Das flammende Kreuz: Roman (German Edition)
- Автор: Гэблдон Диана
- Серия: Die Outlander #5
- Год: 2015
- Язык: немецкий
- Год: Knaur eBook
- Жанр: Другие приключения
Электронная книга - «Das flammende Kreuz: Roman (German Edition)». Краткое содержание книги:
Dann war das Schwierigste vorbei, und die Zeit setzte sich wieder in Bewegung. Es gelang mir, beruhigend auf David einzureden, der das Ganze tapfer überstanden hatte; er nickte, und obwohl er die Zähne zusammengebissen hatte und seine Wangen tränennass waren, versuchte er zaghaft zu lächeln, als ich ihm sagte, dass es überstanden war. Er schrie, als ich die Wunden mit Alkohollösung ausspülte – das taten sie alle; sie kamen nicht dagegen an, die armen Kerle –, doch als ich die chirurgischen Einschnitte nähte und seine Wunden verband, sackte er zitternd zurück.
Hierzu bedurfte es keines großen Könnens; ich konnte meine Aufmerksamkeit wandern lassen, und allmählich wurde mir bewusst, dass einige der Männer in meinem Rücken über die Schlacht diskutierten und voll des Lobes für Gouverneur Tryon waren.
»Dann hast du es also gesehen?«, fragte einer mit Feuereifer. »Hat er wirklich getan, was sie sagen?«
»Der Teufel soll mich holen, wenn es nicht so war«, erwiderte sein Kamerad herablassend. »Ich habe es doch schließlich mit eigenen Augen gesehen. Er ist bis auf dreihundert Fuß an die Schufte herangeritten und hat ihnen von Angesicht zu Angesicht befohlen, sich zu ergeben. Eine Minute lang kam keine Antwort, und sie haben sich nur gegenseitig angeschaut, um zu sehen, wer wohl für sie sprechen würde, und dann ruft einer, nein, verdammt, sie würden sich nicht ergeben. Also macht der Gouverneur ein finsteres Gesicht wie eine Gewitterwolke, lässt sein Pferd steigen und hebt sein Schwert, dann lässt er es sinken und ruft: ›Feuert auf sie!‹«
»Und habt ihr das getan?«
»Nein, haben wir nicht«, warf eine andere, etwas gebildetere Stimme in ausgesprochen trockenem Ton ein. »Kannst du uns das verdenken? Ein Handgeld von vierzig Shilling für jeden, der sich der Miliz anschließt, ist eine Sache, aber kaltblütig auf jemanden zu feuern, den man kennt, ist etwas anderes. Ich habe zur anderen Seite geblickt, und wen sehe ich da? Grinst mich doch der Vetter meiner Frau an! Ich will ja nicht behaupten, dass ich den Schlingel besonders gut leiden kann, und der Rest der Familie auch nicht, aber wie soll ich denn nach Hause gehen und meiner Sally sagen, dass ich gerade einen Haufen Löcher in ihren Vetter Millard geschossen habe?«
»Besser, als wenn Vetter Millard dir denselben Gefallen tut«, sagte die erste Stimme mit einem hörbaren Grinsen, und der dritte Mann lachte.
»Stimmt«, sagte er. »Aber wir haben nicht gewartet, bis es dazu kam. Der Gouverneur ist rot geworden wie ein Truthahn, als seine Männer gezögert haben. Er hat sich mit hoch erhobenem Schwert in die Steigbügel gestellt, uns alle angefunkelt und gebrüllt: ›Feuer verdammt! Feuert auf sie, sonst feuert auf mich!‹«
Der Erzähler gestaltete seine Wiedergabe dieses Ereignisses sehr lebendig, und unter seinen Zuschauern erscholl bewunderndes Gemurmel.
»Das ist noch einmal ein Soldat!«, sagte eine Stimme, gefolgt von allgemeinem Beifallsgebrumm.
»Also haben wir gefeuert«, sagte der Erzähler mit einem schwachen Achselzucken in der Stimme. »Hat nicht besonders lange gedauert, als wir einmal dabei waren. Wie es aussieht, ist Vetter Millard ziemlich schnell, wenn er einmal losläuft. Der Schuft ist heil davongekommen.«
Darauf folgte weiteres Gelächter, und ich lächelte und klopfte David auf die Schulter. Er hörte ebenfalls zu, denn die Unterhaltung war ihm eine willkommene Ablenkung.
»Nein, Sir«, pflichtete ein anderer bei. »Aber ich glaube, diesmal will Tryon sichergehen, dass er der Sieger ist. Habe gehört, dass er die Anführer der Regulatoren auf dem Feld hängen will.«
»Dass er was?« Bei diesen Worten wirbelte ich herum, den Verband noch in der Hand.
Die kleine Männergruppe blinzelte mich überrascht an.
»Ja, Ma’am«, sagte einer der Männer und tippte sich befangen an den Hut. »Ein Mann aus Lillingtons Brigade hat es mir erzählt; er war unterwegs, um sich den Spaß anzusehen.«
»Spaß«, murmelte ein anderer und bekreuzigte sich.
»Es wäre eine Schande, wenn er den Quäker hängt«, äußerte ein anderer, dessen Gesicht im Schatten lag. »Der alte Husband mag ja gedruckt eine Landplage sein, aber er ist kein übler Kerl. James Hunter und Ninian Hamilton auch nicht.«
»Vielleicht hängt er ja Vetter Millard«, meinte ein anderer und stieß seinen Nachbarn grinsend an. »Dann bist du ihn los, und deine Frau kann es dem Gouverneur vorwerfen!«
Es ertönte eine Lachsalve, jedoch gedämpft. Ich wandte mich wieder meiner Arbeit zu und konzentrierte mich voll und ganz darauf, um das Bild dessen zu verdrängen, was sich in diesem Moment auf dem Schlachtfeld abspielte.
Ein Krieg war etwas Furchtbares, selbst wenn er unvermeidlich war. Kaltblütige Rache durch den Sieger war noch schlimmer. Und doch war sie aus Tryons Perspektive möglicherweise ebenfalls unvermeidlich. Die Schlacht war relativ rasch vorbei gewesen und hatte relativ wenige Opfer gefordert. Ich hatte nur etwa zwanzig Verwundete in meiner Obhut, und ich hatte nur einen Toten gesehen. Natürlich gab es an anderer Stelle bestimmt noch mehr, doch entnahm ich den Kommentaren in meiner Umgebung, dass die Schlacht eine Treibjagd gewesen war, aber kein Gemetzel, da die Milizionäre sich nicht besonders dafür hatten begeistern können, ihre Mitbürger zu meucheln, Vettern oder nicht.
Das bedeutete, dass die meisten Regulatoren unverletzt überlebten. Ich ging davon aus, dass der Gouverneur der Ansicht war, dass eine drastische Geste nottat, um seinen Sieg zu besiegeln, die Überlebenden einzuschüchtern und den schon lange glühenden Docht dieser gefährlichen Bewegung ein für allemal zu löschen.
Es kam Unruhe auf, und ich hörte die Hufe eines Pferdes. Ich blickte auf – neben mir fuhr Briannas Kopf in die Höhe, und ihr Körper spannte sich an – und sah Jamie zurückkommen. Murdo Lindsay saß mit ihm auf dem Pferd. Beide Männer glitten herab, und er schickte Murdo mit der Bitte fort, sich um Gideon zu kümmern. Dann kam er sofort zu mir.
Ich konnte seiner nervösen Miene ansehen, dass er nichts von Roger gehört hatte; er blickte mir ins Gesicht und sah seinerseits die Antwort auf seine Frage darin. Er ließ entmutigt die Schultern sinken, dann richtete er sich gerade auf.
»Ich gehe und suche das Feld ab«, sagte er leise zu mir. »Ich habe bereits alle Kompanien benachrichtigt. Wenn er irgendwo gefunden wird, wird man uns benachrichtigen.«
»Ich gehe mit dir.« Schon zog sich Brianna ihre schmutzige Schürze aus und ballte sie zusammen.
Jamie sah sie an, dann nickte er.
»Aye, ja, natürlich. Nur eine Minute – ich hole Josh, damit er deiner Mutter hilft.«
»Ich mache – mache die Pferde fertig.« Ihre Bewegungen waren schnell und ruckartig und ließen ihre übliche, athletische Eleganz vermissen. Sie ließ die Wasserflasche fallen, die sie in der Hand hatte, und sie brauchte mehrere Versuche, um sie wieder aufzuheben. Ich nahm sie ihr ab, bevor sie sie erneut fallen lassen konnte, und drückte ihr fest die Hand.
Ihr Mundwinkel zuckte, als sie mich ansah; ich ging davon aus, dass es ein Lächeln sein sollte.
»Ihm ist nichts zugestoßen«, sagte sie. »Wir finden ihn schon.«
»Ja«, sagte ich und ließ ihre Hand los. »Ich weiß.«
Ich sah zu, wie sie über die Lichtung eilte, die Hände in ihren gerafften Röcken geballt, und spürte, wie sich das Gewicht meiner Angst löste und wie ein Stein in meinem Bauch versank.
Kapitel 68
Die Vollstreckung
Roger kam langsam zu sich und spürte einen dröhnenden Schmerz und furchtbare Unruhe. Er hatte keine Ahnung, wo er war oder wie er dort hingekommen war, aber er hörte Stimmen, ein Gewirr von Stimmen, von denen sich einige so unterhielten, dass sich ihre Worte ganz knapp seinem Verständnis entzogen, und andere in schrillen Dissonanzen sangen wie die Harpyien. Im ersten Moment hatte er das Gefühl, die Stimmen befänden sich in seinem Kopf. Er konnte sie sehen, kleine, braune Gestalten mit Lederflügeln und scharfen Zähnen, die so heftig aufeinanderprallten, dass hinter seinen Augen kleine Lichterbomben explodierten.