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Krieg und Frieden

Электронная книга - «Krieg und Frieden». Краткое содержание книги:

Die spannenden Schilderungen vom Leben auf den russischen Landgütern und in der Stadt, mit seinen Familienfesten, Bällen, Jagden und Schlittenfahrten, wechseln mit Kampfhandlungen, Märschen oder Lagebesprechungen der Schicksalsschlachten von Schöngraben, Austerlitz oder Borodino.
Der atemberaubende Monumentalroman über die schicksalhafte Epoche der Napoleonischen Kriege. Das vielleicht bedeutendste Meisterwerk russischer Erzählkunst in meisterhafter Übersetzung. Über 1600 Seiten voll dramatischer historischer Schilderung.
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Kaum trat die Sonne hinter den Wolken auf einen lichten Streifen am Horizont hervor, so legte sich sogleich der Wind, als wage er nicht, die Pracht dieses nach dem Gewitter doppeltschönen Sommermorgens zu stören. Es tropfte noch von den Bäumen, aber jetzt nur senkrecht – und dann war alles ganz still. Nun stieg die Sonne ganz hervor und zeigte sich am Horizont, verschwand aber sogleich wieder hinter einer langen schmalen Wolke, die über ihr stand. Doch nach ein paar Minuten zeigte sie sich noch leuchtender am oberen Rand der Wolke und zerriß deren Saum. Alles fing an zu leuchten und zu strahlen. Und im selben Augenblick, als sich dieses Licht ergoß, hörte man vorn, wie zur Antwort darauf, die ersten Kanonenschüsse.

Rostow hatte noch nicht Zeit gehabt, sich zu überlegen und festzustellen, wieweit wohl diese Schüsse entfernt seien, als von Witebsk her ein Adjutant des Grafen Ostermann-Tolstoi herangesprengt kam mit dem Befehl, den vorgeschriebenen Weg im Trab vorzurücken.

Die Eskadron überholte die Infanterie und Artillerie, die sich ebenfalls bemühte, schneller vorwärtszukommen, sprengte einen Abhang hinunter, durchquerte ein ödes, von seinen Bewohnern verlassenes Dorf und ritt dann wieder bergauf. Die Pferde kamen in Schweiß, die Leute hatten rote Gesichter.

»Halt! $Richt’t euch!« hörte man vorn das Kommando des Divisionschefs. »Linke Schulter vor! Im Schritt marsch!« kommandierte man vorn.

Die Husaren zogen an der Truppenlinie entlang auf den linken Flügel der Stellung zu und nahmen hinter unsern Ulanen, die in der ersten Linie standen, Aufstellung. Rechts stand unsere Infanterie in dichter Kolonne, das war die Reserve; und über ihr auf dem Berg erblickte man in der schrägen, klaren Morgenbeleuchtung und der hellen, reinen Luft ganz hinten am Horizont unsere Geschütze. Vorn, auf der andern Seite des Tals, standen die feindlichen Kolonnen und Geschütze. Unten hörte man unsere Vorpostenkette schießen, die bereits in den Kampf eingetreten war und ein lustiges Gewehrfeuer gegen den Feind eröffnet hatte.

Bei diesem so lang nicht mehr gehörten Geknatter wurde es Rostow ganz heiter zumute wie bei den Klängen der lustigsten Musik. »Tapp-ta-ta-tapp!« knallten bald gleichzeitig, bald schnell aufeinander die Schüsse. Wieder war alles still, aber gleich darauf fing es von neuem an zu knattern, als trete jemand auf Knallerbsen.

Wohl eine Stunde standen die Husaren auf einem Fleck. Auch das Geschützfeuer war eröffnet worden. Hinter der Eskadron ritt Graf Ostermann mit seinem Gefolge vorbei, hielt an, sprach mit dem Regimentskommandeur und setzte dann seinen Weg zu den Kanonen auf dem Berg fort.

Kurz nachdem Ostermann weggeritten war, hörte man bei den Ulanen das Kommando: »In Kolonne, zur Attacke! – Fertig!« Die Infanterie vor ihnen ließ ihre Züge hinter einander treten, um die Kavallerie durchzulassen. Die Ulanen rührten sich, die Fähnchen an den Lanzen fingen an zu flattern, und im Trabe ging es den Berg hinunter auf die französische Kavallerie zu, die links unterhalb der Anhöhe zum Vorschein kam.

Kaum waren die Ulanen den Abhang hinuntergeritten, als die Husaren den Befehl erhielten, zum Schutz der Batterie am Berg vorzurücken, und während die Husaren den Platz der Ulanen einnahmen, flogen aus der feindlichen Vorpostenkette zischend und pfeifend ferne, ihr Ziel verfehlende Kugeln zu ihnen herüber.

Dieses lange nicht mehr gehörte Pfeifen ermunterte und freute Rostow noch mehr als die Schüsse von vorhin. Er richtete sich hoch im Sattel auf, überschaute das Schlachtfeld, das sich vom Berg aus frei seinem Auge darbot, und folgte mit ganzer Seele dem Vorstürmen der Ulanen. Diese sprengten bis dicht an die französischen Dragoner heran, dann entstand dort ein Knäuel, den ein dichter Pulverrauch verhüllte, und nach etwa fünf Minuten jagten die Ulanen zurück, aber nicht nach der Seite, wo sie gestanden hatten, sondern mehr nach links. Zwischen den orangefarbenen Ulanen auf ihren Füchsen und hinter ihnen her sah man jetzt Scharen von blauen französischen Dragonern auf grauen Pferden.

15

Rostow mit seinem scharfen Jägerauge war einer der ersten gewesen, die diese blauen französischen Dragoner gesehen hatten, die unsere Ulanen verfolgten. Immer näher und näher kamen unsere Ulanen in aufgelösten Scharen und die französischen Dragoner, die ihnen nachsetzten. Schon konnte man sehen, wie diese unten am Berg klein erscheinenden Menschen zusammenstießen, einander nachjagten und mit Armen und Säbeln um sich schlugen.

Wie eine Hetzjagd verfolgte Rostow das, was sich vor seinen Augen abspielte. Instinktmäßig fühlte er, daß, wenn er jetzt mit seinen Husaren über die französischen Dragoner herfiele, diese nicht standhalten könnten. Wenn er aber angreifen wollte, so mußte es gleich geschehen, noch in diesem Augenblick, sonst würde es zu spät sein. Er sah sich um. Der Rittmeister neben ihm hatte die Kavallerie unten ebenfalls nicht aus dem Auge gelassen.

»Andrej Sewastianytsch«, sagte Rostow, »die könnten wir über den Haufen reiten …«

»Das wäre ein forscher Streich«, erwiderte der Rittmeister, »tatsächlich …«

Aber Rostow hörte ihn nicht bis zu Ende an; er gab seinem Pferde die Sporen, sprengte vor seine Eskadron und hatte kaum Zeit gehabt, das Kommando zu erteilen, als schon die ganze Schwadron, die dasselbe Empfinden gehabt hatte wie er, hinter ihm herjagte. Rostow wußte selber nicht, wie und warum er das getan hatte. Er war hier genauso vorgegangen, wie er es auf der Jagd getan hätte, ohne zu denken und zu überlegen. Er hatte gesehen, daß die Dragoner in der Nähe waren, gesehen, wie sie aufgelöst herangaloppierten, gewußt, daß sie nicht standhalten würden, wußte aber auch, daß dies nur ein einziger Augenblick des Vorteils war, der nie wiederkehren würde, wenn man ihn vorübergehen ließ. Die Kugeln hatten ihn so aufmunternd umsaust und umpfiffen, sein Pferd hatte so hitzig vorwärts gedrängt, daß er sich selber nicht mehr hatte zurückhalten können. Er hatte seinem Pferd die Sporen gegeben, das Kommando erteilt, und war im selben Augenblick, als er hinter sich das Hufestampfen seiner losstürmenden Eskadron vernommen hatte, in vollem Trab den Berg hinuntergesprengt, den Dragonern entgegen.

Kaum waren sie den Abhang hinuntergeritten, als ihr Traben unwillkürlich in Galoppieren überging, das immer schneller und schneller wurde, je näher sie ihren Ulanen und den ihnen nachsetzenden französischen Dragonern kamen. Schon waren die Dragoner ganz nahe. Die vordersten machten beim Anblick der Husaren kehrt, die hinteren hielten an. Mit demselben Gefühl, mit dem Rostow auf der Jagd losgaloppierte, um einem Wolf den Weg abzuschneiden, ließ er seinem Donpferd jetzt freien Lauf und jagte quer in die aufgelösten Reihen der französischen Dragoner hinein. Ein Ulan hielt an, ein anderer, der sein Pferd verloren hatte, warf sich auf die Erde, um nicht überritten zu werden. Ein reiterloses Pferd mischte sich unter die Husaren. Fast alle französischen Dragoner hatten die Flucht ergriffen. Rostow faßte einen von ihnen auf einem grauen Pferd ins Auge und jagte ihm nach. Auf dem Weg stieß er auf einen Busch, aber sein braves Pferd trug ihn darüber hinweg. Kaum hatte sich Nikolaj wieder im Sattel zurechtgesetzt, so sah er, daß er in wenigen Augenblicken jenen Feind, den er aufs Korn genommen hatte, eingeholt haben würde. Dieser Franzose, seiner Uniform nach wohl ein Offizier, stürmte in gebückter Haltung auf seinem grauen Pferd dahin, das er mit dem Säbel antrieb. Im nächsten Augenblick prallte Rostows Pferd mit der Brust so gegen das Hinterteil des Dragonerpferdes an, daß dieses beinahe gestürzt wäre, und zu gleicher Zeit zog Rostow, ohne selber zu wissen warum, seinen Säbel und hieb auf den Franzosen ein.

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