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Krieg und Frieden

Электронная книга - «Krieg und Frieden». Краткое содержание книги:

Die spannenden Schilderungen vom Leben auf den russischen Landgütern und in der Stadt, mit seinen Familienfesten, Bällen, Jagden und Schlittenfahrten, wechseln mit Kampfhandlungen, Märschen oder Lagebesprechungen der Schicksalsschlachten von Schöngraben, Austerlitz oder Borodino.
Der atemberaubende Monumentalroman über die schicksalhafte Epoche der Napoleonischen Kriege. Das vielleicht bedeutendste Meisterwerk russischer Erzählkunst in meisterhafter Übersetzung. Über 1600 Seiten voll dramatischer historischer Schilderung.
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So dachte Fürst Andrej, während er den Beratungen zuhörte, und schrak erst dann aus seinen Gedanken auf, als Paulucci ihn anrief und alle bereits auseinandergingen.

Am nächsten Tag bei der Besichtigung fragte der Kaiser den Fürsten Andrej, wo er in den Dienst eintreten möchte, und Fürst Andrej verscherzte sich für immer alles Ansehen in höfischen Kreisen, weil er nicht darum bat, beim Kaiser bleiben zu dürfen, sondern um die Erlaubnis ersuchte, bei der Armee zu dienen.

12

Vor Beginn des Feldzuges hatte Rostow von seinen Eltern einen Brief erhalten, in dem sie ihn in aller Kürze von Nataschas Krankheit und ihrem Bruch mit dem Fürsten Andrej in Kenntnis setzten – sie führten diesen Bruch auf eine Absage Nataschas zurück – und ihn abermals baten, seinen Abschied zu nehmen und nach Hause zu kommen. Als Nikolaj diesen Brief erhielt, machte er gar nicht erst den Versuch, um Urlaub oder Abschied einzukommen, sondern schrieb seinen Eltern, es tue ihm sehr leid, daß Natascha krank und ihre Verlobung zurückgegangen sei, und er werde alles, was ihm möglich sei, tun, um ihren Wunsch zu erfüllen. An Sonja schrieb er besonders.

»Angebetete Freundin meiner Seele«, schrieb er. »Nichts als die Ehre könnte mich von einer Heimkehr aufs Land zurückhalten. Jetzt aber, vor Beginn des Feldzuges, käme ich mir nicht nur vor allen Kameraden, sondern auch vor mir selber entehrt vor, wenn ich mein persönliches Glück der Pflicht und Liebe zum Vaterland vorzöge. Aber es ist unsere letzte Trennung. Glaube mir, sogleich nach dem Krieg, wenn ich dann noch am Leben bin und Du mich noch liebst, werde ich hier alles aufgeben und zu Dir eilen, um Dich auf ewig an mein glühendes Herz zu drücken.«

Und in der Tat hielt nur der Beginn des Feldzuges Rostow davon ab, heimzukehren und Sonja zu heiraten, wie er versprochen hatte. Der Herbst in Otradnoje und der Winter mit seinen Weihnachtsfeiertagen und seiner Liebe zu Sonja hatten ihm einen Ausblick auf ländliches Glück und ländliche Beschaulichkeit eröffnet, der ihm vorher fremd gewesen war und ihn jetzt lockte. Eine prächtige Frau, Kinder, eine brave Meute Hetzhunde, zehn bis zwölf Koppeln flinker Windhunde, die Gutswirtschaft, die Nachbarn, Ehrenämter nach Wahl …, so schwebte ihm sein künftiges Leben vor. Aber jetzt war Krieg, und deshalb mußte er beim Regiment bleiben. Und da es nun einmal so sein mußte, war Nikolaj Rostow seinem Charakter gemäß auch mit diesem Leben, das er beim Regiment führte, zufrieden und wußte es sich angenehm zu machen.

Nachdem er vom Urlaub zurückgekehrt und von seinen Kameraden freudig begrüßt worden war, hatte Rostow sogleich das Kommando erhalten, Remonten auszuheben[136]. Er hatte aus Kleinrußland prächtige Pferde mitgebracht, die ihm selber viel Spaß machten und ihm das Lob seiner Vorgesetzten eintrugen. Während seiner Abwesenheit war er zum Rittmeister befördert worden, und als das Regiment dann ergänzt und verstärkt und auf Kriegsfuß gebracht wurde, erhielt er wieder seine alte Eskadron.

Der Feldzug begann; das Regiment rückte in Polen ein; der Sold wurde verdoppelt; neue Offiziere, neue Mannschaften, neue Pferde trafen ein; vor allem aber verbreitete sich jene angeregt heitere Stimmung, die mit jedem Kriegsausbruch Hand in Hand zu gehen pflegt, und Rostow, der sich seiner bevorzugten Stellung im Regiment wohl bewußt war, gab sich ganz den Freuden und Interessen des Militärdienstes hin, obgleich er wußte, daß er sich früher oder später von ihm zu trennen hatte.

Aus verschiedenen undurchsichtigen, politischen und taktischen Gründen mußten sich die Truppen aus Wilna zurückziehen. Jeden Schritt dieses Rückzuges begleitete ein verworrenes Spiel von Interessen, Schlüssen und Leidenschaften im Hauptquartier. Doch für die Husaren des Pawlograder Regimentes war dieser ganze Rückzug, in der besten Jahreszeit und bei genügender Verproviantierung, eine höchst einfache und ergötzliche Sache. Den Kopf hängen lassen, sich beunruhigen und Intrigen spinnen, das konnte man nur im Hauptquartier, bei der Armee aber fragte man nicht einmal danach, wohin man marschierte und warum. Klagte man wirklich einmal darüber, daß es abermals zurückging, so geschah das nur aus dem Grund, weil man ein liebgewordenes Quartier oder ein hübsches Mädchen verlassen mußte. Und wenn es wirklich einem durch den Kopf ging, daß die Sache wohl schlecht stehen müsse, so bemühte er sich, wie es einem braven Soldaten geziemt, erst recht lustig zu sein und nicht an den allgemeinen Gang der Dinge zu denken, sondern nur an das, was ihm am nächsten lag.

Anfänglich hatten sie vergnügt bei Wilna gestanden, Bekanntschaften mit polnischen Gutsbesitzern angeknüpft und Besichtigungen durch den Kaiser und andere hohe Vorgesetzte erwartet und über sich ergehen lassen. Dann war der Befehl zum Rückzug nach Swenziany unter Vernichtung aller Vorräte, die sie nicht mitnehmen konnten, gekommen. Swenziany blieb den Husaren deshalb in Erinnerung, weil es ein richtiges »Sauflager« gewesen war, wie es dann in der ganzen Armee auch genannt wurde, und weil in Swenziany deshalb viele Klagen über die Mannschaften eingelaufen waren, weil die Leute den Befehl, Proviant zu requirieren, ausgenutzt hatten, um den polnischen Pans[137] außer Nahrungsmitteln auch Pferde, Equipagen und Teppiche wegzunehmen. Rostow vergaß Swenziany deshalb nicht, weil er gleich am ersten Tag ihres Einrückens in dieses Städtchen seinen Wachtmeister wechseln mußte und mit den Leuten seiner Eskadron, die ohne sein Wissen fünf Fässer alten Bieres beiseitegebracht hatten, nicht fertig werden konnte, da sie alle betrunken waren. Von Swenziany hatten sie sich dann weiter und weiter bis zur Drissa zurückgezogen, und von der Drissa noch weiter rückwärts und näherten sich nun wieder den russischen Grenzen.

Am 13. Juli kamen die Pawlograder zum erstenmal ernstlich ins Gefecht. In der Nacht vom 12. zum 13. hatte ein furchtbarer Sturm mit Regen- und Hagelschauern gehaust, wie überhaupt der Sommer des Jahres 1812 merkwürdig reich an Stürmen war.

Zwei Schwadronen des Pawlograder Regimentes hatten ihr nächtliches Feldlager inmitten eines Roggenfeldes aufgeschlagen, das schon fast zur Ernte reif gewesen, nun aber durch Ochsen und Pferde gänzlich zerstampft worden war. Es goß in Strömen, und Rostow saß mit einem jungen, von ihm protegierten Offizier namens Iljin unter einem in aller Eile errichteten Unterstand. Ein Offizier seines Regimentes mit einem langen, bis über die Backen reichenden Schnurrbart, der zum Stabe geritten und vom Regen überrascht worden war, trat bei Rostow unter.

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136

Remonten auszuheben: Pferde für das Militär zu beschaffen.

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137

den polnischen Pans: Pan (poln.), Herr.

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