Бесплатная библиотека
Читайте книгу на сайте или телефоне
Mephisto - Читать Любимую Русскую Полную Книгу 👉 Read-E-Book.com

Mephisto

Электронная книга - «Mephisto». Краткое содержание книги:

Mephisto
1 ... 20 21 22 23 24 25 26 27 28 ... 76
Перейти на страницу:

Barbaras Gro�mutter, die Generalin, erschien erst zum Lunch. Es geh�rte zu den Prinzipien der alten Dame, niemals ein Automobil zu benutzen; die zehn Kilometer, die ihr kleines Gut von der Brucknerschen Villa trennten, legte sie in einer altmodischen gro�en Kalesche zur�ck, und sie versp�tete sich zu allen Familienfesten. Mit einer sch�nen, voll t�nenden Stimme, die sehr tief in den Ba� hinunter und sehr hoch in den Diskant hinauf ging, beklagte sie es, da� sie das Schauspiel auf dem Standesamt vers�umt habe. �Nun, und wie sehen Sie denn aus, mein neuester Enkelsohn?� sagte die aufger�umte Gro�mama und fixierte Hendrik ausf�hrlich durch die Lorgnette-, die ihr an einer langen, mit bl�ulichen Juwelen verzierten Silberkette auf der Brust hing. Hendrik wurde rot und wu�te nicht, wohin er schauen sollte. Die Musterung dauerte lange; �brigens schien sie nicht unvorteilhaft f�r ihn auszufallen. Als die Generalin die Lorgnette endlich sinken lie�, hatte sie ein Lachen, welches silbrig perlte. �Gar nicht �bel!� stellte sie fest, wobei sie beide Arme in die H�ften stemmte. Sie nickte ihm munter zu. In ihrem wei� gepuderten Gesicht f�hrten die sch�nen, dunkelklaren und beweglichen Augen eine noch eindringlichere, kl�gere und st�rkere Sprache als der Mund, wenn er die gro�e Stimme h�ren lie�.

Einer derartig wunderbaren alten Dame war Hendrik seiner Lebtage noch nicht begegnet. Die Generalin imponierte ihm ungeheuer. Sie hatte das Aussehen eines Aristokraten des 18. Jahrhunderts: ihr hochm�tiges, kluges, lustiges und strenges Gesicht war gerahmt von einer grauen Frisur, die �ber den Ohren zu steifen R�llchen gewickelte Locken zeigte. Im Nacken vermutete man einen Zopf: man war erstaunt und ein wenig-entt�uscht, da� er fehlte. In ihrem perlgrauen Sommerkost�m, das am Hals und an den Manschetten mit Spitzenr�schen garniert war, hatte die Generalswitwe eine milit�risch gerade Haltung. Das breite Halsband, das gleich oberhalb der Spitzenr�sche begann und dicht unterhalb des Kinns endigte - eine sch�ne antike Arbeit aus mattem Silber und blauen Steinen, die zu den Juwelen an der klappernden Lorgnettenkette pa�ten -, wirkte an ihr wie ein hoher, steifer, bunt bestickter Uniformkragen.

In jeder Gesellschaft, die sie betrat, regierte die Generalin - sie war es nicht anders gewohnt. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts hatte sie f�r eine der sch�nsten Frauen der deutschen Gesellschaft gegolten, und noch in den beiden ersten Jahrzehnten des 20. war sie gefeiert worden. Alle gro�en Maler der Epoche hatten sie portr�tiert. In ihrem Salon hatten sich die Prinzen und Generale mit. den Dichtern, Komponisten und Malern getroffen. Viele Jahre lang hatte man in M�nchen und in Berlin von der Klugheit und Originalit�t der Generalin beinah ebensoviel gesprochen wie von ihrer Sch�nheit. Da ihr Gatte - er war seit einigen Jahren tot - die Sympathie der allerh�chsten Stellen genossen hatte und �brigens reich gewesen war, verzieh man ihr Ansichten, Gesinnungen und Manieren, die man bei jeder anderen exzentrisch bis zur Anst��igkeit gefunden haben w�rde. Selbst dem Kaiser war ihre Sch�nheit aufgefallen; deshalb durfte sie, schon im Jahre 1900, f�r das Frauen-stimmrecht pl�dieren. Sie konnte den �Zarathustra� auswendig und rezitierte zuweilen aus ihm, zur peinlichen Verwunderung ihrer aristokratischen G�ste, die dies f�r etwas Sozialistisches hielten. Sie hatte Franz Liszt und Richard Wagner gekannt; sie hatte Korrespondenzen mit Henrik Ibsen und Bj�rnstjerne Bj�rnson gef�hrt. Wahrscheinlich war sie gegen die Todesstrafe. Ihrer gro�en Haltung, in der sich eine burschikose Sorglosigkeit mit unangreifbarer W�rde verband, mu�te man alles nachsehen.

Die Generalin machte auf Hendrik einen viel gr��eren Eindruck als der Geheimrat. Nun erst begriff er ganz, was f�r ein gl�nzendes Milieu es war, in das er eintreten durfte. Seine gute Mutter Bella hatte wohl recht gehabt - nur h�tte sie nicht so taktlos darauf anspielen sollen -: angesichts solcher Verwandtschaft w�rden den Spie�ern in K�ln die frechen Redensarten vergehen �ber die angeblich heruntergekommene Familie H�fgen. Auch Barbara stieg noch einmal in Hendriks Achtung, da er feststellte, wie vertraut der Gespr�chston zwischen ihr und dieser blendenden Gro�mama war. Barbara hatte ihre Schulferien und au�erdem beinahe jeden Sonntag auf dem Gute der Generalin verbracht - Hendrik erinnerte sich nun, es geh�rt zu haben. Die unvergleichliche alte Dame hatte ihrem Enkelkinde Dickens oder Tolstoi vorgelesen - es war eine Leidenschaft der Generalin, vorzulesen, und sie tat es mit sch�nem Ausdruck -, oder sie hatten gemeinsame Spazierritte unternommen durch ein Land, das Hendrik sich vornehm wie einen englischen Park und dabei romantisch, waldig, h�gelig, von silbrigen Gew�ssern durchzogen, reich an Schluchten, T�lern, wundervollen Ausblicken vorstellte. Wieder mischte sich Neid in das Entz�cken, mit dem H�fgen an die sch�ne Kindheit Barbaras dachte. Hatte diese sorgenlose Jugend nicht beides gekannt: die vollkommene Kultur und die fast vollkommene Freiheit? Der Alltag in der v�terlichen Villa; die festliche Erholung - die, in ihrer regelm��igen Wiederkehr, auch schon beinahe Alltag war - auf der Besitzung dieser f�rstlichen alten Dame: konnte Hendrik eine Bitterkeit unterdr�cken, wenn er solche Kindheit mit der eigenen verglich?

Denn in K�ln, bei Vater K�bes - der jetzt mit gebrochenem Bein darniederlag - hatte es keinen Park gegeben, keinen Raum mit Teppichen, Bibliothek und Gem�lden; vielmehr muffige Stuben, in denen Bella und Josy munteres Treiben entfalteten, wenn sich G�ste einfanden, jedoch mi�gelaunt und schlampig wurden, wenn die Familie unter sich blieb. Vater K�bes hatte immer Schulden und klagte �ber die Gemeinheit der Welt, wenn die Gl�ubiger ihn dr�ngten. Noch peinlicher als seine schlechte Laune war die �Gem�tlichkeit�, zu der er sich bisweilen, an hohen Feiertagen oder auch ohne besonderen Anla�, pl�tzlich entschlo�. Dann wurde ein �B�wlchen� gebraut, und Papa K�bes forderte die Seinen auf, einen Kanon mit ihm zu singen. Der junge Hendrik aber weigerte sich; er sa� fahl und verbissen in einer Ecke. Sein einziger Gedanke war immer gewesen: 'Ich mu� hinauskommen aus diesem Milieu. Ich mu� dies alles weit, weit, hinter mir lassen�'

,Barbara hat es leicht gehabt', dachte er nun, w�hrend er mit der Generalin Konversation machte.,Alle Wege waren ihr geebnet; sie ist ein typisches Gesch�pf der arrivierten Gro�bourgeoisie. �ber die H�rte des Lebens, die ich schon kenne, wird sie sich wundern m�ssen. Was ich erreichen werde und schon erreicht habe, das verdanke ich alles nur meiner Kraft.' - Nicht ohne Pikiertheit sagte er zu seiner jungen Frau, die ihn an den Tisch gef�hrt hatte, auf dem die Gl�ckwunschtelegramme und Geschenke lagen: �Die Depeschen sind nat�rlich alle f�r dich. Mir telegrafiert niemand.� Barbara lachte - recht sp�ttisch und selbstgef�llig, wie ihm schien -: �Im Gegenteil, Hendrik. - Mehrere Leute haben nur an dich adressiert - zum Beispiel Marder.� Aus dem hohen Sto� von Briefen, Karten und Depeschen suchte sie die Papiere hervor, die f�r Hendrik bestimmt waren. Au�er Theophil Marder, dessen Hochzeitsbotschaft in vieldeutig korrekten, wahrscheinlich h�hnisch gemeinten Wendungen abgefa�t war, hatten ihm noch die kleine Angelika Siebert, die Direktoren Schmilz und Kroge, Hedda von Herzfeld und - wor�ber er sich entsetzte - Juliette gratuliert. Woher waren ihr diese Adresse, dieses Datum bekannt? Hendrik, der bleich geworden war, zerkn�llte den Papierstreifen.

1 ... 20 21 22 23 24 25 26 27 28 ... 76
Перейти на страницу:
0
Сюжет
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
  • 6
  • 7
  • 8
  • 9
  • 10
0
Атмосфера
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
  • 6
  • 7
  • 8
  • 9
  • 10
0
Главный герой
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
  • 6
  • 7
  • 8
  • 9
  • 10
0
Общее впечатление
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
  • 6
  • 7
  • 8
  • 9
  • 10
Итоговая оценка: 0.0 из 10 (голосов: 0 / История оценок)