Der schlaue Urfin und seine Holzsoldaten
- Автор: Волков Александр Мелентьевич
- Серия: smaragdenstadt #2
- Язык: немецкий
- Жанр: Сказки народов мира
Электронная книга - «Der schlaue Urfin und seine Holzsoldaten». Краткое содержание книги:
Kaggi-Karr beging jedoch wieder eine Unvorsichtigkeit, als sie dem Scheuch ihre Wahrnehmungen mitteilte.
Diesem stieg nämlich die eigene Tapferkeit zu Kopf, und eine Kampflust überkam ihn, die seine Strohbrust zu sprengen drohte. Vor dem Turm hatten sich ein paar Menschen versammelt. Bei ihrem Anblick steckte der Scheuch seinen Kopf durch die Gitterstäbe und schrie, man solle mehr Volk herbeiholen, denn er wolle eine Rede halten. Die Nachricht verbreitete sich schnell in der Stadt und auf den anliegenden Farmen. Vor dem Turm versammelte sich eine große Menge, und wenn die Wachen keinen Argwohn schöpften, so war das nur dem Umstand zu verdanken, daß ihre Köpfe aus Holz waren.
Der Scheuch hielt eine zündende Rede. Er erinnerte die Einwohner der Smaragdenstadt an ihr schmachvolles Verhalten während des feindlichen Überfalls, rief sie auf, mutig zu sein und den Eindringlingen Widerstand zu leisten. Dabei vergaß er, was er der Krähe versprochen hatte, und verkündete seinen Zuhörern, daß Elli bereits im Lande der Käuer sei und demnächst ihn und den Eisernen Holzfäller befreien werde. Der Scheuch war so sehr im Gang, daß alle Bemühungen des Holzfällers und der Krähe, seinem Redeschwall ein Ende zu setzen, nichts nützten. Der Strohmann schimpfte fürchterlich und stieß immer heftigere Drohungen gegen Urfin aus. Die Holzköpfe verstanden nicht, was er sagte. Doch da tauchte wie zum Unglück Ruf Bilan auf. Er begriff sofort, daß sich hier eine gute Gelegenheit bot, dem Diktator einen Dienst zu erweisen, wofür dieser ihn gewiß belohnen würde, und befahl seinen Holzsoldaten die Menge auseinanderzujagen.
Dann eilte er in die Stadt und meldete Urfin, daß der Scheuch eine aufrührerische Rede gehalten und die Ankunft Ellis im Wunderland verkündet habe, des Mädchens, das vor einem Jahr die bösen Zauberinnen Gingema und Bastinda vernichtet hatte. Urfin wurde aschfahl im Gesicht, tat aber so, als habe er keine Angst, und befahclass="underline" „Steckt den Meuterer für drei Tage in einen unterirdischen Karzer, das Mädchen Elli aber soll festgenommen und in die Smaragdenstadt gebracht werden, damit ich über sie richte!" Als die Soldaten mit ihren Knüppeln die Menge auseinandergejagt hatten, sagte Kaggi-Karr vorwurfsvoll zum Scheuch: „Schau, was du mit deinem klugen Gehirn angerichtet hast!"
Der Scheuch schlug die Augen nieder. Da schwieg auch die Krähe, denn sie wußte ja, daß sie selber an allem schuld war.
Jetzt mußte man sich überlegen, was in dieser Lage zu tun sei. Aber noch bevor die drei einen Entschluß fassen konnten, hatten Holzsoldaten die Turmtreppe erstiegen. Die ersten zwei flogen, von den Fäusten des Eisernen Holzfällers getroffen, die Stiegen hinunter. Dem Riesen war nicht so leicht beizukommen, die Soldaten mußten Verstärkung holen. Als sie den oberen Teil des Aufgangs verstopft hatten, so daß es einfach keinen Platz mehr gab, wohin sie hätten fallen können, drückten sie. mit ihrer Masse den Eisernen Mann an die Wand und banden ihm die Hände.
Der Scheuch wurde in den Karzer geschafft und an einen Nagel an die Wand gehängt. Er lächelte aber nur geringschätzig und begann Rechenaufgaben im Kopf zu lösen. Kaggi-Karr zerhackte mit ihrem Schnabel die Fesseln des Holzfällers und riet ihm, sich ruhig zu verhalten, bis sie Elli herbeigeholt habe.
„Sonst werden sie dich wieder fesseln! Ich fliege nur schnell in das Land der Käuer. Wenn du wüßtest, wie ich's bedauere . . ."
Was sie bedauerte, hatte die Krähe nicht gesagt, aber der Holzfäller verstand. Sie bedauerte, daß sie ihre Zunge nicht im Zaum gehalten und den unberechenbaren Scheuch in Versuchung geführt hatte.
Drei Wochen mußte Elli auf die Ankunft des Tapferen Löwen warten. Sie war schon ganz
verzweifelt, als sie plötzlich sein donnerartiges Gebrüll im nahen Wald hörte. Sie lief ihm
entgegen, umschlang seinen mächtigen Hals, auf dem die goldene Kette glänzte, die die
Zwinkerer ihm geschenkt hatten, streichelte seine mächtige Mähne, küßte ihn auf den
rauhen Schnurrbart und auf die großen gelben Augen. Der Löwe streckte sich im Gras hin,
scharrte mit den Vordertatzen die Erde und schnurrte glücklich.
„Ach, Elli, Elli, Elli!" wiederholte er in einem fort. „Wie froh bin ich, dich wiederzusehen!
Was macht's, daß ich mir auf dem weiten Weg die Pfoten zerschunden habe . . ."
Elli blickte auf die Tatzen des Löwen, und ihr Herz verkrampfte sich vor Mitleid.
„Wir werden sie heilen, lieber Löwe! Onkel Charlie hat eine wunderbare Salbe aus Nußöl,
sie wird dir bestimmt helfen... "
Der Seemann begrüßte höflich den Löwen, und dieser schloß ihn sogleich in sein Herz. Aus dem Wald kam Totoschka gelaufen, der auf Vögel Jagd gemacht hatte. Die Begegnung zwischen dem Löwen und Totoschka war sehr herzlich. Die beiden reichten sich die Pfoten, und dann tat der riesige Löwe so, als wolle er das Hündchen fressen, worauf dieses sich den Anschein gab, als habe es schreckliche Angst. Gleich darauf begann es um den Löwen herumzutanzen und versuchte, ihn an der Schwanzquaste zu schnappen. Jetzt tat der Löwe, als habe er Angst: Er zog den Schwanz ein und begann sich im Kreise zu drehen.
Elli lachte, daß ihr Tränen in die Augen traten, und Charlie Black rief:
„Bei meinem Holzbein! Das ist das komischste Schauspiel, das ich jemals gesehen habe!"
„Wo bleibt denn Kaggi-Karr?" fragte Elli. „Ist sie nicht mitgekommen?"
„Nein, ich habe die Reise allein gemacht", erwiderte der Löwe. „Als sie mir deine
Botschaft überbracht hatte, sagte sie, sie müsse noch etwas in der Smaragdenstadt
besorgen."
Der Seemann schüttelte mißmutig den Kopf.
„Was will sie denn dort? Ich fürchte, sie wird wieder was anstellen . . ."
„Aber, Onkel, Kaggi-Karr ist ja ein kluger Vogel", nahm Elli die Krähe in Schutz.
„Klug schon", brummte der Seemann, „aber ihre Prahlsucht . . ."
Charlie schmierte die Pfoten des Löwen mit Nußöl ein und verband sie mit weicher Rinde,
was den Schmerz sofort linderte. Der Tapfere kauerte sich ins Gras, und Elli setzte sich
neben ihn und begann sein Fell zu streicheln.
„Wie war's unterwegs?" fragte das Mädchen ihren großen Freund.
„Ich hatte zwei kleine Unannehmlichkeiten und eine große", sagte der Löwe, mit der Pfote
die goldene Halskette glättend. „Ich mußte zweimal über den Fluß schwimmen, dort, wo
damals das Hochwasser war, und dort, wo uns der Scheuch abhanden kam.
Diese Abenteuer habe ich leicht überstanden. Doch das dritte . . . Ach, wenn du wüßtest!"
Der Löwe verzog das Gesicht und stieß einen tiefen Seufzer aus. „Erzähl doch!" rief Elli ungeduldig.
„Von wem konnte die dritte Unannehmlichkeit kommen, wenn nicht von den Säbelzahntigern! Nachdem mir Goodwin aus dem goldenen Tellerchen Mut zu trinken gab, hatte ich vor diesen Ungeheuern keine Angst mehr. Aber ich mußte daran denken, wie ich unversehrt durch ihren Wald komme. Was hätte es auch genutzt, wenn ich wie ein Held im Kampf gefallen wäre, und du, Elli, hättest Wochen und Monate auf mich gewartet? Ich beschloß daher, mich unauffällig durch den Tigerwald zu schleichen. Leise ging ich den Gelben Backsteinweg entlang und träumte nur davon, den gefährlichen Ort - du wirst dich an die Stelle zwischen den Schluchten gewiß noch erinnern - hinter mich zu bringen. Plötzlich hörte ich rechts vor mir ein Schnauben, und als ich den Kopf wandte, funkelten mich zwei glühende Augen aus den Büschen an. Im gleichen Augenblick raschelte es links von mir. Auch dort lauerte der Feind. Ich vergaß meine wunden Pfoten und machte einen Satz, wie ihn wohl noch kein Löwe jemals vollbracht hat. Da sprangen aber auch schon zwei riesige Tiger auf den Weg. Sie wollten mich packen, flogen aber knapp an mir vorbei und prallten aufeinander. Hättet ihr gesehen, wie sie sich rauften! Sie gaben sich wohl gegenseitig die Schuld, daß ihnen die Beute entgangen war . . . Der Wald dröhnte von ihrem Gebrüll, Haarbüschel flogen auf die höchsten Bäume. Ich hatte aber keine Zeit, mich an dem Schauspiel zu ergötzen, und machte, daß ich fortkam. Nun rannte ich, so schnell ich konnte, bis der Tigerwald hinter mir lag. Das war die dritte und größte Unannehmlichkeit, die mir unterwegs zustieß", schloß der Löwe seinen Bericht. Am nächsten Tag kam Kaggi-Karr. Sie sah sehr verstört aus, und Charlie zweifelte nun nicht mehr daran, daß sich seine schlimmsten Befürchtungen bewahrheitet hatten. „Sprich!" sagte er barsch zur Krähe.