

Was nicht lange brauchte, denn von hinten stieß Morris Torrance mit einem aufgeräumten »Guten Morgen« zu mir und heftete mir ein Namensschildchen aus Kunststoff an die Hemdbrust. »Ich komme mit«, sagte er.

Die beiden Männer wichen auseinander wie die Aufzugtüren, die sie bewachten. Sie nickten Morris zu und der weniger aggressive wünschte mir einen schönen Tag.

»Ihnen auch, Chef«, sagte ich.

»Reine Vorsichtsmaßnahme«, meinte Morris, als wir nach unten fuhren.

»Wie meinen Vater zu schikanieren? Meine Krankenberichte zu lesen?«

Er zuckte die Achseln. »Hat Sue Ihnen denn nichts gesagt?«

»Ein bisschen. Sie sind nicht bloß ihr Leibwächter, richtig?«

»Aber auch.«

»Sie sind der Aufseher.«

»Sie ist nicht im Gefängnis. Sie kann gehen, wohin sie will.«

»Solange Sie Bescheid wissen und solange sie unter Beobachtung ist.«

»Das ist ein beiderseitiges Abkommen«, sagte Morris. »Wohin wollen Sie, Scotty? Frühstücken?«

»Ein bisschen Luft tanken.«

»Das ist gar keine gute Idee. Sie sind kein Tourist, Scotty.«

»Aber neugierig.«

»Na ja — ich könnte uns einen IDF-Wagen mit den richtigen Aufklebern besorgen. Wir könnten sogar in die Sperrzone, wenn Sie wollen.«

Ich gab keine Antwort.

»Andererseits«, meinte er, »kleben Sie hier ziemlich fest, so wie die Dinge liegen.«

»Gefällt Ihnen, was Sie tun?«

»Das will ich Ihnen gerne erklären«, meinte Morris.

Er lieh sich ein blaues Auto ohne Nummernschild, aber mit den erforderlichen Aufklebern an der Windschutzscheibe und einem ausgefuchsten GPS, welches noch das Armaturenbrett auf der Beifahrerseite beanspruchte. Er fuhr die Lehi-Straße hinunter, während ich immer wieder aus dem Fenster starrte.

Es regnete auch heute wieder, die Dattelpalmen an den Boulevards ließen die Köpfe hängen. Tagsüber waren die Straßen alles andere als leer: An den größeren Kreuzungen war Zivilschutz postiert, überall Polizei- und IDF-Streifen und völlig evakuiert war lediglich die Sperrzone rings um das mutmaßliche Aufsetzgebiet.

Morris fuhr in die Neustadt und bog auf die König-David-Straße ab.

Die Evakuierung eines größeren Stadtgebietes ist mehr als nur die Personenbewegung, obgleich sie das natürlich ist, und zwar in einer kaum noch zu kontrollierenden Größenordnung. Manches ist allerdings technischer Natur. Die Schäden, die ein Chronolith verursacht, sind hauptsächlich auf den anfänglichen Kälteschock zurückzuführen, den sogenannten thermischen Impuls. Nahe genug am Monolithen platzt jeder Behälter mit flüssigem Wasser. Hausbesitzern in Jerusalem hatte man geraten, die Wasserleitungen leer laufen zu lassen, und die städtischen Behörden bemühten sich, die Wasserwerke zu schützen, indem sie den Luftdruck in den Kernbereichen absenkten, obwohl das die Brandbekämpfung erschwerte — und Brände waren unausweichlich, wenn flüchtige Flüssigkeiten und Gase Behältern entkamen, die durch die Kälte rissig oder porös wurden. Die Hauptgasleitungen waren schon abgesperrt. Theoretisch hätte jeder Spülkasten und jeder Gasbehälter geleert und jede Propangasflasche weggeschafft sein müssen. Doch ohne lückenlose Kontrolle konnte man solche Maßnahmen nicht garantieren. Und nahe am Ort des Geschehens würde der thermische Impuls jede Flasche Milch in einen lebensgefährlichen Sprengkörper verwandeln.

Ich schwieg, als wir an den geschlossenen Geschäften vorbeifuhren, deren Schaufenster kreuz und quer mit Klebeband gesichert waren; an den finsteren Wolkenkratzern, am König-David-Hotel, das so leblos war wie ein Leichnam.

»Eine leere Stadt ist etwas Unnatürliches«, sagte Morris. »Gottverlassen, wenn Sie wissen, was ich meine.« Er bremste ab, winkte den Soldaten am Kontrollpunkt, die sich die Aufkleber besahen. »Glauben Sie bloß nicht, dass es mir Spaß macht, Ihnen und Sue nachzuspionieren, Scotty.«

»Sollte ich jetzt beruhigt sein?«

»Ich mache lediglich Konversation. Aber Sie müssen doch zugeben, dass es sinnvoll ist. Die Logik ist nicht von der Hand zu weisen.«

»Finden Sie?«

»Sie haben doch Nachhilfe bekommen.«

»Das mit der Koinzidenz? Was Sue eine ›Tau-Turbulenz‹ nennt? Ich weiß nicht, wie viel ich davon glauben soll.«

»Das«, sagte Morris. »Aber auch wie es für Kongress und Regierung aussieht. Zwei unbestreitbare Fakten über die Chronolithen, Scotty. Erstens weiß niemand, wie man sie macht. Zweitens wird die Methode irgendwo ausbaldowert, eben jetzt, während wir uns unterhalten. Also geben wir Sue und ihresgleichen die Mittel, um herauszufinden, wie man so ein Ding baut, und damit tun wir vielleicht genau das Falsche: Das Wissen wird freigesetzt, gerät womöglich in die falschen Hände und vielleicht wäre nichts von alledem passiert, hätten wir die Büchse der Pandora nicht geöffnet.«

»Das ist ein Zirkelschluss.«

»Wird es dadurch falsch? Wollen Sie in der gegenwärtigen Lage eine Möglichkeit ausschließen, weil sie keinem hübschen, hieb- und stichfesten Syllogismus folgt?«

Ich zuckte die Achseln.

Er sagte: »Ich will mich nicht für die Art und Weise entschuldigen, wie wir Ihre Vergangenheit durchleuchtet haben. Das gehört zu den Dingen, die man bei einem nationalen Notstand einfach tut, das ist wie Menschen einberufen oder Lebensmittel requirieren.«

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21

Slouching towards Bethlehem to be born ist ein Zitat aus dem Gedicht The Second Coming (1919) von William Butler Yeats: Gemeint ist das»Tier«, das gen Bethlehem trottet (Neues Testament: Offenbarung an Johannes).

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