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Ein Hauch von Schnee und Asche: Roman (German Edition)

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Ein Hauch von Schnee und Asche: Roman (German Edition)
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Daher stahl ich mich auf Strümpfen nach unten, die Schuhe in der Hand. Und anstatt durch die Haustür zu gehen, deren Scharniere quietschten, oder durch die Küche, wo Mrs. Bug arbeitete, schlüpfte ich in mein Sprechzimmer, öffnete das Fenster, und kletterte vorsichtig hinaus – nachdem ich mich vergewissert hatte, dass sich die weiße Sau nicht unten herumtrieb.

Ich fühlte mich wie beschwipst, entwischt zu sein, und dieses Hochgefühl trug mich ein Stück des Weges. Danach war ich gezwungen, alle hundert Meter anzuhalten, mich hinzusetzen und nach Luft zu schnappen, während meine Beine wieder zu Kräften kamen. Doch ich gab nicht auf und schaffte es schließlich zur Hütte der Christies.

Es war niemand zu sehen, und auch auf mein zögerliches »Hallo!« kam keine Antwort, doch als ich an die Tür klopfte, hörte ich, wie mich Toms Stimme schroff und antriebslos hereinbat.

Er saß am Tisch und schrieb, doch seinem Aussehen nach gehörte er dringend ins Bett. Bei meinem Anblick bekam er große Augen und versuchte hastig, sein schäbiges Schultertuch gerade zu ziehen.

»Mrs. Fraser! Seid Ihr – das heißt – was in Gottes Namen …« Der Sprache beraubt, zeigte er mit dem Finger auf mich, und seine Augen waren so groß wie Untertassen. Ich hatte beim Eintreten meinen breitkrempigen Hut ausgezogen und vorübergehend vergessen, dass ich größte Ähnlichkeit mit einer aufgeregten Flaschenbürste hatte.

»Oh«, sagte ich und strich mir befangen mit der Hand über den Kopf. »Das. Ihr solltet Euch freuen; ich versetze die Öffentlichkeit nicht in Entrüstung, indem ich meine wallenden Locken zur Schau stelle.«

»Ihr seht aus wie ein Sträfling«, sagte er unverblümt. »Setzt Euch.«

Das tat ich, denn ich konnte den Hocker, den er mir anbot, nach dem anstrengenden Fußweg gut brauchen.

»Wie geht es Euch?«, erkundigte ich mich und musterte ihn scharf. Das Licht im Inneren der Hütte war sehr schlecht; er hatte beim Schein einer Kerze geschrieben, die er bei meinem Auftauchen gelöscht hatte.

»Wie es mir geht?« Meine Frage schien ihn zugleich zu erstaunen und zu verärgern. »Ihr seid den ganzen Weg hierhergelaufen, in gefährlich geschwächtem Zustand, um Euch nach meiner Gesundheit zu erkundigen?«

»Wenn Ihr es so ausdrücken wollt«, erwiderte ich, schwer verärgert über das »gefährlich geschwächt«. »Ich gehe nicht davon aus, dass Ihr hinaus ins Licht treten möchtet, damit ich einen genauen Blick auf Euch werfen kann, oder?«

Er zog sich die Enden seines Schultertuchs schützend über die Brust.

»Warum?« Er sah mich stirnrunzelnd an, und seine Augenbrauen zogen sich zusammen, was ihm das Aussehen einer aufgebrachten Eule verlieh.

»Weil ich ein paar Dinge über Euren Gesundheitszustand wissen möchte«, erwiderte ich geduldig, »und Euch zu untersuchen, ist wahrscheinlich der beste Weg, sie herauszufinden, da Ihr ja nicht in der Lage zu sein scheint, mir etwas zu erzählen.«

»Ihr seid wirklich unverantwortlich, Madam!«

»Nein, ich bin Ärztin«, konterte ich. »Und ich möchte wissen –« Eine kurze Welle des Schwindels überkam mich, und ich beugte mich über den Tisch und hielt mich fest, bis sie vorüber war.

»Ihr habt den Verstand verloren«, stellte er fest, nachdem er mich einen Moment genau beobachtet hatte. »Außerdem seid Ihr, glaube ich, immer noch krank. Bleibt hier; ich rufe meinen Sohn, damit er Euren Mann holt.«

Ich wedelte ihn mit der Hand weg und holte tief Luft. Mein Herz raste, und ich war ein wenig blass und verschwitzt, aber im Grunde fehlte mir nichts.

»Die Sache ist die, Mr. Christie, dass ich zwar sicherlich krank gewesen bin, aber nicht dieselbe Krankheit hatte wie die Menschen in Fraser’s Ridge – und nach allem, was Malva mir berichten konnte, hattet Ihr sie auch nicht.«

Er hatte sich erhoben, um hinauszugehen und Allan zu rufen; bei diesen Worten blieb er stehen und starrte mich mit offenem Mund an. Dann ließ er sich langsam wieder auf seinen Stuhl sinken.

»Wie meint Ihr das?«

Jetzt, da er mir endlich zuhörte, breitete ich gern die Tatsachen vor ihm aus; ich hatte sie griffbereit, nachdem ich im Lauf der letzten Tage ausführlich darüber nachgedacht hatte.

Es hatten zwar mehrere Familien in Fraser’s Ridge verheerend an Amöbenruhr gelitten, ich jedoch nicht. Ich hatte lebensgefährlich hohes Fieber gehabt, begleitet von schrecklichen Kopfschmerzen und – soweit ich dies Malvas aufgeregtem Bericht entnehmen konnte – Krämpfen. Aber es war mit Sicherheit keine Durchfallerkrankung gewesen.

»Seid Ihr Euch da sicher?« Er spielte stirnrunzelnd mit seinem abgelegten Gänsekiel.

»Es ist sehr schwer, die Ruhr mit fiebrigen Kopfschmerzen zu verwechseln«, sagte ich knapp. »Also – hattet Ihr Durchfall?«

Er zögerte einen Moment, doch dann siegte seine Neugier.

»Nein«, sagte er. »Es war so, wie Ihr gesagt habt – Kopfschmerzen, dass ich dachte, mein Schädel birst, und Fieber. Große Schwäche und … außergewöhnlich unangenehme Träume. Ich hatte keine Ahnung, dass es nicht dieselbe Krankheit war, die die anderen hatten.«

»Dazu gab es auch keinen Grund, nehme ich an. Ihr habt ja keinen von ihnen gesehen. Es sei denn – hat Euch Malva die Krankheit beschrieben?«, fragte ich aus reiner Neugier, doch er schüttelte den Kopf.

»Ich wünsche, nichts von solchen Dingen zu hören; sie erzählt sie mir nicht. Dennoch, warum seid Ihr hier?« Er legte den Kopf schief und kniff die Augen zusammen. »Was ändert es, ob Ihr und ich Fieber hattet anstatt Durchfall. Oder sonst jemand?« Er schien sehr aufgewühlt zu sein; er stand auf und spazierte auf eine ziellose Weise durch die Hütte, die seinen üblichen entschlossenen Bewegungen gar nicht ähnlich war.

Ich seufzte und rieb mir mit der Hand über die Stirn. Ich hatte erfahren, was ich wollte; zu erklären, warum ich es wissen wollte, würde einen Kraftakt bedeuten. Es war schwierig genug gewesen, Jamie, Ian und Malva dazu zu bringen, die Theorie der Krankheitserreger zu akzeptieren, und das, obwohl mir im Mikroskop sichtbare Beweise zur Verfügung standen.

»Seuchen sind ansteckend«, sagte ich ein wenig müde. »Eine Person gibt sie an die nächste weiter – manchmal direkt, manchmal über ein Nahrungsmittel oder Wasser, das sich ein Kranker mit einem Gesunden teilt. Die Menschen, die den Durchfall hatten, leben alle in der Nähe einer bestimmten kleinen Quelle; ich habe Grund zu der Annahme, dass es das Wasser dieser Quelle war, das die Amöben enthielt – das sie krank gemacht hat. Ihr und ich dagegen – ich habe Euch seit Wochen nicht mehr gesehen. Und ich bin auch nicht in die Nähe eines Fieberkranken gekommen. Wie ist es da möglich, dass wir beide dieselbe Krankheit bekommen haben?«

Er starrte mich verblüfft und immer noch stirnrunzelnd an. »Ich wüsste nicht, warum zwei Menschen nicht krank werden sollten, ohne einander zu sehen. Natürlich kenne ich Krankheiten, wie Ihr sie beschreibt; das Gefängnisfieber zum Beispiel breitet sich unter beengten Umständen aus – aber es verhalten sich doch sicherlich nicht alle Krankheiten gleich?«

»Nein, das tun sie nicht«, räumte ich ein. Mein Zustand erlaubte es mir ebenfalls nicht, ihm die Grundlagen der Epidemiologie oder der Hygiene zu erklären. »Es ist zum Beispiel möglich, dass Krankheiten durch Moskitos übertragen werden. Malaria zum Beispiel.« Einige Formen viraler Meningitis ebenfalls – die Krankheit, von der ich vermutlich gerade genesen war.

»Wisst Ihr, ob Ihr in letzter Zeit von einer Mücke gestochen worden seid?«

Er starrte mich an, dann stieß er ein kurzes Bellen aus, das ich als Gelächter interpretierte.

»Meine werte Dame, in diesem schwärenden Klima wird jeder während der heißen Jahreszeit ständig gestochen.« Er kratzte sich wie automatisch am Bart.

Das stimmte. Jeder außer mir und Roger. Hin und wieder unternahm ein verzweifeltes Insekt einen Versuch, doch im Großen und Ganzen blieben wir ungestochen, selbst wenn eine absolute Mückenplage herrschte und sich ringsum alles kratzte. Ich hegte die Theorie, dass sich blutsaugende Mücken im Lauf der Jahre in solcher Nähe zu den Menschen entwickelt hatten, dass Roger und ich für sie einfach nicht richtig rochen, da wir aus einer zu weit entfernten Zeit stammten. Brianna und Jemmy, die mein Genmaterial besaßen, aber auch Jamies, wurden zwar gestochen, aber nicht so häufig wie die meisten anderen.

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