Ein Hauch von Schnee und Asche: Roman (German Edition)
- Автор: Гэблдон Диана
- Серия: Die Outlander #6
- Год: 2018
- Язык: немецкий
- Год: Knaur eBook
- Жанр: Другие приключения
Электронная книга - «Ein Hauch von Schnee und Asche: Roman (German Edition)». Краткое содержание книги:
Bastard, dachte Ian laut und deutlich.
»Also, anfangs sind wir ganz gut miteinander ausgekommen«, erklärte Ian. »Er ist eigentlich ein gutmütiger Mensch, Sun Elk.«
»Eigentlich«, wiederholte Brianna. Sie saß reglos da und betrachtete ihn. »Und uneigentlich?«
Ian rieb sich mit der Hand durch das Haar, so dass es abstand wie die buschigen Stacheln eines Stachelschweins.
»Nun … eigentlich waren wir Freunde, zumindest am Anfang, aye? Brüder sogar; wir haben zum selben Clan gehört.«
»Und eure Freundschaft hat nicht gehalten wegen – wegen deiner Frau?«
Ian seufzte tief.
»Nun, weißt du … Die Kahnyen’kehaka, ihre Vorstellungen von einer Heirat gleichen dem … dem, was man oft auch in den Highlands erlebt. Das heißt, die Eltern haben viel damit zu tun, sie zu arrangieren. Oft beobachten sie schon die Kinder beim Heranwachsen und sehen, ob eventuell ein Junge und ein Mädchen gut zueinanderzupassen scheinen. Und wenn das so ist – und sie den richtigen Clans entstammen –, nun, das ist ein wenig anders, weißt du«, fügte er hinzu und brach dann ab.
»Die Clans?«
»Aye. In den Highlands heiratet man meistens innerhalb seines eigenen Clans, es sei denn, es geht darum, sich mit einem anderen Clan zu verbünden. Aber bei den Irokesen kann man unter keinen Umständen jemanden aus dem eigenen Clan heiraten, und man kann nur in bestimmte Clans einheiraten, nicht in jeden beliebigen.«
»Mama sagt, die Irokesen erinnern sie stark an die Highlander«, sagte Brianna leicht belustigt. »Rücksichtslos, aber unterhaltsam, so hat sie es, glaube ich, formuliert. Abgesehen vielleicht von den Martermethoden und der Sitte, seine Feinde lebendig zu verbrennen.«
»Dann hat deine Mutter aber Onkel Jamies Geschichten über seinen Großvater noch nicht gehört«, erwiderte er mit einem ironischen Lächeln.
»Wen, Lord Lovat?«
»Nein, den anderen – den Roten Jacob. Ein hinterlistiger alter Kerl, hat meine Mutter oft gesagt, und nach allem, was ich von ihm gehört habe, stellt er jeden Irokesen an Grausamkeit weit in den Schatten.« Doch dann tat er dieses Randthema mit einer Handbewegung ab und kam wieder auf seine Erklärung zurück.
»Nun gut, als mich die Kahnyen’kehaka aufgenommen und mir einen Namen gegeben haben, hat mich der Wolfsclan adoptiert, aye?«, sagte er und wies zur Erklärung kopfnickend auf Rollo, der die Honigwabe mitsamt der toten Bienen verspeist hatte und sich jetzt sinnierend sämtliche Pfoten leckte.
»Sehr angemessen«, erwiderte sie. »Zu welchem Clan hat Sun Elk gehört?«
»Wolf natürlich. Und Emilys Mutter und Großmutter waren aus dem Schildkröten-Clan. Aber worauf ich hinauswill, ist – wenn ein Junge und ein Mädchen aus den richtigen Clans zueinanderzupassen scheinen, besprechen sich die Mütter – sie nennen auch die Tanten ›Mütter‹«, fügte er hinzu. »Also haben manchmal eine ganze Menge Mütter in der Sache etwas zu sagen. Aber wenn sich alle Mütter und Großmütter und Tanten einig sind, dass es eine gute Partie ist …« Er zuckte mit den Achseln. »Dann heiraten sie.«
Brianna lehnte sich etwas zurück, die Arme um die Knie gelegt.
»Aber du hattest keine Mutter, die für dich hätte sprechen können.«
»Nun ja, ich habe mich schon gefragt, was meine Mutter wohl gesagt hätte, wenn sie dort gewesen wäre«, sagte er und lächelte, obwohl es ihm ernst war.
Brianna, die Ians Mutter einmal begegnet war, lachte bei diesem Gedanken.
»Tante Jenny wäre mit jedem Mohawk fertiggeworden, ob Mann oder Frau«, versicherte sie ihm. »Aber was ist dann geschehen?«
»Ich habe Emily geliebt«, sagte er schlicht. »Und sie hat mich geliebt.«
Diese Tatsache, die innerhalb kürzester Zeit für jeden im Dorf deutlich sichtbar wurde, sorgte für beträchtliches Gerede. Man war allgemein davon ausgegangen, dass Wakyo’teyehsnonsha, das Mädchen, das Ian Emily nannte, Sun Elk heiraten würde, der schon seit seiner Kindheit ein regelmäßiger Besucher am Herdfeuer ihrer Familie gewesen war.
»Aber dann kam das.« Ian breitete die Hände aus und zuckte mit den Achseln. »Sie hat mich geliebt, und das hat sie auch gesagt.«
Als Ian in den Wolfs-Clan aufgenommen worden war, hatte er auch Zieheltern bekommen – die Eltern des Toten, an dessen Stelle er adoptiert worden war. Seine Ziehmutter war von der ganzen Situation etwas überrumpelt worden, doch nachdem sie mit den anderen Frauen darüber diskutiert hatte, war sie zu einer formellen Besprechung zu Tewaktenyonh, Emilys Großmutter, gegangen, die die einflussreichste Frau im ganzen Dorf war.
»Und so haben wir geheiratet.« In ihren besten Kleidern, begleitet von ihren Eltern, hatten die beiden jungen Leute zusammen vor dem ganzen Dorf auf einer Bank gesessen und Körbe ausgetauscht – der seine enthielt Zobel- und Biberfelle und ein Messer als Symbol für seine Bereitschaft, für sie zu jagen und sie zu beschützen; der ihre Getreide, Früchte und Gemüse als Symbol für ihre Bereitschaft, für ihn zu pflanzen, zu ernten und zu sorgen.
»Und vier Monate später«, fügte Ian hinzu, »hat Sun Elk Emilys Schwester Looking at the Sky geheiratet.«
Brianna zog ihre Augenbraue hoch.
»Aber …?«
»Aye, aber.«
Ian besaß das Gewehr, das Jamie ihm dagelassen hatte, für die Indianer ein seltener und wertvoller Gegenstand, und er wusste, wie man es benutzte. Außerdem wusste er, wie man eine Spur verfolgte, wie man einen Hinterhalt legte und wie man sich in die Gedanken eines Tieres versetzte; weitere wertvolle Dinge aus Onkel Jamies Hinterlassenschaft.
Demzufolge war er einer der besten Jäger und erntete rasch Respekt für seine Fähigkeiten bei der Fleischbeschaffung. Sun Elk war ein brauchbarer Jäger – nicht der beste, aber kompetent. Die jungen Männer machten oft Witze und Bemerkungen, mit denen sie sich über die Fähigkeiten der anderen lustig machten; er selbst tat das ebenfalls. Doch Sun Elks Witze über Ian hatten einen Unterton, bei dem ihm ab und zu einer der anderen Männer einen scharfen Blick zuwarf, um sich dann mit einem kaum merklichen Achselzucken wieder abzuwenden.
Eigentlich hatte er vorgehabt, den Mann zu ignorieren. Dann hatte er gesehen, wie Sun Elk Wakyo’teyehsnonsha ansah, und ihm war schlagartig alles klargeworden.
Es war an einem Spätsommertag, und sie war mit ein paar anderen jungen Frauen unterwegs in den Wald gewesen. Sie hatten Körbe zum Sammeln dabei; Wakyo’teyehsnonsha hatte eine Axt in ihrem Gürtel stecken. Eine der anderen Frauen hatte sie gefragt, ob sie nach Holz für eine weitere Schale wie die suchen wollte, die sie für ihre Mutter gemacht hatte; Works with her Hands hatte – mit einem raschen, warmen Blick auf Ian, der mit den anderen jungen Männern danebensaß – gesagt, nein, sie hoffe, einen schönen Lebensbaum zu finden, um aus dem Holz eine Babytrage zu machen.
Die Frauen hatten gekichert und Wakyo’teyehsnonsha umarmt; die jungen Männer hatten gegrinst und Ian vielsagend zwischen die Rippen gestoßen. Und dann war Ians Blick auf Sun Elk gefallen, dessen heiße Augen gebannt auf Emilys geraden Rücken starrten, als sie sich entfernte.
Innerhalb eines Mondes war Sun Elk in das Langhaus gezogen, als Mann der Schwester seiner Frau, Looking at the Sky. Die Abteile der Schwestern lagen einander gegenüber; sie hatten ein gemeinsames Herdfeuer. Ian war nur noch selten aufgefallen, wie Sun Elk Emily ansah – aber er hatte ihn viel zu oft den Kopf mit Bedacht abwenden sehen.
»Da ist eine Person, die dich begehrt«, hatte er eines Nachts zu Emily gesagt. Die Stunde des Wolfs war lange vorbei, es war tiefe Nacht, und rings um sie herum schlief das Langhaus. Das Kind, das sie unter dem Herzen trug, zwang sie, aufzustehen und Wasser zu lassen; als sie in ihr Pelzlager zurückkehrte, war ihre Haut frostig gewesen, und ihr Haar hatte frisch nach Kiefern geduftet.