Mephisto
- Автор: Mann Klaus
- Язык: немецкий
- Жанр: Классическая проза
Электронная книга - «Mephisto». Краткое содержание книги:
Der junge Mann trat hinzu, �ber dessen Anwesenheit Hendrik etwas beunruhigt war und der �Sebastian� angeredet wurde. Er unterhielt sich mit Barbara in einem geschwinden, an schwer verst�ndlichen, privaten Anspielungen reichen Jargon, dem Hendrik nur mit M�he folgen konnte. H�fgen stellte bei sich fest, da� dieser Mensch, den Barbara ihren besten Jugendfreund nannte und von dem sie behauptete, er schriebe sch�ne Verse und gescheite Aufs�tze, ihm ausgesprochen unsympathisch war.,Er ist hochm�tig und unausstehlich!' dachte Hendrik, der sich in Sebastians N�he besonders unsicher f�hlte, obwohl dieser liebensw�rdig zu ihm war. Aber gerade diese unverbindliche und ein wenig sp�ttische Liebensw�rdigkeit wirkte verletzend. Sebastian hatte reiches, aschblondes Haar, das ihm in einer dicken Str�hne in die Stirne fiel, und ein fein gezeichnetes, etwas m�des Gesicht mit einer langen, stark vorspringenden Nase und verschleiert blickenden grauen Augen. �Wahrscheinlich ist auch sein Vater ein Professor oder etwas �hnliches', beschlo� Hendrik erbittert.,So ein verw�hnter, geistreicher Bube ist genau der Umgang, von dem Barbara endg�ltig verdorben werden k�nnte.' -
Nach der Mahlzeit sa� man in der Diele zusammen; denn auf der Terrasse war es zu hei� geworden. Frau Bella hielt es f�r ihre Pflicht, �ber Literatur zu sprechen. Sie erz�hlte, da� sie im Z�ge etwas so besonders Nettes gelesen habe, geradezu spannend sei es gewesen, von wem war es denn nur, �na, von unserem Russen, unserem gr��ten!� rief die Arme gequ�lt. �Wie k�nnte ich denn nur den Namen vergessen, wo er doch schon immer mein Lieblingsdichter war!� Nicoletta schlug vor, ob es sich nicht um Tolstoi gehandelt haben m�chte. �Ganz richtig - Tolstoi!� best�tigte Frau Bella erl�st. �Ich sagte doch: Unser Gr��ter - und es war etwas ganz Neues von ihm.� Aber dann stellte sich heraus, da� es eine kleine Dostojewski-Novelle gewesen war, die Mutter H�fgen soviel Freude bereitet hatte. Hendrik war blutrot geworden. Um das Gespr�chsthema zu wechseln und um diesem arroganten Kreise zu beweisen, da� er seine Mutter in peinlichen Situationen nicht im Stiche lie�, plauderte er demonstrativ mit Frau Bella und erinnerte sie, herzlich lachend, an mancherlei Lustiges, was sich in vergangenen Jahren zugetragen hatte. Ja, das war ulkig gewesen, als sie beide - Mutter und Sohn - zur Faschingszeit den gro�en Budenzauber veranstalteten und Papa K�bes erschreckten! Frau Bella maskierte sich als Pascha; der kleine Hendrik - dessen Name damals Heinz gewesen war; aber dies wurde jetzt nicht erw�hnt - als Bajadere. Die ganze Wohnung wurde auf den Kopf gestellt, Papa K�bes traute seinen Augen nicht, als er nach Hause kam. �Mama war die erste, die erkannte, da� ich zum Theater gehen mu�te�, sagte Hendrik und sah die Mutter liebevoll an. �Papa wollte lange nichts davon wissen.� - Dann erz�hlte er die Geschichte, wie seine schauspielerische Laufbahn begonnen hatte. Es war noch w�hrend des Krieges gewesen, 1917, als Hendrik, kaum achtzehn Jahre alt, auf einem St�ck Zeitungspapier eine Annoncefand, aus der hervorging, da� ein Fronttheater im belgischen besetzten Gebiet junge Schauspieler suchte. �Aber an welchem Ort ich diesem schicksalsvollen Zeitungsfetzen begegnet bin�, sagte Hendrik, �das darf ich gar nicht erz�hlen.� Da alle lachten, tat er, als ob er sich sehr heftig sch�men m��te, und brachte nur noch zwischen den H�nden, hinter denen er sein Gesicht verbarg, hervor: �Jaja - ich f�rchte, da� Sie es erraten haben��
�Auf dem Klosett!� jubelte schamlos die Generalin, und ihr gro�es Gel�chter sprang in k�hner Koloratur vom tiefsten Ba� bis hinauf zur silbrigen H�he.
W�hrend die allgemeine Stimmung immer fr�hlicher und animierter wurde, ging Hendrik zu den Anekdoten �ber das Wandertheater �ber, wo er die V�terrollen hatte spielen m�ssen: nun konnte er, ungeniert und heiter, all seine altbew�hrten Piecen3 hervorholen und wieder einmal funkeln lassen; denn in diesem Kreise waren sie ja noch unbekannt. Nur Barbara hatte sie teilweise schon geh�lt, weshalb der Blick, mit dem sie den Erz�hlenden beobachtete, erstaunt und sogar ein klein wenig angewidert wurde. -
Abends kamen einige Freunde, und Hendrik durfte seinen unbezahlten Frack zeigen, der ihm wundervoll stand. Die Tafel war sch�n mit Blumen geschm�ckt; nach dem Braten klopfte der Geheimrat ans Ghampagnerglas und hielt eine Rede. Er begr��te die Anwesenden, vor allem Hendriks Mutter und Schwester - wobei er Frau Bella mit scherzhafter Artigkeit �die andere junge Frau H�fgen� nannte -, und ging dann auf das Problem der Ehe im allgemeinen, auf die Person und die k�nstlerischen Verdienste seines neuen Schwiegersohnes im besonderen ein. Dem Geheimrat, der seine Worte mit Sorgfalt und mit einer liebevollen Geschicklichkeit w�hlte, gelang es, den Schauspieler H�fgen als eine Art von M�r-chenprinzen zu charakterisieren, der, tags�ber unscheinbar, sich des Abends magisch zu verwandeln vermag. �Da sitzt er!� rief Bruckner und deutete mit seinem langen, schmalen Zeigefinger auf Hendrik, der sofort etwas rot wurde. �Da sitzt er, sehen Sie ihn sich nur an! Er scheint ein schlanker junger Mann zu sein - gewi�, sehr stattlich in seinem gut geschnittenen Frack, aber doch relativ unauff�llig. Unauff�llig n�mlich, wenn ich ihn mit der bunten, zauberhaften Figur vergleiche, die abends, im Rampenlicht, auf der B�hne aus ihm wird; Da beginnt er zu strahlen, da wird er unwiderstehlich!� Und der von seinem Thema hingerissene Gelehrte verglich den Schauspieler H�fgen - den er doch niemals auf der Szene gesehen hatte, sondern nur als Rilke-Rezitator kannte - mit einem Gl�hw�rmchen, das sich tags aus schlauer Bescheidenheit �bersehen l��t, um in der Dunkelheit erst recht verf�hrerisch zu gaukeln. Hier lie� Nicoletta ein grelles Lachen h�ren, w�hrend die Generalin mit der Kette klapperte, an der ihre Lorgnette hing.
Der Geheimrat lie� zum Schlu� das junge Paar hochleben. Hendrik k��te Barbaras Hand. �Wie sch�n du aussiehst!� sagte er und l�chelte ihr innig zu. - Barbaras Kleid war aus einer schweren, teefarbenen Seide. Nicoletta hatte es getadelt und behauptet, es sei nicht modisch, sondern ein Phantasiekost�m, dem man seine Herkunft von der Hausschneiderin ansehe. Niemand aber konnte leugnen, da� es Barbara vorz�glich stand. �ber dem breiten Kragen aus alten Spitzen - er war eines der Hochzeitsgeschenke der Generalin - erhob sich in r�hrender Schlankheit ihr br�unlicher Hals. - Das L�cheln, mit dem sie Hendrik antwortete, war ein wenig zerstreut. Ging nicht ihr schw�rzlichblauer, sanfter, pr�fender Blick vorbei an H�fgen, der ihr gegen�berstand? Wem galt dieser Blick, der bek�mmert, aller auch etwas sp�ttisch schien? Hendrik, pl�tzlich irritiert, wandte sich um. Er sah Sebastian, Barbaras Freund: in der schlechten Haltung, die ihm eigen war, mit h�ngenden Schultern und den Kopf nach vorne gestreckt, stand er nur einige Schritte entfernt von dem jungen Paar. Sein Gesicht war betr�bt und zeigte einen angestrengt lauschenden Ausdruck. Auf eine merkw�rdige Art bewegte er die Finger seiner beiden H�nde - so etwa, als wollte er in der Luft Klavier spielen. Was bedeutete dies? Machte er Barbara Zeichen, deren geheimen Sinn nur sie verstehen konnte? Worauf lauschte er denn, der Verha�te? Und warum diese Traurigkeit in seinem Gesicht? Liebte er Barbara? Sicher liebte er sie. Wahrscheinlich hatte er sie heiraten wollen; vielleicht hatte es schon vor Jahren eine kindliche Verlobung gegeben zwischen ihm und ihr. �Nun habe ich ihm alles verdorben!' empfand Hendrik, halb triumphierend, halb entsetzt. �Wie er mich verabscheut!' Er schaute weg von Sebastian und auf die �brigen G�ste - die Freunde dieses ber�hmten Hauses. Da fand er, da� sie alle betr�bte Gesichter hatten. M�nner mit durchgearbeiteten, charaktervollen Mienen - Hendrik hatte ihre Namen bei der Begr��ung nicht verstanden; aber es waren wohl Professoren, Schriftsteller, gro�e �rzte -; ein paar junge Leute, die ihm alle mit Sebastian eine fatale �hnlichkeit zu haben schienen; M�dchen, die in ihren Abendkleidern wie maskiert wirkten - als gingen sie sonst in grauen Flanellhosen, wei�en Laboratoriumskitteln oder gr�nen G�rtnersch�rzen: Hendrik schien es, als mischte sich in den Blicken, die sie auf ihn richteten, Neid mit Hohn. Hatten sie denn alle Barbara geliebt? Nahm er sie ihnen allen weg? War er also der Eindringling, die verd�chtige, unseri�se Figur, mit der man sich ungern und nur aus R�cksicht auf Barbaras r�tselhafte - wahrscheinlich fl�chtige - Laune an einen Tisch setzt? In Wahrheit sprachen diese Menschen �ber hundert neutrale Dinge: �ber ein neues Buch, eine Theatervorstellung oder die politische Lage, die ihnen Sorgen machte. Hendrik aber meinte, sie besch�ftigten sich nur mit ihm; sie spr�chen, l�chelten, spotteten nur �ber ihn.