Бесплатная библиотека
Читайте книгу на сайте или телефоне
Krieg und Frieden - Читать Любимую Русскую Полную Книгу 👉 Read-E-Book.com

Krieg und Frieden

Электронная книга - «Krieg und Frieden». Краткое содержание книги:

Die spannenden Schilderungen vom Leben auf den russischen Landgütern und in der Stadt, mit seinen Familienfesten, Bällen, Jagden und Schlittenfahrten, wechseln mit Kampfhandlungen, Märschen oder Lagebesprechungen der Schicksalsschlachten von Schöngraben, Austerlitz oder Borodino.
Der atemberaubende Monumentalroman über die schicksalhafte Epoche der Napoleonischen Kriege. Das vielleicht bedeutendste Meisterwerk russischer Erzählkunst in meisterhafter Übersetzung. Über 1600 Seiten voll dramatischer historischer Schilderung.
1 ... 240 241 242 243 244 245 246 247 248 ... 458
Перейти на страницу:

Bei diesem Mittagessen waren Bessières, Caulaincourt und Berthier anwesend.

Napoleon kam Balaschew mit heiterer und freundlicher Miene entgegen. Weder Verlegenheit noch Vorwürfe über sein Aufbrausen am Vormittag machten sich in seinem Gesichtsausdruck bemerkbar, ja, er war im Gegenteil bemüht, Balaschew aufzumuntern. Man merkte deutlich, daß es für Napoleon die Möglichkeit, einen Fehler zu begehen, in seinem Gewissen schon lang nicht mehr gab und daß seiner Ansicht nach alles, was er tat, gut war, und nicht etwa deshalb, weil es mit der allgemeinen Vorstellung von Gut und Böse übereinstimmte, sondern einfach nur darum, weil er es war, der es getan hatte.

Der Kaiser war nach seinem Spazierritt durch Wilna, wo das Volk in Scharen ihn mit Begeisterung begrüßt und begleitet hatte, sehr aufgeräumt. Alle Fenster der Straßen, durch die er geritten war, waren mit Teppichen, Fahnen und seinen Initialen geschmückt gewesen, und die polnischen Damen hatten zu seiner Begrüßung mit Tüchern gewinkt.

Bei Tisch saß Balaschew neben dem Kaiser, und Napoleon behandelte ihn nicht nur freundlich, sondern auf eine Art, als rechne er Balaschew zu seinen Höflingen oder wenigstens zu den Leuten, die an seinen Plänen teilnahmen und sich über seine Erfolge freuen müßten. Unter anderem lenkte er die Unterhaltung auch auf Moskau und fing an, Balaschew über die russische Hauptstadt auszufragen, wie sich ein neugieriger Reisender nach einer fremden Stadt, die er zu besuchen gedenkt, erkundigt, und zwar in der festen Überzeugung, daß sich Balaschew als Russe durch eine solche Wißbegierde geschmeichelt fühlen müsse.

»Wieviel Einwohner hat Moskau? Wieviel Häuser? Ist es wahr, daß man Moskau die heilige Stadt nennt? Wieviel Kirchen gibt es dort?« fragte er.

Und auf die Antwort, daß es dort über zweihundert Kirchen gebe, erwiderte er: »Wozu denn eine solche Masse von Kirchen?«

»Die Russen sind sehr gottesfürchtig«, sagte Balaschew.

»Übrigens sind die vielen Kirchen und Klöster in einem Land immer ein Zeichen für die Rückständigkeit seines Volkes«, bemerkte Napoleon und blickte Caulaincourt an, damit er dieses Urteil bestätigen solle.

Balaschew erlaubte sich untertänigst, dieser Ansicht des französischen Kaisers nicht beizustimmen.

»Jedes Land hat seine Sitten«, sagte er.

»Aber es gibt in ganz Europa nichts, was dem zu vergleichen wäre«, meinte Napoleon.

»Ich bitte Euer Majestät um Verzeihung«, erwiderte Balaschew. »Nicht nur in Rußland, sondern auch in Spanien gibt es eine solche Menge Kirchen und Klöster.«

Diese Antwort Balaschews, die eine Anspielung auf die letzte Niederlage der Franzosen in Spanien[133] enthielt, fand später, als Balaschew davon erzählte, am Hof Kaiser Alexanders großen Beifall. Jetzt aber an der Tafel Napoleons wurde sie wenig gewürdigt und blieb fast unbeachtet.

Aus den gleichgültigen, erstaunten Gesichtern der Herren Marschälle war zu ersehen, daß sie sich darüber nicht klar waren, wohin der Pfeil zielte, den Balaschew, seinem Ton nach zu urteilen, abgeschossen hatte. Wenn das eine Anspielung sein soll, so haben wir sie nicht verstanden oder sie ist nicht gerade sehr geistreich gewesen, war auf den Gesichtern der Marschälle zu lesen. So wenig wurde diese Antwort gewürdigt, daß nicht einmal Napoleon darauf aufmerksam wurde und Balaschew in naiver Weise die Frage vorlegte, über welche Städte von hier aus der direkte Weg nach Moskau führe. Balaschew, der während des ganzen Essens sehr auf seiner Hut war, erwiderte, daß comme tout chemin mène à Rome, tout chemin mène à Moscou, daß es sehr viele Wege gebe, und daß unter der Zahl der verschiedenen Wege da zum Beispiel der Weg über Poltawa sei, den Karl XII. gewählt habe[134]. Während er das sagte, wurde Balaschew unwillkürlich ganz rot vor Vergnügen, weil ihm diese Antwort so gut gelungen war. Aber er hatte noch nicht das letzte Wort »Poltawa« zu Ende gesprochen, als auch Caulaincourt schon wieder anfing, von den Unbequemlichkeiten des Weges von Petersburg nach Moskau zu erzählen und seine Petersburger Erinnerungen anbrachte.

Nach Tisch ging man in das Arbeitszimmer Napoleons, um dort den Kaffee einzunehmen, in jenen selben Raum, der noch vor vier Tagen Kaiser Alexanders Arbeitszimmer gewesen war. Napoleon setzte sich, berührte kaum den Kaffee in der Sèvrestasse und wies Balaschew einen Stuhl neben sich an.

Nach dem Essen überkommt den Menschen meist jene bekannte Gemütsverfassung, die ihn stärker als alle Vernunftbeweise zwingt, mit sich selber zufrieden zu sein und alle Welt für Freunde zu halten. In dieser Stimmung befand sich jetzt Napoleon. Er glaubte sich von Menschen umgeben, die ihn vergötterten, und war fest davon überzeugt, daß auch Balaschew nach diesem Essen sein Freund und Verehrer geworden sei. Er wandte sich an ihn mit einem liebenswürdigen, leicht spöttischen Lächeln.

»Das ist dasselbe Zimmer, wie man mir gesagt hat, in dem auch Kaiser Alexander gearbeitet hat. Ist das nicht merkwürdig, General«, sagte er, augenscheinlich ohne daran zu zweifeln, daß diese Bemerkung seinem Gegenüber angenehm sein müsse, weil sie seine, Napoleons, Überlegenheit über Alexander bewies.

Balaschew vermochte darauf keine Antwort zu geben und senkte schweigend den Kopf.

»Ja, in diesem Zimmer berieten sich vor vier Tagen noch Wintzingerode und Stein«, fuhr Napoleon mit demselben überzeugten, spöttischen Lächeln fort. »Was ich aber nicht begreifen kann«, sagte er, »ist der Umstand, daß Kaiser Alexander alle meine persönlichen Feinde zu sich heranzieht. Ich kann dies einfach nicht … verstehen. Denkt er denn gar nicht daran, daß ich es ebenso machen könnte?« wandte er sich fragend an Balaschew, und diese Erinnerung schien ihn wieder in das Geleise seines Zornes von heute morgen, der noch frisch war, hineinzubringen.

»Mag er erfahren, daß ich das tun werde«, sagte Napoleon, stand auf und schob die Tasse zurück. »Ich werde alle seine Verwandten aus Deutschland vertreiben[135], die Württemberger, die Badener, die Weimarer … sie alle jage ich hinaus. Mag er für sie nur einen Unterschlupf in Rußland bereithalten!«

Balaschew senkte den Kopf und gab durch seine Miene zu erkennen, daß er den Wunsch habe, sich zu empfehlen, und nur aus dem Grund zuhöre, weil er nicht anders könne als das mitanhören, was man zu ihm sage. Doch Napoleon bemerkte seinen Gesichtsausdruck nicht; er wandte sich an Balaschew nicht wie an den Abgesandten seines Feindes, sondern wie an einen Menschen, der ihm jetzt ganz ergeben ist und sich nur über die Demütigung seines ehemaligen Herrn freuen kann.

»Und warum hat Kaiser Alexander das Kommando über seine Truppen angenommen? Wozu das? Der Krieg ist mein Handwerk, seine Aufgabe aber ist, zu regieren und nicht Truppen zu befehligen. Warum hat er sich diese Verantwortung aufgeladen?«

Napoleon zog wieder die Tabaksdose hervor, ging schweigend ein paarmal im Zimmer auf und ab, trat dann plötzlich unerwartet auf Balaschew zu, hob rasch und natürlich und mit leisem Lächeln, überzeugt, daß das, was er vorhatte, nicht nur etwas Wichtiges, sondern auch etwas Angenehmes für Balaschew war, seine Hand zum Gesicht des vierzigjährigen russischen Generals auf, faßte ihn am Ohr und zog leicht daran, wobei er nur mit den Lippen lächelte.

Avoir l’oreille tirée par l’empereur galt am französischen Hof für die größte Ehre und Gnade.

»Eh bien, vous ne dites rien, admirateur et courtisan de l’empereur Alexandre?« sagte er, als käme es ihm komisch vor, daß in seiner Gegenwart jemand einen anderen umschmeichle und bewundere als ihn, Napoleon. »Stehen Pferde für den General bereit?« fügte er dann hinzu und neigte auf Balaschews Verbeugung hin leicht den Kopf. »Geben Sie ihm von meinen Pferden, er wird weit zu reiten haben!«

Der Brief, den Balaschew zurückbrachte, war das letzte Schreiben Napoleons an Alexander. Alle Einzelheiten der Unterredung wurden dem russischen Kaiser mitgeteilt, und der Krieg nahm seinen Anfang.

вернуться

133

die letzte Niederlage der Franzosen in Spanien: nach einer Reihe von Siegen über die Franzosen eroberte die vereinigte spanischenglische Armee unter Wellington am 12. August 1812 Madrid.

вернуться

134

der Weg über Poltawa, den Karl XIl gewählt habe: im Nordischen Krieg hat Karl XII von Schweden gegen Peter den Großen 1709 bei Poltawa in der Ukraine eine vernichtende Niederlage erlitten und »in wenigen Stunden das europäische Ansehen, das ihm seine bisherigen Siege eingetragen hatten, und die schwedische Vormachtstellung an der Ostsee« verloren.

вернуться

135

Ich werde alle seine Verwandten aus Deutschland vertreiben: Marja Fjodorowna, Alexanders I. Mutter, war eine gebürtige Prinzessin von Württemberg, seine beiden Schwestern waren mit deutschen Fürsten verheiratet.

1 ... 240 241 242 243 244 245 246 247 248 ... 458
Перейти на страницу:
0
Сюжет
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
  • 6
  • 7
  • 8
  • 9
  • 10
0
Атмосфера
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
  • 6
  • 7
  • 8
  • 9
  • 10
0
Главный герой
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
  • 6
  • 7
  • 8
  • 9
  • 10
0
Общее впечатление
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
  • 6
  • 7
  • 8
  • 9
  • 10
Итоговая оценка: 0.0 из 10 (голосов: 0 / История оценок)