Der schlaue Urfin und seine Holzsoldaten
- Автор: Волков Александр Мелентьевич
- Серия: smaragdenstadt #2
- Язык: немецкий
- Жанр: Сказки народов мира
Электронная книга - «Der schlaue Urfin und seine Holzsoldaten». Краткое содержание книги:
Die Gesellschaft lärmte so entsetzlich und das funkensprühende Ungeheuer blickte so grimmig drein, daß die Säbelzahntiger, die am Wegrand in den Büschen lauerten, an allen Gliedern zu zittern begannen, die Schwänze einzogen und ins Dickicht flüchteten. Das nächtliche Unternehmen war von Erfolg gekrönt, und am Morgen erreichten unsere Wanderer den reißenden Fluß, in dem einst der Scheuch fast umgekommen wäre. Hier machten die Erschöpften halt, nahmen etwas zu sich und legten sich hin. Sie waren so müde, daß sie nicht einmal das Zelt auf schlugen.
Sie schliefen lange und erwachten erst am Nachmittag. Es war Zeit, an die Überfahrt zu denken. Da der Löwe viel schwerer war als Charlie, Elli und Totoschka zusammen, umrahmte der Seemann das aufgeblasene Zaubertuch mit vier dicken Baumstämmen, und die Überfahrt ging glatt vonstatten.
Während Charlie das „Floß" auseinandernahm und das Tuch zum Trocknen ausbreitete, schaute sich das Mädchen die Gegend an.
Ein bekannter Ort! Unten am Fluß zog sich das tückische rote Mohnfeld hin, in dem Elli, der Löwe und Totoschka seinerzeit aus ihrem tiefen Schlaf fast nicht mehr erwacht wären. Der Scheuch und der Eiserne Holzfäller hatten damals das Hündchen und seine Herrin auf den Armen hinausgetragen. Der Löwe war ihnen aber zu schwer gewesen, und deshalb zimmerten sie für ihn einen Karren, den Tausende Mäuschen schleppten. Sie waren von der. Mäusekönigin herbeigerufen worden, die der Holzfäller einst aus den Fängen des Wilden Katers befreit hatte.
Elli lächelte, als sie sich daran erinnerte, wie die Mäuschen sich damals anstrengen mußten, und griff nach dem Pfeifchen, das an ihrem Halse hing und das ihr die Mäusekönigin Ramina vor einem Jahr an der gleichen Stelle mit den Worten geschenkt hatte, sie brauche nur hineinzublasen, und im gleichen Augenblick werde sie, die Königin, vor ihr erscheinen. Einmal hatte Elli das Pfeifchen benutzt, als sie sich nach dem Sieg über Bastinda auf dem Rückweg in die Smaragdenstadt verirrt hatte. Ramina, die gleichfalls zur Zunft der Feen gehörte, war damals vor Elli erschienen und hatte ihr geholfen. Später, in Kansas, hatte Elli oft in das Pfeifchen geblasen, aber niemand kam dort auf den Ruf herbeigeeilt, was übrigens kein Wunder war, denn in Kansas geschahen eben keine Wunder.
,Ich möchte gern wissen, ob das Pfeifchen seine Zauberkraft bewahrt haf, dachte Elli. Die Überfahrt über den Fluß erfolgte am Nachmittag. Dann hielten die Wanderer Rat, ob sie gleich weitergehen oder den Abend abwarten sollten. Sie beschlossen, nachts weiterzuziehen, und zwar aus folgenden Gründen: Obwohl die Holzsoldaten bei Nacht ebenso gut sahen wie bei Tage, gewährte die Nacht doch einigen Schutz, zumal, wenn man Seitenwege benutzte. Während die Gesellschaft in einem dichten Wald am Ufer des Flusses ausruhte, machte sich Kaggi-Karr auf, die Umgebung auszukundschaften. Sie war lange weg und kehrte müde, aber gut gelaunt zurück. Zehn Meilen im Umkreis hatte sie weder auf dem Weg noch auf den Farmen einen Holzsoldaten gesehen. Also werde man diese Nacht ungehindert den Gelben Backsteinweg entlang gehen können, folgerte sie.
Der Seemann, der in militärischen Dingen gewitzt war, nahm jedoch an, daß der tückische Urfin tagsüber das Land unbewacht lasse, dafür aber nachts Späher aussende. Deshalb schickte Charlie, als sie ihre Sachen eingepackt hatten, den Löwen voraus, denn dieser konnte ja gut im Finstern sehen.
Der Löwe schlich lautlos auf seinen samtenen Pfoten mit eingezogenen Krallen dahin und spähte aufmerksam nach allen Seiten. Hinter ihm lief Totoschka, der mit seiner feinen Nase in die nächtliche Luft schnupperte.
Kaggi-Karr, die auf der Schulter des Seemanns saß, versank bald in einen tiefen Schlaf, und Elli maßte sie auf ihre Arme nehmen. Bald aber fielen auch ihr vor Müdigkeit die Augen zu, doch sie kämpfte, sich an Charlies Hand haltend, gegen den Schlaf an und schritt tapfer weiter.
Nach mehreren Wegmeilen stutzte der Löwe plötzlich. Totoschka reckte den Kopf und
begann zu schnuppern.
„Ich rieche Farbe und Holz", flüsterte er.
Augenblicklich war Elli hellwach und schmiegte sich ängstlich an Onkel Charlie. Sie mußten nun herausfinden, wie viele Holzsoldaten sich in der Nähe befanden. Waren es zwei oder drei, so konnte man es mit ihnen aufnehmen, waren es aber viele, so mußte man das Feld räumen.
Totoschka drückte sich an die Erde, daß sein schwarzes Fell mit ihr verschmolz, und robbte nach vorn. Wenige Minuten später war er wieder da.
„Dort stehen zwei Soldaten", sagte er, „und irgendeine dritte Figur, die ihnen ähnlich sieht und doch anders ist als sie. Der Mann ist auch aus Holz, nur ist er dünner, und seine Füße sind lang und krumm, während die Arme wie Spinnenbeine aussehen." „Pfui, wie ekelhaft", flüsterte Elli. Totoschka aber fuhr fort:
„Der Mann hat grüne Augen und große, abstehende Ohren. Wahrscheinlich hört er besser als eine Katze. Ich bewegte mich unhörbar, und doch spitzte er sofort die Ohren. Dann wandte er sich ab, und ich schlich mich eilends davon." Kaggi-Karr sagte, das könne niemand anders als ein Polizeimann sein. Charlie überlegte.
„Wir müssen uns in acht nehmen", sagte er. „Mit den Tölpeln von Soldaten sind wir leicht fertig geworden, den Polizisten aber werden wir schwerlich in unsere Hand bekommen. Er wird uns davonlaufen, Alarm schlagen und die ganze Meute auf uns hetzen." Zum Glück gab es in der Nähe dichtes Gestrüpp, das gute Deckung bot. Als unsere Wanderer in die Büsche eindrangen, rissen sie sich an den vielen Stacheln Löcher in die Kleider. Charlie machte sich mit seiner Säge einen Platz für das Zelt frei, und bald versanken der Seemann und Elli in tiefen Schlaf, während der Löwe und Totoschka Wache hielten.
Am Morgen flog Kaggi-Karr die Umgebung auszukundschaften. Zum Mittag war sie wieder zurück. „So ein Pech: Auf allen Wegen stehen Polizisten."
„Was fangen wir nun an?" fragte Elli erschrocken. „Wir können unsere Freunde doch nicht im Stich lassen!" Da sagte Kaggi-Karr:
„In meiner Kindheit hörte ich einmal von meinem Großvater, daß es einen unterirdischen Gang zum Turm gibt. Dieser Gang, sagte er, wird aber schon lange nicht mehr benutzt, weil dort Ungeheuer hausen . . ."
„Ich habe nur vor den Polizisten Angst", rief Elli. „Wenn wir mit den Säbelzahntigern fertig geworden sind, so werden wir uns doch nicht vor unterirdischen Ungeheuern fürchten!"
..Aber wie finden wir diesen Gang?" fragte der Seemann.
„Ich hab eine Idee", rief die Krähe. „Elli soll mit ihrer Zauberpfeife Ramina rufen - die Mäuse treiben sich doch überall herum, sie werden bestimmt auch den unterirdischen Gang kennen."
„Und wenn das Pfeifchen nicht mehr wirkt?" fragte Elli. „Versuchen wir's doch!" schlug Totoschka vor.
Pochenden Herzens blies Elli in die Silberpfeife.
Da raschelte es auf einmal im Gras, und hervor trat Ramina, eine winzige goldene Krone auf dem Kopf.
Im Wunderland hatte das Pfeifchen seine Zauberkraft zurückbekommen. Totoschka wollte sich aus Gewohnheit auf die Maus stürzen, doch Elli packte ihn rechtzeitig am Fell. Die Mäusekönigin sagte: