Mephisto
- Автор: Mann Klaus
- Язык: немецкий
- Жанр: Классическая проза
Электронная книга - «Mephisto». Краткое содержание книги:
Diesem Wortschwall winkte der Geheimrat l�chelnd ab. Aber dann erz�hlte er - als w�re ihm doch daran gelegen, H�fgen von seiner politischen Vorurteilslosigkeit zu �berzeugen - auf seine bed�chtig w�gende, zugleich schn�rkelhaft umst�ndliche und eindringlich anschauliche Art von den bedeutenden Eindr�cken, die seine Reise durch die Sowjetunion ihm gebracht hatte. �Jeder objektiv Beobachtende mu� es feststellen, und wir alle sollten uns an den Gedanken gew�hnen, da� dort dr�ben eine neue Form des menschlichen Zusammenlebens im Entstehen ist�, sagte er langsam und schaute mit seinem blauen Blick in die Ferne, als s�he er dort die gro�en und ersch�tternden Dinge, die in jenem Land Ereignis wurden. Mit Strenge sagte er noch: �Diesen Tatbestand bestreiten nur noch Narren oder L�gner.� Dann pl�tzlich �nderte er den Ton; bat, man m�ge ihm die Sch�ssel mit den Himbeeren reichen, und noch w�hrend er sich bediente, sagte er, das beinah schelmisch l�chelnde Gesicht ein wenig schief gehalten - wie er es zuweilen tat -: �Mi�verstehen Sie mich nicht, lieber Herr H�fgen: Nat�rlich ist diese Welt mir fremd - nur gar zu fremd, wie ich f�rchte. Aber mu� das bedeuten, da� ich ohne Gef�hl bin f�r ihre zukunftstr�chtige Gr��e?� W�hrend er dies aussprach, nickte er Barbara zu, die ihm die Sahne gereicht hatte. Hendrik war froh, sich seinerseits wieder h�ren lassen zu d�rfen. F�r die Einzelheiten aus dem Leben in Sowjetru�land schien er sich nicht sonderlich zu interessieren; hingegen begann er mit Temperament vom Revolution�ren Theater zu reden und von den Verfolgungen, denen er in Hamburg seitens der Reaktion ausgesetzt war. Er wurde sehr heftig; bezeichnete die Faschisten abwechselnd als �Tiere�, �Teufel� und �Idioten� und erging sich in den zornigsten Redensarten �ber jene Intellektuellen, die aus gemeinem Opportunismus mit dem militanten Nationalismus sympathisierten. �Die sollten alle aufgeh�ngt werden!� rief Hendrik, wobei er sogar auf den Tisch schlug. Der Ge-heimrat sagte, gleichsam beschwichtigend: �Jaja - auch ich habe Unannehmlichkeiten gehabt.� Mit dieser Bemerkung spielte er auf die ber�hmten und skandal�sen Ereignisse an: auf die L�rmszenen, die ihm nationalistische Studenten bereitet hatten, und auf die ordin�ren Angriffe, deren Gegenstand er in der reaktion�ren Presse gewesen war.
Nach der Mahlzeit bat der alte Herr den Schauspieler H�fgen darum, eine Probe seiner Kunst vorzuf�hren. Hendrik, der darauf keineswegs gefa�t gewesen war, wehrte sich lange. Der Geheimrat aber lie� sich gar zu gerne ein wenig unterhalten und am�sieren: wenn sein Kind sich schon einen Kom�dianten, der ein rosa Hemd und ein Monokel trug, zum Gatten nahm, dann wollte er, der Vater, wenigstens eine drollige Darbietung davon profitieren. Hendrik mu�te auf der Diele Rilke-Verse deklamieren; selbst die alte Haush�lterin und der gro�e Hund kamen herbei, um zu lauschen. Zu dem kleinen Auditorium gesellte sich noch Nicoletta, die an der Mahlzeit nicht teilgenommen hatte und vom Geheimrat mit halb ironischer Feierlichkeit begr��t wurde. Hendrik gab sich au�erordentliche M�he, arbeitete mit den raffiniertesten Mitteln, machte seine Sache sehr gut und erntete reichlichen Beifall. Als er mit einem Bruchst�ck aus dem �Cornet� geendigt hatte, sch�ttelte der Geheimrat ihm nicht ohne Bewegtheit die Hand, und Nicoletta, ihrerseits musterhaft artikulierend, lohte seine �blendende Aussprache�. -
Am n�chsten Tage mu�ten die heiden Damen H�fgen, Mutter und Tochter, in Empfang genommen werden. Hendrik sagte zu Barbara, mit der er auf dem Bahnsteig wartete: �Du wirst sehen: Josy f�llt mir um den Hals und erz�hlt, da� sie sich wieder verlobt hat. Es ist schauerlich - sie verlobt sich mindestens jedes halbe Jahr einmal, und mit was f�r Burschen! Wir sind jedesmal froh, wenn die Verbindungen auseinandergehen. Das vorige Mal h�tte es meinen armen Vater fast das Leben gekostet. Der Br�utigam war ein Rennfahrer, er nahm Papa in seinem Wagen mit, und der Ausflug endete im Stra�engraben. Der Rennfahrer ist Gott sei Dank tot, Papa hat sich nur ein Bein gebrochen, aber nat�rlich ist er sehr betr�bt dar�ber, da� er heute nicht mit uns allen hier sein kann��
Es geschah, wie Hendrik prophezeit hatte: Schwester Josy, in einem grellgelben Sommerkleid, das mit roten Blumen bestickt war, sprang leichtf��ig aus dem Zuge - w�hrend die Mama noch im Kupee mit den Handkoffern besch�ftigt war -, fiel ihrem Binder um den Hals und verlangte st�rmisch von ihm, er solle ihr gratulieren; diesmal handle es sich um einen Herrn, der eine gute Stellung am K�lner Rundfunk habe, �Ich werde am Mikrophon singen d�rfen!� jubelte Josy. �Er findet mich sehr begabt, im Herbst heiraten wir, bist du gl�cklich, Heini? - Hendrik!� verbesserte sie sich schnell und schuldbewu�t. �Bist du auch so gl�cklich?� H�fgen sch�ttelte sie ab, als w�re sie ein l�stiges H�ndchen, das ihn ansprang. Er eilte der Mutter zu Hilfe, die aus dem Kupeefenster nach einem Gep�cktr�ger rief. Josy inzwischen k��te Barbara auf beide Wangen. �Fein, dich kennenzulernen�, plapperte sie. �Nat�rlich m�ssen wir uns 'du' sagen - 'Sie', das w�re doch viel zu steif unter Schw�gerinnen. Ich bin so froh, da� Hendrik endlich mal heiratet, bis jetzt habe nur ich mich immerzu verlobt, Hendrik hat dir ja bestimmt erz�hlt, wie schief es das vorige Mal ausgegangen ist, Papas Bein steckt noch immer in Cups, aber Konstantin hat wirklich eine sehr gute Stellung am Rundfunk, wir wollen im Oktober heiraten, gro�artig siehst du aus, Barbara, wo ist denn dein Kleid her, sicher ein echt Pariser Modell.�
Hendrik hatte die Mutter herbeigef�hrt, und sein Gesicht strahlte, als sie Barbara beide H�nde reichte. �Mein liebes, liebes Kind�, sagte Frau H�fgen, wobei ihre Augen ein wenig feucht wurden. Hendrik l�chelte, z�rtlich und stolz. Fr liebte seine Mutter- Barbara begriff es, und sie freute sich. Freilich, manchmal sch�mte er sich ihrer, sie war ihm nicht fein genug, ihre Kleinb�rgerlichkeit schien ihm blamabel. Aber er liebte sie doch: es lie� sich erkennen an seinem freudig belebten Blick und an der Alt, wie er ihren Arm an den seinen pre�te.
Wie �hnlich sie sich sahen, Mutter und Sohn! Von Frau Bella hatte Hendrik die lange, gerade, etwas zu fleischige Nase mit den beweglichen N�stern; den breiten, weichen und sinnlichen Mund; das starke und edle Kinn mit der markanten Kerbe in der Mitte; die weiten, graugr�nen Augen; die hochgew�lbten blonden Brauen, von denen der empfindliche Zug zu den Schl�fen ging. Nur zeigte diese Physiognomie bei der stattlichen und biederen Dame einen anspruchsloseren, bescheideneren Charakter als bei ihrem Sohn: es fehlten die tragischen wie die diabolischen Zeichen. Bei ihr gab es kein Schillern der Augen, und die Lippen hatten kein aasig verf�hrerisches, auch kein r�tselhaft um Mitleid werbendes L�cheln. Frau Bella war eine energische, gutm�tige, famos konservierte Frau von Anfang F�nfzig, mit frischen Farben im sympathisch offenen Gesicht, freundlich gew�lbtem Busen, einer blonden Dauerwellenfrisur unter einem blumengarnierten Strohhut und mit einem leichten Sattel von Sommersprossen auf der Nase.
Der Geheimrat enpfing die Damen an der Gartent�-re mit der gleichen heiteren Feierlichkeit, die er am Tage vorher f�r Hendrik gehabt hatte. Bella und Josy wurden von Barbara nach oben geleitet, wo sie sich geschwind die H�nde waschen und die Nasen pudern wollten. Eine Stunde sp�ter fuhr man in zwei Automobilen zum Standesamt: im Brucknerschen Wagen nahmen, au�er dem Brautpaar, Frau H�fgen und der Geheimrat Platz; in einem Taxi folgten Nicoletta, Josy, die alte Haush�lterin und ein Jugendfreund Barbaras, der Sebastian hie� und �ber dessen Anwesenheit Hendrik etwas verwundert war. Die amtliche Zeremonie war schnell erledigt. Nicoletta und der Geheimrat machten die Trauzeugen; alle waren ziemlich aufgeregt, Frau Bella und die kleine Haush�lterin weinten, w�hrend Josy ein nerv�ses Lachen h�ren lie�. Hendrik beantwortete die Fragen des Standesbeamten mit einer belegten Stimme, wobei seine Augen starr wurden und etwas schielten; Barbara hielt ihren sanft forschenden Blick auf den Mann gerichtet, der da neben ihr stand und der nun, �berraschenderweise, ihr Gatte sein sollte. - Es folgten Gl�ckw�nsche und Umarmungen. Zur allgemeinen �berraschung bat Nicoletta Frau H�fgen mit scharfer Stimme um die Erlaubnis, sie �Tante Bella� nennen zu d�rfen, und da sie es gestattet bekam, k��te sie ihr mit diabolischer Korrektheit die Hand. Das imposante M�dchen war heute vormittag besonders blitzblank und von einer klirrenden Heiterkeit. In ihrem wei�en, panzerartig harten Leinenkleid, zu dem sie einen breiten, grellroten Lacklederg�rtel um die H�ften trug, hielt sie sich sehr gerade. Zu Barbara sagte sie: �Ich bin froh, meine Liebe, da� alles so gut geklappt hat� - eine etwas sinnlose, jedoch mit schneidender Exaktheit vorgebrachte Bemerkung.