Ein Hauch von Schnee und Asche: Roman (German Edition)
- Автор: Гэблдон Диана
- Серия: Die Outlander #6
- Год: 2018
- Язык: немецкий
- Год: Knaur eBook
- Жанр: Другие приключения
Электронная книга - «Ein Hauch von Schnee und Asche: Roman (German Edition)». Краткое содержание книги:
»Oh? Nun, warum nicht? Alle anderen schlafen.« Sie hatte sich genüsslich geräkelt, ihn geküsst und ihren kleinen, runden Bauch glatt und hart an den seinen gedrückt.
»Ich doch nicht. Ich meine, natürlich begehrt diese Person dich auch!«, hatte er hastig gesagt, als sie beleidigt ein Stück von ihm zurückwich. Er umarmte sie rasch zur Illustration. »Ich meine – da ist noch jemand.«
»Hmf.« Ihre Stimme war gedämpft, ihr Atem warm an seiner Brust. »Ich werde von vielen begehrt. Ich bin sehr, sehr gut mit meinen Händen.« Sie lieferte ihm eine kurze Demonstration, und er schnappte nach Luft, woraufhin sie zufrieden gluckste.
Rollo, der sie nach draußen begleitet hatte, kroch unter das Bettpodest, rollte sich an seinem gewohnten Platz zusammen und kaute geräuschvoll auf einer juckenden Stelle an seiner Rute herum.
Etwas später lagen sie da, die Felle zurückgeschlagen. Sie hatten das Leder, das vor ihrem Eingang hing, beiseitegezogen, so dass die Hitze des Feuers zu ihnen dringen konnte. Sie lag von ihm abgewandt, und er konnte den Widerschein des Lichtes auf der feuchten, goldenen Haut ihrer Schulter sehen. Sie griff hinter sich und legte eine ihrer flinken Hände auf die seine, ergriff seine Handfläche und drückte sie an ihren Bauch.
»Du solltest dir keine Sorgen machen«, sagte sie ganz leise. »Diese Person begehrt nur dich.«
Er hatte gut geschlafen.
Am Morgen jedoch hatte er am Feuer gesessen und Maismehlbrei gegessen, als Sun Elk, der bereits gegessen hatte, vorbeikam. Er blieb stehen und sah auf Ian hinab.
»Diese Person hat von dir geträumt, Wolfsbruder.«
»Ach ja?«, sagte Ian freundlich. Er spürte, wie die Hitze an seinem Hals hinaufstieg, doch er hielt sein Gesicht entspannt. Die Kahnyen’kehaka schenkten ihren Träumen große Beachtung. Ein guter Traum konnte tagelang für Gesprächsstoff im Langhaus sorgen. Sun Elks Gesichtsausdruck ließ nicht darauf schließen, dass er etwas Gutes von Ian geträumt hatte.
»Dieser Hund da –« Er wies kopfnickend auf Rollo, der mitten im Eingang zu Ians Wohnabteil lag und schnarchte. »Ich habe geträumt, dass er auf dein Bett gesprungen ist und dich an der Kehle gepackt hat.«
Das war ein bedrohlicher Traum. Wenn ein Kahnyen’kehaka an einen solchen Traum glaubte, konnte er sich entschließen, den Hund zu töten, damit er nicht zum Unglücksboten wurde. Aber Ian war kein Kahnyen’kehaka – nicht ganz.
Ian zog beide Augenbrauen hoch und aß weiter. Sun Elk wartete ein paar Sekunden, doch als Ian nichts sagte, nickte er schließlich und wandte sich ab.
»Ahkote’ohskennonton«, sagte Ian. Der Mann drehte sich erwartungsvoll um.
»Diese Person hat auch von dir geträumt.« Sun Elk fixierte ihn scharf. Ian sagte nichts weiter, sondern begann langsam und boshaft zu grinsen.
Sun Elk sah ihn an. Er lächelte weiter. Der andere Mann wandte sich mit einem angewiderten Schnauben ab, doch Ian hatte den schwachen Ausdruck der Beklommenheit in seinem Gesicht erkannt.
»Nun denn.« Ian holte tief Luft. Er schloss kurz die Augen, dann öffnete er sie wieder. »Du weißt ja, dass das Kind gestorben ist, aye?«
Er sagte es ohne jede Emotion in der Stimme. Es war dieser trockene, kontrollierte Tonfall, der ihr das Herz versengte und ihr den Atem nahm, so dass sie als Erwiderung nur nicken konnte.
Doch er hielt diese Beherrschung nicht durch. Er öffnete den Mund, als wollte er etwas sagen, doch plötzlich krampften sich seine großen, knochigen Hände um seine Knie, und er stand stattdessen abrupt auf.
»Aye«, sagte er. »Lass uns aufbrechen. Ich – ich erzähle dir den Rest im Gehen.«
Und das tat er auch. Er hielt ihr resolut den Rücken zugekehrt, während er sie weiter bergauf führte, dann über einen schmalen Grat, um schließlich bergab einem Bachlauf zu folgen, der in einer Reihe kleiner, zauberhafter Wasserfälle in die Tiefe stürzte, die von einem Nebel aus winzigen Regenbögen umhüllt waren.
Works with her Hands war erneut schwanger geworden. Dieses Kind war gestorben, kurz nachdem ihr Bauch sich zu runden begonnen hatte.
»Bei den Kahnyen’kehaka sagt man«, erklärte Ian mit gedämpfter Stimme, während er sich durch einen Vorhang aus einer leuchtend roten Kletterpflanze schob, »dass eine Frau nur empfangen kann, wenn der Geist ihres Mannes mit dem ihren kämpft und ihn besiegt. Wenn sein Geist nicht stark genug ist –« Seine Stimme wurde wieder klar, als er ein Stück der Kletterpflanze abriss, den Ast abbrach, an dem sie hing, und ihn heftig von sich warf. »Dann kann das Kind in ihrem Bauch nicht anwachsen.«
Nach diesem zweiten Verlust hatte der Rat der Medizinmänner die beiden in eine separate Hütte gebracht, um dort zu singen, zu trommeln und mit riesigen, bemalten Masken zu tanzen, die das Böse verjagen sollten, das Ians Geist mit Beschlag belegte – oder Emilys unverhältnismäßig stärkte.
»Als ich die Masken gesehen habe, hätte ich am liebsten gelacht«, sagte Ian. Er drehte sich nicht um; gelbe Blätter verzierten die Schultern seines Lederhemdes und blieben in seinem Haar hängen. »Man nennt sie auch den Rat der komischen Fratzen, und das mit gutem Grund. Aber ich hab’s nicht getan.«
»Ich gehe davon aus, dass Emily auch nicht gelacht hat.« Er ging so schnell, dass sie Mühe hatte, mit ihm Schritt zu halten, obwohl sie fast genauso lange Beine hatte wie er.
»Nein«, sagte er und stieß selbst ein kurzes, bitteres Lachen aus. »Das hat sie nicht.«
Sie hatte die Medizinhütte schweigend und aschfahl an seiner Seite betreten, sie aber mit einem friedvollen Gesicht verlassen und war in derselben Nacht im Bett voll Liebe zu ihm gekommen. Drei Monate lang hatten sie sich zärtlich und eifrig geliebt. Drei weitere Monate hatten sie es mit einem Gefühl wachsender Verzweiflung getan.
»Und dann sind ihre Tage wieder ausgeblieben.«
Er hatte sofort von ihr abgelassen, weil er fürchtete, ein weiteres Unglück zu verursachen. Emily hatte sich nur noch langsam und vorsichtig bewegt und war nicht länger aufs Feld gegangen, sondern im Langhaus geblieben. Dort hatte sie gearbeitet, immerfort gearbeitet, mit ihren Händen. Gewebt, gemahlen, geschnitzt, Löcher in Wampumperlen gebohrt, die Hände unablässig in Bewegung zum Ausgleich für die Reglosigkeit ihres wartenden Körpers.
»Ihre Schwester ist auf die Felder gegangen. Es ist Sitte, dass dies die Frauen tun, verstehst du?« Er hielt inne, um eine Dornenranke mit dem Messer abzuschneiden und den abgeschnittenen Zweig beiseitezuwerfen, damit er nicht zurückschnellte und Brianna im Gesicht traf.
»Looking at the Sky hat uns Essen gebracht. Alle Frauen haben das getan, aber sie am meisten. Sie war ein liebes Mädchen, Karònya.«
Bei diesen Worten verlor er kurz die Stimme, zum ersten Mal im Verlauf seiner schonungslosen Aufzählung der Tatsachen.
»Was ist mit ihr geschehen?« Brianna beschleunigte ihre Schritte ein wenig, als sie am oberen Ende einer grasbewachsenen Böschung auskamen, so dass sie fast mit ihm gleichzog. Er verlangsamte die seinen, drehte sich aber nicht zu ihr um – er hielt das Gesicht nach vorn gerichtet, als stelle er sich einem Feind.
»Verschleppt.« Looking at the Sky war oft länger auf dem Feld geblieben als die anderen Frauen, um zusätzlichen Mais oder Kürbisse für ihre Schwester und Ian zu sammeln, obwohl sie inzwischen selbst ein Kind hatte. Eines Abends kehrte sie nicht zum Langhaus zurück, und als die Dorfbewohner sich auf die Suche nach ihr gemacht hatten, hatten sie weder sie noch das Kind gefunden. Die beiden waren verschwunden und hatten nur einen hellen Mokassin zurückgelassen, der sich am Rand eines Feldes in den Kürbisranken verfangen hatte.
»Abenaki«, sagte Ian kurz angebunden. »Wir haben das Zeichen am nächsten Tag gefunden; es war schon dunkel, als wir angefangen haben, ernsthaft nach ihnen zu suchen.«
Sie hatten eine lange Nacht hindurch gesucht, auf die eine ganze Woche folgte – eine Woche wachsender Angst und Leere –, und Ian war im Morgengrauen des siebten Tages an den Herd seiner Frau zurückgekehrt, um zu erfahren, dass sie wieder eine Fehlgeburt gehabt hatte.