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Ein Hauch von Schnee und Asche: Roman (German Edition)

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Ein Hauch von Schnee und Asche: Roman (German Edition)
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»Ach, nein?« Brown grinste wie ein Totenschädel, ohne den Blick von Jamie abzuwenden, und begann, die Lederpeitsche zu lösen, die zusammengerollt an seinem Sattel hing. »Schade, dass wir keinen Teer haben. Aber sagen wir, eine ordentliche Tracht Prügel, und dann schicken wir sie beide wimmernd und nackt heim zum Gouverneur – das sollte reichen.«

Der zweite Fremde lachte und spuckte noch einmal aus, so dass der Speichelklecks klatschend zu Jamies Füßen landete.

»Aye, das ist gut. Ich höre, Ihr habt in Cross Creek die Menge ganz allein in Schach gehalten, Fraser – jetzt sind wir nur fünf gegen zwei, was haltet ihr von dieser Chance?«

Jamie hielt viel davon. Er ließ die Zügel los, die er in der Hand hatte, machte kehrt, warf sich brüllend zwischen die beiden Pferde und schlug sie auf die Flanken, dann stürzte er sich kopfüber in das Gebüsch am Straßenrand und kroch, so schnell er konnte, auf allen vieren über Wurzeln und Steine davon.

Hinter ihm stiegen die Pferde unter lautem Gewieher und drehten sich auf der Stelle, so dass sich Verwirrung und Angst unter den Pferden der Männer breitmachten; er konnte Wut- und Alarmgeschrei hören, während sie versuchten, ihre durchgehenden Pferde wieder unter Kontrolle zu bekommen.

Er rutschte so schnell eine kleine Böschung hinunter, dass Erde und entwurzelte Pflanzen von seinen Füßen aufspritzten, verlor unten das Gleichgewicht und stürzte, sprang auf und rannte in einen Eichenhain, wo er sich schwer atmend hinter eine Wand aus Schösslingen quetschte.

Jemand war so geistesgegenwärtig – oder so wütend – gewesen, vom Pferd zu springen und ihm zu Fuß zu folgen; er konnte es in seiner Nähe rascheln und fluchen hören, lauter als die schwächeren Ausrufe des Durcheinanders auf der Straße. Er warf einen vorsichtigen Blick durch das Laub und sah Richard Brown. Zerzaust und ohne Hut sah er sich mit wilden Blicken um, die Pistole in der Hand.

Jeder Gedanke an eine Konfrontation verschwand; bis auf ein kleines Messer in seinem Strumpf war er unbewaffnet, und ihm war klar, dass Brown ihn auf der Stelle erschießen und auf Notwehr plädieren würde, wenn ihn die anderen fanden.

Am oberen Ende sah er etwas Rotes aufleuchten. Brown, der sich gerade in dieselbe Richtung wandte, sah es ebenfalls und feuerte. Woraufhin Donald MacDonald, der seinen Rock vorausschauend an einen Baum gehängt hatte, in Hemdsärmeln hinter Richard Brown aus seiner Deckung trat und Brown mit einem stabilen Ast auf den Kopf schlug.

Brown fiel betäubt auf die Knie, und Jamie glitt aus dem Hain und winkte MacDonald, der ihm mit aller Kraft entgegenrannte. Zusammen begaben sie sich tiefer in den Wald und warteten an einem Bach, bis eine lange Stille aus der Richtung der Straße darauf hindeutete, dass es wahrscheinlich ungefährlich war, einen Blick auf die Lage zu werfen.

Die Männer waren fort. MacDonalds Pferd ebenfalls. Gideon zog mit weiß umrandeten Augen und angelegten Ohren die Oberlippe hoch und quietschte sie aggressiv an. Seine gelben Zähne waren entblößt, und der Schaum flog ihm vom Maul. Brown und Konsorten hatten es sich zweimal überlegt, bevor sie ein tollwütiges Pferd stahlen, hatten ihn aber an einen Baum gebunden und es geschafft, sein Zaumzeug zu ruinieren, das ihm in Fetzen um den Hals hing. MacDonalds Schwert lag im Staub. Sie hatten es aus der Scheide gerissen und die Klinge entzweigebrochen.

MacDonald hob die Bruchstücke auf und betrachtete sie einen Moment, dann schob er sie kopfschüttelnd in seinen Gürtel.

»Meint Ihr, Jones könnte es flicken?«, fragte er. »Oder gehe ich besser nach Salisbury?«

»Wilmington oder New Bern«, sagte Jamie und wischte sich mit der Hand über den Mund. »Dai Jones ist nicht kunstfertig genug, um ein Schwert zu flicken. Und nach allem, was ich höre, werdet Ihr in Salisbury nicht viele Freunde finden.« Salisbury war eine Hochburg der Regulatorenbewegung gewesen, und die regierungsfeindliche Stimmung dort hatte nicht nachgelassen. Sein Herz schlug jetzt wieder in seinem normalen Rhythmus, doch er hatte immer noch weiche Knie von seiner Flucht und der Konfrontation mit der Wut der anderen.

MacDonald nickte trostlos, dann heftete er seinen Blick auf Gideon.

»Kann man den reiten?«

»Nein.«

So aufgeregt, wie Gideon war, hätte Jamie es im Moment nicht einmal riskiert, ihn allein zu reiten, geschweige denn zu zweit und ohne Trense. Zumindest hatten sie das Seil an seinem Sattel hängen gelassen. Er schaffte es, dem Hengst eine Schlinge um den Hals zu legen, ohne gebissen zu werden, und sie setzten sich kommentarlos in Bewegung und kehrten zu Fuß nach Fraser’s Ridge zurück.

»Höchst unglücklich«, merkte MacDonald irgendwann nachdenklich an. »Dass sie uns zusammen angetroffen haben. Meint Ihr, damit ist Eure Chance dahin, Euch in ihre Beratungen einzuschleichen? Ich hätte mein linkes Kronjuwel dafür gegeben, ein Auge und ein Ohr in dieser Zusammenkunft zu haben, von der sie gesprochen haben, das kann ich Euch versichern.«

Schwach verwundert begriff Jamie, dass er zwar seine spontane Erklärung abgegeben hatte, vor den Ohren des Mannes, dessen Sache er zu verraten gedachte, und dann beinahe von seinen neuen Verbündeten umgebracht worden wäre, deren Seite er zu unterstützen gedachte – dass ihm aber keine der beiden Seiten geglaubt hatte.

»Fragt Ihr Euch je, wie es sich anhört, wenn Gott lacht, Donald?«, fragte er nachdenklich.

MacDonald spitzte die Lippen und blickte zum Horizont, wo sich dunkle Wolken über den Bergkamm zu schieben begannen.

»Wie Donner, denke ich«, sagte er. »Meint Ihr nicht?«

Jamie schüttelte den Kopf.

»Nein. Ich glaube, es ist nur ein ganz leises Geräusch.«

Kapitel 66

Dunkelheit steigt auf

Ich hörte all die diversen Töne des Haushalts unter mir und das Brummeln von Jamies Stimme im Freien und fühlte mich absolut friedvoll. Ich beobachtete, wie sich das Sonnenlicht draußen auf den gelb werdenden Kastanienbäumen verlagerte, als der Klang von Schritten die Treppe heraufmarschiert kam, rhythmisch und entschlossen.

Die Tür flog auf, und Brianna kam herein, vom Wind zerzaust und mit leuchtendem Gesicht, das allerdings eine stählerne Miene trug. Sie blieb am Fußende meines Bettes stehen, richtete ihren langen Zeigefinger auf mich und sagte: »Es kommt nicht in Frage, dass du stirbst.«

»Oh?«, sagte ich und blinzelte. »Ich wusste gar nicht, dass ich das vorhatte.«

»Du hast es versucht!«, klagte sie mich an. »Das weißt du ganz genau!«

»Na ja, versucht kann man nicht direkt sagen …«, begann ich schwach. Ich hatte zwar nicht direkt versucht zu sterben, aber es stimmte auch, dass ich nicht richtig versucht hatte, es nicht zu tun. Ich muss ein schuldbewusstes Gesicht gemacht haben, denn ihre Augen verengten sich zu blauen Schlitzen.

»Mach das ja nicht noch einmal!«, sagte sie, fuhr mit wirbelndem blauem Umhang herum und stampfte hinaus. An der Tür blieb sie stehen, um mit erstickter Stimme »Weilichdichliebeundesohnedichnichtgeht« zu sagen, bevor sie die Treppe hinunterpolterte.

»Ich liebe dich auch, Schatz!«, rief ich, und die allzeit bereiten Tränen stiegen mir in die Augen, doch es kam keine Antwort außer dem Geräusch der Haustür, die sich schloss.

Adso, der in einem Kegel aus Sonnenlicht zu meinen Füßen auf der Tagesdecke döste, öffnete bei dem Lärm die Augen einen Millimeter breit, dann versenkte er den Kopf wieder zwischen seinen Schultern und schnurrte noch lauter.

Ich legte mich auf das Kissen zurück. Ich fühlte mich zwar um einiges weniger friedvoll, aber sehr viel lebendiger. Einen Moment später setzte ich mich auf, schlug die Bettdecke zurück und schwang die Beine aus dem Bett. Adsos Schnurren verstummte abrupt.

»Keine Sorge«, sagte ich zu ihm. »Ich werde nicht umfallen; deine Versorgung mit Milch und Futter ist gesichert. Halt das Bett für mich warm.«

Natürlich war es nicht das erste Mal, dass ich aufstand, und man hatte mir sogar schon kurze Ausflüge ins Freie gestattet, bei denen ich mit Argusaugen beobachtet wurde. Aber seit meiner Erkrankung hatte mich niemand mehr versuchen lassen, allein irgendwo hinzugehen, und ich war mir einigermaßen sicher, dass sie es auch jetzt nicht zulassen würden.

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